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Veröffentlicht am 05.11.2025

Endlich wieder Niederkaltenkirchen!

Apfelstrudel-Alibi
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Pfingstferien, 30°C, in Niederkaltenkirchen ist nichts los und Franz könnte entspannt in dre Sonne liegen, wenn Susi nicht als frischgebackene Bürgermeisterin erwarten würde, dass er sich um den Haushalt ...

Pfingstferien, 30°C, in Niederkaltenkirchen ist nichts los und Franz könnte entspannt in dre Sonne liegen, wenn Susi nicht als frischgebackene Bürgermeisterin erwarten würde, dass er sich um den Haushalt und Sohn Paulchen kümmert.
Zum Glück ruft ihn Richter Moratschek an: Noch vor 2 Wochen hat er auf der, seiner Meinung nach überstürzten, Hochzeit seiner Nichte Leddi getanzt, nun ist sie auf der Hochzeitsreise in den Dolomiten tödlich verunglückt. Und das, obwohl sie noch nie wandern und generell sehr unsportlich war. Für Moratschek ist klar: „Der schöne Mike“ hat sie nur wegen ihres Erbes geheiratet und umgebracht hat. Franz soll das bittschön beweisen. Während er nach Italien reist, um vor Ort zu ermitteln, soll sich Rudi undercover auf den Campingplatz, den Mike betreibt.

Nach 2 Jahren Pause gibt es endlich wieder einen neuen Eberhofer-Krimi – mit Herz, Witz, Charme und den liebenswert-schrägen Protagonisten, die mir über die Jahre ans Herz gewachsen sind. Franz hat das Arbeiten immer noch nicht erfunden, kommt am Ende seiner eher beiläufigen Ermittlungen aber trotzdem ans Ziel. Susi blüht als Bürgermeisterin auf, hetzt von Termin zu Termin und schafft es zwischendurch noch zum Frisör, in die Kosmetik, ins Fitnessstudio oder zum Yoga – schließlich will sie ihre Gemeinde würdig vertreten. Dass sie dabei gern übertreibt, bemerkt sie nicht. Paulchen ist inzwischen 10, klug, herzlich, und ganz unbemerkt groß und cool geworden. Er kümmert sich rührend um die Oma, der leider zusehends abbaut. Der Papa darf endlich legal Cannabis anbauen und schöpft diese Möglichkeit voll aus. Rudi fühlt sich wie immer – nicht ganz zu Unrecht – von Franz vernachlässigt, ist aber sofort zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Es menschelt herrlich in Rita Falks neuem Buch.

Der Fall ist spannend aufgebaut. Franz findet in Italien Hinweise, die die örtliche Polizei übersehen hat: Leddi kann nicht einfach verunglückt sein kann. Moratschek setzt weitere Ermittlungen durch, doch der schöne Mike hat leider ein Alibi. Kann Franz es entkräften oder suchen alle am falschen Ort nach dem Täter?!

Natürlich läuft nicht alles glatt. Rudi ist leider nicht der begnadete Schnüffler, für den er sich hält, und fliegt relativ schnell auf. Franz überschreitet bei der Spurensicherung in den Dolomiten über seine körperlichen Grenzen (und die seiner Bergführer). Außerdem lernt dabei eine sympathische Wirtin kennen. Wird er Susi etwa untreu? Und ganz nebenbei muss er sich auch um Paul kümmern – und was stärkt ein Vater-Sohn-Verhältnis besser als ein Campingurlaub?!

Mich hat das „Apfelstrudel-Alibi“ wieder großartig unterhalten, und ich hoffe sehr, dass die Reihe weitergeht.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Eine Reise zurück zu sich selbst

Drei Tage im Schnee
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„Uns Erwachsenen wäre deutlich mehr geholfen, wenn wir nicht so schnell vergessen würden, wie es war, ein Kind zu sein.“ (S. 5)
Hannah ist 30 Jahre alt, beruflich erfolgreich und erschöpft von ihrem übervollen ...

„Uns Erwachsenen wäre deutlich mehr geholfen, wenn wir nicht so schnell vergessen würden, wie es war, ein Kind zu sein.“ (S. 5)
Hannah ist 30 Jahre alt, beruflich erfolgreich und erschöpft von ihrem übervollen Alltag. Die Stimmen in ihrem Kopf sind laut, die Gedanken drehen sich in Endlosschleifen, alles fühlt sich nach zu viel an. Um wieder zu sich zu finden, mietet sie sich für drei Tage ein kleines Holzhäuschen am See, das langsam im Schnee versinkt. Doch statt der erhofften Stille und Entlastung erlebt sie zunächst das Gegenteil: Die Ruhe gibt den störenden Gedanken und Gefühlen noch mehr Raum.
Dann taucht plötzlich ein kleines Mädchen auf. Sophie baut mit Hannah Schneefiguren und ein Iglu, überredet sie zu Schneeengeln, Spaziergängen und heißer Schokolade. Vor allem aber erinnert Sophie sie daran, im Moment zu leben. Stück für Stück entdeckt Hannah die Freude am Einfachen wieder – und den Genuss, einfach da zu sein.

„Drei Tage im Schnee“ von Ina Bhatter ist ein stilles, philosophisches Buch über Selbsterkenntnis, Achtsamkeit und die Grenzen der Selbstoptimierung. Der Text besteht größtenteils aus Hannahs Gedanken und inneren Dialogen, in denen Sophie ihr Spiegel und Lehrerin wird.
Eine klare Genrezuordnung fällt mir schwer. Es liest sich weniger wie ein klassischer Roman, sondern eher wie eine literarische Reflexion über das Zurückfinden zum eigenen inneren Kind und den Mut, das Leben wieder bewusst zu genießen.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Gossip, Glamour, Drama, Skandal!

The Academy
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„Seit der Veröffentlichung des Rankings bewegen wir uns in einer ganz anderen Sphäre. Wir haben das Gefühl, in einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten zu leben.“ (S. 42)
Seit Jahr(zehnt)en liegt die ...

„Seit der Veröffentlichung des Rankings bewegen wir uns in einer ganz anderen Sphäre. Wir haben das Gefühl, in einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten zu leben.“ (S. 42)
Seit Jahr(zehnt)en liegt die Tiffin Academy im landesweiten Internats-Ranking von Amerika Today im unteren Bereich der Top 50. Doch seit die Schule vor 3 Jahren, nach einer großzügigen Spende, den Sohn eines New Yorker Immobilienkönigs aufgenommen hat, geht es steil bergauf: Erst Platz 24, dann 19, und zu Beginn des neuen Schuljahres plötzlich Platz 2. Nicht nur die Schulleiterin Audre Robinson fragt sich, wie das passieren konnte. Schnell kommen Gerüchte auf: Hat der Immobilienmogul den Platz etwa erkauft, damit sein Sohn an einer der besten Schulen des Landes abschließen kann?
Doch das ist nicht Audres einziges Problem. Kurz vor Ende des letztes Schuljahres hat eine Schülerin das Leben genommen, Schüler und Lehrkräfte sind immer noch traumatisiert. Dazu kommt ein neue, auffallend junge Lehrerin, die kaum älter ist als ihre Schüler und unbedingt deren Freundin sein will. Und dann kursiert plötzlich eine App, in der Interna und Geheimnisse der Tiffin Academy veröffentlicht werden: Wer seinen Aufsatz mit ChatGPT geschrieben, wer Sex oder gar eine verbotene Affäre hat. Die Skandale nehmen kein Ende …

Elin Hilderbrand hat „The Academy“ gemeinsam mit ihrer Tochter Shelby Cunningham geschrieben, die dabei ihre eigenen Internatserfahrungen einfließen ließ – und das merkt man. Entstanden ist ein packender, atmosphärisch dichter Internatsroman voller Intrigen, Glanz und Abgründe.
Mich hat die Geschichte stark an meine eigene Studienzeit erinnert – in Leipzig es zwar deutlich unspektakulärer, aber mit ähnlichen Dynamiken: Fremde Menschen werden zusammengewürfelt, Grüppchen entstehen, eine natürliche Hackordnung zwischen Coolen, Sportlern, Strebern und Außenseitern bildet sich. Die Lehrer bekommen (zum Glück) nur die Hälfte davon mit, denn vieles wird intern geregelt.

Das Mutter-Tochter-Duo erzählt aus wechselnden Perspektiven – von der Schulleiterin, Lehrern, Angestellten und vor allem den Schülern. So entsteht ein vielschichtiges Bild der Tiffin Academy, hinter deren glänzender Fassade es brodelt. Eltern mit Geld schieben ihre Kinder ab, um sich nicht kümmern zu müssen; psychische und schulische Probleme werden vertuscht; Eifersucht und Konkurrenz prägen den Alltag.

Mein Fazit:
Ein mitreißender, emotionaler und hochspannender Roman über Macht, Moral und Geheimnisse hinter Internatsmauern. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung – und darauf, ob wir dann endlich erfahren, warum sich die Schülerin das Leben genommen hat.

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Veröffentlicht am 23.10.2025

Ein Mohnbrötchen als Hilferuf?

Entführung im Himmelreich
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„Wir sind hier im Himmelreich. Hier passiert sowas doch nicht.“ (S. 28)
Wenige Monate nachdem der ehemalige Fernsehkommissar Björn Kupernikus auf dem Campingplatz am Schwielowsee einen Mord aufgeklärt ...

„Wir sind hier im Himmelreich. Hier passiert sowas doch nicht.“ (S. 28)
Wenige Monate nachdem der ehemalige Fernsehkommissar Björn Kupernikus auf dem Campingplatz am Schwielowsee einen Mord aufgeklärt hat, stolpert er bereits in den nächsten Fall. Als der Bäcker, der jeden Morgen die Frühstücksbrötchen bringt, nicht im Himmelreich auftaucht, macht sich Kupernikus auf die Suche. Im Wald findet er das Auto des Bäckers verlassen, am Seeufer stehen ordentlich nebeneinander dessen Schuhe. Hat er sich das Leben genommen? Kommissar Edgar Fass ist davon überzeugt, Kupernikus allerdings nicht. Denn in seiner Brötchentüte liegt ein Mohnbrötchen, das er gar nicht bestellt hat. Ein versteckter Hilferuf des Bäckers?
Kurz darauf wird auf einem Hausboot eingebrochen, die Bewohnerin angegriffen, und ein junger Camper verschwindet spurlos. Hängen die Fälle womöglich zusammen? Kupernikus und seine Freundin Annabelle können es nicht lassen, in Caputh und Umgebung auf eigene Faust zu ermitteln - und stoßen dabei auf einige gut gehütete Geheimnisse.

Der Fall entwickelt sich langsam und zieht immer weitere Kreise. Angeblich hatte der Bäcker eine Geliebte und sich mit dem Metzger überworfen. Könnte hier das Tatmotiv liegen? Und ist er wirklich tot oder wurde er entführt? Sein Sohn glaubt, der Vater habe das alles nur inszeniert hat, weil er gern im Mittelpunkt steht. Aber wenn das stimmt, wo ist er dann?

Auch der zweite Teil der Reihe von Andreas Winkelmann hat mich gut unterhalten. Ich mag Kupernikus‘ gemütliche, fast schon stoische Art zu ermitteln, wie er Fass‘ Bedenken einfach ignoriert und mit seiner sympathischen Art selbst verschlossene Menschen zum Reden bringt. Annabelle ergänzt ihn perfekt: Sie knackt diejenigen, die Kupernikus widerstehen, und bekocht ihn so gut, dass er um seine (nicht vorhandene) Linie fürchtet. Ihre amüsanten Wortgefechte sorgen zusätzlich für Charme und Leichtigkeit.

Dazu kommt das fast schon romantische Setting des Campingplatzes – ein kleiner Kosmos für sich, in dem nichts lange geheim bleibt, weil man zu eng aufeinander lebt. Der Cosy-Krimi passt außerdem wunderbar in die Jahreszeit, da sich die Handlung passend zu Halloween zuspitzt.

Ein stimmungsvoller, spannender und zugleich humorvoller Krimi – ideal für alle, die es gern gemütlich, aber trotzdem fesselnd mögen.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Hotel Grand-Mama

Evil Grandma
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„Auch alte Menschen haben eine Seele, hätte Mona gern geantwortet. Auch alte Menschen haben Träume.“ (S. 237)
Mit scharfem Witz und viel Gesellschaftskritik erzählt Line Baugstø die Geschichte einer Frau, ...

„Auch alte Menschen haben eine Seele, hätte Mona gern geantwortet. Auch alte Menschen haben Träume.“ (S. 237)
Mit scharfem Witz und viel Gesellschaftskritik erzählt Line Baugstø die Geschichte einer Frau, die plötzlich merkt, dass sie in den Augen anderer nur noch „alt“ ist.
Mona ist 65, geschieden und hat das Gefühl, die Arbeitsjahre nur noch abzusitzen, während ihre jüngeren Kolleg*innen sie überholen.
Als sie erfährt, dass ihr Sohn Thomas und dessen Partnerin Alma ein Kind erwarten, bekommt sie eine Panikattacke, anstatt sich zu freuen. Sie fürchtet, fortan als kostenlose Babysitterin zu dienen. Kurz darauf ziehen die beiden wegen eines Wasserrohrbruchs bei ihr ein und machen es sich im „Hotel Mama“ bequem: Mona kocht, wäscht und räumt hinter ihnen her, während die beiden sich bedienen lassen.
Als Mona zufällig entdeckt, dass Alma die gemeinsame Wohnsituation auf Instagram dokumentiert und sie dort als Schwiegermonster darstellt, platzt ihr der Kragen. Unter dem Pseudonym EvilGrandma65 eröffnet sie ein geheimes Profil, um ihre Sicht der Dinge ungeschönt zu teilen. Ihre bissigen Posts finden schnell Anklang – doch der plötzliche Erfolg bleibt nicht folgenlos.
Baugstø zeichnet ein eindringliches Porträt einer Frau, die sich unsichtbar fühlt und versucht, ihre Wut in Selbstbehauptung zu verwandeln.

„Von einem Tag auf den anderen ist es vollkommen still um sie geworden, und es dauert nicht lange, bis Mona sich wie ein Gespenst vorkommt, ein Schatten am Rande des Lebens aller anderen, die einmal zu ihrem engsten Kreis gehört haben.“ (S. 211)
„Evil Grandma“ von Line Baugstø ist eine bitterböse Realsatire über Altersbilder, Selbstinszenierung und den fließenden Übergang zwischen digitaler und realer Scheinwelt. Mit spitzer Feder hält Baugstø der Social-Media-Generation den Spiegel vor und lässt gleichzeitig tief in Monas Einsamkeit und Sehnsucht blicken.
Ein Buch, das unterhält, provoziert und nachdenklich macht – besonders für alle, die sich schon einmal gefragt haben, ob sie online (oder im Leben) eigentlich noch gesehen werden.

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