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Veröffentlicht am 23.07.2019

Faszinierende Grundidee!

Project Jane
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Allgemeines:

Project Jane – Ein Wort verändert die Welt ist am 22.07.2019 in der Verlagsgruppe Oetinger erschienen. Das Taschenbuch hat 352 Seiten und eine Leseempfehlung ab 14 Jahren. Persönlich würde ...

Allgemeines:

Project Jane – Ein Wort verändert die Welt ist am 22.07.2019 in der Verlagsgruppe Oetinger erschienen. Das Taschenbuch hat 352 Seiten und eine Leseempfehlung ab 14 Jahren. Persönlich würde ich das Jugendbuch in die Kategorie Dystopie einordnen.

Project Jane ist als Auftaktband einer Reihe erschienen. Es handelt sich um das erste Buch der englischsprachigen Autorin Lynette Noni, welches ins Deutsche übersetzt worden ist.

Inhalt:

„Ein Wort ist der Anfang. Oder das Ende.

Sie nennen sie Jane Doe, und sie spricht nicht. Egal, was sie mit ihr anstellen, dort in der geheimen Forschungsanstalt Lengard. Denn ein Wort von Jane kann den Lauf der Welt verändern. Und so schweigt sie. Bis der geheimnisvolle Landon Ward ihr Vertrauen gewinnt. Vorsichtig öffnet sich Jane, doch sie muss schnell erkennen, dass ihre Fähigkeiten der Schlüssel zu einem finsteren Plan sind.“ (Quelle: Verlagsgruppe Oetinger)

Meine Meinung:

Project Jane trägt den falschen Titel. Im Original heißt das Jugendbuch Whisper, was in meinen Augen wesentlich besser zur Handlung der Geschichte passt. Denn bereits ein Flüstern genügt, um die Welt zu verändern… Und es geht im Buch mitnichten um ein Projekt mit dem Namen Jane. Manchmal kann ich die Entscheidung, Titel derartig zu verändern, nicht nachvollziehen. Geht es euch da ähnlich?

Es gab einen Moment in Project Jane, der mich wirklich überrascht hat. Dieser Moment war besonders und diesen Moment habe ich so noch nicht erlebt. Aufgrund dieses Moments habe ich das Buch nicht weggelegt, sondern innerhalb eines Tages gelesen.

Noni spielt mit der Macht der Worte und das tut sie in diesem Moment sehr eindrucksvoll. Für mich ein völliger Plottwist, nicht unrealistisch, aber doch überraschend. Ich war danach so sehr im Buch drin und gespannt wie ein Flitzebogen, was da noch kommen würde. Davor habe ich lediglich das Setting der Geschichte, das an viele Dystopien erinnert, kennengelernt. Und etwa 50 Seiten danach ging es ebenfalls nach Schema F weiter. Plötzlich tauchen die X-men auf und auch die Erklärung hinter der ganzen Sache scheint wenig innovativ, wenn man ab und zu mal ein Buch im Genre liest. Natürlich gibt es jemanden, in den sich verliebt wird. Selbstverständlich bleibt das keine normale Lovestory, es taucht immer ein Dritter auf. Das wäre doch sonst kein gutes Jugendbuch???

Ihr merkt.. leider ist es Noni in meinen Augen nicht gelungen, aus ihrer wahnsinnig guten Grundidee mehr als ein normales Buch zu machen. Ein normales Buch mit einigen unstimmigen Details. Die Handlung wirkt dadurch stark konstruiert und ich konnte sowohl das Ende als auch den Mittelteil des Buches beinahe haargenau vorhersehen. Möglicherweise liegt das an meiner großen Leseerfahrung, trotzdem finde ich das schade!

Ähnlich wie die Handlung entwickeln sich auch die anfangs sehr spannenden Charaktere. Jane konnte ich zu Beginn der Handlung so gut verstehen, ihre Ängste, ihr Schweigen und ihr Verhalten. Nach und nach verändert sich dieses Verständnis, sie wirkt beinahe blauäugig und man möchte sie zwischendurch gerne gehörig anstupsen, um ihr zu sagen, was eigentlich gerade Sache ist. Entschuldigen kann man das auch nicht mit der Zielgruppe des Buches. Wenn man das tun wollte, dann müsste man auch rechtfertigen, wieso einige Passagen ziemlich brutal beschrieben worden sind.

Fazit:

Noni ist es im Auftaktband ihrer Reihe nicht gelungen, eine durchgängig gute Geschichte zu schreiben. Ihre Grundidee hat mich fasziniert. Wenn es ihr im zweiten Band gelingt, diese in eine innovativere Rahmenhandlung einzubetten, dann werde ich ihr Fan! Denkt daran… Worte verändern die Welt!

Veröffentlicht am 22.07.2019

Ein Buch für einen Nachmittag auf der Couch

Dunkelsommer
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Allgemeines:

Dunkelsommer ist das Debüt von Stina Jackson. Sie ist in Schweden geboren und aufgewachsen, lebt heute aber in Denver, Colorado. Dort schrieb sie ihren Roman und wird als aufstrebender Stern ...

Allgemeines:

Dunkelsommer ist das Debüt von Stina Jackson. Sie ist in Schweden geboren und aufgewachsen, lebt heute aber in Denver, Colorado. Dort schrieb sie ihren Roman und wird als aufstrebender Stern der schwedischen Krimiszene gehandelt. Dunkelsommer erscheint heute, am 22.07.2019, als Paperback bei Goldmann und umfasst 351 Seiten.

Inhalt:

„Drei Jahre ist es her, dass Lelles Tochter in einem abgelegenen Teil Nordschwedens spurlos verschwand. Seither fährt er jeden Sommer im düsteren Licht der Mitternachtssonne die Straße ab, an der Lina zuletzt gesehen wurde. Nacht für Nacht sucht er verzweifelt nach seiner Tochter, nach sich selbst und nach Erlösung. Dann kommt eines Tages die siebzehnjährige Meja in der Hoffnung auf einen Neuanfang in Norrland an. Doch als sich die Dunkelheit des aufkommenden Herbstes über das Land legt, verschwindet ein weiteres Mädchen. Und Lelles und Mejas Leben werden durch dramatische Ereignisse miteinander verbunden, die sie nie wieder loslassen werden.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Dunkelsommer wird damit beworben, bester schwedischer Spannungsroman zu sein. Dieser Meinung kann ich mich leider nicht anschließen. Stina Jackson bedient aus meiner Sicht so ziemlich jedes Klischee, das zu einem Spannungsroman gehört: ein verschwundenes Kind, ein verdächtiger Vater und Freund, eine kaputte Ehe, eine sektenähnlich lebende archaische Gemeinschaft in den einsamen Wäldern von Nordschweden, ein charismatisches Familienoberhaupt, Gefangenschaft und Gewalt. Alles mixt sie zusammen zu einem durchaus spannenden Buch, dessen Handlung dem Leser, der Krimis, Psychothriller und Spannung liebt, aber allzu schnell vorhersehbar erscheint. Das ist einfach schade. Der Aufbau des Buches ist gekonnt gemacht. Es gibt einen ständigen Wechsel zwischen zwei Erzählsträngen. Auf der einen Seite Lelle, der seine seit drei Jahren verschwundene Tochter sucht und in jeder Nacht mit seinem Auto durch die einsamen Straßen Nordschwedens fährt. Auf der anderen Seite Meja, die keine Geborgenheit und Liebe kennt und mit ihrer Mutter seit sie denken kann durch Schweden zieht. Nirgendwo zu Hause, immer auf dem Sprung, keine Struktur im Leben und immer auf der Suche nach Beständigkeit. In dem Jungen Carl-Johan, den sie zufällig in ihrer aktuellen Lebensumgebung trifft, glaubt sie ihren Retter gefunden zu haben. Jackson schafft es, glaubwürdige Charaktere aufzubauen. Man versteht die Beweggründe, die Handlungen und Lebensformen der Protagonisten, kann nachvollziehen, warum sie sind wie sie sind. Das ist eine Stärke des Buches. Eine Schwäche zeigt sich für mich beim Aufbau: Beide Erzählstränge driften aufeinander zu und man ahnt schon nach wenigen Seiten, was geschehen könnte. Selbst das Ende des Buches ahnt man voraus, ein Ende, das ich persönlich ziemlich unglaubwürdig und kitschig finde. Der Titel Dunkelsommer ist metaphorisch zu deuten: Der Sommer, in dem Lina, Lelles und Anettes Tochter verschwand, aber auch ein weiteres Mädchen, wird trotz der im Midsommer herrschenden ständigen Helligkeit dunkel und düster, auch absolut vorhersehbar und dadurch eigentlich auch sehr platt. Der Titel der Originalausgabe lautet Silvervägen (Silberner Weg/Weg aus Silber). Das passt sehr viel besser als die deutsche Übersetzung. Den Stil von Stina Jackson kann man eigentlich nicht wirklich beurteilen, da das Buch aus dem Schwedischen übersetzt wurde. Vielleicht lässt sich dadurch die Euphorie der schwedischen Bestsellerautorin Åsa Larsson, die ich sehr schätze, erklären, die über dieses Buch schreibt:

„Wenn Dunkelsommer nicht mindestens den schwedischen Krimipreis bekommt und eine Netflix-Serie wird, nun, dann muss ich der Autorin den Åsa-Larsson-Award verleihen.“ (Klappentext)

Für die deutschsprachige Ausgabe würde sie dieses vielleicht anders sehen. Vielleicht ist es aber auch so, dass dieses Buch als Film besser funktioniert als in geschriebener Form. Die ständigen Perspektivwechsel bieten hierfür viel Potential.

Fazit:

Kann man lesen, muss man aber nicht. Ein Buch für einen Nachmittag auf der Couch, das man in einem Rutsch durchliest.

Veröffentlicht am 08.07.2019

Ich bin durch die Seiten geflogen

Prophezeiungen für Jedermann
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Allgemeines:

Prophezeiungen für Jedermann ist am 04.06.2019 als Klappenbroschur bei Piper erschienen. Genau wie die anderen Bücher der Autorin Nicole Godzek ist es dem Fantasygenre zuzuordnen. Ihr neuster ...

Allgemeines:

Prophezeiungen für Jedermann ist am 04.06.2019 als Klappenbroschur bei Piper erschienen. Genau wie die anderen Bücher der Autorin Nicole Godzek ist es dem Fantasygenre zuzuordnen. Ihr neuster Roman hat 400 Seiten und ist in einer ähnlichen Farbauswahl gestaltet wie Die Magie der Namen und Die Magie der Lüge.

Godzek ist 2017 mit Die Magie der Namen mit dem deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet worden. Wird ihr das mit Prophezeiungen für Jedermann erneut gelingen?

Inhalt:

„In einer Welt, in der es hunderte Auserwählte und Prophezeiungen gibt, führen Zacharias und seine Freundin ein ganz normales Leben. Als auch Zacharias ausgewählt wird, zum Orakel zu reisen und eine Prophezeiung für Jedermann zu erfüllen, ist er bereit, seine Bürgerpflicht zu tun und das magische Zeichen der Queste auf sich zu nehmen. Doch seine Prophezeiung ist nicht so harmlos, wie sie zunächst geklungen hat. Und während die anderen Auserwählten ihre Questen schon bald erfolgreich beenden, fragt sich Zacharias, ob er die seine jemals erfüllen und in sein altes Leben zurückkehren wird. Denn die Macht der Prophezeiung ist gefährlicher, als Zacharias je vermutet hätte …“ (Quelle: Piper Verlag)

Meine Meinung:

Zacharias ist ein vorbildlicher Bürger.

Er hält sich an die Regeln, hilft seinen Mitbürgern bei ihren Questen und führt ein geordnetes Leben. So wird es gemacht, so macht es jeder. Ecken und Kanten sind nicht gewünscht, alles wird geplant und muss nach ebendiesen Abläufen durchgeführt werden.

Alles verläuft wie geplant. Bis Zacharias selbst zum Orakel muss, das Prophezeiungen für Jedermann ausspricht. Zacharias wird vor eine unlösbare Aufgabe gestellt. Und als Leser merkt man nach und nach, dass er doch nicht so normal ist. Man könnte ihn beinahe als tollpatschigen Antihelden bezeichnen. Langsam wacht er auf und merkt, dass sein Leben im Sekundentakt geplant ist, er nicht glücklich war und mehr zum Leben gehört. Zacharias macht eine große charakterliche Entwicklung durch, es ist schön, ihm als Leser dabei zuzusehen. Godzek hat richtig entschieden, dass sie dieser Entwicklung so viel Raum und Zeit zugestanden hat. Nebenbei bemerkt: Es ist okay, Insekten nicht zu mögen.

Durch das ganze Buch zieht sich eine Ruhe. Manch einer könnte dies als langweilig bezeichnen (so langweilig wie die Beschreibung von Zacharias Freundin?). Ich mochte es, langsam die Welt und ihre Werte und Normen kennenzulernen. Auf diese Art und Weise entfaltet Godzek Stück für Stück ihre Ideen und bringt diese uns Lesern näher. Sie entwirft eine interessante Welt, die viele Parallelen zur unsrigen aufweist und dem aufmerksamen Leser so manch gesellschaftliches Problem aufzeigt und im besten Fall sogar zum Nachdenken und Handeln anregt. Die Idee ihrer Prophezeiungen für Jedermann hat sehr viel Potential, das durchaus auch in anderen Romanen weiter ausgeschöpft werden könnte.

Plötzlich wird diese Ruhe unterbrochen. Alle Ereignisse überschlagen sich, hier passiert etwas, dort passiert etwas und das Buch ist rasant beendet. Nach einer langsamen Einführung und einer behutsamen Entwicklung der Geschichte hätte ich mir für das Ende keinen großen und schnellen Showdown, sondern ein passenderes Ende gewünscht. Einige Fragen sind für mich offen geblieben, obwohl es sich um einen Einzelband handelt.

Obwohl ich so viel Positives über den Roman sagen kann, hat er mich mit einem Gefühl zurückgelassen, dass ich beim Beenden von Die Magie der Namen nicht hatte. Die Magie der Namen hat mich begeistert, ich habe geschwärmt, ich habe das Buch empfohlen und verschenkt. Prophezeiungen für Jedermann löst dieses Gefühl nicht aus. Man könnte sagen, der Funke ist nicht übergesprungen. Vielleicht liegt das daran, dass die Idee der Magie der Namen in meinen Augen wesentlich komplexer ist, als der Grundgedanke der Prophezeiungen. Obwohl auch dieser vielschichtig gedacht ist, steckt in der Magie der Namen noch wesentlich mehr. Hätte Nicole Godzek nicht einen so guten Schreibstil, wäre es mir vermutlich schwerer gefallen, das Buch zu lesen. So bin ich aber durch die Seiten geflogen.

Fazit:

Ich habe Prophezeiungen für Jedermann gerne gelesen. Für mich persönlich fehlte dem Buch jedoch das gewisse Etwas, das ich bei bisherigen Büchern der Autorin so geliebt habe. Ich würde trotzdem gerne mehr aus der Feder Godzeks lesen und vielleicht auch die ein oder andere Geschichte, die mit den Prophezeiungen zu tun hat.

Veröffentlicht am 06.07.2019

Ein Marzi, der wie gewohnt zum Träumen von fantastischen Welten einlädt

Mitternacht
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Allgemeines:

Am 04.06.2019 war es für alle Marzi-Fans soweit: Mitternacht ist erschienen. Das Taschenbuch hat 320 Seiten und wurde von Piper herausgebracht.

Christoph Marzi ist ein bekannter und vielfach ...

Allgemeines:

Am 04.06.2019 war es für alle Marzi-Fans soweit: Mitternacht ist erschienen. Das Taschenbuch hat 320 Seiten und wurde von Piper herausgebracht.

Christoph Marzi ist ein bekannter und vielfach ausgezeichneter Fantasyautor, viele von euch werden zum Beispiel seine Lycidas-Reihe kennen. Lange Zeit war es still um Marzi und auch Mitternacht war eigentlich bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Warum das so ist, erzähle ich euch im Abschnitt „Meine Meinung“.

Bei der Gestaltung des Covers hat Piper sich etwas einfallen lassen. Mich persönlich hat das Cover direkt angesprochen – meine Neugier war bereits nach wenigen Sekunden geweckt und ich wollte unbedingt wissen, was mich zwischen den Seiten erwartet.

Inhalt:

„Es gibt einen Ort, an dem die Geister leben, eine Welt, die unsere berührt, eine Stadt, in der mit Geschichten und Albträumen Handel getrieben wird. Ein Missgeschick lässt Nicholas James, den alle nur den »gewöhnlichen Jungen« nennen, diese Welt betreten – und alles ändert sich: Peter Chesterton, ein reisender Geist, nimmt sich seiner an. Das Findelgeistmädchen Agatha stiehlt sein Herz. Und etwas, das im Dunkeln lauert, gewinnt an Macht. Die Wege, die Nicholas beschreitet, führen ihn dorthin, wo alle Hoffnungen geboren und alle Träume gestorben sind, an einen Ort, den die Geister voller Ehrfurcht »Mitternacht« nennen. Eine Geschichte von der Macht der Bücher und der Gefahr des Vergessens, in einer Welt der Geister.“ (Quelle: Piper)

Meine Meinung:

Mitternacht ist ein Buch, das zum Träumen einlädt. Stellt euch vor, dass auch der Protagonist des Buches träumt. Er träumt von einer Geschichte. Und sobald er erwacht, lässt er diese Wirklichkeit werden. Er beginnt, die Worte zu Sätzen zu verknüpfen. Nach und nach reiht er die Sätze aneinander. Und nach einiger Zeit hat er die Geschichte aus seinen Träumen niedergeschrieben. Sie wird gedruckt, hat Erfolg und irgendwann wird er wieder von einer Geschichte träumen. Entspringt die Inspiration für diese Geschichten wirklich nur seinen Gedanken und Träumen? Oder steckt vielleicht mehr dahinter…?

Diesen Fragen ist Marzi in Mitternacht nachgegangen. Was wäre, wenn wir selbst gar nicht für das verantwortlich wären, was wir schreiben. Wenn Autoren keinen Einfluss auf ihre Romane hätten? Und was wäre, wenn wir damit Leben retten könnten? Klingt vielleicht verworren, mehr kann ich euch aber nicht verraten, ohne die Spannung der Geschichte zu nehmen. Wer bisher noch nicht neugierig geworden ist, macht etwas falsch.

Ihr Leser werdet entführt in eine Stadt aus Nebel. Eine Stadt, in der euch so manch übernatürliches Wesen begegnen wird. Schaurig schön und zugleich ein wenig unheimlich ist dieser Schauplatz. Zudem entführt Marzi euch erneut in sein geliebtes London. Durch seine Romane habe ich London mit all seinen versteckten und geheimnisvollen Schauplätzen auch ins Herz geschlossen. Geht es euch auch manchmal mit Schauplätzen aus Romanen so?

Marzis Schreibstil ist wie gewohnt leicht und doch verträumt. Er benutzt schöne Worte, um seine Geschichten zu spinnen. Wenn Marzi schreibt, wirkt es elegant und zugleich mutet es zuweilen altmodisch an. Dieser Schreibstil ist wohlbekannt, aber trotzdem sein ganz eigener. Zum Ende hin gibt es in diesem Fluss einen Bruch. Ich habe mich sehr gewundert, plötzlich wird die Geschichte zu einem schnellen Ende gebracht, beinahe abgehackt abgehandelt. Ich war doch noch gar nicht fertig mit meinen Träumen, mit den Verbindungen, die ich zwischen den Handlungssträngen gezogen habe. Marzi aber schon. Und gleichzeitig auch nicht. Wie Marzi im Nachwort des Romans erzählt, ist er während des Schreibens an Mitternacht schwer erkrankt. Lange Zeit war nicht klar, ob die Geschichte überhaupt beendet werden könnte. Das Ende zu schreiben, ist ihm sehr schwergefallen. Obwohl er auf dem Weg der Besserung ist. Ich hoffe sehr, dass Marzi sich wieder vollständig erholt. Wir alle wünschen uns doch noch viel mehr seiner verwunschenen Geschichten und klugen Gedanken!

Fazit:

Ein Marzi, der wie gewohnt zum Träumen von fantastischen Welten einlädt.

Veröffentlicht am 05.07.2019

Sprich!

Sprich
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Allgemeines:

Sprich ist ein realistischer Jugendroman. Am 21. Juni 2019 ist er erstmals als Taschenbuch bei dtv in der Reihe Hanser erschienen. Das Taschenbuch hat 288 Seiten. Der Originaltitel Speak ...

Allgemeines:

Sprich ist ein realistischer Jugendroman. Am 21. Juni 2019 ist er erstmals als Taschenbuch bei dtv in der Reihe Hanser erschienen. Das Taschenbuch hat 288 Seiten. Der Originaltitel Speak ist bereits im Jahr 1999 erschienen.

Die deutsche Ausgabe zieht Blicke auf sich. Man hat sofort Assoziationen und Bilder zum Inhalt im Kopf und möchte wissen, was sich für eine Geschichte hinter dem Cover verbirgt.

Inhalt:

„Wehr dich! Sprich!

Es ist Melindas erstes Highschool-Jahr, darauf hatte sie sich gefreut. Doch jetzt ist alles wie ein böser Traum: Von ihrer Freundin wird sie geschnitten, die neuen Mitschüler reagieren abweisend. Melinda gilt als Zicke, seit sie auf jener Party die Polizei gerufen hat, aber nicht sagen wollte, warum. Sprechen kann und will sie nicht darüber. Es dauert ein Jahr, ein ganzes Schuljahr, bis Melinda ihre Sprache wiederfindet – und mit ihr die Kraft, sich zu wehren.“ (Quelle: dtv)

Meine Meinung:

Sprich.

Du musst sprechen.

Sonst bemerken sie es nicht.

Sie bemerken nicht, was mit dir geschieht. Sie bemerken nicht einmal, dass etwas mit dir geschieht. Oder geschehen ist. Wenn du nicht sprichst, nimmt deine Umwelt dich nicht wahr. Wenn du nicht sprichst, deine Meinung nicht äußerst und nicht verrätst, was in dir vorgeht, wird es niemand wissen. Niemand wird wissen, was passiert ist. Vielleicht beginnen sie sich zu wundern. Bemerken nach einigen Monaten Veränderungen. Aber naja, Menschen verändern sich eben, das ist doch völlig normal, oder?

Du weißt, was zu tun ist. Lass es raus. Sprich doch einfach!

Das geht nicht?

Du bist aber komisch.

So oder so ähnlich empfinden viele Menschen auf der Welt Situationen, mit denen sie nicht umgehen können. Auch Protagonistin Melinda ergeht es so. Ihr ist das für sie Unaussprechliche passiert und sie kann nicht damit umgehen. Als Leser begleiten wir Melinda in ihrem Highschool-Jahr DANACH. Nachdem ES passiert ist. Schnell ist uns klar, was Melinda passiert ist. Worüber sie nicht sprechen kann. Was sie zwar einordnen, aber nicht verarbeiten kann. Sie hat ja schließlich die Schuld. Nicht einmal ihren Eltern kann sie ES anvertrauen. Zudem geht ES auf die gleiche Schule wie Melinda. Sie kann den Begegnungen nur schwer entrinnen. Irgendwann fragt man sich, wieso sie schlechte Noten hat. Sie ist doch sonst nicht so. Aber keiner fragt: Was ist dir passiert, Melinda?

Ich habe mich als Leserin ohnmächtig gefühlt. Ohnmächtig ob Melindas Erlebnissen und Gedanken, die mit Sicherheit so manchem (jungen) Menschen passieren. Ohnmächtig in Hinblick darauf, dass niemand hilft. Niemand genauer hinschaut. Gleichzeitig motiviert es mich aber auch, genauer hinzuschauen. Nicht wegzusehen, wenn mir etwas komisch vorkommt. Und da zu sein, wenn jemand sprechen möchte.

Laurie Halse Anderson gelingt es, eine beklemmende Atmosphäre zu kreieren. Man möchte alle Charaktere anschreien, ihnen zurufen, was passiert ist. Obwohl es schon so lange her ist, dass Sprich geschrieben wurde, ist es immer noch brandaktuell. Ich kann euch nur ermutigen, es zu lesen und auch genauer hinzusehen. Zu sprechen und füreinander da zu sein.

„wenn ES passiert ist

schreiben Stifte nicht mehr

werden Scheren stumpf

lädt der Akku nicht

die Welt hängt sich auf

wie der Strandball, der endlos rotiert

während du auf Antwort wartest

irgendeine Antwort“

(S. 5)

Abschließend liegt es mir am Herzen, dass ihr Sprich nicht einfach so in euren Schulklassen lest. Seit es Tote Mädchen lügen nicht gibt, werden Bücher, die in eine solche Richtung gehen, vermehrt und beinahe inflationär in den oberen Klassenstufen gelesen. Es findet jedoch nur selten eine wirkliche Aufarbeitung der Ereignisse mit engmaschiger Betreuung möglicherweise bereits betroffener Schüler statt. Bitte lest solche Bücher nicht leichtfertig oder unreflektiert mit euren Schülern. Sie gefallen den meisten zwar vermutlich, aber Ihr tut damit niemandem einen Gefallen. Denn ohne Verarbeitungsstrategie können sie nicht damit umgehen, ob es Melinda gelingen wird, ES zu verarbeiten.

Fazit:

Während der Lektüre wünscht man sich nur eines: Melinda soll sprechen. Äußerst spannend und berührend beschreibt Anderson ihr Highschool-Jahr.