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Veröffentlicht am 10.02.2023

Kunst und Venedig

Rondo Veneziano
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Adele könnte ihre Wiener Zahnarztpraxis verkaufen und die Pension genießen. Aber was stellt man nur an mit so vielen freien Tagen? Mitten in ihre von Arbeit erfüllten Tage platzt der Wunsch der alten Familienfreundin ...

Adele könnte ihre Wiener Zahnarztpraxis verkaufen und die Pension genießen. Aber was stellt man nur an mit so vielen freien Tagen? Mitten in ihre von Arbeit erfüllten Tage platzt der Wunsch der alten Familienfreundin Pauline, dass die 60jährige, am liebsten mit ihrer Mutter gemeinsam, sie so rasch wie möglich in Venedig besucht. Die Wahltante braucht Hilfe mit ihren Gemälden. In der Lagunenstadt angekommen, trifft Adele zufällig auf zwei Schulkolleginnen und erfährt von einem Unglück, welches Pauline in der Zwischenzeit ereilt haben soll. Das Begräbnis findet schon morgen statt.

Ein Prolog, der Neugierde entfacht, Licht, Wasser, Tiefe, eine Stimme. Nach den Angaben des Klappentextes sind wir in Venedig und rasch will man als Leser mehr erfahren. Die Handlung selbst, die Susanne Ayoub auf knapp 300 Seiten darstellt, basiert auch auf einer interessanten Idee, die Umsetzung will aber nicht so recht überzeugen. Da treffen drei Frauen aus Wien auf einem Vaporetto aufeinander, haben sie sich früher schon nicht recht leiden können, so entschließen sie sich dennoch spontan, von einem Mord an Pauline auszugehen und gemeinsam deren Haus zu durchsuchen. Die Zahnärztin, welche sonst routiniert ihren Arbeitstag meistert, verwechselt plötzlich Patienten und ruft verzweifelt ihren Ex als Trostspender an, obwohl immer noch frühere Konflikte in der Luft hängen. Dass zwischendurch scheußliche Zahnbehandlungen erörtert werden, verdrängt man am besten schnell wieder. Auch wenn die drei 60jährigen lebensnah dargestellt werden, so passt die spontane Detektivgeschichte nicht so recht zu ihnen und auch an den Zeitabläufen hapert es, sodass man immer wieder einige Seiten zurückblättert, weil man meint, etwas überlesen zu haben.

Hervorzuheben sind der flüssige Schreibstil und die wunderschöne Beschreibung der Städte Wien und Venedig, in denen man sich sofort wiederfinden kann, egal, ob man schon einmal da war oder nicht. Auch die Themen Kunst und Genozid – nicht nur bei den Juden, sondern auch in der armenischen Gemeinde – sind interessant und verständlich in das Krimigeschehen eingeflochten. Wer gerne das Flair Venedigs genießt und die schöne Rahmenhandlung, der wird vielleicht hinwegsehen über die Ungereimtheiten, die sich da und dort eingeschlichen haben.

Diese Rezension basiert auf einem ebook-Exemplar, welches mir bereits vor dem Erscheinungstermin zur Verfügung gestellt worden ist. Möglicherweise ergeben sich daher noch Änderungen durch den Verlag.


Titel Rondo Veneziano
Autor Susanne Ayoub
ASIN B0BN68Y3VL
Sprache Deutsch
Ausgabe ebook
ebenfalls erhältlich als Taschenbuch, 280 Seiten
Erscheinungsdatum 8. Februar 2023
Verlag Gmeiner

Veröffentlicht am 01.02.2023

Streetart

Banksy und der blinde Fleck
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An den unterschiedlichsten Orten in München tauchen stencils auf, mit Schablonen angebrachte Graffiti, welche verblüffend an die Kunst von Banksy erinnern. Ist der bekannte Sprayer nun in Deutschland unterwegs? ...

An den unterschiedlichsten Orten in München tauchen stencils auf, mit Schablonen angebrachte Graffiti, welche verblüffend an die Kunst von Banksy erinnern. Ist der bekannte Sprayer nun in Deutschland unterwegs? Jedenfalls werden alsbald Türen und Tore mit den entsprechenden Bildern auf Auktionen gehandelt und erreichen schwindelerregende Preise. Auch die Kunstdetektei von Schleewitz ist daran interessiert, herauszufinden, ob die Werke echt sind oder sich ein Nachahmer in München betätigt. Werden sie die Wahrheit ans Licht bringen? Eine interessante Kurzfassung weckt Neugierde auf das Buch.

Bernhard Jaumanns Schreibstil ist eher kühl, fast sachlich wie in einem Bericht, woran man sich erst einmal gewöhnen muss. Interessant sind die geschilderten Fakten über den Streetart-Künstler Banksy. Wer bisher noch nicht von ihm gehört hat, ist nun umfassend informiert, die Angaben rund um den Engländer, der unter Pseudonym auftritt, sind gut in die Handlung verpackt. Kein Wunder, dass rasch eine Diskussion losbricht um die Echtheit der Münchener Fassadenmalerei. Mit den Ermittlungen sind drei Experten einer Kunstdetektei befasst, die aber immer blass und distanziert bleiben, austauschbare Figuren, an die man sich nach der letzten Seite des Buches schon nicht mehr erinnert. Vielleicht liegt es daran, dass sie bereits zum dritten Mal in einen Fall verwickelt sind und daher an dieser Stelle weniger Wert auf deren Charakterisierung gelegt wird? Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Geschichte rund um Kunst bewusst in den Vordergrund gerückt wird? Alles in allem ist die Handlung wenig spannend, sondern zieht sich langatmig und zähflüssig dahin, sodass keine rechte Spannung aufkommen mag. Da ich bisher keine anderen Bücher von Jaumann gelesen habe, kann ich nicht beurteilen, ob das an diesem speziellen Fall liegt oder mich seine Schreibweise und seine Art, Inhalte zu transportieren grundsätzlich weniger ansprechen. Banksy hat mich jedenfalls nicht überzeugt, obwohl das Ende geschickt und überraschend dargestellt wird.

Banksy und der blinde Fleck ist ein Kunstkrimi rund um einen interessanten und realen Streetart-Künstler, allerdings aufgrund der sachlichen Schreibweise und der grauen Figuren nicht so recht nach meinem Geschmack.





Titel Banksy und der blinde Fleck
Autor Bernhard Jaumann
ISBN B0BJNQ1J8T
Sprache Deutsch
Ausgabe ebook, ebenfalls erhältlich als Taschenbuch, 320 Seiten
Erscheinungsdatum 1. Februar 2023
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Reihe Kunstdetektei von Schleewitz ermittelt, Band 3

Veröffentlicht am 30.01.2023

Abseits

Die Bagage
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Abseits des Dorfes, am Rand eines Waldes in Vorarlberg, leben die Moosbruggers – Vater Josef, Mutter Maria und deren Kinder. Als Josef im Herbst 1914 seinen Einberufungsbefehl bekommt, nimmt er dem Bürgermeister ...

Abseits des Dorfes, am Rand eines Waldes in Vorarlberg, leben die Moosbruggers – Vater Josef, Mutter Maria und deren Kinder. Als Josef im Herbst 1914 seinen Einberufungsbefehl bekommt, nimmt er dem Bürgermeister das Versprechen ab, auf seine Frau aufzupassen. Nach zwei baldigen Heimaturlauben von der Front kehrt Josef erst Ende 1918 zurück zu seiner Familie, die um die kleine Grete angewachsen ist. Gerüchten nach ist das Balg nicht seins, denn während seiner Zeit in Italien waren der Deutsche Georg und der Bürgermeister höchstselbst bei der bildschönen Maria im Haus. Grete, die Mutter der Autorin, und der Familienvater wechseln kein Wort miteinander, was möglicherweise der Beginn einer schweren Bürde und der Ursprung für Monika Helfers Aufarbeiten ihrer Vergangenheit ist.

Nüchterne Sätze im Präsens geben Erinnerungen preis, welche nicht Monikas eigene sind, sondern jene von Verwandten, insbesondere von Tante Kathe, die hochbetagt noch viel von „damals“ zu erzählen weiß. Während Marias Schwangerschaft wenden sich viele Dorfbewohner ab von der gottlosen Familie, nur wenige stehen offen zu Maria und ihren Kindern, die nun ihrerseits ihre Mutter verteidigen und noch enger zusammenstehen als bisher. In Monika Helfers Worten spiegeln sich die Armut, die Abgeschiedenheit, die Härte des Großen Krieges wider. Zwischen den Zeilen ist zwar Stolz und langer Atem zu spüren, Freude und Zuversicht mögen aber nicht an die Oberfläche zu dringen. In allem Tun und Handeln schwingt eine gewisse Abgestumpftheit mit, sodass die Erzählung langatmig und ermüdend wirkt. Interessant zu lesen sind lediglich einige wenige Darstellungen, beispielsweise jene, in der Lorenz für das Überleben von Mutter und Geschwistern mutig in einen Vorratskeller einbricht.

Zwischen dem Gerüst einer Handlung tauchen plötzliche Zeitsprünge ohne erkennbaren Zusammenhang auf und immer wiederkehrende Gedanken der Autorin beim Schreiben, welche übergangslos ins Geschehen mit einfließen. Da Monika Helfer selbst ihre Großeltern nie kennengelernt hat, muss sie deren Leben Stück für Stück zusammentragen und ist angewiesen auf das Urteil von Tanten und Onkeln, was fehlt, muss ergänzt werden. Dies ist bestimmt ein wichtiger Weg für die Nachkommen der Kriegsgeneration, um deren schweres Erbe verstehen und einordnen zu können, als zeitgeschichtliches Dokument für die Allgemeinheit sehe ich diese freudlose Aneinanderreihung von Szenen jedoch nicht. Da habe ich mir tatsächlich mehr erwartet.



Titel Die Bagage
Autor Monika Helfer
ISBN 978-3-423-25447-2
Sprache Deutsch
Ausgabe Taschenbuch, 160 Seiten, ebenfalls erhältlich als Gebundenes Buch, ebook und Hörbuch
Erscheinungsdatum 20. August 2021
Verlag dtv

Veröffentlicht am 03.11.2022

Enttäuschend

Schwarzes Wasser
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Hannah arbeitet als Hotelmanagerin auf einer Insel im Fluss Blackwater. Eines Nachts ertrinken nach einem rauschenden Fest einige Gäste, darunter ihre Schwester und beste Freundin Kat. Die darauffolgende ...

Hannah arbeitet als Hotelmanagerin auf einer Insel im Fluss Blackwater. Eines Nachts ertrinken nach einem rauschenden Fest einige Gäste, darunter ihre Schwester und beste Freundin Kat. Die darauffolgende panikartige Angst vor Wasser hält Hannah auf der Insel gefangen, sodass sie auch bei Wintereinbruch, als viele Angestellte das Hotel bereits verlassen haben, noch immer dort ausharrt. Gibt es ein Geheimnis in diesen altehrwürdigen Mauern? War Kats Tod vielleicht gar kein Unfall?

Aus Hannahs Sicht beschreibt Tremayne die aktuellen Ereignisse, aus Kats Blickwinkel die Vorgänge rund um das tragische Sommerfest. Der Klappentext verspricht Spannung und eine Atmosphäre voller Angst und Gänsehaut, jedoch mag sich dies auch nach zahlreichen Kapiteln bei mir nicht und nicht einstellen. Die Geschichte plätschert dahin wie ein träger Fluss an einem lauen Sommerabend, weder die Figuren noch das Hotel als Kulisse befeuern die Dramatik der angedeuteten Geheimnisse. Ein alter Ostflügel und blasse Geister, von denen man erzählt, sind für einen packenden Psychothriller leider dann doch zu wenig. So wabern die Seiten eher nebulos dahin und auch das Ende wirkt irgendwie aufgesetzt und konstruiert.

Leider konnte mich diesmal der Autor weder mit der Handlung noch mit einer fesselnden Stimmung auf der fernen Insel überzeugen.



Titel Schwarzes Wasser

Autor S. K.Tremayne

ISBN 978-3-426-52720-7

Sprache Deutsch

Ausgabe Taschenbuch, 416 Seiten

ebenfalls erhältlich als e-book

Erscheinungsdatum 2. November 2022

Verlag Knaur

Originaltitel The Drowning Hour

Übersetzer Susanne Wallbaum

Veröffentlicht am 10.09.2022

Realitätsfremd in der Toskana

Pinienduft im Hotel Toscana Mare (Verliebt in Italien)
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Emilia soll für einen deutschen Konzern ein heruntergekommenes Haus in der Toskana in ein schickes Boutique-Hotel verwandeln. Nach verschiedenen Problemen in der Heimat scheint dies eine phantastische ...

Emilia soll für einen deutschen Konzern ein heruntergekommenes Haus in der Toskana in ein schickes Boutique-Hotel verwandeln. Nach verschiedenen Problemen in der Heimat scheint dies eine phantastische Idee zu sein, unter anderem, um sich beruflich zu beweisen. Allerdings liegt dieses Anwesen weiter von Florenz entfernt als erwartet und befindet sich zwanzig Jahre nach dem Kauf in einem schrecklichen Zustand. Ob Emilia hier etwas ausrichten kann?

Naserümpfend lässt sich Emilia vom Luxushotel in Florenz Richtung Westen chauffieren. Pepes kleine Rostlaube ist nicht gerade das Fahrzeug, das sie erwartet hat. Schnell ist Emilia also im Dorf als herablassende Deutsche verschrien. Trotzdem freundet sie sich mit Letizia aus der Osteria La Pieve an und flugs finden sich interessierte Architekten, Landschaftsgärtner und fleißige Arbeiter bei Emilia ein. In kürzester Zeit wird eifrig gearbeitet und ganz nebenbei entspinnen sich eine Liebesgeschichte und ein Streit mit dem wehrhaften Giampaolo Rattibaldi. Stimmige Zutaten für eine romantische Geschichte, jedoch mit hölzernen Phrasen und völlig unrealistischem Hintergrundgeschehen durchsetzt.

Punkte verdienen nur toskanisches Flair und Letizias kulinarische Köstlichkeiten, welche man nach den Rezepten am Buchende nachkochen kann. Das erste, recht unterhaltsame, Kapitel verspricht leider sehr viel mehr als danach kommt.



Titel Pinienduft im Hotel Toscana Mare

Autor Hanna Holmgren

ISBN 978-3-949221-38-5

Sprache Deutsch

Ausgabe Taschenbuch, 300 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 1. September 2022

Verlag FeuerWerke

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