Manchmal ist das größte Risiko nicht live zu gehen, sondern sich zu öffnen
Mornings in Boston - The Stories We TellMornings in Boston – The Stories We Tell * von Anna Lane war für mich eine dieser Geschichten, die man aufschlägt, um kurz reinzulesen – und dann plötzlich mitten in der Nacht noch Seite um Seite verschlingt. ...
Mornings in Boston – The Stories We Tell * von Anna Lane war für mich eine dieser Geschichten, die man aufschlägt, um kurz reinzulesen – und dann plötzlich mitten in der Nacht noch Seite um Seite verschlingt. Ich liebe Office-Romances, aber was Anna Lane hier schafft, ist mehr als das klassische „Rivalen-im-Arbeitsalltag“-Szenario. Es ist eine Geschichte über Ehrgeiz, Selbstzweifel, das Streben nach Erfolg – und die unerwartete Nähe zwischen zwei Menschen, die sich eigentlich nicht ausstehen können.
Im Mittelpunkt steht Penelope Sanderson, eine ehrgeizige Journalistin, die endlich ihren Traumjob bei der Morning-Show Mornings in Boston ergattert. Sie will sich beweisen, will mit harter Arbeit und Talent überzeugen – und nicht durch Charme oder Zufälle. Doch gleich an ihrem ersten Tag steht sie ihrem Co-Moderator Connor Kingsley gegenüber: charmant, sarkastisch, unverschämt selbstbewusst. Und von der ersten Sekunde an sprühen die Funken – allerdings nicht die romantischen. Ihre Chemie ist explosiv, ihre Wortgefechte messerscharf, und trotzdem merkt man schnell, dass zwischen Konkurrenz und Anziehung manchmal nur ein Atemzug liegt.
Ich mochte besonders, wie Anna Lane die Dynamik zwischen Penelope und Connor entwickelt. Es ist kein typisches „Feinde-zu-Liebenden“-Schema, das sich vorhersehbar abspult – vielmehr ist es ein ständiges Hin und Her zwischen Stolz, Verletzlichkeit und wachsender Vertrautheit. Beide Figuren tragen ihr eigenes Päckchen mit sich herum. Penelope kämpft mit der Unsicherheit, sich in einer männerdominierten Medienwelt behaupten zu müssen, während Connor nach außen hin perfekt scheint, aber innerlich zwischen Erfolg und Einsamkeit schwankt. Diese Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit macht sie so echt.
Die Kulisse – das hektische Studioleben einer TV-Morgenshow – ist so lebendig beschrieben, dass man das helle Licht auf der Haut und den Kaffeegeruch in der Luft förmlich spüren kann. Zwischen Mikrofonen, Redaktionsstress und flackernden Kameras entspinnt sich eine Beziehung, die langsam, aber intensiv wächst. Man spürt die Anziehung, aber auch die Angst, was passiert, wenn sie sich wirklich fallen lassen.
Anna Lanes Schreibstil ist spritzig und gefühlvoll zugleich. Ihre Dialoge sind scharf, humorvoll und voller unterschwelliger Spannung – aber sie findet auch die leisen Momente dazwischen, die mich wirklich berührt haben. Besonders schön fand ich, dass sie die Balance zwischen Romantik, Witz und emotionaler Tiefe perfekt trifft. Ich habe oft gelacht, manchmal mitgelitten und immer wieder innegehalten, weil ein Satz mich einfach genau dort getroffen hat, wo Geschichten mich am meisten berühren – mitten im Herzen.
Natürlich kennt man einige Elemente schon – das Setting, die Rivalität, das berühmte „Knistern vor laufender Kamera“. Aber Anna Lane erzählt es mit so viel Charme und Charakter, dass es frisch wirkt. Penelope und Connor sind kein typisches Liebespaar, das sich sofort findet. Sie reiben sich aneinander, lernen, sich gegenseitig zu verstehen, und genau das macht ihre Beziehung so glaubwürdig.
Als ich das Buch beendet habe, hatte ich dieses wohlige Gefühl – ein Lächeln im Gesicht und ein bisschen Wehmut, weil ich die Charaktere nicht loslassen wollte. Mornings in Boston ist kein lautes, übertriebenes Drama, sondern eine Geschichte voller Herz, Humor und ehrlicher Emotion. Eine Liebeserklärung an das Chaos des Alltags, an zweite Chancen und an die Menschen, die man nicht sucht, aber trotzdem findet.