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Veröffentlicht am 23.12.2017

Wunderschön!

Ein Weihnachtsgeschenk für Walter
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Ein Weihnachtsgeschenk für Walter ist eine Liebeserklärung an die Literatur und Freundschaft wider jede Erwartung.
Die betagte Ratte Walter hat in ihrer Kindheit unter dem Dielenboden des Waschsalons festgestellt, ...

Ein Weihnachtsgeschenk für Walter ist eine Liebeserklärung an die Literatur und Freundschaft wider jede Erwartung.
Die betagte Ratte Walter hat in ihrer Kindheit unter dem Dielenboden des Waschsalons festgestellt, daß sie lesen kann. Einfach so, sie hatte diese Fähigkeit einfach so von einer Laune der Natur geschenkt bekommen. Obwohl Ratten eigentlich keine Namen tragen, gab Walter sich selbst einen, zu Ehren des großen Dichters Sir Walter Scott. Inzwischen ist Walter betagt und um die Schnauze weiß geworden, von seiner Familie ist keiner mehr zu leben und auch das Nest im Waschsalon gibt es nicht mehr. Daher hatte sich Walter vor einigen Monaten ein neues zu Hause gesucht, in dem kleinen Häuschen der Kinderbuchautorin Miss Pomeroy. Diese ist ebenso alt und mag es zurückgezogen zu leben, wie auch Walter, doch vor allem besitzt sie eine traumhafte Bibliothek, in der er sich nachts gerne Bücher ausleiht. Doch als er feststellt, daß in Miss Pomeroys Büchern ausschließlich Mäuse die Heldenrolle spielen und niemals Ratten, schreibt er ihr einen Brief, um mit ihr in Kontakt zu treten.
Dieses kleine Büchlein mag für mancher Einen wie ein Kinderbuch wirken, doch ist es dies trotz der zauberhaften Illustrationen von Donna Diamond nicht. Diese sind strikt in schwarz-weiß gehalten und scheinen dennoch von innen heraus zu strahlen! Diese Lebendigkeit ist zeitlos schön, so wie auch diese Geschichte. Die Illustrationen waren es auch, die mich auf der Frankfurter Buchmesse angezogen haben und mich in das Buch verlieben ließen.
Zwei verwandte Seelen, verbunden in ihrer Liebe zur Literatur und ihrer Zurückgezogenheit, finden in dieser Geschichte in ihrer Einsamkeit zu einander. Beiden ist ihre Einsamkeit nicht bewußt und doch blühen sie auf in ihrer unwahrscheinlichen Freundschaft. Ganz sanft und zart entwickelt sie sich, in kleinen Schritten. Während Walter überlegt, wie er mit seiner Gastgeberin in Kontakt treten kann, denkt er auch über die Bücher nach, die er liest. Ob Kinder diese Gedanken nachvollziehen können, wage ich zu bezweifeln, aber der Wunsch, als Ratte nicht stets der Außenseiter der Gesellschaft zu sein, der angeblich schmutzig ist und Krankheiten überträgt, können Kinder ebenso gut verstehen, wie den Wunsch ein Held zu sein. Insofern ist dieses Büchlein zeitlos, weil diese ruhige Freundschaft der Einsamen zwar für Kinder noch nicht ganz nachvollziehbar ist, aber der belesene Rattenmann, der die Menschenwelt aus seiner Sicht beschreibt, ist für sie dennoch schön. Erwachsene Leser erfreuen sich an den Allegorien und den literarischen Anspielungen und können wahrscheinlich auch Miss Pomeroy und ihre unerwiderte Liebe besser verstehen, die ihr Leben auf den Kopf stellte.
Zeitlos schön, nicht nur weihnachtlich diese märchenhafte Geschichte von einem ach so menschlichen Rattenherren, wunderbar poetisch geschrieben.
Sehr zu empfehlen für große und kleine Leseratten, die auch ruhige Geschichten voller Gefühl mögen.

Veröffentlicht am 22.12.2017

Sehr sensibler Umgang mit wichtigen Eltern-Kind-Themen

Bluma und das Gummischlangengeheimnis
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Die 9 jährige Bluma steht mit Mathe auf Kriegsfuß und wünscht sich sehnlichst ein Haustier. Doch ihre Eltern meinen, daß sie alle viel zu wenig zu Hause wären und keine Zeit für ein Tier hätten, das ginge ...

Die 9 jährige Bluma steht mit Mathe auf Kriegsfuß und wünscht sich sehnlichst ein Haustier. Doch ihre Eltern meinen, daß sie alle viel zu wenig zu Hause wären und keine Zeit für ein Tier hätten, das ginge nicht. Ausgerechnet als Bluma sowie schon grübelt, weil sie nicht weiß, wie sie ihren Eltern die 5 in der Mathearbeit beibringen soll, entdeckt sie ein Schild am Nachbarszaun, daß der süße Hund Flocki in gute Hände abzugeben ist, weil sein Frauchen ins Altersheim muß. Ein Hund mit allem Drum und Dran, für umsonst da könnten ihre Eltern eigentlich nicht nein sagen, wenn da bloß die 5 nicht wäre. Spontan besucht sie die Besitzerin und stellt sich vor, Flocki mag sie sofort. Ihre Freundin Rosa scheint ihre Sorgen jedoch nicht zu verstehen und will unbedingt mit ihr am Ameisenprojekt arbeiten, aber da hat Bluma keinen Kopf vor. Als sie zu ihrer Lieblingsnachbarin Alice geht, hat diese erstmals kein offenes Ohr für sie und hört nicht richtig zu. Als Alice kurz zum Telefonieren die Küche verlässt, nimmt sich Bluma heimlich eine von Alice magischen handgefertigten Gummischlangen aus dem Glas. Sie sind Alice spezielles Sorgenfressergeheimnis, wenn man sie ganz langsam kaut, findet man für jedes Problem eine Lösung. Nur bei Bluma klappt das nicht, kaum hat sie den Kopf von ihrem Diebesgut abgebissen, fühlt sie sich noch elender, da sie das schlechte Gewissen plagt. Sie sucht Rat bei ihrer Mutter, doch die hat keine Zeit, weil sie für eine 14-tägige Dienstreise packt und reist ab, ohne mit Bluma zu sprechen. Ihre Probleme scheinen unlösbar zu werden.
Dieses Buch stieß bei uns auf geteiltes Echo. Meine eine Tochter mag prinzipiell keine Bücher, bei denen ihr der Name der Heldin nicht gefällt und wir konnten uns auf keinen Alternativnamen einigen. Außerdem hat sie kein Verständnis für eine Fünf in Mathe, das ist doch einfach, Englisch ist schwer. Und was die Gummischlange anbelangte, da fühlte sie sich wohl noch ertappter. Für dieses Kind wäre das Buch eigentlich optimal gewesen, aber ich denke, da stand einfach das schlechte Gewissen im Weg.
Die andere Tochter mag keine Bücher, in denen gestohlen wird, das ist nicht das erste Mal, daß sie diese Bedenken gegen ein Buch hegt. Da dies der Grund ist, warum ich die „Unendliche Geschichte“ nicht weitergelesen habe, weil man doch keine Bücher stehlen darf, habe ich dafür Verständnis.
Mir hat das Buch eigentlich sehr gut gefallen, ich hatte allerdings ein Problem, das ich häufiger mal habe: Die Eltern haben überhaupt keine Zeit für ihre Tochter! Wie kann ich denn so naiv sein zu glauben, daß eine Neunjährige Mathe lernt, nur weil man schimpft und es quasi befiehlt?! Die schauen noch nicht einmal die Hausaufgaben nach und wundern sich dann, daß ein Grundschulkind, das schon sehr früh, sehr selbstständig sein muß, die Fächer meidet, die es nicht mag. Das ist vorprogrammiert. Auf die Idee ihrer Tochter Mathe zu erklären, kommen beide Eltern nicht, obwohl der Vater Psychologe ist und die Mutter Sprachwissenschaftlerin.
Sehr gerne mochte ich Alice, die Nachbarin, eine Rechtsanwältin im Ruhestand, die ihr Leben nun gestaltet, wie es ihr gefällt und daher malt. Sie ist eigentlich die Ruhe in Person und sehr einfühlsam. Sie macht sich die Sorgen und Beobachtungen, die Blumas Eltern anstellen sollten.
Das Buch behandelt das sehr wichtige Thema, daß Sorgen, Nöte und ein schlechtes Gewissen bis ins unermessliche zu wachsen scheinen, wenn man nicht über sie spricht. Gemeinsam lassen sich Probleme besser lösen und einige lösen sich sogar in Luft auf, weil sie sich im Gespräch als reine Missverständnisse entpuppen.
Sehr schön finde ich Blumas und Rosas Forschergeist, die sich für Insekten und die Natur interessieren. Leider zeigen auch hierfür Blumas Eltern nur wenig Verständnis. Vielleicht bin ich da etwas hart, aber da ich als Selbstständige vollberufstätig bin und mein Mann viel unterwegs, weiß ich, daß das man in solchen Situationen Prioritäten setzen muss, aber die sollten für mich beim Kind liegen und nicht beim Haushalt.
Sprachlich ist Blumas Geschichte sehr kindgerecht abgefasst und mit der nötigen Prise Humor verpackt. Die Erlebnisse von Vater und Tochter alleine zu Hause werden sicher für einige Lacher sorgen. Da ich auch die Geschichten von Pernilla kenne, war es für mich sehr schön, daß Bluma Pernillas Cousine ist, auch wenn diese Vorkenntnis für dieses Buch ohne Belang ist. Der kleine Hinweis zwischen den Zeilen ist nur ein nettes Bonbon für Pernilla Fans.
Zeitmangel zum Zuhören, ist für mich das eigentlich zentrale Problem, das dieses Buch behandelt und sehr wichtig. Denn auch Bluma nimmt sich zu wenig Zeit für ihre Freundin Rosa, weil sie viel zu sehr mit sich selbst und ihren Problemen beschäftigt ist. Sie erlebt es zu Hause selbst nicht anders. Zum Glück gibt es Nachbarin Alice und so findet das Buch noch ein gutes Ende, bei dem alle Beteiligten einsehen, daß sie an ihrem Verhalten arbeiten müssen und auch tatsächlich etwas daran ändern.
Die Illustrationen von Ulrike Möltgen sind sehr außergewöhnlich und erinnern mich an japanische Tuschezeichnungen. Meine Töchter hatten leider dennoch keinen Blick für sie, obwohl sie ein japanisches Bilderbuch haben, dass sie sehr mögen, sie waren wahrscheinlich einfach schon zu voreingenommen gegen das Buch.
Dieses Buch sollten Eltern unbedingt gemeinsam mit ihren Kindern lesen, damit sie sich von Zeit zu Zeit auch mal selbst an die eigene Nase fassen können und ihr eigenes Verhalten überdenken.
Ein gutes Buch, das zum Nachdenken und Diskutieren anregt und sicherlich die Leser nicht gleichgültig lässt. Ich überstimme diesmal meine Töchter mit 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 20.12.2017

Jane Austens Anti-Heldin!

Lady Susan
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Lady Susan ist eine für ihre Schönheit, ihre Anmut und ihren Charme gepriesene Schönheit, trotz ihrer reifen 35 Jahre sieht sie mindestens 10 Jahre jünger aus. Doch so schön und anmutig ist auch ist, so ...

Lady Susan ist eine für ihre Schönheit, ihre Anmut und ihren Charme gepriesene Schönheit, trotz ihrer reifen 35 Jahre sieht sie mindestens 10 Jahre jünger aus. Doch so schön und anmutig ist auch ist, so zweifelhaft ist auch ihr Ruf, sie ist nicht nur ein gesellschaftlich akzeptabler Flirt. Frisch verwitwet zieht die verarmte Lady mit ihrer 16 jährigen Tochter Frederica zu ihrer Freundin Alicia, die mit einem reichen, aber älteren und gesundheitlich sehr eingeschränkten Mann verheiratet ist. Dort verdreht sie sowohl dem Ehemann des Mündels ihres Gastgebers, als auch dem Verlobten von dessen Schwester den Kopf. Letzterer ist ein reicher junger Mann von Stand, mit besserem Seh- als Urteilsvermögen, der daraufhin Frederica einen Heiratsantrag macht, sehr zum Gefallen von Lady Susan und zum Missfallen der Erwählten. Ehe sie vor die Tür gesetzt werden kann, lädt sie sich bei ihrem Schwager ein, dessen Vermählung sie vor 6 Jahren zu verhindern versuchte und bringt ihre Tochter, die ihre Liebe zu Intrigen und Affairen nicht teilt, in ein Pensionat für höhere Töchter. Auf dem Sitz ihres Schwagers droht Langeweile, bis der jüngere, schneidige Bruder ihrer Schwägerin auftaucht, der schon von ihrem Ruf so einiges gehört hatte.
Lady Susan sticht aus dem Werk der Autorin wirklich heraus. Anders als ihre sonstigen Heldinnen ist sie nicht sympathisch und schon gar nicht naiv oder ungestüm. Ich bin froh, daß ich es nicht wie Northanger Abby mit Anfang 20 gelesen habe, sondern sehr viel später. Emma fand ich damals auch anfangs ziemlich unsympathisch, wie selbstgerecht sie mit dem Schicksal ihrer Freunde und Bekannten spielt! Aber als ich älter wurde, bekam ich Verständnis, sowohl für ihre Langeweile, als auch ihr wohlmeinenden Absichten. Diese kann man Lady Susan beim besten Willen nicht unterstellen. Auch sie taktiert und manipuliert, aber stets mit ihrem eigenen Wohl im Blick und völlig blind gegenüber den Bedürfnissen und Wünschen ihrer Mitmenschen, allen voran ihrer Tochter, die sie verabscheut, da sie ihr nicht ähnelt, außer daß auch sie ausgesprochen hübsch ist, aber nach ihrem Vater kommt. Die Doppelzüngigkeit und Intrigen machen Spaß, aber mögen kann man Lady Susan nicht. Da hat es ihre Gegenspielerin, ihre Schwägerin beim Zuhörer deutlich leichter, ebenso wie Frederica, die in ein schlechtes Licht zu rücken, Lady Susan sich in ihrem Briefen, äußerst bemüht. Sprachlich finde ich Jane Austen wieder brillant, auch in der Übersetzung macht ihre äußerst differenzierende und treffende Ausdrucksweise Spaß. Gerade die Briefwechsel zwischen Lady Susan und Alicia Johnson bereiten in ihrer Boshaftigkeit viel Vergnügen, so nahm Jane Austen eigentlich schon die alternativen Tatsachen vorweg, als sie Alicia erkennen ließ: „Tatsachen sind einfach schreckliche Spielverderber!“. Allerdings hat Lady Susan in ihrer Schwägerin eine ebenbürtige Gegnerin gefunden, die aufgrund der Erfordernisse ebenfalls ums Taktieren und Ränkeschmieden nicht umhinkommt, wenn auch mit deutlich edleren Motiven.
Leider endet der Briefwechsel etwas abrupt, zum einen, weil ihrer Freundin Alicia der Kontakt zu Lady Susan untersagt wird und zum anderen, weil die übrigen Protagonisten an einem Ort vereint sind und somit keinen Anlass mehr haben, miteinander zu korrespondieren. Da hat sich Jane Austen wohl selbst in ein Dilemma gebracht, obwohl sie durchaus einen Plan für den Ausgang des Romans hatte. Dieses Ende des Romans wird dann auch, anders als der Haupteil, erzählt. Das Ende ist auch durchaus befriedigend, da jeder erhält, was er verdient.
Sehr gut gefällt mir die Aufmachung dieses Hörbuches, das als Klassiker ein Booklet enthält, daß auch Jane Austen Neulingen einen Überblick über deren Leben und Wirken vermittelt, als auch dieses für die Autorin sehr untypische Werk zeitlich und inhaltlich zu positionieren versucht. Allerdings hätte ich mir gewünscht, daß auf der Rückseite des Booklets, dessen Cover ein sehr herrschaftliches Anwesen zeigt, ein Personenverzeichnis abgedruckt wäre. Diese Rückseite ist frei und da es sich um einen Briefroman handelt, der somit zu Beginn keine Einführung in die Personen und ihre Beziehungen enthält, wäre ein solches Kurzverzeichnis sehr hilfreich. Nach mehrmaligem Hören konnte ich alle Briefe gut einordnen, aber sofern man nicht auf dem Sofa liegend das Hörbuch hört, sondern nebenbei noch Auto fährt oder etwas anderes macht, kann man beim ersten und zweiten Hören etwas durcheinander kommen, was einfach an der Natur des Genres liegt.
Eva Mattes überrascht mich stets beim Hören. So empfinde ich sie als Schauspielerin oft als recht kühl und bisweilen schroff, während ihre Stimme sowohl warme Stimmungen und Persönlichkeiten, als auch die hinterlistige Perfidie und Doppelzüngigkeit von Lady Susan sehr gut zur Geltung bringt. Sie wird Jane Austens Werk absolut gerecht.
Ich liebe Jane Austen und ihre Sprache bereitet mir immer wieder von neuem Vergnügen, egal, wie oft ich ihre Werke lese, höre oder sehe. Dennoch gibt es einen Punktabzug, da der Wechsel von Briefwechsel zu recht kurzer Zusammenfassung des Romanendes doch etwas abrupt ist und nicht von ihrer üblichen Eleganz. Auch wäre eine Vorstellung der Protagonisten auf Grund der Erzählform hilfreich gewesen, für diejenigen, die dieses Werk noch nicht kennen.
Eine Autorin, die auch 200 Jahre nach ihrem Tod ihren Reiz nicht verloren hat und zu recht unsterblich wurde, durch ihr Werk. Ich bin sehr froh, über diesen Neuzugang in meinem CD-Regal, da der Roman wirklich toll umgesetzt wurde. 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 18.12.2017

Zauberhaft waschbärige Geschichten

Villa Wunderbar. Ein Waschbär zieht ein
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In der alten Villa Wunderbar wohnen alle unter einem Dach: Matilda mit ihren Eltern und dem großen Bruder, ihr Freund Joschi mit seiner Mama und dem schrägen Erfinderpapa sowie Oma Hilde und Opa Günther. ...

In der alten Villa Wunderbar wohnen alle unter einem Dach: Matilda mit ihren Eltern und dem großen Bruder, ihr Freund Joschi mit seiner Mama und dem schrägen Erfinderpapa sowie Oma Hilde und Opa Günther. Im Erdgeschoss der Villa betreiben Matildas und Joschis Mama zusammen einen Waschsalon mit Café. Dort nistet sich eines Tages in einer der Waschmaschinentrommeln ein kleiner Waschbär ein. Er wird Henri getauft, nach Uroma Henriette – die kennt zwar keiner mehr, mit ihren Augenringen auf dem Foto im Flur sieht sie dem Waschbären aber verdächtig ähnlich. Und eins steht fest: In diesem Haus ist kein Tag wie der andere! Matilda und Joschi gehen zusammen in die gleiche erste Klasse und da ist es selbstverständlich, daß sie nach der Schule gemeinsam Hausaufgaben machen. Natürlich ist dann auch immer Henri dabei, der immer genau aufpasst, daß er auch ja genug gekrault wird. Aber heute ist es irgendwie anders, Henri ist gar nicht da und taucht auch erst mal gar nicht auf! Da fehlt er ihnen sogar beim Spielen, weil niemand mehr schummelt oder nicht verlieren kann! Gerade als sie ihn so richtig stark vermissen, sehen sie, wie er einen geheimnisvollen Karton vor sich herschiebt, den er offensichtlich verstecken will. Da ist die Neugierde der Kinder geweckt!
Ganz klar, schon allein diese ausgeklügelte Verpackung ist der reinste Hingucker! Meine Jüngste hat es während sie krank im Bett lag, hoch und runter gehört und dabei immer wieder die Villa Wunderbar aufgebaut und mit kleinen Ü-Ei-Tierchen darin gespielt. Eine wirklich ganz hinreißende Idee, nicht nur für ganz Kleine, die auch wirklich ganz toll die Illustrationen von Nikolai Renger wiedergibt. Natürlich sieht man so nicht alle Illustrationen des Buches, aber es vermittelt ein tolles Gefühl für diese ganz besondere Villa und seine Bewohner. Dabei erleben die Bewohner ganz unterschiedliche Abenteuer. Mal versucht sich der freche Waschbär als Ziehvater für Findelkinder, mal verdächtigt er eine Frau im Café eine gemeine Diebin zu sein, so daß er mit den Kindern die Ermittlungen aufnimmt, oder ein Flohmarkt im Café für Gäste und Freunde sorgt für mancherlei Überraschung. Sehr gut gefiel meiner Tochter die Schwäche von Henri beim Spielen zu verlieren, während sie über „Waschbär-ärgere-Dich-nicht!“ lachen kann, kann sie als Kind sehr gut verstehen, daß es Henri bisweilen sehr schwer fällt, sich an Regeln zu halten. Manchmal erscheinen diese ja auch langweilig und doof, bis man mal genauer darüber nachdenkt. Ein wirklich wichtiges Kinderthema. Aber natürlich wäre Henri kein Waschbär wenn er nicht leidenschaftlich gerne waschen würde, mit den eigenen Händen und nicht mit der alten Miele, die er sein Zuhause nennt. Hier passt einfach der Inhalt zur Verpackung. Ebenso liebevoll wie die Verpackung, sind auch die Geschichten erdacht und erzählt. Es ist einfach ein rundum gelungenes Paket, auch wenn die Geschichten nur gekürzt wiedergegeben werden. In der Villa Wunderbar ist die Welt noch in Ordnung, egal wie viele Verbrechen Henri auch vermuten mag.
Hinter Linnea Svensson verbirgt sich das Autorenduo Sandra Grimm und Ann-Katrin Heger, die viel Spaß beim Erfinden dieser warmherzigen Geschichten hatten und dort am liebsten auch wohnen würden.
Martin Baltscheit, geboren 1965 ist Illustrator, Sprecher und Autor von Kinderbüchern und sogar Kindertheaterstücken. Er liest die Geschichte sehr lebendig und in einem sehr kinderfreundlichen, warmen Tonfall, so daß dieses Hörbuch schon ab 4 Jahren empfohlen wird, auch wenn Matilda und Joschi ja schon in die erste Klasse gehen. Bei einigen Geschichten insbesondere als es um abstrakte Kunst und ihren Erfolg auf dem Markt ging, habe ich mich schon gewundert, wie so junge Kinder das denn wirklich verstehen können, aber ich denke, sie verstehen die Geschichte einfach auf einer völlig anderen Ebene, als meine Achtjährige oder ich. Die Geschichten wandeln sich einfach mit dem Erfahrungsschatz des Zuhörers, sind aber niemals grausam oder angsteinflößend, sondern humor- und fantasievoll. Da die Konzentrationsspanne in dem Alter bisweilen noch nicht so lange ist wie dieses Hörbuch von 1 h und 26 min, kann man die 10 Geschichten auch einfach einzeln hören, so lange die Konzentration eben mitspielt. Für ältere Kinder ist das natürlich kein Problem, durch die Trackliste mit Angabe der jeweiligen Geschichte ist jedoch ein Wiedereinstieg nach einer Pause, deutlich erleichtert.
Richtig schöne Geschichten voller Fantasie und Abwechslung für aufgeweckte Kinder ab 4 Jahren.

Veröffentlicht am 17.12.2017

Richtig schöne Freundschaftsgeschichte aus dem hohen Norden

Aklak, der kleine Eskimo - Ein Wal für alle Fälle
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Dies ist das 3. Abenteuer des kleinen Eskimojungen Aklak, seinem Schlittenhund Tuktuk, seiner Freundin Iklik und all den anderen Kindern aus der kleinen Dorfschule, sowie ihren tierischen Freunden vom ...

Dies ist das 3. Abenteuer des kleinen Eskimojungen Aklak, seinem Schlittenhund Tuktuk, seiner Freundin Iklik und all den anderen Kindern aus der kleinen Dorfschule, sowie ihren tierischen Freunden vom Glatzkopffelsen. Dem Scheehasen Ole, der nicht ganz so schlau ist, Robbe Ramona, Schneehuhn Ilse, der Ole immer auf die Füße tritt und natürlich Walkind Norbert, der in diesem Band groß raus kommt.
Im hohen Norden, im ewigen Eis ist es Sommer, dennoch liegt dort mehr Schnee, als bei uns im Winter und ohne Handschuhe sollte man nicht vor die Tür. Stiefel und dicke Jacken sind selbstverständlich! In der Zwergschule im Dorf ist die Aufregung groß: Ein Schulausflug steht an und die nette Lehrerin hat eine besondere Überraschung angekündigt. Als Aklak und Iklik den Tieren nach der Schule von dem bevorstehenden Ausflug erzählen, sind diese ganz traurig. Ihre Tierschulen unternehmen so spannende Ausflüge nie! Aklak hat nun ein schlechtes Gewissen und bekommt einen Albtraum. Am nächsten Tag scheint sich der Traum zu erfüllen und Aklak wird ganz traurig, bis Iklik ihm den Kopf zu recht rückt.
Auch in diesem 3. Band findet man bei den Verlagshinweisen, die Erläuterung zum Wort Eskimo, daß dieses definitiv kein diskriminierendes oder hässliches Wort ist. Es ist es altes Nordamerikanisches Wort, dessen eigentliche Bedeutung noch nicht zweifelsfrei feststeht. Da es nicht diskriminierend gemeint ist, benutzen es auch viele Eskimos selbst.
Da die Kinder in diesem Buch alle Klassen von der 1. Bis zur 3. Klasse besuchen, eignet es sich sehr gut zum Vorlesen, als auch für geübte junge Leser zum Selbstlesen. Die reichhaltigen farbigen Bilder lockern den Text auf, der relativ groß gedruckt ist, allerdings nicht in Fibelschrift, also dem Schrifttypus von Schulfibeln. Die Bilder strahlen eine große Freundlichkeit aus und Henrike Wilson schafft es, dass die Kinder durchaus alle unterscheidbar sind, obwohl sie alle in dicke Felljacken, Stiefel und Handschuhe tragen.
Meine jüngste Tochter 8 Jahre, mag diese Reihe sehr gerne, wegen der verhaltenen Spannung und der freundlichen Verbundenheit unter den Kindern und Tieren. Alle halten zusammen und niemand wird gejagt, bis auf die namenlosen Fische die für den scharfen Fischeintopf benötigt werden. Es ist eher ein Buch für ruhigere Kinder, mit Fantasie und Harmoniebedürfnis. Die ganze Gruppe erlebt eine abenteuerliche Schnitzeljagd, mit Pannen. Nur dank ihrer ganz unterschiedlichen Begabungen können sie das Rätsel lösen. Die Kinder verstehen die Sprache der Tiere, aber ansonsten gibt es nur ganz normale Abenteuer. Aklak erfreut sich an der Spannung des Alltags, ganz ohne Drachen oder Bösewichte. Auch das Gute kann durchaus aufregend sein und ist für die Zielgruppe auch als Gute-Nacht-Geschichte so besser geeignet. Hoch im Norden ist die Welt noch in Ordnung.
Anu Stohner weiß, wovon sie schreibt, sie wurde immerhin in Helsinki geboren, lebt aber mittlerweile als frei Autorin und Übersetzerin am Rhein. Für ihre Übersetzungen aus dem Englischen, Schwedischen und Finnischen wurde sie vielfach ausgezeichnet. Zu ihren bekanntesten Büchern gehört „Das Schaf Charlotte“, „die kleine Schusselhexe“ oder „Der kleine Weihnachtsmann“, die alle in Zusammenarbeit mit Henrike Wilson entstanden.
Henrike Wilson selbst studierte in Washington D.C. und Köln Malerei und Grafikdesign. 2007 wurde sie für ihre Illustrationen mit dem New-York-Times-Award ausgezeichnet.
Ein wirklich schönes Buch zum Vorlesen und Selberlesen dem wir gerne 4 von 5 Sternen geben.