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Veröffentlicht am 03.03.2026

Was bleibt am Ende, außer der Wahrheit?

Die Totenklägerin
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Ihren Beruf Anwältin hat Matilda Rizzo längst an den Nagel gehängt. Stattdessen arbeitet sie als Trauerrednerin. Es sind keine Reden in denen nur Nettes und Belangloses gesagt wird. Matilda versteht sich ...

Ihren Beruf Anwältin hat Matilda Rizzo längst an den Nagel gehängt. Stattdessen arbeitet sie als Trauerrednerin. Es sind keine Reden in denen nur Nettes und Belangloses gesagt wird. Matilda versteht sich eher als Anwältin der Toten und versucht in ihren Reden immer die Wahrheit zu sagen, auch wenn diese unbequem ist und nicht unbedingt von jedem gehört werden will. So auch im Fall von Therese Wimmer. Als Oma Resi stirbt ist die zwölfjährige Jackie gerade im Garten und wartet auf deren Tochter, die ihr Nachhilfe gibt. Jackie spürt, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht und beauftragt Matilda Nachforschungen anzustellen. Anfänglich lehnt Matilda ab, doch dann kommen auch ihr Zweifel an den Todesumständen.
„Die Totenklägerin“ ist kein Kriminalroman im klassischen Sinn mit Ermittlungen oder gar blutigen Szenen. Stattdessen geht es eher ruhig zu, aber dafür wird die Atmosphäre sehr gut eingefangen. In dem kleinen Bergdorf Reuth kennt fast jeder jeden. Matilda und Jackie sind starke Frauen, aber beide sind Außenseiterinnen. Matilda, weil sie noch nicht lange in dem Dorf lebt, sondern in dem geerbten Haus ihrer gestorbenen Oma lebt. Sie besitzt Ecken und Kanten und es ist nicht immer einfach mit ihr umzugehen. Hartnäckigkeit und Unbestechlichkeit zeichnen sie aus. Auch Jackie hat es nicht leicht. Oft ist sie allein, weil die Mutter arbeitet und Freunde besitzt sie auch keine, sie ist sozial ausgegrenzt. Doch nach ein paar Schwierigkeiten entwickelt sich tatsächlich so etwas wie Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Frauen.
Im Verlauf der Handlung tauchen zwischendurch immer wieder Rätsel und Geheimnisse der Dorfbewohner auf, die jedoch bis zum Ende des Buches gelöst werden. Es bleiben also keine Fragen offen.
Das Ende war für mich vollkommen überraschend, passt aber sehr gut zu dem gesamten Verlauf der Handlung.
Insgesamt ein ruhiges, aber dennoch spannendes Buch, bei dem das Gesamtbild mehr im Fokus steht als die klassische Ermittlungsarbeit. Der Schreibstil ist sehr angenehm und obwohl es nicht temporeich zu geht, kommt man dennoch schnell durch das Buch. Die Bezeichnung Spannungsroman trifft es wirklich perfekt.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Sehr gelungene Fortsetzung der Reihe

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Einige Jahre sind vergangen seit ich den letzten Fall mit Fabian Risk lesen durfte. Eine Reihe, die mich immer sehr begeistert hat. Mit„Wellengrab“ liegt nun endlich der siebte Fall für den Kommissar aus ...

Einige Jahre sind vergangen seit ich den letzten Fall mit Fabian Risk lesen durfte. Eine Reihe, die mich immer sehr begeistert hat. Mit„Wellengrab“ liegt nun endlich der siebte Fall für den Kommissar aus Helsingborg vor.
Nicht nur im realen Leben sind einige Jahre vergangen, auch Fabian Risk ist älter geworden, seine Tochter Mathilda studiert mittlerweile. Während die beiden den Sonnenuntergang von einem Segelboot aus genießen, kommt es plötzlich zu einem Blackout an der Küste Schwedens. Merkwürdige Dinge ereignen sich in diesem Zeitraum. Ein Überfall auf ein Bargelddepot, seltsame Zeugenaussagen und auch Kinder verschwinden und tauchen wieder auf. Fabian Risk und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Dabei ahnen sie noch nicht, dass das Ganze nur die Spitze eines Eisbergs ist.

Stefan Anhem versteht wirklich sein Handwerk. Kaum hatte ich mit dem Lesen begonnen, war ich schon wie gefesselt von dem Buch. Es geht nicht nur sehr spannend los, auch die Thematik, die sich im Laufe der Handlung herauskristallisiert, ist äußerst brisant. Bekannte Figuren aus den Vorgängerbänden tauchen auf, dabei habe ich mich besonders über ein Wiedersehen mit Dunja Hougaard gefreut.
Man muss die Vorgängerbände im Übrigen nicht unbedingt gelesen haben, da der Fall in sich geschlossen ist. Zum Verständnis werden ausreichend Informationen geliefert ohne zu viel zu verraten. Der Lesespaß bleibt also erhalten, wenn man die vorherigen Bücher nicht kennt und noch lesen möchte.
Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven und man lernt dabei auch die Tätersicht kennen. So weiß man als Leser immer ein bisschen mehr und ist dem ermittelnden Team einen kleinen Schritt voraus.
„Wellengrab“ umfasst mehr als 600 Seiten. Das klingt zunächst nach einem langatmigen Wälzer, doch dem ist nicht so. Das Buch ist durchgängig spannend und ich möchte keine einzige Seite davon missen. Stellenweise sind die Beschreibungen schon ziemlich brutal und es wird nicht mit blutigen Details gespart. Aber der Erzählstil insgesamt ist wirklich flüssig und extrem spannend, einfach top.
Anhem greift zudem aktuelle Themen wie Migration und Manipulation durch Medien auf. Er zeigt wie wenig es braucht, um die Grundwerte einer Demokratie zu zerstören. Ein ziemlich erschreckendes, fast dystopisches Szenario.
Nach Beendigung des Buches rätsele ich noch immer über den Titel, den ich als äußerst unpassend empfinde und der sich mir einfach nicht erschließt. Das Original lautet „Generation noll“, frei übersetzt „Generation Zero“, was viel treffender gewesen wäre.
Insgesamt die die Fortsetzung der Reihe einfach perfekt gelungen. Der kleine Cliffhanger am Ende lässt mich hoffen, dass es noch einen weiteren Folgeband geben wird.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Drachenabenteuer im Frühling

Was Drachen im Frühling machen
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Endlich ist der Winter vorbei und der Frühling hält wieder Einzug in dem Wald in dem Alfi, der kleine Niesdrache und seine Freunde leben. Doch kaum ist der Frühjahrsputz erledigt, beginnt es plötzlich ...

Endlich ist der Winter vorbei und der Frühling hält wieder Einzug in dem Wald in dem Alfi, der kleine Niesdrache und seine Freunde leben. Doch kaum ist der Frühjahrsputz erledigt, beginnt es plötzlich wieder zu schneien. Die Freunde sind sich sicher: Jemand muss den Frühling entführt haben und Schuld daran kann nur der Schneedrache sein. Gemeinsam machen sie sich daran den Frühling zu befreien.

„Was Drachen im Frühling machen“ ist ein Vorlesebuch, empfohlen für Kinder ab vier Jahren. Aufgeteilt ist es in 17 Kapitel, die sich hervorragend eignen um sie vor dem Schlafengehen vorzulesen. Dabei dominiert der Text sehr gegenüber den Bildern und ist vielleicht für die ganz Kleinen noch nicht so geeignet, die sich noch viele Bilder zu dem Text wünschen. Und es sind gerade die zauberhaften Illustrationen, die mir richtig gut gefallen haben. Mit viel Liebe zum Detail sind Lisa Rammensee hier wirklich schöne Bilder gelungen, die perfekt die Situation wiedergeben. Auch die fünf Tiere (Fussel, das Eichhörnchen, Coco, das Zwergkänguru, Timber, der Biber, Flip der Hase und natürlich Alfi) sind allesamt sympathische Figuren, die natürlich auch ihre Eigenarten haben. Es geht um Freundschaft und auch um Mut ein Abenteuer zu wagen. Und natürlich auch um den Frühling und welche schönen Dinge er mit sich bringt. Die Dialoge ist ebenfalls gelungen und der Humor kommt nicht zu kurz.
Alfi war mir und meiner Enkelin besonders ans Herz gewachsen. Ein witziger, kleiner Drache, den man einfach mögen muss. Zu meiner Freude habe ich gesehen, dass es auch ein Weihnachtsbuch rund um die fünf Freunde gibt. Das habe ich sofort auf meine Merkliste gesetzt und hoffe, dass noch viele weitere Drachenabenteuer entstehen.

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Veröffentlicht am 23.01.2026

Spannend und temporeich

Die Tiefe: Versunken
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Mit „Die Tiefe“ legt die Autorin Karen Sander bereits die dritte Staffel ihrer Ostsee-Reihe rund um Kriminalhauptkommissar Tom Engelhardt und die Kryptologin Mascha Krieger vom LKA Schwerin vor. Im ersten ...

Mit „Die Tiefe“ legt die Autorin Karen Sander bereits die dritte Staffel ihrer Ostsee-Reihe rund um Kriminalhauptkommissar Tom Engelhardt und die Kryptologin Mascha Krieger vom LKA Schwerin vor. Im ersten Teil „Versunken“ bekommen es die beiden gleich mit mehreren Morden gleichzeitig zu tun und die Ermittlungen laufen in alle Richtungen.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Buch ist wieder sehr spannend und temporeich geschrieben. Die Schauplätze und die damit verbundenen Perspektiven und wechseln ständig. Zudem sind die Kapitel extrem kurzgehalten und enden oft mit einem cliffhanger. Man fliegt praktisch durch das Buch.
Neben dem eigentlichen Fall ist es aber auch genauso spannend zu beobachten wie sich das Verhältnis zwischen Tom und Mascha weiterentwickelt. Beides sind sympathische Figuren und man fiebert förmlich der Fortsetzung entgegen.
Hier findet sich auch das einzige Manko der Trilogie. Der Fall bzw. die Fälle sind auf drei Bücher aufgeteilt. Es bleiben also am Ende des Buches noch jede Menge offene Fragen übrig. Weiter geht es dann Ende Februar mit dem zweiten Band, der finale dritte Teil erscheint dann Mitte Mai.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Bitte mehr von Bob Oz

Minnesota
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Mit „Minnesota“ verlegt Jo Nesbø nicht nur den Schauplatz seines Krimis von Norwegen in die USA, sondern führt auch einen neuen Ermittler ein: Detective Bob Oz.
Bob ist ein Mann mit vielen Ecken und Kanten. ...

Mit „Minnesota“ verlegt Jo Nesbø nicht nur den Schauplatz seines Krimis von Norwegen in die USA, sondern führt auch einen neuen Ermittler ein: Detective Bob Oz.
Bob ist ein Mann mit vielen Ecken und Kanten. Seine kleine Tochter starb bei einem Unfall, darüber zerbrach auch seine Ehe. Seitdem versucht Bob seine Trauer im Alkohol zu ertränken oder mit exzessiver Arbeit zu kompensieren. Dabei bewegt es sich gerne auch mal über die Grenzen der Legalität hinaus, eine Waffe hingegen weigert er sich zu tragen.
Minneapolis, 2016. Ein Waffenhändler wird angeschossen und alles sieht zunächst nach einem Anschlag im Drogenmilieu aus. Doch es steckt weit mehr dahinter. Die Polizei jagt einen Mörder, der sich auf einem Rachefeldzug befindet. Dabei hinterlässt er falsche Spuren und ist ihnen immer einen Schritt voraus. Trotz seiner Suspendierung verbeißt Bob sich in den Fall und es gelingt ihm sogar sich dem Täter zu nähern.
Die Handlung wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Zu Beginn des Buches lernt man den norwegischen Autor Holger Rudi kennen, der im Jahr 2022 in Minneapolis einreist und Recherche für eine True-Crime-Story betreiben will. Dabei folgt er den Spuren von Bob Oz. Was genau ihn jedoch antreibt, bleibt zunächst noch verborgen. Diese Zeitebene ist jedoch nur der Rahmen für die eigentliche Handlung, die im Oktober des Jahres 2016 angesiedelt ist. Zu Beginn jeden Kapitels erhält man die Information, in welchem Jahr man sich befindet, sodass man nie durcheinanderkommt und die Rahmenhandlung zudem nur einen geringen Teil einnimmt.
Wie aus den Romanen von Jo Nesbø gewohnt, schwingt auch in diesem Buch ein Stück Gesellschaftskritik mit. Hier geht es in erster Linie um die Waffenpolitik der USA, Rassismus und die Migrationspolitik. Schon die Erwähnung des Namens George Floyd lässt Erinnerungen an seinen gewaltsamen Tod in Minneapolis wach werden. Parallelen aus dem richtigen Leben, die einem vor Augen führen, dass vieles leider zum Alltag in den USA gehört. Zudem kam gerade vor wenigen Tag ein weiteres Opfer hinzu, dass ebenfalls durch Polizeigewalt in Minneapolis starb. An Authentizität mangelt es also dem Buch nicht.
Der meiste Teil der Handlung wird aus der Perspektive Bobs erzählt. Aber auch die Täterperspektive lernt man schon recht früh kennen und sie ist für den Leser gut nachvollziehbar.
Insgesamt ist Jo Nesbø wieder ein sehr spannender Fall gelungen, der einen aber auch ein wenig nachdenklich zurücklässt. Leider scheint es sich bei dem Buch um einen stand-alone zu handeln, was ich überaus schade finde. Bob Oz war mir richtig ans Herz gewachsen und hat durchaus das Potential für eine Serie. Harry Hole hätte einen würdigen Nachfolger gefunden.

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