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Veröffentlicht am 01.12.2019

Ein Buch voller Zeilenliebe

Buchstabenzauber
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Allgemeines:

Buchstabenzauber ist am 09.09.2019 als gebundenes Buch beim Mosaikverlag, einem Verlag der Verlagsgruppe Random House, erschienen. Das Büchlein hat 172 Seiten und einige Abbildungen.

Autor ...

Allgemeines:

Buchstabenzauber ist am 09.09.2019 als gebundenes Buch beim Mosaikverlag, einem Verlag der Verlagsgruppe Random House, erschienen. Das Büchlein hat 172 Seiten und einige Abbildungen.

Autor ist zum einen der beliebte Moderator der Sendung mit der Maus. Viele von euch kennen ihn mit Sicherheit von früher, oder? Christoph Biemann hat Buchstabenzauber in Zusammenarbeit mit Thomas Montasser, der unter anderem als Germanistikdozent arbeitet, verfasst.

Inhalt:

„Lesen ist der Schlüssel zur Welt, das weiß jedes Kind. Und doch tun sich viele unserer Jüngsten schwer damit, sich fürs Lesen zu begeistern und einen Zugang zu Büchern und Geschichten zu finden. Eltern sind dabei oft ratlos, wie es ihnen gelingen kann, den Nachwuchs von den Bildschirmen wegzulocken und geben oft einfach entmutigt auf. Christoph Biemann ist allen Eltern, Großeltern und Kindern aus »Die Sendung mit der Maus« bekannt und hat das unglaubliche Talent, komplizierte Dinge einfach darzustellen. Für Alt und Jung ist er mit seinem grünen Pulli wie ein sonntägliches Familienmitglied. Kinder fürs Lesen zu begeistern, ist ihm ein persönliches Anliegen und so erklärt er in diesem Buch gemeinsam mit Thomas Montasser, wie Eltern es endlich schaffen können, ihr Kind in die wundervolle Welt des Lesens zu entführen.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Als Zeilenliebende steht für mich natürlich außer Frage, wie wichtig das Lesen ist. Was es für Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene bedeuten kann. Wobei es hilft, was es anregt und welche Fähigkeiten durch das Lesen außerdem geschult und trainiert werden. Mir ist selbstredend auch vor der Lektüre des Büchleins bewusst gewesen, warum ich lese, warum so viel wie möglich gelesen werden sollte. Und das aus Spaß an der Freude. Denn nur eine positive Konnotierung des Lesebegriffs, eine Erschaffung von Lesemotivation, macht aus uns begeisterte Leser. Einmal erweckte Lesefreude sollte gehegt und gepflegt werden und erzeugt eine intrinsische Motivation, sich einmal mehr mit einem Buch und weniger mit Smartphone, TV oder anderen digitalen Medien zu beschäftigen. Wenn wir lesen, arbeitet unser Vorstellungsvermögen. Wir bereisen ferne Welten und erschaffen unsere eigenen. Positive Lesevorbilder spielen dabei eine große Rolle für unser Selbstbild als Leser oder Nichtleser.

All das und noch viel mehr wusste ich bereits vor der Lektüre von Buchstabenzauber. Dem Buch gelingt es jedoch perfekt, mir all dieses Wissen wieder in Erinnerung zu rufen. Es ist ein Vergnügen, es zu lesen. Zu wissen, dass es vielen Eltern und ihren Kindern, aber auch in Schulen helfen kann, Kinder zu Lesern mit einem positiven Selbstbild als Leser zu machen. Ihr merkt vielleicht bereits, dass Buchstabenzauber für mich sozusagen eine kleine Ode an das Lesen darstellt. Für jeden, der sich noch nicht mit der Thematik auseinandergesetzt hat, ist es in meinen Augen sogar noch wertvoller als für mich selbst.

Thomas Montasser und Christoph Biemann ist eine sinnvolle Zusammenarbeit gelungen, die man als Leser gar nicht bemerkt. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass es sich um ein Sachbuch, eine Art Ratgeber, handelt. Aber auch in diesem Genre gelingt es nicht allen Autoren, flüssig und stringent zusammenzuarbeiten. Das ist den beiden, verpackt in einem angenehm zu lesenden Schreibstil, gut gelungen. Als Leser hat man das Gefühl, dass die Autoren wirklich Lesefreude erzeugen, Eltern und Bezugspersonen von Kindern helfen wollen, Kinder zum Lesen zu bringen. Dabei geben sie Ratschläge, gute Tipps und zeigen konkrete Handlungsmöglichkeiten auf.

Fazit:

Ein Buch voller Zeilenliebe und Buchstabenzauber, mit dem bestimmt viele Kinder und Jugendliche zu begeisterten Lesern werden können.

Veröffentlicht am 16.11.2019

Bist du ein Puzzler?

Das schwarze Mal
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Allgemeines:

Das schwarze Mal ist am 30.09.2019 bei Penhaligon, also in der Verlagsgruppe Random House, erschienen. Das Paperback hat 672 Seiten und ist der erste Teil der Tarakan Chronicles.

Es handelt ...

Allgemeines:

Das schwarze Mal ist am 30.09.2019 bei Penhaligon, also in der Verlagsgruppe Random House, erschienen. Das Paperback hat 672 Seiten und ist der erste Teil der Tarakan Chronicles.

Es handelt sich um das Debüt im Science-Fantasy-Bereich des amerikanischen Autoren Eyal Kless. Hauptberuflich ist Kless Violinist und lebt derzeit in Tel Aviv. Er arbeitet und schreibt momentan am zweiten Teil der Chroniken.

Inhalt:

„Die Stadt der Türme ist ein Ort voller Rätsel. Hier kämpfen Gilden, die über Magie gebieten, gegen Cyborg-Banditen, welche nach Artefakten einer untergegangenen Zivilisation suchen. Jene Schätze befinden sich im Inneren der Stadt der Türme, das von Monstern bevölkert, von Fallen gespickt und voll verschlossener Türen ist. Und genau hier kämpft ein Junge ums Überleben: Rafik ist der einzige Mensch, der die Rätsel der Stadt der Türme knacken kann. Denn er ist ein Puzzler, an dessen Fingern sich wie Schlüssel geheimnisvolle Tätowierungen befinden. Doch was Rafik im unheimlichen Herzen der Stadt der Türme findet, verändert den Jungen – und seine ganze Welt.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Das schwarze Mal hat mich vor allem durch seine inhaltliche Beschreibung neugierig gemacht. Weder Titel noch Aufmachung haben mich angesprochen. Aber wie so oft lohnte sich hier ein Blick über den Tellerrand hinaus und in die Leseprobe hinein. Nichtsdestotrotz war die Anfrage des Buches für mich ein kleines Wagnis, bei dem ich nicht sicher war, wie ich die Geschichte am Ende finden würde bzw., ob ich sie überhaupt mögen würde. Nun kann ich euch sagen, dass ich es bereut hätte, Das schwarze Mal nicht anzufragen. Übrigens überzeugt mich nun auch die Gestaltung des Buches stärker. In den auf dem Cover abgebildeten Fingerabdruck, der im Buch eine große Rolle spielt, ist ein QR-Code eingearbeitet, den ihr tatsächlich abrufen könnt. Was euch dort erwartet, verrate ich euch allerdings nicht.

Ihr werdet eine Geschichte vorfinden, die euch begeistert. Bis sie das tut, müsst ihr euch in einer wirklich verrückten und futuristischen Welt zurechtfinden. In dieser Welt entdeckt ihr bekannte, aber auch uns völlig fremde Dinge. Sie ist dystopisch geprägt, hat aber durch das Volk der Tarakaner noch eine gänzlich andere, fantastischere Komponente als die uns bekannte Welt. Die Technik hat den Menschen überwunden. Zumindest augenscheinlich… Ihr solltet also auch bereit sein, Science-Fiction zu lesen. Eine Mischung aus Fantasy und ebendiesem Genre, gespickt mit Elementen, die an einen Thriller erinnern – so könnte man den Roman beschreiben. Wie so oft entwickelt der Autor eine Zukunftsversion, die wir uns lieber nicht ausmalen würden. Stets bleibt ein „was-wäre-wenn-Gefühl“ und ein fader Beigeschmack beim Leser zurück. Ich glaube, ich lehne mich nicht aus dem Fenster, wenn ich sage, dass wir selbst wohl lieber nicht in der Zukunft von Kless leben wollen. Nach und nach werdet ihr die Stadt der Türme und die Welt der Puzzler genauer verstehen. Wenn ihr euch erst einmal im verwendeten Vokabular (anfangs ziemlicher Gossenslang) zurechtfindet, dann könnt ihr in eine Welt eintauchen, von der ich so gerne mehr lesen möchte. Für die Geschichte dahinter lohnt sich übrigens auch der Slang.

Kless ist es gelungen, Charaktere zu entwickeln, die nicht individueller und facettenreicher sein könnten. Sie wachsen einem in ihrer Verschrobenheit alle auf die ein oder andere Weise ans Herz. Selbst der Troll von nebenan. Und vor allem der Junge, Rafik. Kless entfaltet Rafiks Geschichte geschickt. Wirft seinen Lesern nach und nach Häppchen zu. Gerade genug, um uns vor Neugier lechzend nach weiteren Details bei der Stange zu halten. Ihm gelingt eine beeindruckende Verknüpfung mit den Ereignissen in der Gegenwart der agierenden Charaktere. Zum Ende hin wird die Geschichte etwas verrückt. Ich bin nach wie vor nicht sicher, ob ich alles verstanden habe. Da der englische Titel den ersten Teil einer Reihe suggeriert, hoffe ich, dass ich im zweiten Band aufgeklärt werde. Vor allem aber hoffe ich erst einmal, dass es auch eine deutsche Übersetzung des zweiten Teils geben wird. Ich stelle mir das Original sprachlich recht kompliziert vor, da es so viele sprachliche Ausdrücke und technische Fachbegriffe gibt, die ich nicht einmal im Deutschen wirklich kenne. Mein Appell an den Verlag lautet also: Bitte übersetzt auch den zweiten Teil!!!

Fazit:

Ein Buch, bei dem man ein wenig Durchhaltevermögen haben muss. Wenn ihr das habt, werdet ihr mit einer faszinierenden und ungewöhnlich spannenden Geschichte belohnt.

Veröffentlicht am 10.11.2019

Zauberhafte Weihnachtsgeschichte

Sternstunde
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Allgemeines:

Sternstunde – Eine Wintererzählung ist bereits am 01.10.2018 erschienen. Das Büchlein ist gebunden und hat 120 Seiten. Autorin Karin Kalisa wird vielen von euch durch ihren ersten Roman „Sungs ...

Allgemeines:

Sternstunde – Eine Wintererzählung ist bereits am 01.10.2018 erschienen. Das Büchlein ist gebunden und hat 120 Seiten. Autorin Karin Kalisa wird vielen von euch durch ihren ersten Roman „Sungs Laden“ ein Begriff sein. Sie lebt in Berlin und erforscht verschiedenste Handlungsfelder.

Sternstunde wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet und ruft bereits durch seine Optik eine schöne Stimmung hervor. Auch die Innengestaltung kann sich sehen lassen, farbig colorierte Bilder der Illustratorin Stephanie Pfeiffer zieren die Anfänge der Kapitel.

Inhalt:

„Eine so zauberhaft wie poetische Weihnachtsgeschichte der Spiegel-Bestseller-Autorin Karin Kalisa, für die Zeit der kurzen Tage und langen Nächte. Der wunderbare Weihnachtsstern soll nur ein Komet gewesen sein, ein Klumpen Gas und Staub? Die fast achtjährige Kim ist fassungslos über das, was sie da im Radio hört. Zwar weiß der Astrophysiker Arthur Sanftleben eine viel spannendere Geschichte zu erzählen, von einem ungewöhnlichen Zusammentreffen von Jupiter und Saturn. Doch erst der gleichaltrige Max, Star-Wars-Fan und Sternenkundiger, zeigt Kim, dass Wissenschaft und Wunder sich nicht ausschließen müssen.
Eine ganz besondere Weihnachtsgeschichte: geheimnisvoll und strahlend wie der Weihnachtsstern selbst.“ (Quelle: Droemer Knaur)

Meine Meinung:

Wer auf der Suche nach einer wundervollen und zauberhaften Geschichte ist, die schnell in Weihnachtsstimmung versetzt und Lust auf die nun bevorstehende gemütliche Zeit macht, sollte zu Sternstunde von Karin Kalisa greifen. Wie bereits der Titelzusatz Eine Wintererzählung suggeriert, erzählt Kalisa eine poetische und herzerwärmende Geschichte, die kurz vor Weihnachten so oder so ähnlich im wahren Leben passieren könnte.

„Im vorletzten Stockwerk eines Hauses, das beinahe hundertundzwanzig Jahre alt war, saß ein Kind, das beinahe acht Jahre alt war, auf dem Küchenfußboden.“ (S. 9)

Protagonistin Kim Goldschmidt hört wie durch Zufall eine Sendung im Radio, in der gesagt wird, dass der Weihnachtsstern nur ein Komet war. Als 8-jähriges Mädchen kann sie das nicht glauben. Sie ist doch schließlich nach dem Weihnachtsstern benannt: Ihr zweiter Name lautet Stella, ihr Spitzname Sternchen. Und warum sollten ihre Eltern sie nach einem Klumpen aus Gas benennen? Das kann nicht sein. Wozu hätte sie dann ihr innig geliebtes Sterneheft angelegt, da ihre Geburt am 24.12. unter diesem Stern stand?

Die kleine Kim ist eigentlich eher eine Einzelgängerin, hat es in der Schule nicht so leicht und gehört zu keiner Gruppe dazu. Sie ist kein Ballettmädchen, aber eben auch kein Junge. Keine der beiden Gruppen akzeptiert sie, sodass sie häufig allein ist. Manchmal wird sie sehr geärgert. Auf ihrer Suche nach der Wahrheit begegnet Kim jedoch vielen einzigartigen Charakteren und findet durch einen großen Zufall auch den Beginn einer wahren Freundschaft. Wir lernen ihre Familie, bestehend aus ihrem coolen großen Bruder und ihren verständnisvollen Eltern, kennen und schätzen, mir persönlich hat es aber vor allem die Familie Sanftleben, die ebenfalls eine große Rolle spielt, angetan.

„Kim hatte sich Arthur Sanftleben als einen langen dünnen Professor vorgestellt, mit wildem Strubbelhaar, großer runder Brille und Zottelpullover, zumal er ja Herr Sanftlebens Onkel war. Aber er war um einiges kleiner als sein Neffe.“ (S. 70)

Diese Familie hat mir so manches Lächeln aufs Gesicht gezaubert und mir wieder einmal auf wunderbare Art und Weise vor Augen geführt, wie unterschiedlich Familienmitglieder sein können und wie schön dieser Umstand ist. Fast schon nebenbei habe ich von Arthur Sanftleben interessante Dinge über Sterne erlernt und mein Wissen im Bereich der Sternenkunde erweitert. Ein Vergnügen zum Vor- oder Selberlesen.

„Kim wurde ganz warm und sanft ums Herz. Alles war genau so, wie es sein sollte, zu Beginn der Weihnachtszeit: Die Küche duftete, und man konnte Mohnkügelchen mit einem kleinen Knacksen zwischen Zunge und Gaumen zerdrücken und ihren bittersüßen Geschmack genießen.“ (S. 45)

Fazit:

Sternstunde ist ein Juwel unter den Weihnachtsbüchern. Es sticht heraus, funkelt und will seine Geschichte erzählen. Eine zauberhafte Weihnachtsgeschichte, die Kinderaugen zum Leuchten bringt und Erwachsenen funkelnde Sternstunden beschert.

Veröffentlicht am 28.10.2019

Ein Buch voller wahrgewordener Träume

Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte
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Allgemeines

Strange the Dreamer – Der Junge, der träumte ist am 30.09.2019 bei one, einem Imprint von Bastei Lübbe, erschienen. Das gebundene Buch hat 343 Seiten und wird ab einem Lesealter von 14 Jahren ...

Allgemeines

Strange the Dreamer – Der Junge, der träumte ist am 30.09.2019 bei one, einem Imprint von Bastei Lübbe, erschienen. Das gebundene Buch hat 343 Seiten und wird ab einem Lesealter von 14 Jahren empfohlen. Laini Taylor ist dem ein oder anderen mit Sicherheit durch ihre Daughter of Smoke and Bones Trilogie bekannt. Wer sie nicht kennt, sollte diese Rezension zwar lesen, sich danach aber ganz schnell die gesamte Trilogie besorgen, drei Tage frei nehmen und die Bücher verschlingen…

Inhalt:

„Lazlo Strange liebt es, Geheimnisse zu ergründen und Abenteuer zu erleben. Allerdings nur zwischen den Seiten seiner Bücher, denn ansonsten erlebt der junge Bibliothekar nur wenig Aufregendes. Er ist ein Träumer und schwelgt am liebsten in den Geschichten um die sagenumwobene Stadt Weep – ein mysteriöser Ort, um den sich zahlreiche Geheimnisse ranken. Eines Tages werden Freiwillige für eine Reise nach Weep gesucht, und für Lazlo steht sofort fest, dass er sich der Gruppe anschließen muss. Ohne zu wissen, was sie in der verborgenen Stadt erwartet, machen sie sich auf den Weg. Wird Lazlos Traum nun endlich Wirklichkeit?“ (Quelle: Verlagsseite Bastei Lübbe)

Meine Meinung:

Laini Taylor hat ein neues Buch geschrieben. Aber es wird nicht übersetzt. Wie kann das sein? Lange Zeit habe ich mich das gefragt. Nun ist es jedoch endlich so weit, Bastei Lübbe hat Strange the Dreamer ein Zuhause im One-Verlag gegeben. Zwar auch nur ein geteiltes Zuhause, aber immerhin. Mir war direkt nach der Ankündigung klar, dass ich diese Reihe ebenso wie Daughter of Smoke and Bones verschlingen muss, verschlingen werde.

Daughter of Smoke and Bones ist eine Reihe, die unvergleichbar zu sein scheint. Eine märchenhafte, magische und fantastische Trilogie voller Charaktere, die einzigartiger nicht sein könnten. Ein neues Buch, das vom Verlag im Deutschen geteilt wurde, kann damit eigentlich gar nicht verglichen werden. Mir fällt es wirklich schwer, hier eine objektive Bewertung zu schreiben, da ich weiß, dass das Buch im Original ein ganz anderes ist. Sowohl inhaltlich als auch vom Aufbau her ist die deutsche Übersetzung nicht mit dem Original zu vergleichen. Wie soll ein Buch, das einfach einen Cut hat und theoretisch noch viel mehr erzählt, von mir fünf Bewertungsherzen erhalten können? Da ich mir sicher bin, dass ich diese Wertung sonst vergeben würde, verzichte ich in meiner Rezension auf jegliche Wertung in Sternform. Ich möchte einer großartigen Geschichte nichts abziehen, was im Original nicht abgezogen werden müsste. Aber an dieser Stelle möchte ich an die Verlage appellieren. Mit Sicherheit wurde die Entscheidung, das Buch in zwei Teilen herauszubringen nicht unter Berücksichtigung der wichtigsten Grundlage getroffen: Wie finden das eure Leser? Viele Bücher werden geteilt, weil sie sonst im Deutschen nicht lesbar wären, da sie einfach zu umfangreich wären. Das ist hier nicht der Fall! Ja, wir Leser werden den zweiten Teil kaufen und somit vermutlich mehr Geld ausgeben. Aber finden wir das gut? Von mir ein klares „Nein.“!

In Strange the Dreamer lernen wir den sympathischen und absolut verträumten Lazlo Strange kennen. Im Laufe der Handlung tritt er die Reise seines Lebens an. Und die hat es in sich. Parallel befinden wir uns in der sagenumwobenen Stadt Weep und begleiten einige Götterkinder bei Ereignissen, die mich in Hinblick auf die weitere Handlung sorgenvoll zurückließen. Vor allem im Prolog, aber auch innerhalb der Geschichte wird deutlich, warum Taylor als Autorin aus der Masse hervorsticht. Ihr Schreibstil ist poetisch und besonders, vermutlich nicht für jeden etwas. Sie schreibt wortgewaltig, ja beinahe haptisch vorstellbar. Als Leser wird die eigene Imaginationsfähigkeit dadurch aktiviert und angeregt, sich die Dinge beinahe bildlich vorzustellen. So eine Art zu schreiben ist in meinen Augen selten.

Taylor entführt uns in die Gedanken eines wahrhaftigen Träumers, der beinahe zufällig seinen Lebenstraum kennenlernt. Lazlo entwickelt sich bereits in diesem ersten Teil zu einem Charakter, den man irgendwann vermissen oder für Vergleiche heranziehen wird. Ähnlich wie Karou ist er ein so ausgearbeiteter Protagonist, dass ich beinahe das Gefühl habe, ihn zu kennen. Über die Geschichte an sich möchte ich euch an dieser Stelle gar nicht mehr verraten. Wichtig ist, dass ihr auch Strange the Dreamer lesen müsst, wenn ihr auf der Suche nach besonderen fantastischen Geschichten seid. Ich bin sicher, dass die Fortsetzung, die noch dieses Jahr erscheint, euch ebenfalls nicht enttäuschen wird. Wer weiß, vielleicht könnt ihr euch beide Teile auf einmal kaufen und Lazlo Stranges Erlebnisse dann doch in einem Stück lesen?

Fazit:

Ein Buch voller wahrgewordener Träume, das leider geteilt worden ist. Wäre es das nicht, wäre es vermutlich auch in der Übersetzung so perfekt wie das Original.

Veröffentlicht am 15.10.2019

Ein Buch für alle, die Sprache lieben und sich auf Entschleunigung einlassen können

Die Spuren der Stadt
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Allgemeines:

Lars Saabye Christensen ist einer der bedeutendsten norwegischen Autoren der Gegenwart. Er wurde mehrfach ausgezeichnet u. a. mit dem Norwegischen Literaturpreis und dem Norwegischen Kritikerpreis. ...

Allgemeines:

Lars Saabye Christensen ist einer der bedeutendsten norwegischen Autoren der Gegenwart. Er wurde mehrfach ausgezeichnet u. a. mit dem Norwegischen Literaturpreis und dem Norwegischen Kritikerpreis. Seine Bücher wurden in mehr als 36 Sprachen übersetzt. Die Spuren der Stadt erschien am 02. September 2019 bei btb als gebundenes Buch und umfasst 478 Seiten.

Inhalt:

„Was hören wir, wenn wir der Stadt lauschen? Welche Spuren hinterlässt sie in uns? Wer ist am anderen Ende, wenn wir telefonieren? Kennen wir die, die an der Straßenecke stehen, verzaubert von den Lichtern und Geräuschen der Stadt? Lars Saabye Christensens Roman spielt im Oslo der Nachkriegszeit – er erzählt darin auf berührende, süchtig machende Weise von den Sehnsüchten und Nöten seiner Bewohner, deren Schicksal unauslöschlich mit der Stadt und den Straßen, in denen sie leben, verwoben ist.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Die Spuren der Stadt ist das erste Buch, das ich von Lars Saabye Christensen gelesen habe. Ich bin neugierig geworden, durch das, was in den Pressestimmen und den Kritiken stand.

Eine Warnung vorweg: Es ist nicht einfach, in dieses Buch reinzukommen. Zum einen wird sehr viel Ortskenntnis vorausgesetzt, um dem Prolog wirklich folgen zu können. Zu dem Zweck ist vorne im Buch eine Karte eingefügt, die aber dermaßen kleingedruckt ist, dass man sehr suchen muss, das frustriert. Zum anderen verwirrt der Prolog inhaltlich sehr, da man mit einem Protagonisten konfrontiert wird, der im ersten Kapitel sehr viel jünger ist als im Prolog, obwohl dieser zeitlich vorher angesiedelt zu sein scheint. Nun ja, wenn man genau liest und hin und her blättert, klärt sich alles und man merkt viele, viele Seiten später, dass der Prolog acht Jahre nach der eigentlichen Handlung des Buches ansetzt. Eine unnötige Erschwernis für den Leser.

Aber: Nach all der Mühe am Anfang wird man fürs Durchhalten belohnt!

Die Spuren der Stadt ist wirklich ein ganz besonderes Buch, je länger ich lese, desto besser kann ich verstehen, was die Kritiker an Christensen so schätzen. Es ist sein aus meiner Sicht emotionsloser Stil, der durch genaue Beobachtung und Beschreibung von Protagonisten und deren Handlungen zu einer sehr berührenden Erzählweise wird. Er nimmt sich seiner Personen an und geht behutsam mit ihnen um. Im Zentrum des Buches steht der Junge Jesper, der ein wenig „besonders“ ist, wie die Leute so sagen. Auch seine Eltern sind dieser Meinung und wissen nicht wirklich, wie sie mit ihrem Sohn umgehen sollen. Um Jesper herum gibt es eine Nachbarin, Frau Vik und ihren Verehrer Olaf Hall, den Arzt Doktor Lund und dessen Frau sowie die Damen des Roten Kreuzes, die allerdings nur in gesonderten Teilen der Kapitel auftreten.

Oslo in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg steht im Fokus der Handlungen. Man merkt an allen Ecken und Kanten die Auswirkungen des Krieges auf den Alltag der Menschen. Viele haben Angehörige verloren, es herrscht teilweise noch große Armut, das Leben nimmt nur langsam an Fahrt auf. Auch erste patriotische Stimmen werden wieder laut. Majbrit, Jespers Mutter, spielt ebenfalls eine zentrale Rolle in diesem Buch. Sie ist sehr selbstbewusst und setzt sich sehr für das Allgemeinwohl ein. Ihr Ehemann Ewald versucht stets sein Bestes zu geben, aber so richtig will ihm das nicht gelingen. Er trägt seine eigene Tragödie vor sich her.

Man erfährt eine ganze Menge über die alltäglichen Tagesabläufe der Menschen. Christensen lässt den Leser in ihren Kopf und ihre Handlungen schauen. Manchmal ist das mühsam, da er wirklich sehr detailliert beschreibt und lange verweilt an Schauplätzen und Begebenheiten.

Die Spuren der Stadt sind in jedem Protagonisten zu finden, sie alle haben ihre Orte, die sie lieben oder meiden, an denen sie Ruhe finden oder rastlos vorbeiziehen. Dennoch ist dieses Buch kein typischer „Stadtroman“. Hier wird versucht, die Stimmung in Zeiten des Friedens einzufangen und es wird deutlich, dass man dennoch immer wieder zurückblickt, dass es kein makelloses Leben gibt. Literarisch anspruchsvoll ist dieses Buch, es gibt keinen aufregenden Plot, sondern viele kleine Begebenheiten, die das große Ganze ausmachen.

So ganz nebenbei erfährt man zudem eine Menge über die Tätigkeiten des Roten Kreuzes. Die stets kursiv abgesetzten Passagen bilden sozusagen eine Art Rahmen um die eigentliche Handlung.

Fazit:

Ein Buch für alle, die Sprache lieben und sich auf Entschleunigung einlassen können. Man braucht Zeit und Muße, wenn man dieses Buch genießen will.