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Veröffentlicht am 14.09.2019

Außergewöhnliche Geschichte eines Sklavenjungen

Washington Black
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Barbados, 1830: Der elfjährige schwarze Sklavenjunge Wash, der von seinem Master eigentlich den Namen George Washington Black erhalten hat, lebt seit seiner Geburt unter unmenschlichen Bedingungen auf ...

Barbados, 1830: Der elfjährige schwarze Sklavenjunge Wash, der von seinem Master eigentlich den Namen George Washington Black erhalten hat, lebt seit seiner Geburt unter unmenschlichen Bedingungen auf einer Zuckerrohrplantage in Barbados. Als er Christopher Wilde, einem Naturforscher, Entdecker und Erfinder, zum Diener ausgewählt wird, befürchtet er Schlimmstes. Zu seiner großen Überraschung ist der Bruder des neuen brutalen Plantagenbesitzers ein sehr außergewöhnlicher Mensch und erweist sich als ausgesprochener Gegner der Sklaverei. Bald eröffnet sich dem wissbegierigen Wash eine völlig neue Welt. Als sein Assistent und Diener lernt er nicht nur Lesen und Schreiben, hilft „Titch“ beim Bau eines Luftschiffs und entdeckt sogar ein ganz besonderes Talent in sich. Nach einem folgenschweren Unfall und der Verkettung unglücklicher Umstände müssen die beiden mit ihrem „Wolkenkutter“ Hals über Kopf von der Plantage fliehen. Es ist der Beginn einer abenteuerlichen Flucht, die Wash nicht nur in die Freiheit sondern auch um die halbe Welt führen wird.

„Washinghton Black ” ist das neue Werk der kanadischen Autorin Esi Edugyan, das im vergangenen Jahr auf der Shortlist für den renommierten Man Booker Prize zu finden war. Hierbei handelt es sich um einen außergewöhnlichen, sehr mitreißend und wortgewaltig erzählten Roman, der eine interessante Mischung aus amerikanischer Historie, Abenteuerroman, Liebesgeschichte und sogar einigen fantastisch-mystischen Elementen ist.
Die Autorin beleuchtet in ihrem Roman nicht nur die Auswirkungen der Sklaverei auf die unterdrückten Slaven, sondern befasst sich auch mit der menschenverachtenden Einstellung und der Rolle, die die Weißen in diesem ausbeuterischen System hatten.
Die im Rückblick aus der Sicht des jungen Protagonisten Wash in der Ich-Perspektive erzählte Geschichte beginnt mit dem unglaublich leidvollen, schockierenden Leben des Sklavenjungen auf der Plantage in Barbados. Eindringlich und ungeschönt führt uns die Autorin das Schicksal der Sklaven vor Augen, die alltäglich Opfer von unsäglicher Willkür, Brutalität, und Gewaltexzessen auch von Seiten anderer Sklaven sind. Trotz aller Unmenschlichkeit in seinem Umfeld erfährt Wash als Sklavenjunge auch Mitgefühl, Schutz und liebevolle Fürsorge von seiner Ziehmutter Big Kit und von Titch, der ihn zu seinem Assistenten ausgewählt und unter seine Fittiche genommen hat. Durch die Arbeit mit dem Wissenschaftler und Naturforscher Titch eröffnen sich Wash ganz neue Perspektiven, die ihm später ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit erst ermöglichen. Gut kann man sich in die wechselnden Emotionen des Jungen hineinversetzen, der erstmals eine Art Freundschaft, Vertrauen und Loyalität kennenlernt.
In dem gelehrigen Jungen schlummert jedoch ganz unerwartet auch ein einzigartiges, künstlerisches Talent, das er später als wissenschaftlicher Illustrator perfektionieren kann.
MEIN FAZIT
Eine mitreißende, einfallsreiche und leider auch abschweifend erzählte Abenteuergeschichte - mit einem außergewöhnlichen Helden auf der Suche nach Freiheit und nach sich selbst.

Veröffentlicht am 19.08.2019

Wundervoll leichte Sommerlektüre

Im Freibad
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Die 86-jährige Rosemary liebt ihr alltägliches Ritual. Jeden Morgen geht sie seit über 60 Jahren ins gegenüberliegende Freibad zum Schwimmen. Viele schöne Erinnerungen verbindet sie mit diesem Ort im Londoner ...

Die 86-jährige Rosemary liebt ihr alltägliches Ritual. Jeden Morgen geht sie seit über 60 Jahren ins gegenüberliegende Freibad zum Schwimmen. Viele schöne Erinnerungen verbindet sie mit diesem Ort im Londoner Stadtteil Brixton, denn hier hat sie Schwimmen gelernt, ihren verstorbenen Mann George kennengelernt und dort hat sie immer noch viele Freunde. Doch nun soll das unrentable Freibad geschlossen werden und stattdessen mondäne Eigentumswohnungen gebaut werden. Eine Katastrophe für Rosemary, denn ihr Freibad ist nicht nur ein Ort zum Schwimmen, sondern das Herz der gesamten Nachbarschaft!
Die junge Londoner Reporterin Kate soll einen Artikel über die Freibadschließung schreiben und macht mit Rosemary hierüber ein Interview. Die beiden so unterschiedlichen Frauen werden schließlich Freundinnen und beschließen, gemeinsam für den Erhalt des für alle unverzichtbaren Freibades zu kämpfen.

Der Debütroman „Im Freibad“ der Londoner Autorin Libby Page ist eine ideale, kurzweilige Sommerlektüre für die Urlaubszeit. In ihrem Roman erzählt Page die herzerwärmende Geschichte über eine ungewöhnliche, generationenübergreifende Freundschaft zwischen der liebenswerten und herzensguten Seniorin Rosemary und der jungen Journalistin Kate, die sehr unglücklich und einsam in der riesigen Metropole London lebt.
Es ist eine wundervoll geschriebene Geschichte voller berührender, nachdenklich stimmender aber auch sehr witziger Momente und einer tollen Botschaft, die zeigt, was man mit gemeinsamem Engagement, Zusammenhalt und unbeirrbarer Zuversicht alles erreichen kann. Der lockere, lebendige Schreibstil von Libby Page lässt sich sehr angenehm lesen. Die Handlung wird hauptsächlich aus den sich abwechselnden Perspektiven der beiden Protagonistinnen Rosemary bzw. Kate erzählt, so dass man sich in ihre Gedanken- und Gefühlswelt gut hineinversetzen kann.
Sehr schön ist es mitzuerleben, wie allmählich zwischen den beiden so unterschiedlichen Frauen eine Freundschaft wächst und sie sich Halt im Leben geben können. Hervorragend sind der Autorin die Charaktere ihres Romans gelungen, die sehr realitätsnah und lebendig wirken.
Vor allem die sehr sympathische Rosemary ist eine beeindruckende und sehr authentische Hauptfigur. Sie ist eine sehr freundliche, aufmerksame alte Dame, die sich für ihre Mitmenschen interessiert und großes Einfühlungsvermögen zeigt. In verschiedenen Rückblenden in die Vergangenheit erinnert sich Rosemary an berührende Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit und es wird deutlich, warum sie so an ihrem alten Freibad hängt und seine Schließung nicht akzeptieren kann. Sehr facettenreich und mit Feingespür sind auch die vielen verschiedenen Charaktere der unterschiedlichen Besucher des betagten Schwimmbads mit all ihren Ecken und Kanten eingefangen.
Auch wenn die Handlung zeitweise vorhersehbar ist, konnte mich die Geschichte mit ihren tollen Figuren und einigen gesellschaftskritischen Seitenhieben bestens unterhalten.

MEIN FAZIT
Eine wundervoll leichte Sommerlektüre mit einer herzerwärmenden Geschichte über eine großartige Freundschaft und der schönen Botschaft, stets an das Unmögliche zu glauben!

Veröffentlicht am 21.07.2019

Spannende Reise in die Welt eines Sonntagskinds

Mein Leben als Sonntagskind
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Die kleine Jasmijn ist kein normales Kind – schon in der Vorschule sie ist anders als ihre Mitschüler. Sie kann bereits lesen und sehr intelligent, spricht aber mit Niemandem und meidet den Kontakt mit ...

Die kleine Jasmijn ist kein normales Kind – schon in der Vorschule sie ist anders als ihre Mitschüler. Sie kann bereits lesen und sehr intelligent, spricht aber mit Niemandem und meidet den Kontakt mit allem Unbekannten, da sie nicht weiß, wie sie reagieren soll, und vieles vollkommen falsch einschätzt.
Grelles Licht, ständiger Lärm, unvorhersehbare Situationen oder Berührungen durch Fremde überfordern das Mädchen völlig und lösen bei ihr heftigste Migräneanfälle aus. Am wohlsten fühlt sich Jasmijn, wenn sie sich mit einem Buch in ihr Zimmer zurückziehen, die Musik ihres geliebten Elvis hören und mit ihrer besten Freundin Hündin Senta zusammen sein kann. Nur in ihrem Tagebuch kann sie die beliebte, kontaktfreudige Jasmijn sein, als Sonntagskind unbeschwert den Tag genießen und von einer glücklichen Zukunft träumen…

Der wundervolle Roman „Mein Leben als Sonntagskind“ von der Niederländerin Judith Visser ist ein ganz besonderes Buch mit einem autobiografischen Hintergrund. Hierin erzählt die junge Autorin über das Leben als Asperger-Autistin und nimmt uns mit auf eine außergewöhnlich spannende und lehrreiche Reise in ihre Welt.
Ähnlich wie ihre sympathische Hauptfigur Jasmijn wurde auch die Autorin von ihrem Umfeld als Kind und Jugendliche stets als extrem seltsam wahrgenommen und ausgegrenzt, bis sie dann schließlich erst im Erwachsenenalter mit ihrer Diagnose Asperger-Syndrom, eine spezielle Form von Autismus, eine sehr plausible Erklärung für ihr „Anderssein“ erhielt: „Nicht ich war anders, mein Gehirn war anders.“
Hierdurch erhält ihr berührender Roman große Authentizität und liefert uns sehr eindrückliche Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt der Betroffenen. In der chronologisch geschilderten Geschichte begleiten wir die junge Protagonistin durch die 1980 bis 90gerJahre über eine Zeitspanne von 17 Jahren, erleben Jasmijn als kleines Vorschulkind im Alter von etwa 4 Jahren und begleiten ihre Entwicklung durch die Pubertät bis hin zum frühen Erwachsenenalter.
In vielen einfühlsam geschilderten Episoden haben wir Anteil an Jasmijns Alltag, an ihren ungewöhnlichen Gedanken, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen, die ihr das Leben schwer machen. Sehr anschaulich und nachvollziehbar vermittelt die Autorin, wie mit der permanenten Reizüberflutung zu kämpfen, sie sich in die Isolation flüchtet oder unter ihrer verständnislosen und beängstigenden Umwelt zu leiden hat, die sie oft als arrogant und egoistisch abstempelt.
„Alle fanden ich sei ein seltsames Kind, und ich wusste, dass ich durch mein Verhalten alles nur noch schlimmer machte. Manchmal wandte sich die Normale Jasmijn ungeduldig von mir ab. Dabei wollte ich ja so sein wie sie, wirklich, und ich versuchte es auch, aber ich schaffte es einfach nicht. Meine Mutter beließ es dabei bewenden.“
Die sympathische, intelligente Protagonistin, die am glücklichsten alleine mit ihrer Hündin Senta, der Musik von Elvis oder im Kreise ihrer „berechenbaren“ Familie ist, ist mir schnell ans Herz gewachsen, weckte viel Mitgefühl und brachte mich zum Schmunzeln. Es ist sehr rührend ihre Bemühungen mitzuerleben, sich in den normalen Alltag zu integrieren, sich mit dieser für sie so fremden, oft unverständlichen Welt zu arrangieren und sich auch im sozialen Umgang zu üben. Ich habe mich für sie gefreut, dass es Jasmijn zum Ende hin tatsächlich gelungen ist, ein glückliches, zufriedenes und selbstständiges Leben zu führen und Freunde zu finden, die sie und ihre Andersartigkeit akzeptieren.
Der eher schlichte, mitreißende Erzählstil passt hervorragend zur Hauptfigur und lässt sich ausgesprochen angenehm lesen.
Gekonnt weckt die Autorin mit ihrer berührenden, unterhaltsamen Geschichte viel Verständnis für die „Andersartigkeit“ einiger Menschen, zeigt ihre besonderen Talente und Stärken auf und appelliert insgesamt an mehr Toleranz und Verständnis.

MEIN FAZIT
Ein berührender, lehrreicher Roman und eine außergewöhnlich spannende Reise in die Welt von Asperger-Autisten.
Eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 21.07.2019

Ein geniales Brotbackbuch mit Erfolgsgarantie

Brot backen mit Christina
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„Brot backen mit Christina“ ist das neueste und bereits dritte Backbuch von Christina Bauer, das im österreichischen Löwenzahn-Verlag erschienen ist.
Die junge sympathische Österreicherin arbeitet tagsüber ...

„Brot backen mit Christina“ ist das neueste und bereits dritte Backbuch von Christina Bauer, das im österreichischen Löwenzahn-Verlag erschienen ist.
Die junge sympathische Österreicherin arbeitet tagsüber als Bäuerin und Gästebetreuerin auf ihrem Bauernhof in dem kleinen malerischen Dorf Göriach und ist zugleich leidenschaftliche Bäckerin, Foodbloggerin und Autorin von Backbüchern.
Der vielversprechende Untertitel „Einfach gute Rezepte, die ganz sicher gelingen! Vom 20-Minuten-Brot bis zum Sauerteig“ macht neugierig auf das Nachbacken und Ausprobieren der verschiedenen Rezepte, bei denen wirklich für jeden Geschmack und jeden Alltag etwas dabei sein sollte und einem beim Durchblättern schon das Wasser schon im Mund zusammenläuft.
In ihrem neuen Backbuch präsentiert Christina 50 köstliche, sehr unterschiedliche Brotrezepte von schnellen knusprigen Frühstücksbrötchen, über klassisches Krustenbrot, tolle aromatische Sauerteigbrote für Liebhaber, gesunde Vollkornbrote oder auch spezielle Brote mit wenig Hefe und praktischer Über-Nacht-Gare. In diesem Buch findet an auch als Backlaie viele ausgewogene, alltagstaugliche und ausführlich beschriebene Rezepte, die wirklich gelingen und leicht selbst nachzubacken sind.
Sehr gelungen ist der Einstieg mit dem ersten Kapitel „Mein Back-ABC für Brot“, in den Christina uns die wichtigsten Brotback-Basics mit umfangreichen Tipps und Tricks rund um Teigkneten, Gehenlassen und Backen sowie mit vielen Hintergrundinfos zu Grundzutaten oder Brotgewürzen zusammengestellt hat. Denn natürlich steckt hinter einem leckeren Brot doch ein bisschen mehr als nur Mehl, Salz, Wasser und Hefe zu einem Teig zu verkneten. Doch keine Angst – Christina gelingt es hervorragend, uns mit ihren ausführlichen Rezeptbeschreibungen in die wichtigsten Geheimnisse der Brotbackkunst einzuweihen, so dass wir anhand der einzelnen, gut beschriebenen und anschaulich bebilderten Schritte die Rezepte nachvollziehen können. So ist es nach den Anleitungen tatsächlich einfach, sein eigenes Brot oder Gebäck selber zu backen – ofenfrisch, knusprig, schön gebräunt und einfach nur lecker!
„Ein riesiger Vorteil beim Selberbacken ist, dass man genau weiß, was drinsteckt: nämlich regionale, einfache Zutaten, die man meistens daheim hat. Das schmeckt! Nichts geht über ein warmes Brot frisch aus dem Backofen!“
Der Rezeptteil ist in die Kapitel „BROTE GANZ KLASSISCH“, „ALLES VOLLKORN“, „BROTE MIT SAUERTEIG“, „BROTE MIT WENIG HEFE UND VIEL ZEIT“, „BROTE OHNE KNETEN“, „BROT EINMAL ANDERS“ sowie „SÜSSE BROTE“ untergliedert. Hier findet man eine sehr vielfältige Auswahl an tollen Brot- und Gebäckrezepten mit unterschiedlichem Aufwand und Schwierigkeitsgrad, die sehr ansprechend und übersichtlich gestaltet sind. Zudem ist das Buch mit vielen appetitanregenden Fotos äußerst liebevoll aufgemacht, so dass man es immer wieder gerne zur Hand nimmt.
Zum Abschluss findet sich im Kapitel „ZU GUTER LETZT“ noch ein alphabetisches Rezeptregister. Abgerundet wird dieses rundum gelungene Hardcoverbuch mit einem Kurzportrait der Autorin, die mich mit ihrer Leidenschaft fürs Backen anstecken und mit den köstlichen Backresultaten vollkommen überzeugen konnte.

MEIN FAZIT
Ein großartiges Brotbackbuch mit genialen Rezepten, die einfach gelingen und absolut köstlich schmecken!

Veröffentlicht am 21.07.2019

Spannender Cold Case-Krimi

Unbarmherzig
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Nach Ende der Elternzeit freut sich Gina Angelucci zur Münchner Kripo zurückzukehren und wieder als Spezialistin für Cold Cases zu arbeiten. Ihr Töchterchen Chiara ist in allerbesten Händen und wird nun ...

Nach Ende der Elternzeit freut sich Gina Angelucci zur Münchner Kripo zurückzukehren und wieder als Spezialistin für Cold Cases zu arbeiten. Ihr Töchterchen Chiara ist in allerbesten Händen und wird nun von ihrem Ehemann und Kollegen Tino Dühnfort zuhause betreut. Kriminalhauptkommissarin Gina übernimmt schon bald die Ermittlungen zu einem neuem, mysteriösen Cold Case. Bei den auf einem Kiesablageplatz im idyllischen Dorf Altbruck aufgefundenen sterblichen Überresten zweier Personen scheint die Klärung ihrer Identität fast unmöglich zu sein. Doch Gina und ihr Team aus der Abteilung für ungeklärte Altfälle setzen alles daran, mehr über die schon vor Jahrzehnten verscharrten Toten herauszufinden, um den Hinterbliebenen endlich Gewissheit zu verschaffen. Im Laufe der Ermittlung finden sie heraus, dass das weibliche Opfer aus dem Baltikum stammt und wahrscheinlich eine Zwangsarbeiterin in der nahegelegenen Munitionsfabrik in Altbruck war.
Von verschiedensten Seiten unter Druck gesetzt verbeißt sich Gina in den Fall, der in die Wirren zu Ende des 2. Weltkriegs zurückreicht, und recherchiert Geschehnisse, über die niemand mehr gerne reden möchte. Wird es Gina nach all der Zeit dennoch gelingen, die Identität der Opfer und die Motive für die Tat aufzudecken?
Der Krimi „Unbarmherzig“ von Inge Löhnig ist bereits der zweiten Fall für die Münchner Cold Case-Ermittlerin und Spezialistin für ungeklärte Mordfälle Gina Angelucci. Doch auch von Neueinsteigern kann dieser Band problemlos ohne weitere Vorkenntnisse gelesen werden, da wichtige Zusammenhänge kurz angerissen werden und der spannende Fall in sich abgeschlossen ist.
Löhnig hat eine sehr komplexe und lange Zeit undurchsichtige Geschichte auf zwei Zeitebenen angelegt, die sich mit den vielen Perspektivwechseln und trotz des eher gemächlichen Erzähltempos zu einer packenden Krimihandlung entwickelt. Geschickt lassen Rückblenden in das Kriegsjahr 1944 und Tagebuchauszüge einer Zwangsarbeiterin den Leser allmählich in den erschreckenden Alltag jener Zeit eintauchen. Der geschichtliche Hintergrund ist sehr gut recherchiert, anschaulich in die Handlung eingebaut und erinnert gekonnt an vergangenes Unrecht. Nach und nach werden immer mehr Details und Hintergründe zum damaligen Geschehen enthüllt und auch Ginas Nachforschungen zu dem Fall decken Geheimnisse und Verbindungen auf, die seit dem 2. Weltkrieg im Verborgenen lagen. Es ist eine wendungsreiche Krimihandlung, die viel Stoff zum Spekulieren bietet, aber niemals durchschaubar ist und mit einer überzeugenden, sehr realitätsnahen Auflösung punkten kann. Weniger gut hat mir die eingefügte Nebenhandlung gefallen, die für zusätzliche Spannungsmomente sorgte, aber für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten war und zu sehr von der spannenden Haupthandlung ablenkte. Die abwechslungsreiche Mischung an gut ausgearbeiteten, vielschichtigen Charakteren - egal ob Haupt- oder Nebenfigur – konnte mich sehr überzeugen. Vor allem die sympathische Hauptfigur Gina mit ihrer Lebendigkeit und ihren Ecken und Kanten hat mir sehr gut gefallen. Sie ist facettenreich, niemals langweilig und immer wieder für eine Überraschung gut. Ihre Leidenschaft, Beharrlichkeit und ihr Hang, sich über sämtliche Hindernisse hinwegzusetzen und sich zu gewagten Alleingängen hinreißen zu lassen, um endlich zu Ergebnissen zu kommen, machen aus ihr eine ideale Handlungsträgerin für diese Krimireihe.
Man kann gespannt sein, wie es für Gina beruflich weitergehen wird und welche neuen offenen Cold Cases sie im nächsten Band entschlüsseln wird.
MEIN FAZIT
Ein interessanter Cold Case-Krimi mit einer fesselnden, komplexen Handlung und düsteren, historischen Einblicken in das Ende des 2. Weltkriegs.