Platzhalter für Profilbild

Starbucks

Lesejury Star
offline

Starbucks ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Starbucks über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.02.2026

Himmel ohne Flügel

Der letzte Sommer der Tauben
0

Abbas Khider hat viel erlebt, und er weiß davon zu erzählen. Ich habe seine eigene Lebensgeschichte bereits in "Palast der Miserablen" als Hörbuch gehört, mit dem sehr poetischen Titel "Der letzte Sommer ...

Abbas Khider hat viel erlebt, und er weiß davon zu erzählen. Ich habe seine eigene Lebensgeschichte bereits in "Palast der Miserablen" als Hörbuch gehört, mit dem sehr poetischen Titel "Der letzte Sommer der Tauben" ist nun ein Roman erschienen, der zwar fiktiv zu sein scheint, doch auch sehr persönlich, sehr biographisch klingt. Dabei beschreibt der Autor in kurzen Kapiteln, mit dichten und sehr eindrücklichen Worten, wie das Kalifat nach und nach alle Lebensbereiche der Bewohner über- und ihnen damit die Luft zum Atmen nimmt.

Protagonist ist der Teenager Noah, sicher ein Abbild von Khider selbst, der vor allem Freude an seiner Taubenzucht findet, wie so viele andere im Viertel. Während die Freiheit der Bewohner immer mehr eingeschränkt wird - erst wird nur nackte Haut auf den Bildern geschwärzt, später alle weltlichen Dinge abgegeben - sind die Tauben noch frei, sie können ihre Runden am Himmel ziehen und auch zu manch einer Botensendung herangezogen werden.

Während die Tauben noch frei sind, verschwinden Menschen, werden Jugendliche in "Freizeitlagern" umerzogen, und die Menschen versuchen sich kleine Freuden heimlich zu bewahren, während sie die offensichtlichen (z.B. Fernseher, Handy) abgeben müssen. Und auch die Tauben werden nicht mehr lange fliegen...

Bisher ist "Der letzte Sommer der Tauben" mein Lesehighlight des Jahres, ein Meisterwerk, das von der dichten Sprache und den kurzen Kapiteln mit vielen schockierenden Wendungen lebt. Das, was man sonst in den Berichten und Nachrichten hört, bekommt durch den Jungen Noah ein Gesicht.

Ich habe während des gesamten Buches ein bedrückendes Gefühl nicht ablegen können. Ich finde den Gegensatz der freien Tauben und unfreien Menschen sowie die Entwicklung in diesem Roman sehr gut gelungen und sehr intensiv. Doch auch die Tauben verlieren am Ende, nur eine Flucht kann noch der Ausweg sein, denn Abbas Khider nehmen konnte, so viele andere aber nicht.

Da der Autor erst 19 Jahre in Bagdad gelebt und dann erst die deutsche Sprache gelernt hat, finde ich seinen Schreibstil bewundernswert und habe dies auch beim Lesen im Hinterkopf. "Der letzte Sommer der Tauben" ist für mich natürlich ein 5-Sterne-Buch!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.02.2026

Der "spürnasigste" Kommissaranwärter von allen

Kommissar Pfote (Band 6) - Ein Einbruch ohne Spuren
0

Kommissar Pfote ist ein cleverer, aufgeweckter, liebenswerter Spürhund im Training. Er löst schon seinen sechsten Fall in "Kommissar Pfote - Ein Einbruch ohne Spuren" von Katja Reider und Dirk Hennig. ...

Kommissar Pfote ist ein cleverer, aufgeweckter, liebenswerter Spürhund im Training. Er löst schon seinen sechsten Fall in "Kommissar Pfote - Ein Einbruch ohne Spuren" von Katja Reider und Dirk Hennig. Der Fall ist gut durchdacht, spannend und einfach herzig illustriert. Ich würde sagen: Hier stimmt einfach alles!

Die Illustrationen sind der Hingucker, weil immer wieder auf Details geachtet wurde. So wächst Nasrins Blume im Haar z.B. auch auf der Wiese, und wer die Bilder genau betrachtet, erfährt auch schon viel über den Taschendieb. Weiterhin war die Story für mich auch nicht gleich überschaubar, Überraschungen sind garantiert!

Alles in allem würde ich diesen Fall für Kleine und Große gern empfehlen. Es ist mein erster Fall von Kommissar Pfote, ich freue mich aber auf weitere Bände und werde auch die ersten fünf noch lesen. Sehr gelungen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.02.2026

Kaum zu ertragen (Hörbuchrezension)

Der Reisende
0

Ulrich Alexander Boschwitz' "Der Reisende" ist mir seit seinem Erscheinen 2018 im Kopf geblieben, doch erst jetzt habe ich das erschütternde Hörbuch gehört. Das Buch ist zum ersten Mal bereits 1939 erschienen ...

Ulrich Alexander Boschwitz' "Der Reisende" ist mir seit seinem Erscheinen 2018 im Kopf geblieben, doch erst jetzt habe ich das erschütternde Hörbuch gehört. Das Buch ist zum ersten Mal bereits 1939 erschienen und daher ein eindringliches Zeugnis seiner Zeit, das man kaum ertragen kann. So wird der Roman manchem vielleicht etwas langatmig scheinen, da der Reisende Otto Silbermann eben stets auf Reisen ist, doch nur die Länge der Erzählung und die langsame, aber stetige Verschlimmerung der Situation zeigen die Ausweglosigkeit der Situation, aber auch die Unbarmherzigkeit der meisten Begegnungen des Herrn Silbermann auf.

Dabei ist Silbermann ein großer Sympathieträger: Als ehrbarer Geschäftsmann mit erwachsenem Sohn und Ehefrau ist er zu einigem Wohlstand gekommen. Er scheint tugendhaft, gebildet, er steht auch voll im Leben. Doch die Verfolgung der Juden holt auch ihn ein, der einzige (kurzfristige) Ausweg scheint das Reisen durch Deutschland zu sein. Dabei versucht Silbermann alles, um der Lage zu entkommen.

Ich fand die Handlung von Anfang bis Ende sehr spannend und habe mitgefiebert. Man wünscht Herrn Silbermann einen guten Ausweg aus der Lage, ist er doch ein guter Deutscher (der im 1. Weltkrieg für Deutschland an der Westfront war), der nun aber nur noch zwei Dinge hat, die ihm auf seinem Weg helfen: sein Geld und sein nichtjüdisches Aussehen.

Der Roman zeigt die Grausamkeit der Zeit auf, zeigt, wie die anderen nun Silbermanns Situation schamlos ausnutzen oder ihn fallenlassen oder sich gar gegen ihn wenden. Er macht sich so unsichtbar wie möglich, muss stets aufmerksam bleiben und bewegt sich in der Menschenmenge doch relativ selbstsicher. Überhaupt hat mich sein Durchhaltevermögen überrascht, da die Situation auch immer auswegloser wird, wobei man aber nicht vergessen darf, dass sich die gesamte Handlung nur über wenige Tage erstreckt.

"Der Reisende" hat mich emotional sehr berührt. Besser als jedes Sachbuch ist dieser Roman ein Geschichtsdokument, das als Schullektüre gelesen werden sollte. Ich denke, diesem Buch sollte mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Für mich war es ein Hörhighlight des Jahres und bekommt natürlich die volle Sternzahl.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.02.2026

Frischer Look

Pflück dich glücklich!
0

Sandra Jägers' "Pflück dich glücklich!" ist eine Einladung, sich einen Naschgarten anzulegen. Dies kann auch auf kleinen Gartenflächen oder auf dem Balkon gut gelingen. Während früher jede Ecke im Garten ...

Sandra Jägers' "Pflück dich glücklich!" ist eine Einladung, sich einen Naschgarten anzulegen. Dies kann auch auf kleinen Gartenflächen oder auf dem Balkon gut gelingen. Während früher jede Ecke im Garten für die Selbstversorgung genutzt wurde, herrschen heute fast nur noch Ziergärten vor, wenn nicht sogar die pflegeleichten, unproduktiven Schottergärten.

Mir gefällt das Layout des Buches sehr, vor allem auch, dass die meisten Fotos eine Bildunterschrift haben. Das ist nur leider nicht bei allen so. Weiterhin sind die meisten Koch- und Gartenbücher heute lediglich eine Inszenierung der Autorin. Hier gibt es zwar auch Fotos der Autorin im Buch, sie scheint mir aber nicht komplett in den Vordergrund gerückt zu sein.

Das Buch stellt eine Vielzahl von Naschgartenpflanzen vor; hier gibt es manche, an die ich nicht gedacht hätte. Natürlich sind nicht alle Pflanzen Naschpflanzen (z.B. Spargel, Meerettich), aber man kann ja selbst überlegen, was einem passt.

Weiterhin gibt es viele Anleitungen zu den Arbeiten, die über das Jahr verrichtet werden müssen, ebenso sehr viele interessante Infos zu Schädlingen, dazu sehr gute Fotos. Und auch Wildobst (sehr interessant) und die Pflege der (gewünschten) Insekten im Garten findet einen Raum in diesem Ratgeber.

Alles in allem würde ich eine volle Empfehlung aussprechen für alle, die sich endlich an einen Naschgarten wagen, die bisher aber noch nicht viel über das Thema wissen. Hier bekommt man viele Inspirationen, die einem bei gezielter Internetrecherche nicht begegnen würden. Es bleibt die Hoffnung, dass mehr Hobbygärtnernde wieder leckere Pflanzen selbst anbauen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.01.2026

Spannend, teils zu explizit

Firewatch
0

Ich bin sicher nicht die Zielgruppe dieses New-Adult-Romans, aber mir gefiel das Szenario der beiden Charaktere in Colin Hadlers "Firewatch", die den Sommer auf zwei Feuerwachtürmen im erfundenen Goldenfalls-Nationalpark ...

Ich bin sicher nicht die Zielgruppe dieses New-Adult-Romans, aber mir gefiel das Szenario der beiden Charaktere in Colin Hadlers "Firewatch", die den Sommer auf zwei Feuerwachtürmen im erfundenen Goldenfalls-Nationalpark in Kalifornien verbringen müssen. Sie sind dort abgeschieden und frei von jeder Handy- und Internetverbindung, doch sie können über Funk Kontakt miteinander aufnehmen, sind also ganz für sich und bieten damit eine gute Konstellation für einen Thriller. Auch das Cover des Romans ist dazu stimmig und auch etwas zweideutig, also sehr passend.

Bis ca. Seite 100 war "Firewatch" für mich ein absoluter Pageturner mit sehr gelungenen Twists und Cliffhangern. Der Autor hat es geschafft, dass ich den Roman in kürzester Zeit gelesen habe. Dann aber werden zwei nicht notwendige erotische Szenen eingefügt, die ich unpassend und gar nicht zielführend fand. Dabei fand ich es sehr auffällig, dass die sonst gute Sprache auf das Niveau eines Groschenromans fällt. Jugendlichen würde ich aufgrund dieser beiden Szenen den Roman nicht empfehlen, ich selbst habe den Mehrwert hier nicht entdecken können.

Das erste Ende des Buches fand ich sehr unglaubwürdig, sehr unwahrscheinlich, daher habe ich mich gefreut, dass eine zweite, unerwartete Aufklärung folgt. Leider fand ich auch diese sehr weit hergeholt, sehr fragwürdig, nicht so passend. Auch der Showdown am Ende ist für den Verlauf so nicht notwendig, für eine Verfilmung aber vielleicht gewinnbringend.

Was ich von Anfang fraglich fand, ist die Tatsache, dass sich hier ein österreichischer Schriftsteller eine Location in einem wohl eher wenig besuchten Nationalpark in den USA ausgesucht hat. Dabei sind die beiden Firetowers 30 Meilen, also ca. 50km voneinander entfernt, das sicher nicht durch gute Wege oder Straßen. Dass dies keine österrreichischen Wanderwege sind, ist wohl klar. aber Aaron läuft dies in 10 Stunden und dann auch wieder zurück. Wenn man ihn hier verfolgen möchte, dann kann man sich auch kaum durch das Dickicht schlagen, man würde nicht unentdeckt bleiben. Es gibt weitere Unstimmigkeiten, die aber zu vernachlässigen sind.

Alles in allem hatte ich große Lesefreude; der Roman ist eigentlich ein gelungener Psychothriller. Immer wieder ändert man seine Meinung über die Schuld und Unschuld der Protagonisten. Der Roman hat mich nicht losgelassen, war lange Zeit für mich ein 5-Sterne-Buch. Am Ende war ich aber nicht mehr so überzeugt von "Firewatch" und hätte vor allem die zwei unnötigen Szenen gern nicht gelesen. Die Betitelung von "Suspense-Romance" weist darauf auf nicht hin. Insgesamt finde ich die genreübergreifende Mischung zwar gut, aber manchmal ist weniger einfach mehr.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere