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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Blutige Stille
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Das Syndicat der Brüder Sass hat sich zwischen den anderen kriminellen Vereinigungen etabliert. Man handelt mit allem, vor allem Schnaps, Autos und mit Waffen, von denen es nach wie vor genügend aus Armeebeständen ...

Das Syndicat der Brüder Sass hat sich zwischen den anderen kriminellen Vereinigungen etabliert. Man handelt mit allem, vor allem Schnaps, Autos und mit Waffen, von denen es nach wie vor genügend aus Armeebeständen gibt. Obwohl Franz Sass die Geschäfte seines Partners Ian McCullen mit der IRA suspekt sind, werden Waffen an sie verkauft. Überbringer der heißen Ware ist niemand geringerer als das Fliegerass aus dem Ersten Weltkrieg, Hermann Göring, der de facto zur Untätigkeit verdammt ist, da das besiegte Deutschland gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags keine Luftwaffe haben darf, und der jede Gelegenheit zu fliegen wahrnimmt.

Als dann am 24.06.1922 der deutsche Außenminister Walter Rathenau erschossen wird, scheint eine Spur zum Syndicat zu führen, denn die Waffe stammt aus dem Schmuggelgut der Brüder Sass. Nun gerät Franz Sass auch in den Fokus der Kriminalpolizei und wird verhaftet.

Meine Meinung:

Wie schon im ersten Band „Blutgold“ gelingt es Autor Michael Jensen die Zustände der Weimarer Republik authentisch darzustellen. Jeder kämpft gegen jeden - Straßenschlachten inklusive. Die Spannung ist hoch und bleibt das auch das ganze Buch hindurch.

Gut gefallen hat mir, dass ich Jens Druwe, einer Figur aus einer anderen Krimi-Reihe des Autors, wieder begegnen durfte. Michael Jensen schafft es immer wieder fiktive Figuren und historische Persönlichkeiten elegant in die Story einzubetten.

Ich freue mich schon auf den dritten Teil „Blutiger Schnee“, der im November 2022 erscheinen wird. Ob mit „Schnee“ tatsächlich der kalte Niederschlag gemeint ist?

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 28.08.2022

Brunetti ermittelt wieder

Milde Gaben
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In diesem Krimi ist wieder (fast) alles beim Alten: Guido Brunetti darf in seinem 31. Fall seine grauen Zellen anstrengen, seine Schwiegermutter über Tratsch und Klatsch ausfragen, Signorina Elettra auf ...

In diesem Krimi ist wieder (fast) alles beim Alten: Guido Brunetti darf in seinem 31. Fall seine grauen Zellen anstrengen, seine Schwiegermutter über Tratsch und Klatsch ausfragen, Signorina Elettra auf ihrer Recherche zahlreiche mitunter nicht ganz legale Wege beschreiten und Venedig in seinem alten Glanz erstrahlen.

Worum geht‘s eigentlich genau?

Elisabetta, Brunettis Jugendfreundin erscheint in der Questura und gibt an, die Familie ihrer Tochter würde bedroht. Brunetti möge doch eine verdeckte Ermittlung befehlen. Bei ihrer ersten Betrachtung sehen weder Brunetti noch Vianello ein Bedrohungsszenario. Die Tochter ist eine geschätzte Tierärztin und der Schwiegersohn Buchhalter für eine wohltätige Stiftung.

Als wenig später die Tierarztpraxis verwüstet wird, ermitteln Brunetti & Co nun offiziell und können nun auch die Stiftung ein bisschen beleuchten. Dabei treffen sie auf den Namen eines Vizeadmirals, der im Vorstand sitzt, aber seit Jahren dement ist. Alles nur Schimäre? Und wohin versackt das Geld, das angeblich für ein Krankenhaus in Südamerika gesammelt wird?

Meine Meinung:

Reifen quietschende Verfolgungsjagden sucht man in Venedig mangels Straßen ohnehin vergebens, atemraubende Spannung ebenso. Dennoch hat mir dieser Krimi besser gefallen als so mancher Vorgänger. Durch einige Sackgassen wird dennoch Spannung aufgebaut, die bis zum Schluss gehalten wird.

Die Conclusio? Um Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, ist vielen Verbrechern jedes Mittel recht. Hier wird auf die Gutgläubigkeit der Spender vertraut, die Hochglanzbroschüren Glauben schenken.

Gut gelungen ist die Beschreibung des dementen Vizeadmirals, der eigentlich der Hauptleidtragende dieses Krimis ist.

Fazit:

Wieder ein gelungener Brunetti-Krimi, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 27.08.2022

Erwachsen werden im Exil

Svendborg 1937
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Im Gegensatz zu Hunderttausenden anderen Juden hat es die Familie Dinkelspiel geschafft. Sie haben im dänischen Svendborg, bei der verwitweten Tante, die einstmals mit einem Quäker verheiratet war, Unterschlupf ...

Im Gegensatz zu Hunderttausenden anderen Juden hat es die Familie Dinkelspiel geschafft. Sie haben im dänischen Svendborg, bei der verwitweten Tante, die einstmals mit einem Quäker verheiratet war, Unterschlupf gefunden. Das Leben des Ehepaars und der drei Kinder Meret, Ricarda und dem behinderten Friedrich in einem Land, dessen Sprache nicht können, gestaltet sich als schwierig. Auch deswegen, weil sich die Tante nicht immer von ihrer liebenswürdigen Seite zeigt. Erst als halbwüchsigen Schwestern Meret und Ricarda im Schuppen das Motorrad des Onkels finden und Motorrad fahren lernen, haben sie ein wenig Spaß und genießen die Freiheit, die ihnen das Motorrad bietet. Auch das Treffen mit den Frauen rund um Bertold Brecht bringt Abwechslung in den Alltag.

Während sich Meret mit der Situation arrangiert, will Meret nach wie vor nach Palästina auswandern, Als sich eine Gelegenheit bietet, verschwindet sie.

Meine Meinung:

Dieses Buch reiht sich nahtlos in die zahlreichen Bücher rund um vertriebene jüdische Familien ein. Es zeigt den schwierigen Alltag in der Fremde. Aufgelockert wird dieses Buch durch die Ménage à trois, in der Bertold Brecht mit Margarete Steffin und Helene Weigl in Svendborg lebt, auch wenn Brecht gar nicht persönlich anwesend ist.

In ihrem Nachwort erfährt der Leser, wie es der Familie nach dem Krieg ergangen ist.

Einzig das Cover hätte ein wenig besser gestaltet werden können. Es ist unscheinbar und erst auf dem zweiten oder gar dritten Blick lässt sich erahnen, dass man hier eine Frau in einem Eisenbahnwagon sehen kann.

Fazit:

Ein Buch, das nachhallt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.08.2022

Kein Durchschnittskrimi

Bruch: Ein dunkler Ort
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Nicole Schauer tritt ihren Dienst bei der Kripo Dresden an und bekommt es in gleich am ersten Tag mit dem Verschwinden eines zwölfjährigen Mädchens zu tun. Gemeinsam mit Felix Bruch soll sie das Mädchen ...


Nicole Schauer tritt ihren Dienst bei der Kripo Dresden an und bekommt es in gleich am ersten Tag mit dem Verschwinden eines zwölfjährigen Mädchens zu tun. Gemeinsam mit Felix Bruch soll sie das Mädchen finden. Schauer gilt als aggressiv, ihr neuer Partner als eigen. Niemand will mit ihm zusammenarbeiten, da sein früherer Partner Michael bei einem Einsatz im brennenden Auto ums Leben gekommen ist, und Bruch nicht geholfen haben soll. Je länger Schauer mit Bruch zusammenarbeitet, desto mehr kommen ihr Zweifel an seiner Dienstfähigkeit.


Meine Meinung:

Ich habe mich auf die neue Reihe von Frank Goldammer sehr gefreut, kenne ich doch neben der Reihe mit seinem bekanntesten Ermittler Max Heller auch jene mit Falk Tauner und Tobias Falck.

Mit diesem neuen Ermittler-Duo Schauer & Bruch tue ich mir ehrlich gesagt ein wenig schwer. Beide haben ein mächtiges Paket nicht aufgearbeiteter Vergangenheit auf dem Buckel.

Schon die Krimihandlung selbst ist sehr spannungsgeladen. Da verschwindet Celina, wie schon vor zwei Jahren Linda. Als Linda damals nach zwei Wochen wieder auftaucht, wird sie von ihren Eltern abgeschirmt und darf weder von Ärzten, Polizei oder von Psychologen befragt werden. Ein äußerst eigenartiges Verhalten der Eltern.

Doch die fieberhafte Suche nach Celina geht stellenweise in den psychischen Problemen der beiden Ermittler unter. Zwischendurch erfahren wir einiges aus der Vergangenheit der beiden, was sie dann doch sympathisch macht.

Gruselig ist das Umfeld des verschwundenen Mädchens: Da gibt es eine Gruppe von männlichen Jugendlichen mit einem erschreckenden Frauenbild, Eltern, die wie Sektenmitglieder wirken, Dorfbewohner, die zu Lynchjustiz bereit sind und eine Journalistin, die Polizeiinterna weiß, bei denen man sich fragen muss, wer die undichte Stelle ist.

Schmunzeln musste ich bei diesem Teil des Gesprächs zwischen Schauer und ihrem Chef Karsten Simon (S.358):

„Ich sehe mich leider trotzdem gezwungen, Sie zu einem Aggressionskurs anzumelden, den Sie zu besuchen haben. Das ist ein Befehl.“

Und die Schauer kontert: „Danke, bin schon aggressiv.“

Also alles in allem ein an sich schon komplexer Fall, der durch die beiden schwierigen Ermittler noch erschwert wird. Für mich spielt auch der Vorgesetzte der beiden eine undurchsichtige Rolle. Die wird vermutlich erst in einem der nächsten Bände aufgeklärt werden. Andeutungen in mehrere Richtungen gibt es einige. Schauen wir einmal, in welche sich das neue Team Schauer & Bruch entwickelt.

Fazit:

Diesem Krimi, der wahrlich keine Durchschnittskost ist, gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 25.08.2022

Ein gelungenes Krimidebüt

Die Zisternenleiche
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In einer fiktiven Kleinstadt im nördlichen Waldviertel wird die Journalistin Simone Kundra tot in der Zisterne der Stadt aufgefunden. Als Kind der Stadt kannte sie die Abgründe der Stadt und berichtete ...

In einer fiktiven Kleinstadt im nördlichen Waldviertel wird die Journalistin Simone Kundra tot in der Zisterne der Stadt aufgefunden. Als Kind der Stadt kannte sie die Abgründe der Stadt und berichtete auch immer wieder über Mauscheleien sowie Skandale. Diesmal, so scheint es, ist war den Malversationen rund um den Autobahnbau auf der Spur. Doch auch in Kundras Vergangenheit gibt es einen schwarzen Schatten: gemeinsam mit ihren Cousinen Lili und Helene war sie in einen tödlichen Autounfall verwickelt, der die Verwandten zu Todfeinden werden ließ.

Mit der Aufklärung des Mordes ist Frau Oberstleutnant Dr. Schamburek betraut, eine kompetente wie schrille Persönlichkeit. Ihr Umgangston mit Verdächtigen, Kollegen und Untergebenen ist so rau wie legendär und ihre farbenfrohe extravagante Kleidung lässt so manches Gegenüber glauben, mit der Ermittlerin ein leichtes Spiel zu haben.

Meine Meinung:

Mir hat dieser Waldviertel-Krimi sehr gut gefallen. Er ist der richtige Mix aus Spannung, Polizeiarbeit und Lokalkolorit, der durch die schräge Frau Oberstleutnant herrlich aufgelockert wird. Ich kann sie mir perfekt vorstellen, wenn sie in Highheels, in orangefarbenen Minirock und eine überdimensionalen pinkfarbenen (!) Handtasche über den Hauptplatz stöckelt. Vermutlich ist die Stadt Weitra, deren Stadttor das Cover ziert, Pate für die fiktive Kleinstadt gestanden hat, ist der Hauptplatz eine Herausforderung für Stöckelschuhe - Granitwürfelpflaster. Immerhin lebt die Autorin dort.

Die Charakter habe alle ihre Ecken und Kanten. Und auch hinter der „Mistfuchtl“ (© Assistent Schaller) steckt ein sensibler Mensch. Die Autorin hat die Mechanismen einer Kleinstadt, die jahrzehntelang durch den Eisernen Vorhang geprägt worden ist, sehr gut getroffen. Man kennt sich, weiß, wer welche sprichwörtliche (und manchmal echte) Leiche im Keller versteckt hat. Diese Mauern des Schweigen zu durchbrechen ist nicht immer einfach und benötigt Chuzpe sowie den einen oder anderen gewagten Schachzug.

Die Figur der Frau Oberstleutnant hat Potenzial zu einer Hauptdarstellerin in einer neuen Reihe. Ich würde sie gern bei weiteren Ermittlungen begleiten.


Mein Fazit:

Ein fesselnder Regionalkrimi mit interessanten Charakteren, dem ich gerne 5 Sterne geb.