Profilbild von dielesejule

dielesejule

Lesejury Profi
offline

dielesejule ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit dielesejule über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.07.2025

eine schöne Geschichte über Freundschaft und Offenheit

Knallkrebse
0

Ich habe Christian Mitzenmachers Roman „Kannlkrebse“ im Rahmen einer Leserunde gelesen.
Tom engagiert sich ehrenamtlich als Pate bei der Flüchtlingshilfe. Sein Schützling ist Farid. Die beiden verstehen ...

Ich habe Christian Mitzenmachers Roman „Kannlkrebse“ im Rahmen einer Leserunde gelesen.
Tom engagiert sich ehrenamtlich als Pate bei der Flüchtlingshilfe. Sein Schützling ist Farid. Die beiden verstehen sich ausgesprochen gut und auch Toms Freundin Laura hat einen guten Draht zu dem deutlich jüngeren Farid.
Sie verbringen viel Zeit miteinander, bis Farid beschließt, mit dem Zug nach Budapest zu fahren, um seine große Liebe Pari, die er auf der Flucht kennengelernt hat, zu finden.
Wie Tom sich daraufhin verhält und wie es dazu kommt, dass Farid in einer Klinik landet was der Grund für die Trennung von Laura und Tom ist und was bei einem Treffen in Frankreich passiert, das soll hier nicht gespoilert werden.

Der Roman fällt durch sein Cover wirklich auf. Ich mag neben den starken Farben auch diesen Einwort-Titel sehr gerne.
Der Roman fängt stark an. Die Beziehung der drei Freunde liest sich stimmig, modern, authentisch und ist sehr überzeugend an den Schauplätzen in München dargestellt. Es gibt einige witzige Dialoge und Beschreibungen gerade am Anfang des Buches.
Auch den Klinikteil mochte ich gerne, weil hier Farids Biographie in den Vordergrund tritt.
Gegen Ende überschlagen sich aber leider die Ereignisse und es haben mir wesentliche Aspekte der Erzählung gefehlt. Ich hätte mir gewünscht, dass der Autor sich ein bisschen mehr Zeit nimmt, um die Geschichte wirklich noch tiefer zu erzählen.
Ich fand nicht alles nachvollziehbar, teilweise sogar unglaubwürdig (Treiben im Schwabinger Bach, Yogapause nach einem Umzug). Sprachlich hat es mir bis auf die „Portion Lebensmittel“, die eingekauft wird, gut gefallen.
Auch die Szene, in der Physiker versuchen, auf der Wiesn mitzumischen, ist sehr witzig (und realistisch 😉).
Für ich ein sehr unterhaltsames Buch, das ich gerne gelesen habe, das aber gegen Ende leider nicht mehr meine Anfangsbegeisterung aufrecht hält.
„Der Alte Botanische Garten hat einen großen Namen und eine kleine Fläche.“

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.06.2025

schnell und vielschichtig

Furye
0

Was für ein temporeicher Roman von Kat Eryn Rubik!

In „Furye“ erzählt die Autorin die vielschichtige Geschichte der erfolgreichen Managerin Alec, die nach einer großen persönlichen Enttäuschung spontan ...

Was für ein temporeicher Roman von Kat Eryn Rubik!

In „Furye“ erzählt die Autorin die vielschichtige Geschichte der erfolgreichen Managerin Alec, die nach einer großen persönlichen Enttäuschung spontan in ihre „Heimatstadt am Meer“ fährt. Durch ihre Einträge in ihrem alten Notizbuch erfahren wir, was dort alles vor 20 Jahre passiert ist, als sie noch 17 und eine der drei „Furyen“ war. Tess, Meg und der Erzählerin Alec sind beste Freundinnen und verbringen gemeinsam ihre Zeit. Auf einer Party lernt Alec dann Romain kennen. Die beiden erleben eine wilde, tiefe, und außergewöhnliche Beziehung, die auch nach zwanzig Jahren noch ihr Handeln und ihre Entscheidungen bestimmt.

Ich mochte das Tempo, in dem die Geschichte erzählt wird. Die abwechselnden Erzählabschnitte aus der Vergangenheit und der Gegenwart ließen immer wieder Fragen offen, die erst sehr viel später beantwortet wurden (Stichwort „Unfall“)
Bei den Mädels wird viel getrunken und geredet. Vor allem Megs derbe Sprache, wenn es um Sex und Männer geht, ist gewöhnungsbedürftig, wirkt aber, bezogen auf ihr Männerbild, authentisch.

Die körperliche Anziehungskraft, die Romain und Alec erleben, ist bei der Lektüre deutlich spürbar, wenn auch ich einige Passagen ( Spuckefäden) ein bisschen too much finde.

Am Ende geht alles Schlag auf Schlag: Cleo, das Kind, die Geschäftsreise, der Tod von Tess, die Geschichte zum Stein- alles kommt sehr geballt und ist dadurch fast ein bisschen atemlos und hektisch erzählt. Da hätte ich auch gerne noch ein paar Seiten mehr gelesen, um der Geschichte mehr Zeit zu geben.

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und mochte es gerne. Für mich hätte es gar nicht alle Erzählstränge gebraucht, aber das Leben selbst kann ja auch verworren und undurchsichtig sein. Auf jeden Fall sehr lesenswert!

„Das Leben ist porös.“

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.06.2025

Schöne Geschichte über Liebe und Ziele im Leben

Atmosphere
0

Englische vs. Deutsche Ausgabe- extrem klarer Matchausgang!

Als großer „Carrie Soto is Back“-Fan hab ich mich schon super auf das neue Buch von Taylor Jenkins Reid gefreut!

In „Atmosphere“ erzählt sie ...

Englische vs. Deutsche Ausgabe- extrem klarer Matchausgang!

Als großer „Carrie Soto is Back“-Fan hab ich mich schon super auf das neue Buch von Taylor Jenkins Reid gefreut!

In „Atmosphere“ erzählt sie die Geschichte der Astrophysikerin Joan Goodwin und der Erfüllung ihres Traums: Als erste Frau fliegt sie für die NASA mit dem Space Shuttle ins All. Auf dem Weg dorthin erfahren wir einiges über ihre Beziehung zu ihrer Schwester und deren Tochter Frances, beobachten sie im Umgang mit ihren Crewmitgliedern und sind dabei, als sie Vanessa und damit ihrer großen Liebe begegnet. Die beiden Frauen können ihre Beziehung nicht offen leben, da dies für ihre Karriere bei der NASA das Aus bedeuten würde. Doch dann passiert etwas, das beiden zeigt, dass ihre Liebe trotz allen Widrigkeiten alles übersteht.
Ich liebe die Sprache von Taylor Jenkins Reid und deshalb kann hier nur dringend empfehlen, das amerikanische Original zu lesen. Die Übersetzung hat für mich noch nicht einmal den Countdown überstanden. Wiederholt wird Retention vermieden und stattdessen übersetzt. Das ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar: „Middle School“ wird zur „Mittelschule“, Hank erzählt den Kindern „Klopf-klopf-Witze“ und die „Mission Control“ wird zur „Missionskontrolle“. Good heavens!
Aber die Story gefällt mir auch dieses Mal sehr gut. Ja, die Ursache allen Übels ist eine offengelassene Luke- etwas, was bestimmt in der Realität eher nicht passieren würde. Mich hat es aber für die Geschichte nicht gestört und sie hat für mich auch gut mit diesem „Anfängerfehler“ funktioniert.
Es hat mir gefallen, von einer jungen Frau zu lesen, die Verantwortung übernimmt. Für ihr Leben, für das anderer und die in ihrer Zuverlässigkeit den Fokus sowohl auf sich selbst als auch auf ihre Mitmenschen legt und dabei eine gute Balance findet.
Die Autorin greift das Thema der Chancengleichheit und Gleichberechtigung immer wieder auf und nimmt mit ihrer Kritik auch eine renommierte Organisationen wie die die NASA ins Visier. Super!
Für mich ist das Buch in erster Linie aber eine wunderbare Geschichte über die Liebe zweier Menschen, die sich gesucht und gefunden haben, über Freundschaft und Familie. Und das macht es für mich zu einem Sommerbuch, das ich gerne weiterempfehle- im Original!!!

„Die Welt war voller Barbaras. Das war das ganze Problem.“

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.06.2025

alles ist so, wie es scheint - oder?

Before we were innocent
0

Ella Berman hat mit ihrem Roman „Before we were innocent“ ein Buch geschrieben, das ich irgendwie nicht weglegen konnte, weil fast jedes Kapitel sich wie derf Cliffhanger zum nächsten anfühlte…
Die drei ...

Ella Berman hat mit ihrem Roman „Before we were innocent“ ein Buch geschrieben, das ich irgendwie nicht weglegen konnte, weil fast jedes Kapitel sich wie derf Cliffhanger zum nächsten anfühlte…
Die drei Freundinnen Bess, Joni und Evangeline finden in der Highschool nicht richtig Anschluss, dafür aber einander und es verbindet sie eine Teenager-Freundschaft, die nicht immer sehr wertschätzend im Umgang miteinander ist.
Die drei reisen nach ihrem Highschoolabschluss auf eine kykladische Insel, um dort einige Wochen im Ferienhaus von Evangelines sehr reicher Familie zu verbringen. Dort wird die Situation immer unentspannter. Als Evangelines Bruder Theo mit seinen Freunden auftaucht, interessieren sich Bess und Theo für einander, was Ev extrem missfällt.
Bei einem Ausflug auf die Insel Mykonos kommt es dann zu einem Unfall, dessen Folgen für alle Betroffenen noch lange spürbar sind.
10 Jahre später: Joni sucht wieder Kontakt zu Bess. Als Jonis Verlobte verschwindet, holt die Vergangenheit die beiden Freundinnen wieder ein.
Dieses Buch habe ich bei der @lesejury gewonnen und an meiner ersten Leserunde dort teilgenommen. Das hat richtig viel Spaß gemacht, danke dafür!
Ich mochte es sehr, dass das Buch beide Zeitebenen (2018 und 2008/09) separat erzählt. Durch die abwechselnde Darstellung setzen sich immer mehr Puzzleteile zusammen und stellen sich gleichzeitig immer mehr Fragen, auf deren Beantwortung ich beim Lesen dringend wartete.
Das Buch las sich unglaublich leicht und schnell, ich bin durch die Kapitel geradezu geflutscht.
Die Charaktere der drei Freundinnen sind sehr unterschiedlich. Trotzdem entdeckt man bei jeder Aspekte, die für mich den ersten Eindruck erweitert haben oder mich sogar an meiner Wahrnehmung haben zweifeln lassen: Jonis Gewaltneigung, Evs Abhängigkeit von ihrem Bruder und Bess Selbstwahrnehmung und -darstellung.
Und plötzlich ist eben nicht mehr klar, wie die Freundinnen tatsächlich ticken, wer hier die Wahrheit sagt oder Machtspielchen spielt, die der Freundschaft alles andere als zuträglich sind.
Die Spannung der Geschichte lebt davon, dass die Autorin durch die Erzählperspektive von Bess auch andere Interpretationen der Realität zulässt.
Mir gefiel auch, dass die Situation im Elternhaus immer wieder mal angesprochen wurde und somit klar war, dass die drei sehr unterschiedlich aufgewachsen sind, hier aber kein Schwerpunkt der Geschichte liegt.
Das offene Ende passt hervorragend zur Geschichte. Denn beim Lesen war nur eines sicher: dass es auch alles hätte anders sein können…
Fazit: Eine spannende Geschichte über Freundschaft, Machtgefälle und die Frage, wem man was überhaupt glauben kann.

„Jemandem etwas schuldig zu sein, ist kein Grund, bei der Person zu bleiben, oder?““
immer ehrlich. immer neugierig. @dielesejule

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.06.2025

absolut lesenswertes Mental Health Buch!!!

Mental Health at Work
0

Nora Dietrich beschäftigt sich in ihrem Buch „Mental Health at Work“ mit verschiedenen Aspekten von Psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz. Dabei erklärt sie die fünf großen Themenbereiche „Gesunde Zukunft“, ...

Nora Dietrich beschäftigt sich in ihrem Buch „Mental Health at Work“ mit verschiedenen Aspekten von Psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz. Dabei erklärt sie die fünf großen Themenbereiche „Gesunde Zukunft“, „Gesundes Ich“, „Gesundes Team“, „Gesunde Führung“ und „Gesunde Organisation“.
Ich feiere die Autorin dafür, dass sie sich schon sehr lange
und nun auch durch dieses Buch das Thema Mental Health aus der Stigmatisierung führen möchte.
Schon im ersten Drittel des Buches wird deutlich, dass dieses Buch sich fachlich fundiert mit dem Thema auseinandersetzt und keine Allgemeinplätze teilt, die man sowieso schon tausend Mal gehört hat. Im Gegenteil: Tiefere Zusammenhänge werden deutlich, Ursachen und Folgen verbunden.

Schon schnell wurde mir klar: Jede und jeder, der das Buch liest und um die Wirkung der Investition in Mental Health weiss, KANN dieses Thema nicht mehr in den Hintergrund schieben, es belächeln oder abtun. Es gibt keine Argumentationsgrundlage mehr, sich diesem Thema nicht ausgiebig zu widmen.
Die Autorin arbeitet mit Bildern, die sich einprägen (Schwamm, Sinuskurve, zwei Flammen, …). Auch die vielen Zitate, die die Kapitel thematisch begleiten, hallten während der Lektüre noch lange nach.

Auch der differenzierte Blick auf die Gen Z war ein Denkanstoss. Statt des üblichen Bashings findet man hier eine valide Analyse der verletzlichen Generation und die Zuwendung zu ihrer Stärke.

Ich freue mich, dass das Sachbuch so kurzweilig und spannend zu lesen war. Die Autorin schafft mit ihrem Buch genau das, was Mental Health auch im Leben dringend braucht: einen offenen , modernen und zeitgemäßen Umgang mit ihr.
Ich wünsche mir, dass dieses Buch viele Leser:innen findet. Ich habe eine lange Liste von Personen im Kopf, die im mit anderen Menschen und mit sich selbst davon nur profitieren könnten.

„Alles, was uns an deren irritiert, kann uns zu einem Verständnis von uns selbst führen.“ (C.G. Jung)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere