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Veröffentlicht am 05.08.2017

Ganz anders als erwartet

Runa
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„Runa“ ist ein Buch, das lange Zeit auf meiner Wunschliste stand. Der Klappentext verspricht eine dunkle und spannende Geschichte rund um ein kleines Mädchen namens Runa. Schon auf den ersten Seiten begann ...

„Runa“ ist ein Buch, das lange Zeit auf meiner Wunschliste stand. Der Klappentext verspricht eine dunkle und spannende Geschichte rund um ein kleines Mädchen namens Runa. Schon auf den ersten Seiten begann ich allerdings zu ahnen, dass Runa anders wie man aufgrund des Titels und des Klappentextes meinen könnte, nicht die Protagonistin der Geschichte ist – im Gegenteil: Sie erscheint erst im späteren Verlauf der Geschichte auf der Bildfläche.

Im Mittelpunkt von „Runa“ steht der Medizinstudent Jori Hell, der an der Salpêtrière-Klinik seinen Doktor machen möchte, um dann seiner kranken Freundin Pauline helfen zu können. Jori war mir zwar nicht durchgehend sympathisch, trotzdem hat es dir Autorin aber irgendwie geschafft, dass ich mit ihm mitfiebere. Was er alles auf sich nimmt, um Pauline zu helfen, ist beachtenswert, allerdings verliert er dabei oft das Wesentliche aus den Augen und geht zeitweise mit Scheuklappen durch die Welt, was mich ziemlich an ihm gestört hat. Andererseits ist Jori aber auch ein Charakter mit Entwicklungspotenzial, was die Autorin auch definitiv ausnutzt.

Die Geschichte wird zwischendurch allerdings immer wieder auch aus anderen Perspektiven erzählt – unter anderem aus der eines ehemaligen Polizisten, der sich mittlerweile selbst zum Verbrecher ernannt hat, oder auch aus der eines Jungen, der den größten Teil seiner Zeit damit verbringt, seine Leidenschaft für die Poesie vor seinem Vater zu verbergen. Der Wechsel der Perspektiven hat mich zu Beginn des Buches ziemlich verwirrt, was dann aber im Laufe der Geschichte deutlich besser wurde, als ich die einzelnen Perspektiven zuordnen konnte.

Besonders beeindruckt hat mich an dem Buch, dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht und die Autorin sehr viel Recherchearbeit geleistet hat. So wurden im neunzehnten Jahrhundert in der französischen Salpêtrière-Klinik unter der Leitung von Dr. Charcot tatsächlich Frauen mit Hysterie behandelt. Der Einblick in die Behandlungsmethoden und den Klinikalltag ist dabei so interessant wie erschreckend. Ich hatte vor dem Lesen dieses Buches überhaupt gar kein Hintergrundwissen über die ganze Thematik und empfinde das Buch schon alleine deshalb als eine Bereicherung.

Kritisieren muss ich, dass sich die Geschichte für mich ungemein in die Länge gezogen hat. Durch die vielen unterschiedlichen Perspektiven erhält man natürlich einen umfassenden Blick auf das Geschehen, jedoch ist die Geschichte für meinen Geschmack einfach nicht dicht genug erzählt. Zwischendrin kommt es immer wieder zu Längen, die für einen deutlichen Abfall der Spannung sorgen. Einige Seiten weniger hätten der Geschichte in diesem Hinblick sicher nicht geschadet.

Gut gefallen hat mir die Entwicklung der Storyline. Die verschiedenen Sichtweisen sind meiner Meinung nach mit einzelnen Puzzleteilen vergleichbar, die zusammen nach und nach ein Gesamtbild ergeben. Vera Buck ist es gelungen, die einzelnen Perspektiven auf geschickte Art und Weise miteinander zu verknüpfen, sodass alle gemeinsam schließlich zum Höhepunkt der Geschichte führen.

Das Ende des Buches war definitiv der spannendste Teil der Geschichte, jedoch auch der unausgereifteste. Während die Autorin im restlichen Teil des Buches nicht vor Längen zurückschreckt, wirkt es so, als wäre für das Ende nicht mehr genug Platz übrig gewesen. Insgesamt bleiben einfach viel zu viele Fragen offen. Besonders über Runas Vergangenheit, aber auch über ihre gegenwärtige Situation hätte ich mir noch viel mehr Informationen gewünscht. Generell bleibt sie im Laufe der Geschichte relativ blass und ungreifbar, was ich sehr schade finde, da der Titel des Buches etwas andere erwarten lässt.

Fazit
Vera Buck hat mit „Runa“ einen aufwendig recherchierten Roman geschrieben, der dem Leser jede Menge Wissen über die Behandlung von sogenannten „Hysterikerinnen“ hinter den Mauern der französischen Salpêtrière-Klinik im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert liefert. Die Geschichte rund um das kleine Mädchen Runa beinhaltet jede Menge Spannung, steht jedoch, anders als der Titel des Buches vermuten lässt, leider nicht im Mittelpunkt des Romans.
Meine beiden größten Kritikpunkt beziehen sich auf die Längen innerhalb der Geschichte, die einen wirklichen Spannungsaufbau leider immer wieder verhindert haben, und auf das für mich unbefriedigende Ende.
Begeistern konnte mich hingegen, wie geschickt die Autorin die einzelnen Perspektiven miteinander verwoben hat, wodurch die Storyline besonders zum Ende hin sehr interessant wurde.

Veröffentlicht am 18.07.2017

Spannende Fortsetzung einer vielversprechenden Jugendbuchreihe

Die Chroniken der Verbliebenen / Das Herz des Verräters
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„Das Herz des Verräters“ setzt genau dort an, wo „Der Kuss der Lüge“ geendet hat: Lia und Rafe werden als Gefangene durch die Gassen von Venda getrieben, während die Brücke hinter ihnen wieder hochgezogen ...

„Das Herz des Verräters“ setzt genau dort an, wo „Der Kuss der Lüge“ geendet hat: Lia und Rafe werden als Gefangene durch die Gassen von Venda getrieben, während die Brücke hinter ihnen wieder hochgezogen wird, wodurch klar wird, das es keinen Weg zurück gibt.

Wie schon im ersten Teil wird die Geschichte hauptsächlich aus Lias Perspektive erzählt, jedoch gibt es auch wieder einzelne Kapitel, die aus der Sicht von Kaden, Rafe und auch Pauline erzählt werden. Dabei schafft es die Autorin über die gesamte Geschichte hinweg, unnötige Wiederholungen zu vermeiden und die Spannung aufrechtzuerhalten. Durch die Mehrpespektivität kommt meiner Meinung nach sogar noch mehr Spannung in die Geschichte, da einige Handlungsverläufe nur angedeutet und erst einige Zeit später wieder aufgegriffen werden.

Auch bereits bekannt aus dem ersten Teil sind die Fragmente von Vendas Lied, Gaudrels Vermächtnis und dem heiligen Text von Morrighan, die einigen Kapitel vorangestellt sind und von der Vergangenheit der Königreiche erzählen. Im ersten Band haben mich diese bruchstückhaften Erzählungen noch überwiegend verwirrt, während im zweiten Band äußerst interessante Details ans Tageslicht gekommen sind, die mir Stück für Stück mehr Klarheit verschaffen haben. Ich bin gespannt, was der dritte und vierte Teil der Reihe hinsichtlich der Vergangenheit von Morrighan und Venda noch offenbaren werden, und wie sie den Bogen zur Gegenwart spannen werden.

Mit Venda hat die Autorin wieder eine ganz eigene Welt mit speziellen Sitten und Bräuchen entworfen, die eine besonders düstere Ausstrahlung hat und einige Geheimnisse in sich birgt. Der bildliche und detaillierte Schreibstil von Mary E. Pearson war wieder genauso großartig wie schon in Band eins und so hatte ich wie auch bei dem kleinen Fischerstädtchen Terravin vom Königreich Venda stets ein genaues Bild vor Augen.

Da „Das Herz des Verräters“ an einem neuen Schauplatz angesiedelt ist, treten natürlich auch eine ganze Menge neue Charaktere auf die Bildfläche. Da wäre zum Beispiel der Komizar, von dem man im ersten Teil schon immer mal wieder gehört hat, aber auch andere Bewohner Vendas werden dem Leser nach und nach vorgestellt, wodurch die Geschichte neuen Schwung bekommt. Nichts desto trotz schafft es die Autorin allerdings auch, liebgewonnene Nebencharaktere aus dem ersten Teil immer wieder geschickt einzubauen, worüber ich mich besonders gefreut habe.

Schon in meiner Rezension zum ersten Teil habe ich die Protagonistin Lia für ihre Stärke gelobt, doch in diesem Teil ist sie in vielerlei Hinsicht noch weiter über sich hinausgewachsen. So hat sie Stück für Stück verstehen gelernt, dass sich das Leben nicht immer nur in schwarz und weiß einteilen lässt, was sich auch auf ihr Handeln ausgewirkt hat. Insgesamt wirkt sie noch erwachsener und lässt ihr impulsives, unüberlegtes Verhalten größtenteils hinter sich, ohne dabei jedoch unsympathisch zu wirken, da sie trotz allem immer noch ein Mensch ist, der zuallererst auf sein Herz hört. Dadurch konnte ich mich stets gut in sie hineinversetzen und habe sie noch ein bisschen mehr in mein Herz geschlossen als es nach Band eins sowieso schon der Fall gewesen war.

Rafe war ja schon im ersten Teil der Reihe mein absoluter Favorit und das hat sich auch in diesem Buch nicht geändert. Jedoch stand er dieses Mal etwas im Hintergrund und hat leider nicht ganz so viel Raum bekommen, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass sich das im nächsten Teil wieder ändern wird.

Kaden mochte ich gegen Ende des ersten Teils immer weniger, dies hat sich jedoch mit „Das Herz des Verräters“ wieder etwas relativiert. Das, was Rafe an Raum einbüßt, kommt Kaden zugute. Der Leser erfährt viel über seine Vergangenheit und seine Beweggründe, wodurch ich sein Verhalten jetzt viel besser nachvollziehen kann als zuvor.

Zu kritisieren habe ich eigentlich nur zwei Dinge. Zum einen fand ich den Mittelteil nicht ganz so spannend wie in „Der Kuss der Lüge“ – was allerdings nicht heißen soll, dass ich mich gelangweilt hätte, das war nämlich definitiv nicht der Fall – und zum anderen ging das Ende für meinen Geschmack etwas zu schnell über die Bühne. Nichtsdestotrotz haben mich die letzten Seiten aber mehr als neugierig auf den nächsten Teil gemacht, sodass ich es kaum noch abwarten kann, bis er endlich erscheint.


Fazit

Wie schon im ersten Teil der Reihe besticht Mary E. Pearson mit ihrem detaillierten und bildlichen Schreibstil und einem faszinierenden Worldbuilding. Die Charaktere sind komplex und vielschichtig, die Storyline spannend und stimmig und zudem versteht es die Autorin bestens, die beiden Handlungsstränge von Vergangenheit und Gegenwart geschickt miteinander zu verweben. Einen halben Stern Abzug bekommt das Buch von mir nur, weil mich der erste Teil besonders in der Mitte noch ein bisschen mehr packen konnte und mir das Ende in diesem zweiten Band etwas zu schnell kam.
Wenn ihr phantastische Jugendbuchreihen mögt, kann ich nur eines sagen: LEST DIESE BUCHREIHE!

Veröffentlicht am 07.07.2017

Eine berührende und ermutigende Geschichte

Morgen lieb ich dich für immer
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Inhalt

Eine Liebe so groß wie die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft...
„Mallory und Rider kennen sich seit ihrer Kindheit. Vier Jahre haben sie sich nicht gesehen und Mallory glaubt, dass sie sich ...

Inhalt

Eine Liebe so groß wie die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft...
„Mallory und Rider kennen sich seit ihrer Kindheit. Vier Jahre haben sie sich nicht gesehen und Mallory glaubt, dass sie sich für immer verloren haben. Doch gleich am ersten Tag an der neuen Highschool kreuzt Rider ihren Weg – ein anderer Rider, mit Geheimnissen und einer Freundin. Das Band zwischen Rider und Mallory ist jedoch so stark wie zuvor. Als Riders Leben auf eine Katastrophe zusteuert, muss Mallory alles wagen, um ihre eigene Zukunft und die des Menschen zu retten, den sie am meisten liebt …“

Meine Meinung

Auf „Morgen lieb ich dich für immer“ habe ich aus zwei Gründen voller Vorfreude hin gefiebert: Zum einen gehört Jennifer L. Armentrout seit der Lux-Reihe zu meinen Lieblingsautorinnen und zum anderen habe ich schon als das Buch in den USA unter dem Titel „The problem with forever“ erschienen ist sehr viel Gutes darüber gehört.

Das deutsche Cover gefällt mir leider nicht ganz so gut wie das amerikanische, da die Personen, die zu sehen sind, auch nicht der Beschreibung im Buch entsprechen, aber das ist kein Kriterium, das meine Bewertung des Buches beeinflusst, da es natürlich in erster Linie um den Inhalt geht.

Die Geschichte startet mit einem kurzen, spannenden, aber auch düsteren Rückblick, woraufhin dann mehrere Jahre nach vorne in die Gegenwart gesprungen wird. Diese erscheint erst mal sehr positiv, doch dem Leser wird schnell klar, dass Mallory, aus deren Perspektive die gesamte Geschichte erzählt wird, einigen Ballast mit sich herumschleppt. Mich persönlich haben die Rückblenden sehr neugierig gemacht, da sie dem Leser häppchenweise vor Augen führen, wie es dazu gekommen ist, dass Mallory jetzt so ist wie sie eben ist. Aber auch die Erzählung um Mallorys Gegenwart bietet durchaus Spannung, da sich die Protagonistin sozusagen in einer Umbruchphase befindet. Diese von Beginn an vorhandene Grundspannung und auch Jennifer L. Armentrouts lockerer und flüssiger Schreibstil haben dazu geführt, dass sich das Buch sehr angenehm hat lesen lassen und auch keine längeren Durststrecken aufgekommen sind.

Mallory fand ich als Protagonistin sehr interessant, da ich bisher noch keine Geschichte gelesen habe, in der der Hauptcharakter mit solchen psychischen Problemen zu kämpfen hatte wie es bei Mallory der Fall ist. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber ich finde, dass es der Autorin sehr gut gelungen ist, Mallorys Ängste, Gedanken und Gefühle zu transportierten, sodass ich mich sehr gut in sie hineinversetzen konnte. Und auch mit Rider ist der Autorin ein außergewöhnlicher Charakter gelungen, der ebenfalls mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat und den ich mit jeder Seite mehr mochte.

Die Nebencharaktere waren allesamt gut ausgearbeitet, sodass es mir nicht wie in manch anderen Geschichten so vorkam als wären sie nur blasse Randfiguren, im Gegenteil, ich hatte nach dem Lesen das Gefühl sie ganz gut zu kennen. Besonders Mallorys Freundin Ainsley mochte ich sehr.

Wie ich bereits geschrieben habe, war eine Grundspannung von Anfang an da und auch während dem weiteren Verlauf hat mich das Buch stets gut unterhalten, allerdings gab es keine überraschenden Wendungen, die mich völlig umgehauen hätten. So habe ich die Geschichte zwar gerne gelesen, richtig fesseln konnte sie mich bis zum Schluss allerdings nicht. Auch das Ende war relativ vorhersehbar, allerdings war es trotzdem zufriedenstellend für mich.

Mein größter Kritikpunkt an der Geschichte ist, dass mich die Liebesgeschichte leider nicht in dem Maße berühren konnte, wie ich es mir gewünscht hätte und ich die Vergangenheit von Mallory eigentlich noch viel interessanter fand als ihre Gegenwart. Da der Fokus der Geschichte allerdings deutlich auf der Gegenwart liegt, kamen leider ein paar Dinge zu kurz, die ich noch gerne über Mallorys Kindheit erfahren hätte.

Was mich an der Geschichte wohl am meisten berührt hat war eine persönliche Erfahrung der Autorin, die sie in die Geschichte miteinfließen ließ. Obwohl die Thematik innerhalb der Geschichte insgesamt nur wenig Platz eingenommen hat, ist es Jennifer L. Armentrout dadurch gelungen, mich nachdenklich zu machen, sodass ich nach dem Lesen sogar darüber recherchiert habe.

Fazit

Eine tiefsinnige und interessante Geschichte über Verletzungen, die so tief gehen, dass man sie niemals ganz loswerden kann, und über die Stärke, trotzdem damit weiterzuleben und Schritt für Schritt die Macht über das eigene Leben wieder zurückzuerlangen. Durch die Liebesgeschichte zwischen Mallory und Rider gewinnt das Buch an Leichtigkeit, allerdings hätte ich gerne noch mehr über Mallorys Vergangenheit erfahren und mir noch mehr Spannung gewünscht.

Allem in allem hat Jennifer L. Armentrout eine Geschichte geschrieben, die einzigartig und trotz aller Dunkelheit, die darin vorkommt, auch sehr ermutigend ist, sodass ich sie nur weiterempfehlen kann.

Veröffentlicht am 07.07.2017

Emotionen pur gepaart mit jeder Menge überraschender Wendungen

Nächstes Jahr am selben Tag
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Colleen Hoover ist es gelungen, mich direkt auf den ersten Seiten abzuholen. Da sie sowohl aus Fallons als auch aus Bens Perspektive erzählt, wird es dem Leser besonders leicht gemacht, sich in die beiden ...

Colleen Hoover ist es gelungen, mich direkt auf den ersten Seiten abzuholen. Da sie sowohl aus Fallons als auch aus Bens Perspektive erzählt, wird es dem Leser besonders leicht gemacht, sich in die beiden hineinzuversetzen – und sie schon nach wenigen Seiten ins Herz zu schließen. Der Schreibstil der Autorin sprüht wie in jedem ihrer Bücher nur so von Humor, Leichtigkeit und purer Emotion. Ich glaube fast, die Grundthematik in ihren Büchern könnte noch so unoriginell sein und Colleen Hoover würde es trotzdem schaffen, daraus eine berührende und unterhaltsame Geschichte zu machen.

Aber in „Nächstes Jahr am selben Tag“ ist die Grundidee alles andere als unoriginell. Zwei Personen, die sich mehrere Jahre lang nur einmal im Jahr treffen und abgesehen von diesem einen Tag keinerlei Kontakt zueinander haben. Das hört sich erst mal total interessant, aber vielleicht auch ein bisschen unrealistisch an. Das war es aber nicht. Ganz im Gegenteil, Colleen Hoover hat es in der Geschichte immer wieder von neuem geschafft, mich von Sichtweisen und Einstellungen zu überzeugen, denen ich nicht einmal zustimmen wollte. So entwickeln Fallon und Ben relativ schnell Gefühle füreinander – normalerweise würde ich mich bei einer Rezension genau an dieser Stelle jetzt ausgiebig darüber auslassen – doch hier ist es anders. Was Colleen Hoover schreibt ist echt, tiefgründig und berührend, sodass man es einfach glauben muss.

Fallon und Ben mochte ich unglaublich gerne. Beide habe eine spezielle Vergangenheit, die sie zu den Personen gemacht hat, die sie heute sind und jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Besonders Fallon macht im Laufe der Geschichte eine deutliche Entwicklung durch, aber auch von Ben bekommt man immer mehr Facetten zu sehen. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass die beiden anfangs für ihr Alter doch sehr reif erscheinen, jedoch ist mir das ehrlich gesagt viel lieber als umgekehrt.

Die Storyline hat mich dieses Mal wirklich besonders überrascht. Schon allein die Grundidee fand ich ja toll, aber mit den ganzen Wendungen und Verflechtungen, die das Buch bereithält, hätte ich wirklich nicht gerechnet. Oft kommt es bei Liebesromanen ja vor, dass es zwischendurch ein paar Längen gibt oder das Ende relativ absehbar ist, doch das ist in diesem Buch überhaupt nicht der Fall. Die Autorin hat mich so oft überrascht wie in noch keinem anderen ihrer Bücher, die letzten 200 Seiten waren sogar so spannend, dass ich sie komplett an einem Stück lesen musste.

Doch nicht nur die Plottwists konnten mich überzeugen, auch die Emotionalität der Geschichte und besonders die ganzen Weisheiten, die ich beim Lesen mitgenommen habe, haben das Buch zu etwas Besonderem für mich gemacht. Eine meiner liebsten Stellen:
„Solange man in einem anderen Menschen verloren ist, wird man sich selbst niemals finden.“

Was mir auch wahnsinnig gut gefallen hat, waren die Anspielungen auf Bücher und das Lesen. Ich möchte noch nicht zu viel verraten, aber Bücher spielen auf jeden Fall eine große Rolle in der Geschichte und ich bin mir sicher, dass jeder Bücherwurm an der ein oder anderen Stelle beim Lesen in sich hineingrinsen muss – so ist es jedenfalls mir ergangen.

Und es gab noch etwas, dass mein Colleen Hoover-Fanherz höher schlagen ließ: Eine Begegnung mit einem Paar aus einem ihrer anderen Bücher. Das war echt ein schöner Überraschungsmoment! Um wen es sich dabei handelt, müsst ihr allerdings selbst herausfinden.

Fazit

Das neue Buch von Colleen Hoover ist nicht nur unglaublich berührend, es steckt auch voller Überraschungen und unerwarteter Wendungen, die dafür sorgen, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann. Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden, die Fähigkeit zu vergeben und nicht zuletzt über selbstlose Liebe. Es ist weit mehr als eine Liebesgeschichte.

Veröffentlicht am 07.07.2017

Spannende Fantasygeschichte, die mir teilweise aber etwas zu verwirrend war

Schattendiebin, Band 1: Die verborgene Gabe
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Inhaltsangabe

„Seit sie denken kann, besitzt Julia die Gabe, sich vor den Blicken anderer zu verbergen. Für ihren Job als Diebin und Spionin ist diese Fähigkeit mehr als nützlich. Doch sie kann ihr auch ...

Inhaltsangabe

„Seit sie denken kann, besitzt Julia die Gabe, sich vor den Blicken anderer zu verbergen. Für ihren Job als Diebin und Spionin ist diese Fähigkeit mehr als nützlich. Doch sie kann ihr auch gefährlich werden, denn der König hat Magie verbannt und lässt Hexen öffentlich hinrichten. Für ihren neuesten Job soll Julia sich als Dienstmädchen bei der reichen Frau Och einschleichen und die Bewohner des Hauses ausspionieren. Schnell erkennt Julia, dass Frau Och sich nicht um das Verbot des Königs schert. Zusammen mit einem zwielichtigen Professor und seinem jungen Assistenten Frederick versteckt sie gefährliche Kreaturen im Keller und hilft verfolgten Hexen. Als eine gehetzte junge Frau mit ihrem Baby bei Frau Och Zuflucht sucht, erfährt Julia, was ihr mysteriöser Auftraggeber wirklich von ihr erwartet. Und selbst eine unsichtbare Diebin kann sich nicht vor ihrem eigenen Gewissen verstecken …“

Meine Meinung

Zuerst einmal möchte ich mich nochmal bei Ravensburger und LovelyBooks für das Vorableseexemplar, das ich gewonnen habe, bedanken. Der Klappentext des Buches hat mich direkt angesprochen, da ich bisher noch keine Geschichte gelesen habe, in der die Protagonistin zum einen die Gabe besitzt, sich unsichtbar zu machen, und zum anderen eine professionelle Auftragsdiebin ist. Ich habe mich also sehr auf diese Geschichte gefreut, nach den ersten Seiten ist diese Freude allerdings etwas gedämpft worden.

Es ist mir sehr schwer gefallen in die Geschichte hineinzukommen. Das lag vor allem daran, dass die Autorin gleich zu Beginn sehr viele fremdartige Namen fallen lässt und immer wieder neue Orte einführt. Außerdem kommen immer wieder kurze Sichtwechsel vor, die zwar sehr interessant sind, meine Verwirrung jedoch nur noch wachsen ließen, da sie sehr unpräzise sind und erst im Nachhinein wirklich verstanden werden können. Das alles hat dazu geführt, dass ich mich nicht in die Geschichte fallen lassen konnte und mich teilweise sehr zwingen musste, weiterzulesen.

Julia war mir als Protagonistin durchgehend sympathisch. Es wird schnell klar, dass sie ein starkes und auch ziemlich abgehärtetes Mädchen ist, was auch mit ihrer Vergangenheit und ihren Lebensumständen zusammenhängt. Trotzdem wirkt sie nicht kalt oder skrupellos, da sie dem Leser immer wieder Einblicke in ihre Gefühlswelt gewährt. Ich fand ihre Handlungen größtenteils durchaus nachvollziehbar und war froh, dass sie keines dieser naiven Mädchen ist, die blindlings in jede Gefahr rennen.

Neben Julia gab es aber noch weitere interessante Charaktere. Da wäre zum einen die mysteriöse Bianka, die von etwas Dunklem verfolgt wird, selbst jedoch auch etwas zu verbergen zu haben scheint. Oder die reiche Frau Och, die Bianka bei sich aufnimmt und auch sonst allerhand merkwürdige Gäste beherbergt. Kurz gesagt: Die Autorin hat es eindeutig geschafft, vielschichtige und interessante Nebencharaktere herauszuarbeiten, mein einziger Kritikpunkt ist, dass es mir zu viele Nebencharaktere waren. Ein paar weniger hätten der Geschichte bestimmt keinen Abbruch getan.

Was mir an der Geschichte wirklich gut gefallen hat, waren zuerst einmal die originellen Ideen der Autorin. Wie ich schon gesagt habe, fand ich schon die Ausgangssituation sehr interessant, doch Catherine Egan hat mich noch öfter überrascht. Neben den altbekannten Fantasywesen trifft der Leser auch auf einige außergewöhnliche, über die ich zuvor weder etwas gelesen noch gehört hatte. Des Weiteren hat die Autorin eine sehr interessante Welt entworfen. Spira ist eine ziemlich heruntergekommene Stadt, in der viel Elend und Gewalt herrscht. Trotzdem hat es die Autorin durch ihre bildhaften Schilderungen irgendwie geschafft, dass mir die Stadt immer mehr ans Herz gewachsen ist – vermutlich gerade weil sie so düster ist.

Meine größte Kritik bezieht sich, wie bereits am Anfang erwähnt, auf die enorme Komplexität der Geschichte, die es mir wirklich schwer gemacht hat, das Lesen zu genießen. Dadurch hat sich die Geschichte dann sehr gezogen und ich musste mich stellenweise wirklich durch die Seiten kämpfen. Die letzten hundert Seiten haben das Ruder dann allerdings noch einmal herumgerissen, denn das Ende war wirklich spannend und ich konnte gar nicht anders als es in einem Rutsch durchzulesen.

Fazit

Eine ziemlich originelle Geschichte mit sehr interessanten und vielschichtigen Charakteren, die jedoch besonders zu Beginn sehr komplex und teilweise auch verwirrend ist, was den Lesegenuss leider ziemlich schmälert.