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Veröffentlicht am 02.12.2020

Ein einnehmendes Buch, in dem die Spannung prickelt

Play
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Klappentext
„Was würdest du tun, wenn es eine App gäbe, die deine Zukunft vorausberechnen kann? Du fütterst sie mit deinen Daten, gewährst Zugang zu deinen Social-Media-Kanälen – und erfährst, wie dein ...


Klappentext
„Was würdest du tun, wenn es eine App gäbe, die deine Zukunft vorausberechnen kann? Du fütterst sie mit deinen Daten, gewährst Zugang zu deinen Social-Media-Kanälen – und erfährst, wie dein Leben verlaufen wird. Jonas weigert sich, das Ergebnis zu akzeptieren. Er ist gerade mit der Schule fertig und kann es kaum erwarten, sein eigenes Leben zu beginnen. Als das Programm ihm vorhersagt, dass er dieselben Fehler wie sein verhasster Vater machen wird, beschließt er, das Schicksal zu durchkreuzen: Sei unberechenbar! Mit der wildfremden Sun trampt er nach Norden und sucht das Abenteuer. Von dem kämpferischen Mädchen lernt er, das Leben selber in die Hand zu nehmen. Aber Sun verfolgt einen eigenen Plan.“

Gestaltung
Mit dem pastellgrünen Hintergrund und der Landschaft, die im Hintergrund verschwimmt, wirkt das Cover sehr idyllisch, aber auch ein wenig geheimnisvoll, da von der Seite Nebel über das Bild zu schwappen scheint. Im Vordergrund sticht durch den großen Anteil Himmel die Zeichnung des Jungenkopfes aus filigranen, schwarzen Linien sehr hervor. Ich finde gerade diese Zeichnung sehr faszinierend, da sie aus vielen Dreiecken besteht und so geometrisch-mathematisch wirkt, aber trotzdem ein plastisch aussehendes Gesicht erschaffen wird.

Meine Meinung
Besonders interessiert hat mich an dem Buch die Andeutung bezüglich eines Charakters, die man im Klappentext lesen kann. In „Play“ geht es um Jonas, der nach der Schule sein ganzes Leben noch vor sich hat. Als eine App ihm seine Zukunft berechnet und voraussagt, er würde dieselben Fehler machen wie sein Vater, beschließt Jonas kurzerhand unberechenbar zu sein. Er trampt mit einem fremden Mädchen namens Sun nach Norden, um Abenteuer zu erleben. Doch Sun verfolgt ganz eigene Ziele…

Die App, die in „Play“ der Auslöser der Geschichte ist, fand ich ziemlich interessant, denn sie kann durch Einblicke in die Social Media Aktivitäten die Zukunft der Menschen berechnen. Würde es eine solche App geben, würde ich sie benutzen wollen? Nachdem ich die Geschichte von Jonas gelesen habe, bin ich froh, dass es eine solche App nicht gibt. Dieses Konzept des Buches hat mir sehr gut gefallen, denn die App übt ihren Reiz aus, aber dadurch, was sie in Jonas und auch Sun auslöst, sieht man Folgen, mit denen man als Leser zunächst nicht gerechnet haben mag.

Besondere Spannung kam für mich auch durch die Andeutung bezüglich Sun aus dem Klappentext auf, denn ich hatte diese immer im Hinterkopf und wurde dann immer mehr und mehr von der Geschichte gefesselt. Sowohl Jonas als auch Sun wollen für die App unberechenbar sein und ihre Zukunft beeinflussen. Dafür Reisen sie per Anhalter in den Norden und dass diese Reise gefährlich werden würde, hätte ich tatsächlich nicht gedacht. Mit fortschreitenden Seiten zieht das Buch den Leser immer weiter in die Geschichte hinein, weil Dinge passieren, die emotional mitreißen, überraschen und eine kribbelige Anspannung erzeugen. Vor allem dann, wenn Gesetze gebrochen werden…

Sun fand ich etwas schwer zu durchschauen und ich brauchte etwas, bis ich mit ihr warm wurde, da ich das Gefühl hatte, als distanziere sie etwas von mir als Leser. Aber im Grunde versucht sie alles, um nicht „durchschnittlich“ zu sein und mit der Erkenntnis konnte ich dann mehr mit Sun anfangen. Jonas war da schon eher mein Typ, weil ich mich ihm näher und verbundener gefühlt habe. Er ist der Ich-Erzähler des Buches und so bekam ich seine Gedanken ungefiltert mit. Dabei fand ich, dass es dem Autor sehr gut gelungen ist, die jugendliche Sprechweise in den Gedanken von Jonas aufzugreifen. Ich hatte wirklich das Gefühl im Kopf eines jungen Mannes kurz nach dem Abi zu stecken.

Fazit
„Play“ ist ein Jugendbuch, das schon von Anfang an eine einnehmende Atmosphäre aufweist und das sich Seite um Seite steigert. Es knistert erst eine unterschwellige Spannung mit, dann entwickelt sie sich weiter und wird in den Text getragen, wodurch man als Leser immer neugieriger wird. Die Handlung hat mich auch mehr als einmal überrascht, vor allem ab dem Punkt als Regeln und Gesetze gebrochen werden und es gefährlich wird… Die Gefahr prickelt in diesem Buch gerdaezu!
5 von 5 Sternen!

Reihen-Infos
Einzelband

Veröffentlicht am 02.12.2020

Beim Lesen hatte ich so viele Gefühle auf einmal in mir!

Wenn ich die Augen schließe
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Beim Lesen hatte ich so viele Gefühle auf einmal in mir!

Klappentext
„Was, wenn du dich an alles erinnern kannst – außer an deine Gefühle?

Diese Frage stellt sich Norah nach einem schweren Autounfall. ...

Beim Lesen hatte ich so viele Gefühle auf einmal in mir!

Klappentext
„Was, wenn du dich an alles erinnern kannst – außer an deine Gefühle?

Diese Frage stellt sich Norah nach einem schweren Autounfall. Zwar erinnert sie sich an die meisten Momente ihres Lebens, aber eben nicht an das, was sie dabei empfunden hat. Liest sie gern? Liebt sie ihren Freund? Findet sie ihre kleine Schwester tatsächlich so nervig? Nur ihren Sandkastenfreund Sam verbindet sie noch mit einem Gefühl. Doch sie hatten seit Jahren keinen Kontakt, weil Norah beliebt wurde und Sam nicht. Während die beiden sich langsam wieder annähern, entwickeln sie eine Ausprobierliste. Und plötzlich fragt sich Norah: War sie vor dem Unfall wirklich sie selbst?“

Gestaltung
An dem Cover gefallen mir vor allem die Farben und die Einbindung dieser in die Covergestaltung. Die Farbkleckse, die aussehen wie auf dickes Papier getropfte Aquarellfarbe, finde ich sehr hübsch. Dabei finde ich es auch gelungen, dass die linke Seite mit gelb beginnt, dann ein Farbverlauf erfolgt und die rechte Seite von rot-pink dominiert wird. Mir gefällt auch, dass das Cover so aussieht als sei es auf dickes Papier gemalt, welches an manchen Stellen mit feinliniger Schreibschrift versehen ist. Das Mädchengesicht und die Schmetterlinge fügen sich ebenfalls optisch toll ein.

Meine Meinung
Von Ava Reed habe ich schon mehrere Geschichten gelesen, die mir alle gut gefallen hatten. Da sich „Wenn ich die Augen schließe“ aber mit dem Thema Mobbing beschäftigt, wollte ich dieses Buch ganz besonders gern lesen. In dem Buch geht es nämlich um Norah, die nach einem Autounfall zwar noch ihre Erinnerungen hat, sich aber nicht an bestimmte, damit verknüpfte Gefühle erinnern kann. Nur ihr Sandkastenfreund Sam löst noch etwas in ihr aus, sodass sie ihn sehen möchte. Allerdings haben die zwei seit Jahren keinen Kontakt mehr, da Norah zu den beliebten Kids in der Schule gehörte und Sam nicht. Nun nähern sich die beiden einander wieder an und Norah beginnt sich zu fragen, wer sie vor dem Unfall eigentlich war und ob sie jetzt nicht viel mehr sie selbst ist…

Sehr gut fand ich die Triggerwarnung zu Beginn des Buches, die mich nochmals auf die Geschichte vorbereitet hat. So war ich gedanklich bereit für „Wenn ich die Augen schließe“. Emotional hat mich das Buch dann aber trotz aller Vorbereitung doch komplett umgehauen und weggefegt. Ich fand gerade die Mobbingsituation und die Thematisierung von Gruppenzwang total bewegend und ergreifend. In meiner Schulzeit habe ich ähnliche Beobachtungen gemacht und hatte beim Lesen des Buches einen richtigen Klos im Hals, weil die Geschichte so nah am Alltag und am echten Leben ist. Norah und Sam mögen fiktive Charaktere sein, aber ihre Geschichte ist so authentisch und echt wie ein Regentropfen auf der Haut.

Besonders gefallen hat mir, dass das Buch trotz der Schwere der Thematik, einen hoffnungsvollen Glanz in sich trägt. Neben dem Mobbing geht es auch um die Folgen, die solche Erlebnisse bei manchen Menschen auslösen können. Es geht auch um Suizidgedanken. Man könnte meinen, dass dies vorrangig düstere, bedrückende Themen sind und ja, so ist es auch. Aber Ava Reed hat es meiner Meinung nach geschafft, hier einen Lichtschein durch das Aufzeigen von Hoffnungsschimmern hereinzubringen. So geht es in „Wenn ich meine Augen schließe“ auch um Mut und Selbstfindung. Es geht darum, dass es Mut erfordert, zu sich selbst und anderen zu stehen. Auf diese Weise zeigt das Buch aber meiner Meinung nach auch auf, dass es überhaupt möglich ist, sich gegen die Ansichten einer Mehrheit zu stellen. Es ist eine Botschaft, die aufmuntert und die vielleicht den ein oder anderen dazu bewegt, mehr für sich und seine Wünsche einzustehen.

Neben all diesen berührenden Themen und den Gefühlen, die das Buch dadurch in mir ausgelöst hat, hat sich besonders eine Figur wie ein Pfeil in mein Herz gebohrt: Sam. Ich habe sowieso eine Schwäche für Figuren mit diesem Namen, aber dieser Sam hat mich mit seinen Erlebnissen total für sich eingenommen. Im Verlauf der Handlung erfuhr ich immer mehr über ihn und seine Vergangenheit und dabei ging er mir wirklich unter die Haut. Ich habe mit ihm gelitten und gebangt und fühlte mich ihm verbunden, weil er so ein authentischer junger Mann ist. Auch Norah fand ich interessant, weil sie durch ihren Unfall eine Veränderung durchlebt und man verschiedene Versionen ihrer Selbst entdecken kann. Die Frage, welches schlussendlich davon die echte Norah ist, hat für mich beim Lesen für sehr viel Spannung gesorgt.

Fazit
Mit „Wenn ich die Augen schließe“ hat Ava Reed ein in meinen Augen berührendes und unglaublich wichtiges Buch geschrieben, denn es greift das Thema Mobbing und dessen Folgen auf. Dies hat die Autorin sehr gefühlsbetont geschildert, sodass ich beim Lesen mehr als einmal zutiefst bewegt und berührt war. Besonders gefallen hat mir der Hoffnungsschimmer, der in dieser Geschichte steckt, denn Ava Reed vermittelt dem Leser, dass es gar nicht viel braucht, um zu sich selbst zu stehen. Es braucht nur ein wenig Mut. Mich hat dieses Buch mitten ins Herz getroffen!
5 von 5 Sternen!

Reihen-Infos
Einzelband

Veröffentlicht am 02.12.2020

Charmantes Kinderbuch mit schönen Illustrationen

Seitenzauber
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Charmantes Kinderbuch mit schönen Illustrationen

Klappentext
„Weil ihre Mutter arbeiten muss, verbringt Ida die Ferien bei ihren Großeltern. Dort gibt es keine Abenteuer, nur viele Bücher in Opas Lesezimmer ...

Charmantes Kinderbuch mit schönen Illustrationen

Klappentext
„Weil ihre Mutter arbeiten muss, verbringt Ida die Ferien bei ihren Großeltern. Dort gibt es keine Abenteuer, nur viele Bücher in Opas Lesezimmer und einen geheimnisvollen, alten Lesesessel. Doch der ist für Ida tabu. Als sie dennoch neugierig nach einem dicken Schmöker ganz oben im Regal greift, plumpst sie in den Sessel. Und schwupps befindet sie sich mitten in der Geschichte! Und damit beginnen für Ida die magischsten Ferien ihres Lebens! Erst recht, als sie in einer spannenden Piratengeschichte Arthur begegnet, der eine ganz besondere Mission verfolgt und ohne Ida verloren wäre …“

Gestaltung
Das Covermotiv finde ich sehr süß und auch total kreativ. Die Bücher, aus denen ein Lichtstrahl kommt und in dem man dann die Buchwelt sehen kann, finde ich mehr als gelungen, denn dieses Bild passt super gut zum Buchinhalt. Vor den Büchern fällt ein Mädchen herab, wodurch der Titel aufgegriffen wird. Im Hintergrund sieht man ein Muster in dunkelblau, das mich an eine alte Tapete in einem Herrenhaus erinnert.

Meine Meinung
Da das Buch von Britta Sabbag geschrieben worden ist, wollte ich es unbedingt lesen. In „Seitenzauber – Wie Ida in die Geschichte fiel“ geht es um Ida, die ihre Ferien bei den Großeltern verbringen soll. Das passt ihr so gar nicht, denn dort ist es stinklangweilig. Denkt sie, bis sie zufällig mit einem dicken Buch in den Lesesessel ihres Großvaters fällt und sich dann mitten in der Geschichte wiederfindet. So beginnen die wohl spannendsten und magischsten Ferien, die Ida jemals hatte…

Britta Sabbag greift in „Seitenzauber“ das auf, wovon wohl alle Geschichtenliebhaber träumen: auf magische Weise kann man in die Welt der Bücher eintauchen und befindet sich dann mitten in der Geschichte direkt an der Seite der Figuren. Die Idee ist nicht neu und mir schon in mehreren Büchern begegnet, aber das ändert nichts daran, dass es nach wie vor eine schöne Vorstellung ist. Ich denke auch, dass gerade Kinder diese Idee, real in seinen Lieblingsbüchern verschwinden zu können, gefallen wird.

Protagonistin Ida hat jedenfalls daran Geschmack gefunden, denn nach einer zufälligen Buchreise, beginnt sie nachzuforschen und weiß bald, wie das in Bücher reisen funktioniert. So taucht sie ab in eine Piratengeschichte, wo sie auf Arthur trifft, der Idas Hilfe bei einer Mission braucht. Die verschiedenen Buchreisen fand ich wirklich niedlich und abenteuerlich, sodass ich beim Lesen schon meinen Spaß hatte. Allerdings hätte ich es noch cooler gefunden, wenn Ida vielleicht in Bücher abgetaucht wäre, die bekannter sind. Dennoch fand ich die Geschichte charmant und hatte einen schönen Lesenachmittag mit ihr.

Besonders schön fand ich, dass der Schreibstil der Autorin sehr einfach gehalten wurde. So gibt es eine kindgerechte Wortwahl und der Satzbau ist kurz, einfach und leicht verständlich gehalten. Unterstützt wird das Textverständnis durch Illustrationen von Alexandra Helm, welche nicht nur die Geschehnisse, sondern auch die verschiedenen Emotionen von Ida sehr schön eingefangen hat. Beim Lesen kann man so auch immer gut auf die Illustrationen zurückgreifen, wenn man als Leseanfänger noch nicht ganz so geübt ist.

Fazit
In „Seitenzauber – Wie Ida in die Geschichte fiel“ hat Britta Sabbag ein Kinderbuch geschrieben, das mit dem Thema „in Bücher eintauchen“ gerade für Freunde des Lesens perfekt ist. Ich hätte es toll gefunden, wenn Ida auch in bekanntere Geschichten länger eingetaucht wäre. Dennoch konnte mich die charmante Geschichte damit verzaubern, dass sie sehr niedlich war und ich beim Lesen ein zufriedenes Gefühl hatte. Schön fand ich auch die Illustrationen, die den Text aufgegriffen haben.
4 von 5 Sternen!

Reihen-Infos
Einzelband

Veröffentlicht am 02.12.2020

In diesem Buch stehen die leisen Menschen im Vordergrund

Still!
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In diesem Buch stehen die leisen Menschen im Vordergrund

Klappentext
„Mariella redet nicht, nicht mit der Mutter, dem Vater, nicht mit den Goldfischen, den Lehrern oder Mitschülern. Weil ihre Eltern sich ...

In diesem Buch stehen die leisen Menschen im Vordergrund

Klappentext
„Mariella redet nicht, nicht mit der Mutter, dem Vater, nicht mit den Goldfischen, den Lehrern oder Mitschülern. Weil ihre Eltern sich getrennt haben. Weil niemand sie verstehen will. Und weil ohnehin zu viel geredet wird. Je lauter es um sie herum wird, desto leiser wird sie. Mariellas Stille eckt an und fordert heraus. Keiner darf einfach so anders sein. Zum Glück ist da Stan, der gehörlos ist und Mariella akzeptiert, so wie sie ist. Gemeinsam mit ihm findet Mariella eine eigene Sprache. Die Begegnung der beiden bestärkt sie darin, bei sich zu bleiben und schließlich ihre Stimme doch wieder zu erheben.“

Gestaltung
Am Cover gefällt mir vor allem das poppige, bunte Aussehen. Das Mädchen, das den Finger als Leisezeichen vor den Mund hält, visualisiert den Titel sehr schön, aber noch besser gefällt mir der Kreis aus Fischen, der ihren Kopf umgibt. Die Farben sind hell, freundlich und bunt, aber gleichzeitig nicht zu grell und auffällig. Ich finde das Cover in sich total stimmig.

Meine Meinung
Ein Bekannter war so begeistert von Dirk Popes „Abgefahren“, dass ich bei seinem neuen Buch beschlossen habe, mir selber ein Bild zu machen. In „Still!“ geht es um Mariella, die seit der Trennung ihrer Eltern aus verschiedenen Gründen nicht mehr redet. Damit fällt sie natürlich auf, da sie anders ist als alle anderen. Aber zum Glück gibt es den gehörlosen Stan, bei dem es egal ist, ob sie redet oder nicht, denn die beiden haben ihre eigene Art, miteinander zu kommunizieren. Und vielleicht ist es genau diese Beziehung, die Mariella dazu veranlasst, ihre Stimme doch wieder zu erheben…

Das Thema des Buches fand ich perfekt, denn es stellt die stillen, ruhigen Kinder ins Zentrum. Ich glaube, jeder von uns kennt es, dass es meistens die Extrovertierten sind, die auffallen und alle Aufmerksamkeit (von Lehrern, Mitschülern, Eltern…) bekommen. Von daher habe ich es richtig gefeiert, dass Dirk Pope in „Still!“ den leisen Menschen eine Stimme gegeben und den Fokus auf sie gelegt hat.

Mariella gehört in diese Gruppe der zurückhaltenden Menschen, denn sie spricht nicht und beobachtet viel. Ich fand sie sofort sympathisch und hatte das Gefühl, einen Draht zu ihr zu haben. Dass sie von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern gemobbt wird, hat mich persönlich auch total getroffen und bewegt, denn sie gehen nicht gerade zimperlich mit Mariella um. Gleichzeitig fand ich die Reaktionen und die Bearbeitung dieses Themas sehr glaubwürdig und realistisch, denn ich habe den Eindruck, dass es oft leider noch immer so ist, dass außenstehende Schülerinnen und auch Lehrerinnen bei Mobbing machtlos sind und nicht adäquat reagieren (können). Diesbezüglich zeigt „Still!“ auf, wie es oftmals eben zugeht an Schulen bzw. im Leben Jugendlicher.

Etwas geärgert habe ich mich über Mariellas Mutter und Lehrer, die nicht so recht wussten, wie sie mit ihrer Stille und Schweigsamkeit umgehen sollten. Teilweise wirkten sie sogar überfordert. Es gibt Kinder mit Mutismus und es gibt auch Möglichkeiten damit z.B. als Lehrer umzugehen, ohne überfordert zu sein. Man muss sich nur damit auseinandersetzen. Auch dass beim Mobbing von Mariella eher weggeschaut und nichts gemacht wurde, hat mich irgendwie geärgert, weil ich mir einfach wünsche, dass mehr Menschen reagieren, wenn andere leiden.

Doch zum Glück ist da Stan, der mit Mariella ein unglaubliches Team bildet. Die beiden kommen ganz ohne Worte aus. Wie eigentlich sowieso das ganze Buch, denn da Mariella nicht spricht, beschränkt sich auch die wörtliche Rede auf ein Minimum. Auf diese Weise schildert das Buch Mariellas Gedankengänge, die ich unglaublich berührend und eindringlich finde. Dirk Pope beschreibt die Gedanken des jungen Mädchens mit einem bewegenden Tiefgang und in einem unvergleichlichen Stil, der mich sehr beeindruckt hat. Die Geschichte ist aber nicht nur dadurch spannend, dass sie zum Nachdenken anregt, sondern auch durch die verschiedenen Geschehnisse, die Mariella in ihrem Alltag in der Schule und auch gemeinsam mit Stan erlebt. Ich habe die Geschichte auch immer mit der Frage gelesen, ob sie wohl wieder sprechen wird oder nicht, weswegen ich Seite um Seite gespannt las.

Fazit
Obwohl ich mich über die Unfähigkeit der Mutter und Lehrer im Umgang mit Mariellas Schweigen geärgert habe, hat mir „Still!“ sehr, sehr gut gefallen. Es ist ein Buch, das ernst ist und den Leser durch Dirk Popes Schreibstil gefangen nimmt. Das Thema des Buches hat mir persönlich richtig gut gefallen, denn es stellt die leisen Menschen in den Vordergrund. Auch geht es um Mobbing und darum, dass ein Freund wie Stan jemanden so nimmt, wie man ist. Für mich ist „Still!“ ein rundum emotional-schönes, ergreifendes Buch der besonderen Art.
4 von 5 Sternen!

Reihen-Infos
Einzelband

Veröffentlicht am 02.12.2020

Der Anfang war mir zu ruhig, aber dann wurde ich von einer großen Portion Tempo überrascht

Ministry of Souls – Das Schattentor
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Klappentext
„London, 1850: Unbemerkt von der Öffentlichkeit sorgt das Ministerium für endgültige Angelegenheiten dafür, die Seelen Verstorbener auf die andere Seite zu befördern. Der angehende Soulman ...


Klappentext
„London, 1850: Unbemerkt von der Öffentlichkeit sorgt das Ministerium für endgültige Angelegenheiten dafür, die Seelen Verstorbener auf die andere Seite zu befördern. Der angehende Soulman Jack will sich endlich im Außeneinsatz beweisen. Sein erster Auftrag führt ihn ausgerechnet auf das Gelände des Buckingham Palace. Dort wurde eine arabische Gesandtschaft ermordet. Jack soll den Tatort von ihren Geistern befreien ― und entdeckt, dass Naima, die Tochter des Emirs, noch lebt. Als er ihr helfen will, wird er von einem schattenartigen Biest angegriffen. Um Naima zu schützen, befördert Jack sie in die Zwischenwelt! Und bricht damit eine der wichtigsten Regeln der Soulmen.“

Gestaltung
Der große schwarze Schattenumriss eines Mannes mit Zylinder ist sehr einnehmend auf dem Cover, was mir aber gut gefällt ist, dass es vor seinem Oberkörper viele Auslassungen gibt. Hier kann man ein altes Herrenhaus entdecken und auch den Titel, wodurch das Cover mit nur zwei Farben spielt: schwarz und gold-grün. Die verschnörkelten Ranken und der Rahmen um das Covermotiv gefallen mir sehr gut, weil gerade die feinen Linien für Auflockerung sorgen.

Meine Meinung
Normalerweise hätte mich am Klappentext schon das „London, 1850“ abgeschreckt, denn ich lese Geschichten, die in der Vergangenheit spielen, eigentlich nicht gerne. Aber das Buch ist von Akram El-Bahay und da schaltet einfach mein Hirn aus und der „Muss ich lesen“-Modus geht an. In „Ministry of Souls – Das Schattentor“ geht es um den angehenden Soulman Jack, der für das Ministerium für endgültige Angelegenheiten arbeitet. Seine Aufgabe ist es, Seelen auf die andere Seite zu bringen. Sein erster Auftrag führt ihn zum Buckingham Palace, wo er Naima begegnet. Sie hat als einzige einen Mordanschlag überlebt. Als sie von einem eigenartigen Wesen angegriffen wird, befördert Jack sie in die Zwischenwelt, womit er eine der wichtigsten Soulmen-Regeln bricht…

Wie gesagt, ich lese eigentlich nicht so gerne Bücher, die irgendwie historisch angehaucht sind, aber „Ministry of Souls – Das Schattentor“ war hier für mich eine wahre Wundertüte, denn Akram El-Bahay hat das Setting gut recherchiert und stimmungsvoll eingebunden. Tatsächlich war das viktorianische London für mich der passende Ort für ein solches Ministerium der Seelen, das der Autor da erdacht hat. Im Nachhinein kann ich mir kein passenderes Setting für das Buch vorstellen als London im Jahre 1850! Auch die Veränderungen der Stadt, die sich durch die Industrialisierung immer weiter modernisiert, wurde gekonnt in die Geschichte eingeflochten und am Rande deutlich.

Die Handlung hat mir nach einem etwas ruhigeren Start ausgesprochen gut gefallen, da in diesem Buch so viel mehr passiert als der Klappentext es erahnen lässt. Gerade das im Klappentext angesprochene „schattenartige Biest“ hat mir hier richtig gut gefallen, weil hier ein Wesen aufgegriffen wird, von dem ich persönlich noch nichts gelesen habe. Am Anfang hat es allerdings etwas gedauert, bis die Handlung für mich so richtig in Schwung kam und bis ich wirklich drin war. Mir war der Anfang vermutlich einfach ein wenig zu ruhig.

Dies änderte sich aber mit der Zeit und dann war ich gänzlich gefesselt, denn dann hatte die Geschichte genau die Dinge, die ich abgöttisch liebe: rasantes Tempo und Action. Es passiert so allerhand und ich fand es so klasse, wie sich diese Änderung klammheimlich vollzogen hat. Ich habe es erst gar nicht so wirklich gemerkt, aber auf einmal saß ich vor dem Buch mit aufgeregt klopfendem Herzen und schneller schlagendem Puls. Ich wollte einfach unbedingt wissen, wie es weiter geht. Besonders die verschiedenen Einflüsse z.B. aus dem orientalischen Bereich und auch die Anspielungen auf bekannte Geschichten, fand ich echt genial.

Fazit
Auch wenn mir der Beginn von „Ministry of Souls – Das Schattentor“ etwas zu ruhig und gediegen war, so konnte mich das Buch doch überzeugen. Gerade der schleichende Wandel von ruhig zu temporeicher Action hat mich überwältigt und mir aufgeregtes Herzklopfen beschert. Die Idee des Buches fand ich klasse und vor allem auch den spannenden Antagonisten! Auch das Setting fand ich mehr als stimmig für das Ministerium der Seelen und es gefiel mir, dass die Stimmung Londons zur Zeit um 1850 für mich gut vorstellbar aufgegriffen wurde. Ich freue mich sehr auf die Fortsetzung!
4 von 5 Sternen!

Reihen-Infos
1. Ministry of Souls – Das Schattentor
2. Ministry of Souls – Die Schattenarmee (erscheint am 30.09.2021)