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Veröffentlicht am 19.04.2026

Die Kraft der Gemeinsamkeit

Pina fällt aus
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Pina und ihr autistischer Sohn Leo leben in Symbiose zusammen, es gibt nur sie beide und ihre kleine Welt funktioniert gut. Als Pina plötzlich ins Krankenhaus muss, steht Leo alleine da. Schnell verstehen ...

Pina und ihr autistischer Sohn Leo leben in Symbiose zusammen, es gibt nur sie beide und ihre kleine Welt funktioniert gut. Als Pina plötzlich ins Krankenhaus muss, steht Leo alleine da. Schnell verstehen die Mitbewohner ihres Hauses, jeder auf seine eigene Art schrullig und einzigartig, dass ihre Hilfe nun gefragt ist. Und sie packen an! Gemeinsam schaffen sie es, dass Leos Welt wieder. gerade gerückt wird. Die Zeit bis zu Pinas Wiederkehr wird für alle 4 eine nie geahnte Herausforderung, die sie aber zusammen schweißt und ihnen zeigt, wie viel sie gemeinsam erreichen können.

"Pina fällt aus" ist ein großartiger Roman über die Kraft des Zusammenhaltes, über Nächstenliebe und über das Überwinden von Vorurteilen. Es schafft Verbundenheit, wenn eine gemeinsame Sache in den Mittelpunkt gestellt wird und die einzelnen Personen aufhören, sich selbst am wichtigsten zu nehmen. Die ungewöhnliche WG der Hansastraße 22 wächst an ihrer Aufgabe - alle gemeinsam und jeder für sich noch einmal ein Stückchen mehr und schließlich gelingt es ihnen, Leo Luxen die Sicherheit zu geben, die er braucht, während Pina im Krankenhaus alle Kraft braucht, um wieder gesund zu werden.

Die Protagonisten, allen voran Leo, habe ich sofort ins Herz geschlossen, jeden auf seine Art und Weise. Man fühlt sich von Anfang an in die Geschichte eingebunden und ist fast Teil der besonderen WG. Schade, dass man dennoch nur von außen zusehen und nicht aktiv eingreifen kann, manchmal hat man während des Lesens das Gefühl, auch mithelfen zu wollen, damit Leo die Trennung von seiner Mutsch ein bisschen leichter verkraften kann. Es ist eine Freude, die Gemeinsamkeit und das Miteinander mitzuverfolgen und zu sehen, welche Kraft Zola, Wojtek und Inge entwickeln und wie sehr Leo Seite für Seite einer von ihnen wird.

Das Buch behandelt schwierige Themen, die nachwirken und ist dennoch ein ganz großes Lesevergnügen. Der Stil Vera Zischkes verleitet immer wieder zum Schmunzeln, wodurch das Buch trotz der Schwere einen enormen Unterhaltungswert gewinnt. "Pina fällt aus" ist für mich eines der Lesehighlights des Jahres und es freut mich, dass ich es weiterempfehlen darf.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Die Kraft der Freundschaft

Der Sommer, der uns blieb
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Martin, Britta und Pia waren beste Freunde - bis ihre Freundschaft eines Sommers zerbricht. 20 Jahre später treffen die 3 wieder aufeinander. Jeder hat sich weiter entwickelt und dennoch spüren sie das ...

Martin, Britta und Pia waren beste Freunde - bis ihre Freundschaft eines Sommers zerbricht. 20 Jahre später treffen die 3 wieder aufeinander. Jeder hat sich weiter entwickelt und dennoch spüren sie das Band, das sie einst verband. Werden sie es schaffen, einander zu verzeihen, neu aufeinander zu zugehen, Gefühle zuzulassen und wieder an ihre Freundschaft anzuknüpfen?

Greta Herrlicher hat mit "Der Sommer, der uns blieb" einen wunderschönen, sehr emotionalen Roman geschrieben, bei dem das Thema Freundschaft im Mittelpunkt steht. Die Protagonisten sind sympathisch und jeder auf seine Art liebenswert und der lockere Schreibstil macht es einem leicht, in die Geschichte hinein zu finden. Schnell gelingt es einem, sie ins Herz zu schließen, sich mit ihnen zu freuen, aber auch mit ihnen zu leiden. Ich mag es sehr gerne, wenn mich ein Buch auch selbst emotional abholt und ich mich gut in die Charaktere hineinversetzen kann. Rückblicke auf den einstigen Sommer sorgen für mehr Verständnis und dadurch, dass jedes Kapitel eine andere Person in den Mittelpunkt stellt, gibt es viel Raum, um das Freundestrio kennenzulernen.

Auch wenn die Themen, die in "Der Sommer, der uns blieb" behandelt werden, teilweise schwierig und belastend sind, decken sie doch viele Lebensbereiche von der Geburt bis zum Tod, über Freundschaften, Liebe und ihre Verwirrungen, Krankheiten bis zu Eltern-Kind-Konflikten ab, so ist das Buch dennoch leicht zu lesen und vermittelt trotz der Schwere, viele positive Aspekte. Das Wiedersehen der drei Freunde spielt zu Beginn der Pandemie und so manche Episoden versetzen einen tatsächlich während des Lesens in diese schwierige Zeit zurück.

Als wäre die Geschichte an sich nicht schon Grund genug, "Der Sommer, der uns blieb" zu lesen, so macht auch das Buch selbst richtig was her. Es ist grafisch wunderschön gestaltet, und die Sprüche zu Beginn eines jeden Kapitels sind nicht nur Auflockerung, sondern auch Anstoß zum Nachdenken.

Greta Herrlicher ist mit "Der Sommer, der uns blieb" ein wirklich großartiger und sehr einfühlsamer Roman über die Kraft der Freundschaft und die Dinge, die im Leben wirklich wichtig sind gelungen. Das Buch war für mich ein ganz großes Lesevergnügen und sicherlich eines der Lesehighlights des heurigen Jahres. Vielen Dank für die unterhaltsamen, aber auch sehr ansprechenden Lesestunden!

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Veröffentlicht am 08.04.2026

Sie oder Er? Oder wer?

Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?
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Sylvie gerät bei der Suche nach einem Job an den attraktiven Adam Barnett, der sie prompt als Betreuerin für seine schwer kranke Ehefrau engagiert. Was als Rettung aus ihrer finanziellen Not beginnt, entwickelt ...

Sylvie gerät bei der Suche nach einem Job an den attraktiven Adam Barnett, der sie prompt als Betreuerin für seine schwer kranke Ehefrau engagiert. Was als Rettung aus ihrer finanziellen Not beginnt, entwickelt sich für Sylvie schnell zu einem Albtraum, aus dem es kein Entrinnen mehr zu geben scheint. Und währen anfangs die Fronten ganz klar sind, ist sich Sylvie schon bald nicht mehr sicher, wem sie noch trauen kann.

"Die Ehefrau" beginnt harmlos und unspektakulär und während in den anderen Thrillern von Freida McFadden dann schon bald ein Plottwist den nächsten jagt, geht dieses Buch lange relativ beschaulich, teilweise sogar etwas langatmig dahin und man wartet viele viele Seiten lang auf die Verwirrungen, für die die Autorin sonst so bekannt ist. Gegen Ende zu nimmt das Buch deutlich an Fahrt auf und das, was man zuvor als gegen hinnahm, wird mehrmals auf den Kopf gestellt. Das ging dann für meinen Geschmack fast ein bisschen zu schnell.

Irgendwie ist dieses Buch für mich nicht ganz so gelungen und hat auch die Erwartungen, die ich an die Autorin hatte, nicht erfüllt. Kann man lesen, muss man aber nicht. Beim nächsten Mal wird es hoffentlich wieder besser! Leider nur 3 Sterne für die fehlende Spannung.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Die Suche nach dem Leben - und wie man "was wird"

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Aus einer Laune heraus kauft Sophie ein altes, verfallenes Haus im Osten Deutschlands und ehe sie sich versieht, findet sie sich in der absoluten Einöde wieder, mit einer Ruine, die nur mehr entfernt an ...

Aus einer Laune heraus kauft Sophie ein altes, verfallenes Haus im Osten Deutschlands und ehe sie sich versieht, findet sie sich in der absoluten Einöde wieder, mit einer Ruine, die nur mehr entfernt an ein Haus erinnert. Nach anfänglichen Zweifeln beschließt Sophie, diese zu renovieren und sich dem Landleben zu stellen und mit jeder Herausforderung, die sich ihr stellt, lernt sie Dinge, mit denen sie zuvor nie konfrontiert war. Fernab der Zivilisation entdeckt Sophie nach und nach, was im Leben wirklich zählt und während sie ihr neues Leben in Angriff nimmt und mit dem Unverständnis ihrer leistungsorientierten Mitmenschen kämpft, stellt sie sich immer wieder die Frage, wie man denn wirklich "was wird".

Anna Katharina Scheidemantel hat mit "Statt aus dem Fenster zu schauen" einen sehr tiefgründigen, zugleich aber unglaublich unterhaltsamen Roman geschrieben. Von Beginn an gewinnt die Protagonistin Sophie die Sympathie der Leser*innen und während man anfangs wohl eher zu der Fraktion der verständnislosen Mitmenschen zählt, taucht man nach und nach mit Sophie in ihr neues Leben ein. Mit viel Wortwitz schildert Scheidemantel die Situationen, in denen sich die Studentin Sophie wiederfindet und Seite für Seite wächst die Bewunderung für die junge Frau, die sich ihren Herausforderungen stellt, bis man ihren neuen Lebensweg immer besser nachvollziehen kann.

Ohne Strom, fließendes Wasser und mit einem undichten Dach über dem Kopf kämpft sich Sophie in ihr neues Leben und sie macht das großartig. Während sie diese äußeren Umstände nach und nach zu regeln vermag, tun sich für Sophie immer mehr Zweifel an ihrer bisherigen Lebensführung auf und je länger sie das tut, desto mehr Zweifel kommen ihr, ob denn ihr bisheriger Weg, wo ihr Ziel war "etwas zu werden", der einzig wahre war. Schnell beginnt sie Definitionen zu hinterfragen und mit Stolz kann sie plötzlich auf Dinge zurück blicken, die sie zuvor nicht zu meistern in der Lage gewesen wäre.

"Statt aus dem Fenster zu schauen" ist ein Roman über die Dinge, die im Leben wirklich zählen. Er lässt Oberlächliches unbedeutend erscheinen und lässt die Normen der Gesellschaft neu hinterfragen. Auf kurzweilige Art und Weise und mit pointierten Aussagen, die oft zum Schmunzeln anregen, bringt der Roman immer wieder zum Nachdenken. So vieles findet sich zwischen den Zeilen, das bewegt und das einen anregt, auch selbst zu überdenken, ob weniger nicht manchmal mehr wäre, ob ein anderer Weg nicht ebenso gut und richtig wäre und ob es wirklich so wichtig ist, einmal "das" zu werden, was die Gesellschaft von uns erwartet.

Anna Katharina Scheidemantel belehrt nicht in ihrem Roman, sie unterhält. Sie tut das aber mit einer Präzision und einer Offenheit, die "Statt aus dem Fenster zu schauen" zu einem ganz großen Lesevergnügen machen. Das Buch hat mit seiner Offenheit, Tiefgründigkeit und seiner absolut großartig gewählten Sprache das Potential ein ganz großes Lesehighlight zu werden und ich empfehle es sehr gerne allen weiter, die nicht nur unterhalten werden wollen, sondern ein Buch lesen wollen, das auch noch nachwirkt.

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Mord im nordschwedischen Winter

Tief im Schatten
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Ein Mann wird tot neben der Straße aufgefunden, eingeschneit und übel zugerichtet. Der ehemalige Skirennläufer Johann Andersson war allseits beliebt und so ist es eine ziemliche Herausforderung für Hanna ...

Ein Mann wird tot neben der Straße aufgefunden, eingeschneit und übel zugerichtet. Der ehemalige Skirennläufer Johann Andersson war allseits beliebt und so ist es eine ziemliche Herausforderung für Hanna Ahlander, Daniel Lindskog und ihre Kollegen, denjenigen zu finden, der diese Tat zu verantworten hat. Als dann auch noch eine junge Frau aus einer strenggläubigen Kirchengemeinde verschwindet, spitzt sich die Situation zu und Hanna und Daniel geraten an ihre Grenzen.

Viveca Sten ist einmal mehr ein spannender Krimi gelungen, der durch sein Setting im winterlichen Nordschweden überzeugt. Mehrere Plottwists sorgen für Spannung und machen das Lesen zu einer Sucht - man muss unbedingt wissen, wie es weitergeht. Sten versteht es sehr gut, den Fall mit einigen persönlichen Geschichten der Kommissare zu kombinieren und sie dadurch noch sympathischer wirken zu lassen.

"Tief im Schatten" ist super spannend, aber dennoch ruhig genug, um einem nicht den Schlaf zu rauben, es lässt einen mitfiebern und wenn man schon glaubt, zu wissen, wer der Mörder ist, kommt ja vielleicht doch noch alles ganz anders. Einzig das Ende mit dem Auftreten von Johans Eltern ist für meinen Geschmack ein bisschen zu dick aufgetragen, aber ansonsten hat mir "Tief im Schatten" wirklich gut gefallen und spannende Lesestunden beschert. Eine eindeutige Empfehlung für alle Fans skandinavischer Krimis mit viel Lokalkolorit..

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