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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.06.2021

Ein Haus, ein Kätzchen und ein Pferd

Der französische Gast
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Das ist zusammengefasst der materielle Verlust, der Ellen und ihren beiden Kindern droht, wenn es zum Äußersten kommt, nämlich zur Scheidung. Abgesehen vom menschlichen! Denn Ehemann und Vater Avery ist ...

Das ist zusammengefasst der materielle Verlust, der Ellen und ihren beiden Kindern droht, wenn es zum Äußersten kommt, nämlich zur Scheidung. Abgesehen vom menschlichen! Denn Ehemann und Vater Avery ist auf dem besten Weg, dem (mehr oder weniger ungebetenen) französischen Gast Louise näher zu kommen.

Oder ist es gar schon geschehen? Autorin Dorothee Whipple hat eine hinreißende Gesellschaftsstudie verfasst, die irgendwo zwischen Tragödie und Satire oszilliert. Oder ganz woanders?

Denn lange Zeit war mir nicht klar, worauf die Autorin hinaus will. Vieles schien von Beginn an festzustehen, auch die Kräfte und Mächte schienen klar verteilt.

Lange Zeit nahm ich an, etwas sehr Absehbares zu lesen und man muss auch sehr stark auf die Zwischentöne achten, um zu spüren, dass es nicht so ist.

Dafür, dass sie bereits in den 1950ern geschrieben wurde, ist sie überraschend modern, wie ich finde. Man könnte Richtung des Romans mit dem der Bücher von Vicky Baum vergleichen - nur ist er noch ein wenig spritziger, eleganter! Auch in der deutschen Übersetzung, die - soweit ich es beurteilen kann - bestens gelungen ist.

Wer sich also von einem Roman mit klar positionierten Sympathien - der Figuren, der Autorin, des Lesers - überraschen lassen will (und ich verspreche Ihnen, dass dies der Fall sein wird), sollte hier unverzüglich zugreifen.

Veröffentlicht am 04.06.2021

Eine Pandemie in der Stadt

Eine Seuche in der Stadt
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Auch vor 78 Jahren, den Zweiten Weltkrieg bereits vor Augen, wurde versucht, Impfstoffe gegen Pandemien zu entwickeln. In diesem Falle gegen die Pest. Hier treffen wir auf den Wissenschaftler Rudolf Iwanowitsch ...

Auch vor 78 Jahren, den Zweiten Weltkrieg bereits vor Augen, wurde versucht, Impfstoffe gegen Pandemien zu entwickeln. In diesem Falle gegen die Pest. Hier treffen wir auf den Wissenschaftler Rudolf Iwanowitsch Mayer, der in der sowjetischen Provinz mit der Entwicklung eines Impfstoffes betraut ist, den er nun in Moskau vorstellen soll.

Allerdings stellt sich nach seiner Ankunft heraus, dass er selbst bereits mit dem Virus infiziert wurde. Nun folgt etwas, dass uns Pandemierfahrenen im Verlauf des vergangenen Jahres zur Routine geworden ist: es wird versucht, alle Menschen aufzutreiben, die mit Mayer zuletzt in Kontakt waren, was 1939 denkbar schwieriger war als heute.

Doch niemand ist mit dem Grundgesetz oder Ähnlichem dagegen getreten. Wie denn auch - das Land befand sich mitten in seiner totalitaristischsten Phase überhaupt, nämlich im Stalinismus. Was einige Vorgänge, wenn man es rein sachlich sehen will, auf jeden Fall vereinfacht hat.

Auf jeden Fall bleibt dem/der Rezipient*in die Erkenntnis, dass Seuchen eine Gemeinsamkeit haben: sie verbreiten sich schneller, als man "Totalitarismus" oder aber auch "Europäische Union" sagen kann!

Veröffentlicht am 31.05.2021

Stärke wagen .... und sie leben!

Weltbewegerinnen
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Stark zu sein - das trauen sich nicht selten diejenigen, denen die Außenwelt es am wenigsten zutraut - die Armen, Schwachen, die Unterdrückten, die Kranken, diejenigen, die am Existenzminimum krebsen: ...

Stark zu sein - das trauen sich nicht selten diejenigen, denen die Außenwelt es am wenigsten zutraut - die Armen, Schwachen, die Unterdrückten, die Kranken, diejenigen, die am Existenzminimum krebsen: ganz, ganz oft sind das Frauen, die von ihrer Umwelt bereits abgeschrieben wurden! Ganz oft aufgrund einer Körperbehinderung, aber auch wegen einer aussichtslosen Position im Alltag.

"Ach, die.... die Arme, die schafft nichts" denken sich möglicherweise vorübergehende Passanten.

Falsch gedacht: denn wer hat ein Kind auf einer Wildgans durch Schweden fliegen lassen und bekam dafür den Literaturnobelpreis, wer hat seinen Verlobten Dietrich Bonhoeffer bis in den Tod begleitet und zwar aufrechten Mutes im Bewußtsein, den wahren Weg zu gehen? Wer hat in jungen Jahren auf Bali eine Initiative gegen Plastiktüten gestartet und damit eine riesige Kampagne losgetreten? Ohne wen in seinem Team wäre Astronaut John Glenn nie, niemals zu seiner Erdumrandung aufgebrochen?

Dies und vieles, vieles mehr haben Frauen bzw. Mädchen bewirkt, die glaubten und glauben: an sich selbst, an Gott und an die Zukunft. Auch wenn es oft kaum ein anderer tut.

Hier liest man von vierzig Frauen, die es wagten, stark zu sein und damit Erfolg hatten! Auch wenn einige aus meiner Sicht nicht so gut wie andere in diesen Überblick passen, ist dies aus meiner Sicht ein sehr gelungenes Buch gerade auch für sehr junge Frauen bzw. Mädchen. Um ihnen zu zeigen, dass sie mutig sein sollen, sich was trauen! Viele ihrer Schwestern haben Unglaubliches erreicht. Ein schönes Geschenk bspw. zur Konfirmation.

Veröffentlicht am 30.05.2021

Ein toter Mann auf einer Bank

Wattenmeermord
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Das ist etwas, das man auf der beschaulichen Insel Pellworm nicht alle Tage antrifft: und so bekommt es der frischgebackene Inselpolizist Jan Benden es bald nicht nur mit seinem selbsternannten (Möchtegern-)Assistenten ...

Das ist etwas, das man auf der beschaulichen Insel Pellworm nicht alle Tage antrifft: und so bekommt es der frischgebackene Inselpolizist Jan Benden es bald nicht nur mit seinem selbsternannten (Möchtegern-)Assistenten Tamme, der ihn auf Schritt und Tritt begleitet bzw. nervt, sondern bald auch mit einer Ermittlungskommission vom Festland zu tun.

Dann alles deutet darauf hin, dass der Arzt in Rente, der sein Leben auf einer Bank am Meer aushauchen musste, keines natürlichen Todes starb. Die Ermittler vom Festland strotzen ebenso vor Klischees wie das Insel-Original Tamme, was bald schon zu augenscheinlich und damit unangenehm wird.

Schade eigentlich, da sich die eigentlichen Mordenermittlungen durchaus spannend und auch mit diversen Überraschungen gespickt gestalten. Nur geht das leider in all dem Drumherum unter, das ziemlich bemüht wirkt und mir auch einen Teil des Lesevergügens an diesem eigentlich spannenden Fall raubte. Schade eigentlich!

Veröffentlicht am 25.05.2021

Alarm in Köln!

Stay away from Gretchen
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Hier beginnt für Nachrichtenmoderator Tim Monderath im Alter von 49 Jahren der Ernst des Lebens: seine Mutter Greta wird immer tüddeliger. Bisher hat sie noch allein in der ehemaligen Familienwohnung ...

Hier beginnt für Nachrichtenmoderator Tim Monderath im Alter von 49 Jahren der Ernst des Lebens: seine Mutter Greta wird immer tüddeliger. Bisher hat sie noch allein in der ehemaligen Familienwohnung in Köln-Porz, direkt am Rhein, gelebt und ist sogar noch Auto gefahren!

Doch nachdem sie sich mit ihrem Auto hunderte von Kilometern weit entfernt von Zuhause findet, ohne Benzin und völlig verwirrt, muss etwas geschehen. Auch wenn Nachbarin Helga sich kümmert und schon immer ein Auge auf Greta hatte.

Irgendwie entwickelt sich jedoch so einiges sehr, sehr merkwürdig: sie spricht über ihre Kindheit in Ostpreußen und über andere Dinge, die sie nie zuvor angesprochen hat. Das Gesagte lässt vermuten, dass sie es im und nach dem Krieg noch deutlich schwerer hatte als angenommen - und einige der Fäden weisen in eine komplett unerwartete Richtung!

Ein spannender Roman, der sich für meinen Geschmack manchmal etwas zu wild entwickelte, auch in der Entwicklung einiger Figuren schoss Autorin Susanne Abel aus meiner Sicht deutlich über das Ziel hinaus: so wurde Tom zunächst doch sehr einseitig als lebenslustiger Bonvivant dargestellt, zu dem die weiteren Entwicklungen gar nicht so recht passen wollten.

Doch einige der Punkte wie bspw. Rassismus in der unmittelbaren Nachkriegszeit trafen in ihrer Darstellung genau ins Schwarze und bewegten mich tief. Auf jeden Fall widmet sich dieser Roman auch einigen Aspekten, die im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen nicht ganz so häufig in der Literatur eine Rolle spielen! Wer sich gern mit diesem Thema beschäftigt, wird hier einige neue Impulse und Eindrücke gewinnen!