Umfangreicher interessanter Geschichtswälzer
Sieben JahreFriedrich der Große machte sich nicht nur halb Europa zum Feind, sondern auch in der eigenen Familie war die Stimmung zumeist angespannt. Besonders schwierig war sein Verhältnis zum Vater, das am Ende ...
Friedrich der Große machte sich nicht nur halb Europa zum Feind, sondern auch in der eigenen Familie war die Stimmung zumeist angespannt. Besonders schwierig war sein Verhältnis zum Vater, das am Ende eskaliert und ihn für sein ganzes Leben zeichnet. Kaum ist Friedrich an der Macht müssen sich ihm alle unterordnen, das gelingt mal besser, mal schlechter. Sein größter Zorn konzentriert sich letztlich auf seine Erzfeindin, Maria Theresia von Österreich und eskaliert in einem erbitterten Krieg.
Tanja Kinkel ist eine ganz wunderbare Autorin für historische Bücher und eine Meisterin darin, sich tief in die Befindlichkeiten ihrer Protagonisten einzufühlen. Mit ihrem Roman „Sieben Jahre“, taucht sie tief in die Epoche preußischer Geschichte ein und konzentriert sich dabei besonders auf die konfliktreichen Jahre zwischen 1756 und 1763. Dabei betrachtet man das Geschehen aus völlig unterschiedlichen Perspektiven, mit viel persönlichen Esprit und Anspruch. Besonders im Mittelpunkt dabei stehen auch Friedrichs Geschwister und deren Beziehungen zueinander. Mit dem Mohren Hannibal bekommt aber auch das Dienstpersonal eine Stimme und es bieten sich interessante Einblicke. Die Lektüre ist, was ihre unzähligen Charaktere betrifft, zwar eine Herausforderung, jedoch eine hochinteressante wie ich finde. Neben den vielen Kriegsschauplätzen, liegt der Focus im Roman besonders auf einem Geflecht aus Liebschaften, Vorlieben und menschlichen Gefühlen. Das heißt, es ist eine außergewöhnliche Mischung, die uns hier auf 830 Seiten präsentiert wird. Mit absolut authentischem sprachlichen Ausdruck und Umgang findet man sich in einer anderen Zeit wieder, das ist der Autorin wieder ganz besonders gut gelungen.
Bislang wusste ich nicht wirklich viel über Friedrich den Großen, durch den Roman konnte man sich seine Welt aber sehr gut vorstellen. Bei meinem kürzlichen Berlin Besuch nach Beendigung der Lektüre habe ich die Stadt mit ganz anderen Augen betrachten können. Es ist mir ins Auge gestochen, wie stark Friedrich die Stadt geprägt und wie viele Spuren er hinterlassen hat. Mir wurde durch Kinkels Roman aber auch die menschliche Seite von ihm und seiner Familie offenbart, denn es wird oft sehr persönlich. Durch die glänzende Recherche, wirkt dabei alles sehr authentisch und menschlich, wahrlich eine Glanzleistung die hier geleistet wurde.
Die Optik das Buchs ist eine Erscheinung, mit dem attraktiven Cover und seinem auffällig goldenen Buchschnitt bietet sich ein nobler einladender Anblick, der zum Lesen einlädt.
Mein Fazit:
Ein sehr intensives Zeitporträt, das tief hinter die Kulissen der Mächtigen blicken lässt und mir trotz ein paar Längen gut gefallen hat. Besondere Empfehlung für Liebhaber von historischen Geschichten, gewappnet mit der Ausdauer von über 800 Seiten. Es ist schon ein wenig Lesemarathon zu leisten, aber es lohnt sich.