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Veröffentlicht am 27.03.2026

Pirmasens - damals und heute

Am helllichten Tag
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Toni hat den Kleinstadtmief von Pirmasens hinter sich gelassen, lebt als Journalistin - wobei der Erfolg noch ausbaufähig ist - in einer offenen, für sie ausgesprochen unbefriedigenden Beziehung in München. ...



Toni hat den Kleinstadtmief von Pirmasens hinter sich gelassen, lebt als Journalistin - wobei der Erfolg noch ausbaufähig ist - in einer offenen, für sie ausgesprochen unbefriedigenden Beziehung in München. Doch dann stirbt plötzlich ihr Vater und Toni, ein Einzelkind, beginnt seinen Nachlass zu ordnen, das Haus auszuräumen - und entdeckt dabei unbekannte Seiten an ihrem Vater, mit dem sie ein eher kühles Verhältnis verband: tatsächlich war er 1964, als Kind, in einen Vermisstenfall eingebunden, wurde mehrfach von der Polizei verhört, auch noch einmal in den 1970er Jahren.

Dazu erfährt sie so manches Überraschende aus Vergangenheit und Gegenwart und lernt den Polizisten Leo kennen - auch privat. Dass Pirmasens eine Stadt mit vielen Seiten und nicht nur spießig ist, wird ihr erst jetzt bewusst.

Peter Probst ist hier ein Spannungsroman gelungen, der atmosphärisch und aufwühlend ist. Teilweise sind mir die Figuren, aber auch die Stadt Pirmasens dann doch ein bisschen zu eindimensional gezeichnet. Insgesamt ein empfehlenswerter Roman für alle, die gerne in der Vergangenheit "rumwühlen", es aber auch spannend mögen.

Veröffentlicht am 24.03.2026

Immer im Rausch?

Es war nicht anders möglich
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Vorneweg: ja, Sucht, vor allem die nach Alkohol spielt eine extrem übergeordnete Rolle in diesem Roman. Martina sitzt Abend für Abend in der Kneipe bei Wein und Schnaps, sie verbringt viele der Abende ...

Vorneweg: ja, Sucht, vor allem die nach Alkohol spielt eine extrem übergeordnete Rolle in diesem Roman. Martina sitzt Abend für Abend in der Kneipe bei Wein und Schnaps, sie verbringt viele der Abende dort allein, wie andere Menschen es in der eigenen Wohnung tun, für sie ist die Theke fast so etwas wie das heimische Wohnzimmer. Der Tod ihres Vaters, den sie kaum kannte, macht diese ihre Situation nur noch drastischer. Ist sie ständig im Rausch? Naja, jedenfalls ziemlich oft und die Erkenntnisse, die sie im Laufe der Handlung gewinnt (oder auch nicht) verbessern ihre Lage nicht unbedingt.

Ich finde Parallelen zum ebenfalls in diesem Jahr erschienen Debütroman "Gelbe Monster". Auch hier gibt es gewisse Abhängigkeiten, die zu Süchten ganz anderer Art führen, aber der grundsätzliche Tenor ähnelt einander aus meiner Sicht auf verblüffende Art und Weise: man kann von etwas Bestimmten, das einem auf Dauer nicht guttut, einfach nicht loskommen. Eigentlich eine wichtige Erkenntnis im aktuellen literarischen Flow, in die sich der vorliegende Roman nahtlos einreiht, aber ich kann ihn einfach nicht mögen, er zieht mich einfach zu sehr runter, Protagonistin Martina hat eine ausgesprochen toxische Wirkung auf mich.

So ähnlich, aber auch wieder verschiedenen - warum schreiben junge Frauen, junge Menschen überhaupt derzeit so viel über Abhängigkeiten? Das ist eine Frage, die ich mir selbst nicht beantworten kann, bisher jedenfalls nicht.

Veröffentlicht am 22.03.2026

Ein Märchen aus uralten Zeiten?

Der Fährmann
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Nein, leider sind die Umstände und Ereignisse, die Regina Denk hier schildert, ausgesprochen realistisch, wenn auch teilweise zu sehr konzentriert auf den kleinen Flecken an der Salzach, in dem sich die ...

Nein, leider sind die Umstände und Ereignisse, die Regina Denk hier schildert, ausgesprochen realistisch, wenn auch teilweise zu sehr konzentriert auf den kleinen Flecken an der Salzach, in dem sich die Handlung vollzieht. Doch das tut meiner Begeisterung keinen Abbruch!

Zunächst begegnen wir den Mädchen Elisabeth und Annemarie im Kindesalter, sie sind beste Freundinnen und stehen füreinander ein. Der dritte im Bunde ist Hannes, bei dem sich schon in jungen Jahre folgendes abzeichnet: er wird einmal der absolute Mädchenschwarm, genau genommen ist er das ja schon. Und es steht jetzt schon fest, dass er, als jüngerer Bruder, seinem Onkel in den Beruf des Fährmannes, der quasi immer im Dienst ist, folgt. Und da darf man nicht heiraten.

Schon bald wachsen die Kinder heran und Klassenunterschiede zeichnen sich ab. Elisabeth ist die Tochter eines wohlhabenden Bauern, sie soll Josef heiraten, der einen entsprechenden Hof erbt. Und das, obwohl Hannes und sie schon seit Kindestagen nur Augen füreinander haben. Josef hat aber auch nach der Hochzeit einen großen Appetit auf Frauen und schnappt sich Wirtstochter Annemie, wann immer ihm danach ist. Die beiden jungen Frauen entfremden sich voneinander und haben auch nur noch wenig Kontakt zu Hannes , bis... ja, man darf gespannt sein!

Mich hat hier vor allem die Sprache in den Bann gezogen, die voller Symbolik und Vergleichen und Begriffen aus der Natur ist. Auch das Flüsschen Salzach spielt eine wichtige Rolle im Buch und wirkt stellenweise, als wäre es auch eine Figur. Ebenfalls hervorzuheben ist die Darstellung der Frauen - die Handlung ist zwar im frühen 20. Jahrhundert angesiedelt, doch sind die Frauen hier teilweise mit Attributen der Gegenwart ausgestattet, so dass sie uns Lesern im 21. Jahrhundert nicht allzu fremd sind!

Kraftvoll und eindringlich, so empfand ich diesen Roman, der leider viel zu rasch zu Ende war!

Veröffentlicht am 22.03.2026

Eine Ermittlung der besonderen Art

Noch fünf Tage
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Denn es ermittelt eine Todgeweihte! Dennoch ist dieser Fall nicht nur spannend, sondern auch witzig und überaus unterhaltsam!

Berichtet wird aus der Perspektive der Spitzenköchin Lis Castrop, die - obwohl ...

Denn es ermittelt eine Todgeweihte! Dennoch ist dieser Fall nicht nur spannend, sondern auch witzig und überaus unterhaltsam!

Berichtet wird aus der Perspektive der Spitzenköchin Lis Castrop, die - obwohl geistig noch sehr agil - auf dem Totenbett liegt. Ihr bleiben noch die im Titel erwähnten fünf Tage.

Was ist passiert? Eine reiche Familie wurde vergiftet - Vater, Mutter und zwei Kinder - und ist nicht mehr. Wie konnte das geschehen. Lis, die Köchin der Familie, die ebenfalls vergiftet wurde, bei der der Tod jedoch erst nach fünf Tagen eintreffen wird, versucht herauszufinden, wer es hätte sein können.

Dazu muss sie noch ihre Tochter Cosima unterbringen und vor allem - von ihrem baldigen Tod in Kenntnis setzen.

Einziges Szenario ist eine Luxusklinik in Davos, allerdings werden jede Menge Erinnerungen wach, die die Leser - ebenso wie die Protagonisten - an andere Orte versetzen.

Erstaunlich, dass ein so tragisches Sujet in mir eine solche Heiterkeit hervorrufen konnte - aber solche Dinge passieren ja nicht wirklich, sondern nur im Buch. Oder?

Veröffentlicht am 20.03.2026

Als kleine Aufmerksamkeit bspw. im Krankenbett

Der Rikscha-Fahrer, der dir das Glück zeigt
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Zum Aufmuntern, Trost-Spenden, Freude bereiten und viele (positive) Zwecke mehr soll dieses Buch dienen, das die Fahrten des Rikschafahrers Rahul und die jeweilige Kommunikation mit seinen Passagieren ...

Zum Aufmuntern, Trost-Spenden, Freude bereiten und viele (positive) Zwecke mehr soll dieses Buch dienen, das die Fahrten des Rikschafahrers Rahul und die jeweilige Kommunikation mit seinen Passagieren beschreibt. Er sieht sich nämlich als jemand, der ihnen zeigt, wo sie das Glück finden - und zwar jedem einzelnen.

Ich kann mir nicht helfen, aber ich empfinde Rahul als übergriffig seinen Passagieren gegenüber - nicht jeder will oder muss mit der Nase auf sein Problem gestoßen werden und nicht jeder will einen Fahrer vor sich sitzen haben, der immer alles bewertet und beurteilt. Das kann auch ganz schön lästig werden.

Meiner Meinung nach sollte man gut überlegen, wem man dieses Buch schenkt - allzu schnell können die guten Botschaften auch ins Negative umgekehrt werden!