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Veröffentlicht am 02.01.2026

Neustart in dörflicher Idylle zwischen Büchern – realistisch?

Mathilde und Marie
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Dieses Dorf Redu gibt es tatsächlich, in landschaftlicher Idylle im südlichen Belgien gelegen. Bekannt ist es als eines der Bücherdörfer in Europa mit mehr als 20 Antiquariaten und Buchhandlungen. In drei ...

Dieses Dorf Redu gibt es tatsächlich, in landschaftlicher Idylle im südlichen Belgien gelegen. Bekannt ist es als eines der Bücherdörfer in Europa mit mehr als 20 Antiquariaten und Buchhandlungen. In drei Teilen entpuppt sich der entschleunigte Ort ohne Internet und Fernsehen als Gegenpol zu einer Welt voller Lärm, Hektik und Oberflächlichkeit. Begrenzt auf wenige Dorfbewohner geht es bei der Isländerin Jónína, der jungen Pariserin Marie und bei Mathilde um ihr körperliches und seelisches Un-Gleichgewicht. Mit Hilfe einfühlsamer, hilfreicher Randfiguren und der Beschreibung aufblühender Natur entsteht eine zu heile Welt inmitten von Büchern – mit relativ wenig Dynamik und Twists. Die existentielle Sinnsuche der seelisch angeschlagenen Marie Ledoux, 26, durchzieht ruhig den Roman zwischen den älteren Charakteren von Jónína und Mathilde, deren Dialoge miteinander wenig Tiefe, eher viel Schweigen miteinander aufweisen. Der monatelange Reykjavík-Rückzug von Jónína zur dringendst empfohlenen Gesundung widerspricht sich eigentlich inhaltlich, da doch diese dörfliche Idylle in Redu als idealer, beschaulicher Rückzugsort bereits heilend wirken sollte.
Dass es manchmal nur einer Person, Idee oder Initiative bedarf, um nachhaltige gesellschaftliche Veränderungen herbei zu führen, mag als Botschaft hier stimmen.
Die kurz erwähnte Figur des Eremiten mit seinem verlorenen Schlüssel knüpft entfernt an die Satelliten-Bodenstation an, die zu ESTRACK, dem Netzwerk der Bodenstationen der Europäischen Weltraumorganisation gehört.
Insgesamt ein Zuviel an mitmenschlicher Harmonie und heilender Naturidylle zwischen geschätzter Bücherwelt. 2,5*

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Eine lebendige Biographie von Kleopatra – aus ihrem Blickwinkel gesehen.

Kleopatra
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Das Cover zeigt diese Königin in königlich goldener Bekleidung inklusive typischem Kopfschmuck, jedoch vom Betrachter abgewandt, denn ihre großartige, altägyptische Dynastie existiert ja nicht mehr. Kleopatra ...

Das Cover zeigt diese Königin in königlich goldener Bekleidung inklusive typischem Kopfschmuck, jedoch vom Betrachter abgewandt, denn ihre großartige, altägyptische Dynastie existiert ja nicht mehr. Kleopatra Thea Philopator. Ich-Erzählerin, Königin der Könige mit 19 Jahren, kommt in ihrer Darstellung sehr menschlich als Mutter, liebende Ehefrau bzw. Geliebte daher. In dieser historischen Fiktion wird ihre Macht, Intelligenz und Kenntnis der Heilkünste besonders betont im Gegensatz zu römischen Darstellungen z. B. von Cicero oder Plutarch. Das Alltagsleben im Palast auf Antirhodos, der Insel im Hafenbecken des Osthafens von Alexandria, beginnt im Jahre 51 v. Chr. und endet 30 v. Chr. mit ihrer Flucht vor dem römischen Feldherrn Octavian, zusammen mit ihren Kindern durch eine Geheimtür. In dieser Zeitspanne agiert diese Pharaonin geschickt – mal listig mal weise – kämpft erfolgreich gegen ihre vier rachsüchtigen Geschwister, gegen Gerüchte, Verrat und Korruption an und verbessert Wirtschaft, Gesundheitswesen und allgemeinen Wohlstand. Die Wichtigkeit der damaligen Götterwelt mit ihren Tempeln und der Verleihung besonderer göttlicher Kräfte bzw. Flüchen wird lebendig widergespiegelt. Über Geschichtenerzähler – Hakawatis – wird anfangs auch die Geschichte der Ptolemäer nach dem Tod von Alexander dem Großen erzählt. Sowohl die friedlichen als auch die kriegerischen Verbindungen zu Rom mit Julius Caesar, Marcus Antonius und Octavian finden Berücksichtigung. Neben ägyptischer Kulturpflege wie z.B. den Herrscherkult der Ptolemäen spannen sich auch Szenen römischer Traditionen mit Gladiatorenspielen und Festumzügen mit Gefangenen durch den Roman.
Insgesamt erkennt man als Leser in Kleopatra eine Königin voller menschlicher Wärme, Intelligenz und Kampfgeist.

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Veröffentlicht am 29.12.2025

Fünf stilvolle Erzählungen zum Reflektieren

Der Fluss der Zeit
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Es geht in diesen fünf Erzählungen um fein gezeichnete Emotionen und Gedanken von Menschen in vermeintlich stressiger Lebenssituation. Die hier vorgestellten Helden sind entweder voller Selbstzweifel, ...

Es geht in diesen fünf Erzählungen um fein gezeichnete Emotionen und Gedanken von Menschen in vermeintlich stressiger Lebenssituation. Die hier vorgestellten Helden sind entweder voller Selbstzweifel, unterziehen sich einer angedeuteten Lebensbilanz voller Rückerinnerungen oder eine vermeintliche Katastrophe entpuppt sich als Wendepunkt. Diese fein gezeichneten Einsichten in diverse menschliche, nicht ganz alltägliche Lebensabschnitte berühren, führen mitunter auch zu Selbstreflektion. In ruhigem, melancholischem Schreibstil erfährt man von der Vergänglichkeit von einst tiefen Empfindungen, von nicht mehr greifbaren wichtigen Zeitspannen mit wohl prägenden Ereignissen und einschneidenden Entscheidungen.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Viel Fantasie um humanoide Tiere, umgeben von rassistischen Menschen

Wie die Karnickel
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Das Cover auf rotem Untergrund zeigt eher einen langohrigen Hasen. An vier Pistoleneinschlägen lässt sich schon das aggressive Ambiente erahnen. Eine vermenschlichte Tierwelt, hier vor allem Kaninchen ...

Das Cover auf rotem Untergrund zeigt eher einen langohrigen Hasen. An vier Pistoleneinschlägen lässt sich schon das aggressive Ambiente erahnen. Eine vermenschlichte Tierwelt, hier vor allem Kaninchen Füchse und Wiesel, agiert ähnlich wie in Fabeln. Im britischen Dörfchen Much Hemlock, nah an der walisischen Grenze, fühlen sich die dortigen Menschen bedroht durch zu große Zuwanderung dieser intelligenten, sprechenden Tierspezies. Verfolgt, bedroht und ausgebeutet werden sie von rassistischen Menschen. Trotz des humorvollen, originellen Schreibstils erkennt man die tiefgehende Satire und eklatante Gesellschaftskritik an der derzeitigen Zuwanderungspolitik nicht nur in Großbritannien. Da wo Angst in der Bevölkerung entsteht, blüht auch Rassismus bzw. Ausländerfeindlichkeit. Diese Botschaft zum Versuch einer schrittweisen gesellschaftlichen Veränderung durch schrittweises Handeln mag vielleicht ankommen, wenn dafür genügend engagierte Leute dieses Problem ehrlich angehen wollen.
Ein kreatives, originelles Buch mit aktueller Gesellschaftskritik! 3*

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Spannung in reizvollem Ambiente

The Woman in Suite 11
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Das Cover verrät bildlich nicht direkt den Thriller, erinnert eher an luxuriöses, sommerliches Luxusambiente und Liebesgeflüster in maritimer Farbgebung. Den 1. Krimi dieser Autorin mit den traumatischen ...

Das Cover verrät bildlich nicht direkt den Thriller, erinnert eher an luxuriöses, sommerliches Luxusambiente und Liebesgeflüster in maritimer Farbgebung. Den 1. Krimi dieser Autorin mit den traumatischen Erlebnissen der Hauptfigur Laura (Lo) Blacklock auf dem Kreuzfahrtschiff kenne ich nicht. Die Beschreibungen des Settings im Schweizer Nobelhotel am Genfer See und auch im Old Manor, England gefallen. In manchen Passagen in diesen fünf Teilen wirkt die Hauptfigur Lo zu leichtgläubig, zu naiv und nimmt ihren Handlungsweisen leider die Glaubwürdigkeit. Sich selbst in solch lebensgefährliche, kriminelle Situationen unter Abgabe des Reisepasses zu bringen, macht rational wenig Sinn. Eigentlich würde man aufgrund ihrer lebensbedrohlichen Vorerfahrungen auf dem Kreuzfahrtschiff mehr Vorsicht und Skepsis von ihr erwarten. Natürlich machen die Beschreibungen ihrer Alpträume und Panikattacken sie sehr menschlich. Während Lo‘s Charakter für Wahrheitsliebe und Selbstlosigkeit steht, sorgt der unstete, nicht vertrauenswürdige Charakter von Carrie als gefährdeter Gegenpol für viele interessante Überraschungen. Die Nebenfiguren Ben, Los Ex-Mann, und der Fotograf Cole – zunächst auch im Hotel am Genfer See - tauchen unerwartet auch in England erneut auf und besorgen Lo den Anwalt Dan, nicht ganz schlüssig und durchschaubar konstruiert. Ansonsten ist der Krimi logisch nachvollziehbar, besteht die Plausibilitätsprüfung.
Insgesamt eine spannende Geschichte voller Überraschungen mit interessanten Protagonisten.

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