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Veröffentlicht am 22.03.2026

Voll tiefsinniger Symbolik

Heartbreak Hotel
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Vier Jugendliche treffen sich im „Heartbreak Hotel“, einer Art Zwischenwelt.
Ein Mädchen hat die Liebe ihres Lebens verloren, ein Junge wurde bloßgestellt von seinem Crush. Ein weiteres Mädchen wurde von ...

Vier Jugendliche treffen sich im „Heartbreak Hotel“, einer Art Zwischenwelt.
Ein Mädchen hat die Liebe ihres Lebens verloren, ein Junge wurde bloßgestellt von seinem Crush. Ein weiteres Mädchen wurde von ihrem Freund und ihrer besten Freundin betrogen, während ein zweiter Junge sich die Schuld am Tod seiner Freundin gibt.
Die Leserinnen erfahren nacheinander die Geschichten der vier Protagonistinnen, die sie ins Heartbreak Hotel geführt haben. Die Schicksale der vier überschneiden sich miteinander, was am Ende sehr interessant aufgelöst wird.

Manche Geschichte hat mich mehr, manche weniger berührt. Insgesamt haben mich jedoch die Bildsprache und die passende Farbgestaltung beeindruckt, vor allem aber die vielen gelungen in die Geschichte eingearbeiteten Anspielungen auf Popkultur, seien es Filme oder auch Musikstücke.
Eine relativ große Rolle spielt hier „Alice im Wunderland“. Nicht nur werden den Teenagern die vier Karten Herz, Karo, Kreuz und Pik zugeordnet, auch das weiße Kaninchen und die Raupe spielen im Heartbreak Hotel eine Rolle.
Die in der Geschichte erwähnten Filme sind wahrscheinlich eher erwachsenen Leser*innen ein Begriff. „Heartbreak Hotel“ bietet einen Stoff, der weit über ein jugendliches Lesealter hinaus ansprechend ist, auch wenn die Akteure allesamt Teenager sind.

„Heartbreak Hotel“ klingt lange nach. Die Geschichten von Maya, Martin, Fiona und Finn, vor allem aber auch das Ende.
Die Geschichte ist tief und vielschichtig, nicht zuletzt wegen der verwendeten Symbolik.
Eine Graphic Novel, einerseits zart, anderseits sehr kraftvoll, die mit einem Inhalt aufwartet, der weit über ein jugendliches Lesealter fesseln und beeindrucken kann.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Äußerst spannend und leider nicht allzu fern von der Realität

Happy Head
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Seb wird ein Platz in einem Mental-Health-Programm angeboten. In diesem sollen unglückliche Jugendliche in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt werden.
Er ist ein Jugendlicher mit wenig Selbstvertrauen. Geprägt ...

Seb wird ein Platz in einem Mental-Health-Programm angeboten. In diesem sollen unglückliche Jugendliche in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt werden.
Er ist ein Jugendlicher mit wenig Selbstvertrauen. Geprägt von dem Gefühl, seine Eltern nicht stolz zu machen, nie genug zu sein, es keinem recht machen zu können.
Im Programm wirkt er wie ein Peoplepleaser. Dies lässt ihn zeitweise unsympathisch wirken, aber es ist sehr authentisch in Bezug auf seine Unsicherheit. Er ist ein junger Mensch mit Zweifeln und Ängsten, wirkt nahbar und bietet Identifikationspotential.
Auch das andere Personal des Buches ist interessant und facettenreich ausgearbeitet.

Insgesamt nehmen einhundert Jugendliche am ersten Camp von Happy Head teil. Vorrangig lernt man diejenigen der Jugendlichen besser kennen, die in einer Gruppe mit Seb eingeteilt sind.
Darunter der rebellische Finneas, zu dem Seb sich im Laufe der Geschichte immer mehr hingezogen fühlt. Außerdem Eleanor, die mehr über das Programm zu wissen scheint als die anderen teilnehmenden Jugendlichen.

Mich hat die Geschichte sehr gefesselt und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Der Schreibstil ist flüssig und modern, durch den Blickwinkel des Ich-Erzählers ist man mitten im Geschehen. Die Handlung ist durchgehend spannend und stellenweise brutal.
Ich habe lange Zeit nicht geahnt, in welche Richtung sich das Geschehen entwickelt und war überrascht über die Hintergründe einiger Figuren, die im Laufe der Zeit offengelegt werden.

Josh Silver schreibt spannend, zeitgemäß und jugendlich. Zudem hat er autobiografische Züge in seinen Roman einfließen lassen.
Nach seiner Schauspielausbildung und Auftritten im West End und am Broadway, entschloss er sich zu einem Berufswechsel und arbeitet nun als Krankenpfleger für psychische Gesundheit.
Wie sein Protagonist Seb ist Josh homosexuell und gibt der queeren Community mit seinem Roman Happy Head Sichtbarkeit.
Doch nicht nur diese Aspekte machen seinen Roman so nahbar und authentisch. Die Schilderungen sind leider gar nicht so realitätsfern und auch, dass ein ursprünglich positiver Gedanke eine negative Entwicklung nimmt, ist alles andere als undenkbar.

Happy Head endet mit einem Cliffhanger und ungelösten Fragen, welche hohe Erwartungen an den zweiten und abschließenden Band Dead Happy schüren.
Zum Glück soll dieser bereits im Herbst erscheinen.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Das erste Mal

24 Sekunden ab jetzt
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Neon und Aria stehen kurz vor ihrem ersten Mal, genau 24 Sekunden davor. Neon steht im Bad und sein Herz klopft bis zum Hals.
Leser*innen erleben rückblickend die letzten 24 Sekunden, 24 Minuten, 24 Stunden, ...

Neon und Aria stehen kurz vor ihrem ersten Mal, genau 24 Sekunden davor. Neon steht im Bad und sein Herz klopft bis zum Hals.
Leser*innen erleben rückblickend die letzten 24 Sekunden, 24 Minuten, 24 Stunden, 24 Wochen und 24 Monate vor diesem Moment.

Jason Reynolds erzählt authentisch von der Liebesgeschichte zwischen zwei Schwarzen Jugendlichen.
In den Rückblicken erlebt man nicht nur in umgekehrter Chronologie ihre Gefühle zueinander, man lernt auch ihre Freunde und ihre Familie kennen.
Wenn der Zufall in Form eines entlaufenen Hundes nicht zu Hilfe gekommen wäre, wäre aus Neon und Aria wahrscheinlich nie ein Paar geworden. Denn trotz, dass sie auf die gleiche Highschool gehen, leben ihre Familien und sie unterschiedliche Leben und sie haben gänzlich andere Pläne für die Zukunft.

Jugendliche und junge Erwachsene werden sich hier ehrlich und authentisch repräsentiert und dargestellt sehen. Auch die Bindungen zu Freunden und Familie, die Gespräche, die im Vorfeld zu Neons und Arias wichtigem Moment geführt werden, wirken dem echten Leben entnommen.

Für mich hatte dieses Buch von Jason Reynolds leichte Längen im Gegensatz zu anderen Romanen, die ich von ihm gelesen habe.
Die länger zurückliegenden Passagen haben mich mehr angesprochen, da die Handlung hier weniger abzusehen war und ich in Erfahrung bringen wollte, wie die Geschichte ihren Anfang genommen hat.

Jason Reynolds ist eine sehr authentische Stimme für die Schwarzen Jugendlichen seiner Zeit.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Ein wichtiges Buch über das miteinander Reden und aufeinander Zugehen

Obacht!
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Vor der Stadt liegt ein riesiges, unbekanntes Tier, das den Weg versperrt.
Alle Einwohnerinnen sind aufgeregt und denken sich Lösungen aus, wie man mit dem Tier umgehen beziehungsweise es umgehen kann. ...

Vor der Stadt liegt ein riesiges, unbekanntes Tier, das den Weg versperrt.
Alle Einwohnerinnen sind aufgeregt und denken sich Lösungen aus, wie man mit dem Tier umgehen beziehungsweise es umgehen kann. Nur eine Bewohnerin, das kleine Mienchen, hat eine ganz andere Idee. Nur leider hört ihr keiner zu.
Stattdessen wird eine Decke über das Tier geworfen. Nun kann man es nicht mehr sehen, aber es versperrt immer noch den Weg.
Selbst eine Brücke oder eine Umgehungsstraße bringen bestenfalls kurzfristige Lösungen.
Am Ende nimmt Mienchen ihren ganzen Mut zusammen und setzt ihre Idee in die Tat um …

Kerstin Hau und Stella Dreis haben mit „Obacht!“ eine Geschichte erschaffen, die sich mit relativ wenig Text, sowie in Details und Farben reduzierten Illustrationen wichtigen Themen widmet, die uns bereits im Kindesalter betreffen.
Dabei ist die Handlung trotz ihres überschaubaren Rahmens spannend und lädt zum Mitfiebern ein. Die Namen und das Minenspiel der Figuren verleihen dem Geschehen aber auch Witz.

Das Buch eignet sich sowohl für Eltern als auch für Einrichtungen, um gemeinsam mit Kindern auf Fragen einzugehen und Lösungen zu finden.
– Wie kann ich mit Unbekanntem umgehen.
– Gemeinsame Lösungen können nur gefunden werden, indem man aufeinander zugeht und miteinander redet.
– Meinungen und Ideen aller sollten angehört werden.
– Ein Problem wirkt manchmal augenscheinlich größer und komplexer als es letzten Endes ist.
Selbst Vorurteile können anhand der Geschichte angesprochen – und entkräftet – werden, denn hätten die meisten Bewohner
innen der Stadt nicht vorschnell geurteilt, hätten sie sich viel Arbeit und Ärger sparen können.

„Obacht!“ ist ein spannendes, witziges, lehrreiches und wichtiges Buch bereits für kleinste Leser*innen, aber auch für die großen!

Für das Buch steht kostenloses pädagogisches Begleitmaterial zur Verfügung. Am Ende des Buches findet sich ein QR-Code zum Download.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Humorvolle Sachensuche mit cooler Heldin

Einfach Sunny
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Sie ist nicht auf den Mund gefallen, wenn sie von Gleichaltrigen gemobbt wird. Sie kontert gern mit Humor, der überdies gern mal schwarz ist, und nimmt sich dabei auch selbst auf die Schippe.

'Für einen ...

Sie ist nicht auf den Mund gefallen, wenn sie von Gleichaltrigen gemobbt wird. Sie kontert gern mit Humor, der überdies gern mal schwarz ist, und nimmt sich dabei auch selbst auf die Schippe.

'Für einen Moment wünscht sich Sunny eine Fernbedienung für Frau Wilmers. Dann würde sie im Menü die Einstellung "Tonspur für Blinde" abstellen und zusätzlich ein ordentliches Stück vorspulen.' (S.57)

Eines Tages trifft sie den gleichaltrigen Ben, der etwas verloren hat. Sunny bietet sich als Sachen-Sucherin an, obwohl Ben zunächst herumdruckst, wonach er überhaupt sucht.
Auch mit - oder wegen - ihrer Behinderung ist Sunny viel mutiger und selbstbewusster als Ben. Selbst ihren Eltern ist ihre eigenständige Art manchmal etwas zu viel, aber Sunny behauptet sich auch gegen diese und andere Erwachsene für ihr junges Alter erstaunlich gut.

Der Tag, an dem Sunny gemeinsam mit Ben auf der Suche nach seinem verlorenen Gegenstand ist, zog sich im Mittelteil für mich leicht, da einige Irrungen und Wirrungen auftraten, die ich als etwas zu viel und konstruiert für einen einzigen Tag und den Vorfall empfand.
In Summe beinhaltet das Buch jedoch eine für die Altersgruppe spannende und sehr lustige Geschichte mit einem witzigen Dreh am Ende.

Ansonsten lebt und gewinnt die Geschichte durch die Illustrationen Olivia Viewegs. Die Bilder sind knallbunt und nehmen viel Platz ein.
Darüber hinaus wurden die Kapitelanfänge und Seitenzahlen je nach Perspektive aus Sunnys oder Bens Sicht, in Orange oder Grün gestaltet. So ist direkt zu erkennen, aus welcher Sicht gerade erzählt wird.

Gerade weil sich Sunny und Ben hier ganz frisch kennenlernen, ist es sehr passend, die Geschichte aus zwei persönlichen Perspektiven erleben zu dürfen. So erfährt man die jeweiligen Gedanken zum Gegenüber aus erster Hand und kommt den beiden Charakteren als Leserin schneller näher, als dies durch einen neutralen Erzähler möglich wäre.

"Einfach Sunny" besticht durch eine selbstbewusste und witzige Hauptfigur, die sich an einem Tag mit einem neuen Freund zusammenrauft und von der man als Leser
in währenddessen viel erfährt, sowie auch von dem zweiten Hauptakteur Ben.
Die Geschichte beschäftigt sich mit für das junge Lesepublikum relevanten Themen wie Mobbing – nicht nur aufgrund von Behinderungen -, Freundschaft und Schule und transportiert diese authentisch mit etwas Spannung und ganz viel Humor.

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