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Veröffentlicht am 28.12.2019

In freiem Fall

Freefall – Die Wahrheit ist dein Tod
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befindet sich Ally nicht nur während ihres Absturzes, sondern auch danach. Ganz besonders danach! Doch dazu mehr.

Zunächst begegnen wir ihr, wie sie aus einem abgestürzten Flugzeug krabbelt: ...

befindet sich Ally nicht nur während ihres Absturzes, sondern auch danach. Ganz besonders danach! Doch dazu mehr.

Zunächst begegnen wir ihr, wie sie aus einem abgestürzten Flugzeug krabbelt: gerade noch mal davongekommen und ihres Liebsten verlustig. Der saß nämlich am Steuerknüppel des kleinen Fliegers. Ally muss sich nun in jeder Hinsicht komplett neu orientieren; zunächst jedoch aus der Wildnis herausfinden.

Dass es in den letzten Jahren ganz schön bunt hergegangen ist in ihrem Leben, erfahren wir nicht nur von ihr, sondern auch von ihrer Mutter Maggie. Die beiden berichten nämlich im Wechsel.

Dadurch entsteht ein vielschichtiger Thriller mit Emotionen, in dem die Entwicklungen der Hauptpersonen eindringlich geschildert werden. Leider aber wenig atmosphärisch, ebenso wie die Charaktere der Figuren für mich wenig greifbar sind.

Dadurch wird die Spannung, die sich durch immer wieder neu eingestreute Details aufbaut, leider stark eingeschränkt. Vieles ist unlogisch und schwer nachzuvollziehen - obwohl ich ausgesprochen neugierig war, habe ich die Lektüre immer wieder sinken lassen und mich gefragt: "Was sollte das jetzt eigentlich?"

Ich bin also hin- und hergerissen, sowohl in Bezug auf den Inhalt als auch auf die Leistung der Autorin: manches ist (fast) grandios, anderes wiederum sehr verwirrend, teilweise schon dilletantisch. Dass das nicht an der Übersetzung liegt, weiß ich, denn diese wurde von der von mir hochgeschätzten Susanne Goga angefertigt, was für mich ein Grund mehr war, um zu dieser Lektüre zu greifen. Was sich - wie geschildert - leider nur teilweise lohnte.

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Veröffentlicht am 23.12.2019

Ja, und?

Die Weihnachtsgeschwister
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Richtig viel los war nicht in diesem Weihnachtsroman von Alexandra Hennig von Lange: drei längst erwachsene Geschwister treffen sich nicht mehr oft - aber das Weihnachtsfest bei den Eltern ist ein fester ...

Richtig viel los war nicht in diesem Weihnachtsroman von Alexandra Hennig von Lange: drei längst erwachsene Geschwister treffen sich nicht mehr oft - aber das Weihnachtsfest bei den Eltern ist ein fester Termin, bei dem alle mit Kindern und Partnern auflaufen und die Eltern machen lassen.

Außer Elisabeth, der mittleren Tochter. Die erträgt stoisch die Unverschämtheiten ihrer älteren Schwester Tamara und des jüngeren Bruders Ingmar und versucht, ihren Eltern eine Stütze zu sein. Was ihr so ganz und gar nicht gedankt wird.

Ich muss sagen, dass dieser kurze Roman ganz und gar nicht schlecht geschrieben ist - nein, die Autorin hat stilistisch eindeutig was drauf. Auch die Charaktere sind gut gezeichnet, zumindest die der drei Geschwister.

Aber: so etwas möchte ich an Weihnachten nicht lesen, denn es ist Lektüre, die mir schlechte Laune bringt. Und die kann ich vor und an den Feiertagen alles andere als gebrauchen!

Ich lasse Sie nicht länger im Regen stehen: die Geschwister bekommen ihren Teil ab und zwar alle drei (was ich mit Blick auf Elisabeth als ziemlich ungerecht empfand). Und zwar leider auf eine absolut unoriginelle Art und Weise. Und auf eine komplett belanglose. So, dass ich mich fragte: "Ja, und? Was soll ich jetzt hiermit?" Wobei es durchaus eine Botschaft gibt, aber die wird mit dem Holzhammer serviert.

Nein, mein Roman war das nicht. Ganz und gar nicht.

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Veröffentlicht am 23.12.2019

Morden wie im Märchen

Rapunzel, mein (Ein Grall-und-Wyler-Thriller 2)
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Die Ermittler der Reihe des Autors Lars-Erik Schütz haben es hart getroffen: während im ersten Fall (Alphabetmörder) der Profiler Jan Grall so stark involviert war, dass er im Anschluss suspendiert wurde, ...

Die Ermittler der Reihe des Autors Lars-Erik Schütz haben es hart getroffen: während im ersten Fall (Alphabetmörder) der Profiler Jan Grall so stark involviert war, dass er im Anschluss suspendiert wurde, trifft es diesmal seine ehemalige Mitarbeiterin, die Schweizerin Rabea Wyler, die inzwischen auf seinem Posten sitzt - nicht freiwillig, denn sie hat die Fähigkeiten des ehemaligen Kollegen in der kurzen Phase der Zusammenarbeit zu schätzen gelernt und hätte ihn zu gern an ihrer Seite.

Rein zufällig gerät sie nämlich an einen Fall, der sie stark an den ihrer vor Jahren verschwundenen Schwester erinnert. Es geht um die Faszination des Entführers bzw. Mörders für langes, blondes Haar. Rabea hegt immer noch die Hoffnung, dass iMarie noch leben könnte - eigentlich glaubt da niemand mehr so richtig dran, nicht einmal ihre Eltern. Die haben sich nach der Tragödie getrennt und führen jeweils eigene Leben.

Aber zurück zum Rapunzel-Mord, wie der Fall genannt wird, der Rabea nach Deutschland und zwar ins Ruhrgebiet und nach Düsseldorf führt - ganz auf sich gestellt. Oder kann sie sich doch auf Jan Grall verlassen?
Ein kraftvoller und ungewöhnlicher Thriller mit starken Charaktern, Manchmal wirkt alles ein bisschen zu überladen und zu dicht - zu viele Figuren, zu viele Erzählstränge - und einiges ist auch einfach unlogisch. Dennoch hat mich dieser Thriller in seiner Intensität durchaus fasziniert. Für Leser, die gern für ein Weilchen im Bösen versinken, um dann vom Autor rechtzeitig wieder daraus befreit zu werden

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Veröffentlicht am 21.12.2019

Die alte Geschichte

Mr. Booker und ich
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Blutjunge, liebesbedürftige Frau, eigentlich ein junges Mädchen noch, mit altem verheirateten Knacker. Wobei Mr. Booker, wie die 16jährige Martha, aus deren Sicht die Handlung geschildert wird, in den ...

Blutjunge, liebesbedürftige Frau, eigentlich ein junges Mädchen noch, mit altem verheirateten Knacker. Wobei Mr. Booker, wie die 16jährige Martha, aus deren Sicht die Handlung geschildert wird, in den 30ern ist - für sie ist er dennoch steinalt. Beziehungsweise erwachsen. So jung, wie sie ist, ist der Altersunterschied dennoch extrem.

Hier kommt noch eine Facette hinzu: Martha hat von früh auf die ausgesprochen schwierige, nun gerade gescheiterte Ehe ihrer Eltern miterlebt und ihrer ausgesprochen konfliktscheuen und leidensfähigen Mutter beigestanden. Obwohl sie ganz schön verliebt ist, klingen ihre Schilderungen pragmatisch - das Kind hat schon einiges vom Leben gesehen, vor allem Enttäuschungen. Manchmal - eigentlich oft - wirkt sie erwachsener als Mr. Booker.

In lakonischem Stil, der vor allem dann aufweicht, wenn es um ihren eigenen Vater geht, erzählt Martha von ihrer ersten Liebe. Und damit quasi unbeabsichtigt bzw. von ihr selbst unbemerkt von ihrem eigenen Erstarken. Obwohl ich dieses Buch gar nicht besonders gern gelesen habe - ich bin eigentlich kein Fan von Lolitageschichten Mr. Bookers Verhalten ging mir ziemlich auf die Nerven - hat es mich doch auf eine bestimmte Art fasziniert. Man kann es nämlich auch als Ode an die Kraft der Frau lesen - wenn man sich auf Martha einlässt. Ein eigenartiges und auf seine Art einzigartiges Werk.

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Veröffentlicht am 13.12.2019

Feiern wie unsere Nachbarn im Westen

Weihnachten in Amsterdam
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Ein Kochbuch mit Weihnachtsrezepten aus Amsterdam: das klang verlockend. Ich wohne unweit der niederländischen Grenze und kenne somit unsere westlichen Nachbarn ganz gut. Sie sind mir als herzlich, pragmatisch ...

Ein Kochbuch mit Weihnachtsrezepten aus Amsterdam: das klang verlockend. Ich wohne unweit der niederländischen Grenze und kenne somit unsere westlichen Nachbarn ganz gut. Sie sind mir als herzlich, pragmatisch und unkompliziert bekannt. Und manchmal sind sie auch ein ganz kleines bisschen plump. Naja, einige wenige.

Genauso offenbaren sich diese Rezepte, wobei das Unkomplizierte leider ein bisschen kurz kommt.

Aber erst einmal zum optischen Eindruck: der ist ganz große Klasse, das Buch enthält nicht nur Rezeptfotos, sondern auch Eindrücke vom winterlichen, Verzeihung, weihnachtlichen Amsterdam. Und von dessen Umgebung und die sind wirklich sehr gelungen. Also ist schonmal das "Outfit" absolut top.

Da ich jedoch ebenfalls sehr dem Pragmatismus anhänge (wenn auch ein bisschen anders als die Niederländer), ging es mir vorrangig dann doch um die Rezepte und ich war sehr froh, dass es auch einen Teil mit festlichen Frühstücksrezepten gab, wo ich so etwas wie schnelle Hefeteilchen, Eierrezepte und aufgepeppte Müslis erwartet hätte. Fehlanzeige: Schokocrossis, Wurstrollen, Mincepies und überaus opulente und kompliziert anzufertigende Wurstschnecken riefen in mir eine leichte Enttäuschung hervor.

Einige Rezepte, die mich zumindest halbwegs überzeugten gab es schon wie eine herzhafte Variante der armen Ritter(die ist richtig gut) und Cranberry-Brötchen (für meinen GEschmack nur ein bisschen zu kompliziert).

Insgesamt gibt es wenig Rezepte, die für mich Assoziationen zu Weihnachten hervorrufen, was ja an und für sich nicht so schlimm ist. Aber es gibt kaum Vorschläge zu sinnvollen Alternativen, vieles ist sehr mächtig und auch nicht ganz preiswert, auch sind einige Zutaten schwer zu bekommen. Ich hatte den Eindruck, die Autorin orientiert sich an angelsächsischen Traditionen, wobei ich aber nicht weiß, ob das möglicherweise üblich ist in den Niederlanden.

Ein umfassendes, auch interessantes Buch, das mich selbst in meinen Weihnachtsvorbereitungen leider nur wenig voran brachte!

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