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Veröffentlicht am 20.12.2018

Das Begehren trifft den Tod

Hagard
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„Er hat sein Verderben nicht gesucht, nicht einmal die Gefahr, obwohl er dann, als es soweit war und er begriff, an welchem Faden seine Existenz hing, sich dieser Gefahr stellte, ohne zu zögern.“


Inhalt


Erzählt ...

„Er hat sein Verderben nicht gesucht, nicht einmal die Gefahr, obwohl er dann, als es soweit war und er begriff, an welchem Faden seine Existenz hing, sich dieser Gefahr stellte, ohne zu zögern.“


Inhalt


Erzählt wird die Geschichte von Philip, einem Geschäftsmann um die vierzig, mit einem ganz profanen Leben, zwischen Verpflichtungen, anstehenden Terminen und einer hinreichend verplanten Zeit. Einer von Vielen, der in der grauen Masse verschwindet und sich mit ihr tagtäglich im gleichen Trott bewegt. Eine Zufallsbekanntschaft auf der Straße, ein willkürlicher Akt der Begegnung stellt seinen Tag und im Folgenden sein ganzes Leben auf den Kopf. Philip folgt einem Paar pflaumenblauer Ballerinas durch die Großstadt, die dazugehörige Frau betört ihn, vor allem weil er ihr Gesicht noch nicht gesehen hat und es im Grunde seines Herzens egal ist, ob sie zwanzig oder vierzig Jahre alt ist. Sie wird seine Obsession und er folgt ihr bis nach Hause, versucht in ihren Wohnkomplex zu gelangen und ihre Haustür ausfindig zu machen. Die nächsten 48 Stunden verbringt er im verbotenen Rausch der unentdeckten Beobachtung einer Fremden, sich der Gefahr, die ihm droht durchaus bewusst. Doch von ihr lassen will er auch nicht, selbst dann nicht, als sein Auto nicht mehr auffindbar ist, er nach der Flucht aus der Bahn seinen Schuh verloren hat und sein Handy keine Ladung mehr besitzt. Losgelöst von Raum und Zeit und dennoch erschreckend getrieben steuert das Intermezzo seinem Finale entgegen und Philip seinem Verderben.


Meinung


Der Schweizer Autor Lukas Bärfuss ist Dramatiker und Romancier zugleich und gehört der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung an, sein vorliegendes Buch wird diesem Anspruch mehr als gerecht, vermag er doch eine vollkommen belanglose, willkürliche Situation in ein fesselndes Spiel zu verwandeln und sie darüber hinaus noch hinterfragend, sezierend und philosophisch zu verpacken. Sprachlich konnte mich dieses Buch auf ganzer Linie überzeugen – so viel Inhalt, so viele Varianten in nur wenigen Sätzen, die außerdem noch ausreichend Interpretationsspielraum lassen – sehr faszinierend.


Der Autor lässt den Leser rätseln, indem er einen übergeordneten Erzähler einsetzt, der seinerseits versucht die Ansprüche des Protagonisten Philips zu entschlüsseln. Dieser Ansatz wirkt wie ein Variante, das Unerklärliche zu offenbaren und wahrt andererseits eine interessante Distanz, die eher aufarbeitend als vorwurfsvoll daherkommt.


Inhaltlich hingegen ist das Werk sehr diskutabel und schwer greifbar. Man fühlt sich selbst wenig involviert und hat auch kein genaues Bild vor Augen. Die geschilderten Momentaufnahmen sind ein Experiment, ja ein Gedankenexperiment bezüglich einer kleinen Realitätsverschiebung. Bärfuss geht der Frage nach, warum Menschen von ihren erlernten Verhaltensmustern abweichen und sich plötzlich in einer Art Parallelwelt wiederfinden, die vollkommen neue Perspektiven bietet aber auch ungeahnte Abgründe erscheinen lässt. Und er geht sogar noch weiter. Denn nicht nur Philip allein entscheidet, wie er handelt, sondern auch andere unbeteiligte Zeitgenossen in Form von Kontrolleuren, Taxifahrern und Postboten, ja sogar in der Erscheinung einer Elster, die ihren Platz beansprucht. Außerdem liefert er die Antwort auf alle resultierenden Fragen, die den Leser beschäftigen gleich mit, indem er schreibt: „Vielleicht wollte mir seine Geschichte etwas sagen, mich an etwas erinnern, dass ich nicht hätte vergessen dürfen. Bloß hatte ich keine Ahnung, was das hätte sein können, welche Lehre ich aus der Geschichte hätte ziehen sollen.“


Fazit


Ein ganz klassischer Fall für eine Bewertung mit 3 Lesesternen, denn das Für und Wider hält sich hier die Waage. Kulinarisch betrachtet würde ich sagen, es handelt sich weder um Fleisch noch um Fisch und kann damit keinen nennenswerten Beitrag leisten, doch interessant ist dieser sezierende Blick auf gesellschaftliche Werte allemal. Ein optimales Buch für eine Diskussionsrunde, für ebenfalls vielschichtige Meinungsäußerungen und unterschiedliche Blickwinkel, demnach auch eine Empfehlung für den gymnasialen Oberstufenunterricht. Ein Buch, welches in Erinnerung bleibt – ohne wirklich Bestand zu haben und diese literarische Leistung möchte ich loben, selbst wenn mir persönlich alles zu schwammig und offen blieb.

Veröffentlicht am 13.12.2018

Die Seelenbräute des Propheten

Totengrund
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„Er brauchte keine Kostümierung, keinen auffälligen Glitter und Tand, um die Aufmerksamkeit der Menge zu fesseln. Sein Blick allein, so durchdringend wie Röntgenstrahlen, zog unweigerlich jedes Augenpaar ...

„Er brauchte keine Kostümierung, keinen auffälligen Glitter und Tand, um die Aufmerksamkeit der Menge zu fesseln. Sein Blick allein, so durchdringend wie Röntgenstrahlen, zog unweigerlich jedes Augenpaar im Saal auf sich.“


Inhalt


Nach einem Ärztekongress beschließt die Rechtsmedizinerin Maura Isles mit ihrem Jugendfreund Douglas und dessen Bekannten einen kleinen Ausflug zu unternehmen, bevor sie sich wieder in den Flieger setzt und nach Hause zurückkehrt. Doch der Wintereinbruch in Wyoming macht ihnen einen Strich durch die Rechnung, ihr Auto kommt auf der menschenleeren Straße nicht weiter und auf Grund der kalten Temperaturen müssen sie sich einen Unterschlupf suchen. Ganz in ihrer Nähe befindet sich die geschützte Siedlung Kingdom Come, in der seltsamerweise alle Häuser nicht nur gleich aussehen, sondern aus unersichtlichen Gründen leer stehen. Die Bewohner scheinen Hals über Kopf geflüchtet zu sein, nur ein erfrorener Hund ist auffindbar. Als Notunterkunft dienen die Häuser aber allemal. Erst als einer der Mitreisenden schwer verletzt wird, nachdem er mit seinem Bein unter die Schneeketten des Fahrzeugs geraten ist, und nach vielen Tagen immer noch keine Hilfe naht. Macht sich Maura notgedrungen mit Schneeschuhen auf den Weg in die nächste Stadt. Doch auch dort kommt sie nicht an, denn ein junger Mann, angepasst an ein Leben in der Wildnis, entführt sie auf ihrem Weg und behauptet er bewahre sie vor einer großen Gefahr – und tatsächlich, als Maura einige Zeit später auf die Siedlung einen Blick erhascht, sind dort alle Hütten verbrannt und ihr Entführer behauptet, das dies noch lange nicht das Ende einer groß angelegten Aktion sei …


Meinung


„Totengrund“ ist der nunmehr achte Band aus der Rizzoli-Isles-Reihe der Bestsellerautorin Tess Gerritsen und bringt, anders als sein Vorgänger, wieder richtig Leben in die Geschichte über die Rechtsmedizinerin Dr. Isles und ihre befreundete Polizistin Jane Rizzoli. Grund dafür ist das spannende Setting, welches hier gewählt wurde. Eine kleine Menschengruppe, gefangen im Schnee, angewiesen auf die Hilfe anderer, abgeschottet von der Außenwelt und in greifbarer Gefahr, selbst wenn der Leser diese zunächst mehr ahnt als tatsächlich erkennt.


Der Handlungsaufbau konzentriert sich hier auf zwei Ebenen: zum einen die Erlebnisse von Maura vor Ort, die stellenweise sehr gruselig sind, zum anderen die fieberhafte Suche der Polizei nach den Vermissten, in einem Wettlauf gegen die Zeit. Im Nacken sitzt dem Leser dabei die latente Unruhe, dass all die Ereignisse geplant waren, das im Dunkeln noch das Böse lauert und die Gefahr sich ganz in der Nähe befindet und dennoch nicht sichtbar zeigt.


Abgerundet wird die Geschichte um das Verschwinden und die Suche von einer immer detaillierter werdenden Bedrohung durch die Mitglieder einer Sekte. Genannt wird sie „Die Zusammenkunft“ und ihre Mitglieder waren die Bewohner der verkohlten Siedlung. Unter Führung ihres Propheten Jeremiah Goode scharen sich dort viele Frauen und junge Mädchen um nur wenige Männer, die sich unter ihnen ihre Seelenbraut aussuchen dürfen, oder auch gleich mehrere, wenn es sie danach gelüstet. Doch da keiner genau benennen kann, welche Verbrechen sich hinter der gut geschützten Fassade ereignet haben, gehen die Missbräuche im Inneren munter weiter. Nur Maura lernt mit ihrem jugendlichen Entführer im Schnee eine ganz andere Seite kennen, denn Julian Perkins, so sein offizieller Name, war einst ebenfalls Bewohner der Siedlung Kingdom Come …


Fazit


Ich vergebe sehr gute 4,5 Lesesterne (aufgerundet 5) für diesen temporeichen aber geheimnisvollen Thriller über die Abgründe hinter einer gut geschützten Fassade. Immer wieder besticht die Handlung durch unvorhersehbare Wendungen, so dass man als Leser das Gefühl hat, immer ganz kurz vor der Lösung zu stehen, um dann doch keine Antwort zu erhalten. Ein psychologisches Nervenspielchen zwischen den Betroffenen, den Drahtziehern im Hintergrund und den leicht verwirrten Lesern, die bald in jedem eine echte Bedrohung entdecken. Empfehlenswert ist das Buch für alle, die ein Faible für Sekten und die ganz spezielle Gruppendynamik haben und sich gern auf eine Entdeckungsreise zwischen Angst, dunkler Gefahr und latenter Bedrohung begeben. Das ideale Buch für winterliche Schmökerstunden mit Nervenkitzel

Veröffentlicht am 09.12.2018

Zeit, die Erinnerung zu überschreiben

Sechzehn Wörter
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„Von einem neuen Ort angezogen werden allein reicht nicht. Der alte Ort muss einen auch wegschieben. „Ich glaube“, sagte er, nachdem er die Tasse wieder abgestellt hatte, „dass man immer eher weggeschoben ...

„Von einem neuen Ort angezogen werden allein reicht nicht. Der alte Ort muss einen auch wegschieben. „Ich glaube“, sagte er, nachdem er die Tasse wieder abgestellt hatte, „dass man immer eher weggeschoben wird, auch, wenn man glaubt, angezogen zu werden.“


Inhalt


Bereits als Kind kommt die junge Iranerin Mona Nazemi nach Deutschland und wächst dort auf, sie selbst sieht sich als Deutsche und merkt ihre Fremdartigkeit eher in den Verhaltensweisen ihrer Mitmenschen, als in ihrem eigenen Denken. Allerdings erhält sie sich auch die Verbindungen zur Heimat, in der ihre Großmutter immer noch lebt und ihr leiblicher Vater ebenfalls. So anders ist das Leben dort, bietet ganz andere Reize. Für Mona sind es die Besuche in ihrem Heimatland, die sie immer wieder reflektiert und auch die Liebe zu Ramin, einem Iraner, der mittlerweile selbst verheiratet und Vater geworden ist. Es fällt ihr schwer sich ein ständiges Leben im Iran vorzustellen, doch sie liebt auch die dortigen Eindrücke und die Menschen in ihrem Leben. Als ihre Großmutter stirbt, bricht eine elementare Stütze aus der kindlichen Erinnerung weg und Mona reist gemeinsam mit ihrer Mutter in ihr altes Zuhause. Doch bei ihrer Rückkehr nach Deutschland muss sie erkennen, dass es nicht das eine, einzig wahre Leben ist, das sie ihr eigenen nennt, sondern vielmehr eine kleine Facette ihrer Persönlichkeit. Es gibt da eine Mona in Deutschland, doch obwohl sie bestens integriert ist, schleicht sich ihre wahre Herkunft immer wieder in die Gegenwart ein.


Meinung


Die junge Autorin Nava Ebrahimi, schreibt in ihrem Debütroman sehr empathisch und mit viel Fingerspitzengefühl von einem Leben zwischen zwei Kulturen, von gegensätzlichen Erwartungen und konträren Ansprüchen. Dabei versetzt sie den Leser direkt in den Kopf ihrer Hauptprotagonistin Mona, die als Ich-Erzählerin auftritt und deren Erinnerungen so lebendig und eindringlich wirken, dass man meint selbst dabei zu sein. Scheinbar nebenbei erfährt man auch die familiären Umstände, die sie von einer Kindheit in Persien in ein Leben nach Deutschland geführt haben, erkennt die Zwänge denen ihre Mutter ausgesetzt war und die Ansprüche der Großmutter an eine Frau, die es immer noch nicht geschafft hat sich Mann und Kind zuzulegen.

Anders als in vielen Romanen über die Herkunft und die Liebe zur Heimat, bleibt Mona ein sehr sachliches Wesen und trauert ihren verpassten Chancen in einem Leben im Iran nicht nach, auch spürt man die innere Zerrissenheit nicht wirklich, denn ihrer Identität ist sie sich gänzlich bewusst. Das hat mir gut gefallen, weil ich nicht glauben mag, dass ein Leben in der Fremde immer nur mit dem Verlust des Heimatgefühls einhergeht.

Dennoch bleibt die Erzählung hinter meinen Erwartungen zurück, weil mir einfach die klare Ausrichtung fehlt, eine direkte und greifbare Entwicklung, eine Verbindung zwischen der persönlichen Geschichte und der Außenwelt. Alles dreht sich im Kreis, die Erinnerungen speisen den Text und bleiben doch nur eine Abbildung vergangener Zeiten.

Die Verluste, die Trennungen und der von mir erwartete Schmerz, bleiben aus. Mona distanziert sich von Emotionen, sie handelt mit Bedacht und nicht immer mit dem Herzen. Sie lebt einfach irgendwie vor sich hin, nimmt, was sich ihr bietet und denkt ohne große Wehmut an anderes. Man könnte meinen hier einen oberflächlichen Charakter vor sich zu haben, doch das ist es ganz und gar nicht, denn die Tiefgründigkeit ist spürbar und präsent.

Vielleicht ist dieses Verwischen einer klaren Aussage auch das Ziel der Autorin, die sich damit diverse Denkansätze offenhält und ihre Leser nicht in eine bestimmte Richtung drängt, doch genau das hätte ich mir erhofft.


Fazit


Ich vergebe 3,5 Lesesterne (aufgerundet 4) für diesen Roman über eine junge Frau mit fremden Wurzeln und Bindungsängsten in der Gegenwart, die sich hier auf Spurensuche begibt und ihre Erinnerungen ausgräbt, um sie mit neuem Leben zu füllen. Sehr gelungen sind die kleinen, unscheinbaren Momentaufnahmen, die zahlreiche Differenzen zwischen Persien und Deutschland sichtbar machen. Auch sprachlich berührt das Buch, nur bleibt kaum etwas hängen, keine Assoziation, kein Wiedererkennen, kein Schmerz, keine Liebe, keine Endgültigkeit – seltsam unpersönlich bleibt der Text, fragil die Aussage und müsste ich das Buch mit Farben bewerten, so würde ich Grau wählen.

Veröffentlicht am 04.12.2018

Alte Freundschft strebt nach Gerechtigkeit

Ewige Schuld
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„Polizisten glauben gern, sie seien frei von all jenen verqueren Gefühlen, mit denen sich die weniger starken Menschen herumschlagen müssen. Sie beharren solange darauf, bis der Arzt kommt. Ich gehöre ...

„Polizisten glauben gern, sie seien frei von all jenen verqueren Gefühlen, mit denen sich die weniger starken Menschen herumschlagen müssen. Sie beharren solange darauf, bis der Arzt kommt. Ich gehöre auch dazu.“


Inhalt


Kate Burkholder, einst selbst Mitglied der amischen Gemeinde, muss in ihrem 9. Fall mit einer Geiselnahme fertig werden, ihr einstiger Jugendfreund Joseph King, hat sie und seine eigenen Kinder als Geiseln genommen, nachdem ihm der Ausbruch aus dem Gefängnis gelungen ist. Seiner Aussage zufolge saß er zwei Jahre unschuldig hinter Gittern, weil er den Mord an seiner Frau Naomi nicht begangen hat. Kate soll ihm aus dem Dilemma heraushelfen, indem sie den alten Fall erneut aufrollt und den wahren Mörder findet. Doch Joseph neigt zur Gewalttätigkeit, es gab mehrere Strafanzeigen wegen Trunkenheit und häuslicher Übergriffe, so dass Kate nicht mehr weiß, ob sie ihrem alten Freund vertrauen kann oder ob er wirklich der skrupellose Mensch geworden ist, der er ganz offensichtlich zu sein scheint. Erst als sie auf Ungereimtheiten in der alten Akte stößt, wird sie wirklich misstrauisch. Es fehlen wichtige Dokumente und die Beweislage ist überhaupt nicht lückenlos dokumentiert. Sie ermittelt auf eigene Faust weiter und nimmt das nachbarschaftliche Polizeirevier genauer unter die Lupe. Doch noch bevor sie auf verwertbare Beweise stößt, wird Joseph vom SEK erschossen, und alle anderen potentiellen Zeugen hüllen sich in Schweigen …


Meinung


Dies ist der mittlerweile neunte und damit auch aktuellste Fall der Kate-Burkholder-Reihe, mit dem die amerikanische Autorin Linda Castillo die Lebensweise der amischen Bevölkerung und ihre religiösen Überzeugungen literarisch mit einem spannenden Kriminalfall verbindet. In allen Büchern geht sie dabei auf die spezifischen Eigenheiten dieser Bevölkerungstruppe ein und zeigt immer wieder, dass es auch unter gottesfürchtigen Menschen viele dunkle Geheimnisse und mörderische Fallstricke gibt.

Da ich im Jahr 2018 die gesamte Buchreihe im Rahmen einer Challenge in chronologischer Reihenfolge gelesen haben, fällt ein Vergleich der Einzelbände möglicherweise anders aus, als wenn zwischen den einzelnen Büchern mehr Zeit vergangen wäre.

Auch in diesem Buch, kommt der erzählerische Charakter mehr zum Ausdruck und die Spannung wird zu Gunsten der Hintergrundgeschichte etwas flach gehalten. Es gelingt der Autorin dennoch, ihre Figuren sehr bildlich und informativ auszuschmücken, selbst wenn sich Vieles wiederholt und man als treuer Leser keine neuen Aspekte mehr entdecken kann. Der Plot ist in sich geschlossen, der Ausgang der Kriminalhandlung absehbar und dennoch unterhaltsam. Ich könnte für fast jeden Aspekt ein Plus und Minus anführen. Generell würde ich den ersten 6 Bänden der Reihe ein weit größeres Spektrum an Inspiration zuschreiben, als den danach folgenden, einfach weil die Gewöhnung einsetzt und damit irgendwo auch die Leseflaute.


Fazit


Ich vergebe 3,5 Lesesterne (aufgerundet 4) für den aktuellen Band dieser Kriminalreihe. Ein unterhaltsamer, leicht verständlicher Erzählstil, eine ambitionierte Polizistin und ihre eigene Vergangenheit werden hier leserfreundlich aufbereitet. Allerdings darf man nicht den absoluten Nervenkitzel erwarten oder andere innovative Entwicklungen im Rahmen eines Mordfalles. Alles scheint man so ähnlich bereits irgendwo gelesen zu haben, so dass sich diese Geschichte weniger grandios anfühlt und sich auch nicht ins Gedächtnis gräbt. Insgesamt beurteile ich die Reihe dennoch positiv, möglicherweise reizt sie mehr, wenn man zwischen den Einzelbänden einen längeren Zeitraum verstreichen lässt und sie dann wieder neu entdeckt.

Veröffentlicht am 04.12.2018

Die Vergangenheit - konserviert in einer Sammlung

Grabkammer
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„Was immer in dieser Kammer auf sie wartete, hatte die Männer verstört, und ihr Schweigen ließ sie zögern. Sie konnte nicht hineinsehen, aber sie wusste, dass etwas Abscheuliches dort in der Dunkelheit ...

„Was immer in dieser Kammer auf sie wartete, hatte die Männer verstört, und ihr Schweigen ließ sie zögern. Sie konnte nicht hineinsehen, aber sie wusste, dass etwas Abscheuliches dort in der Dunkelheit lauerte – etwas, das hier so lange eingeschlossen war, dass die Luft drinnen modrig und beklemmend wirkte.“


Inhalt


Josephine Pulcillo arbeitet in einem Museum für Archäologie in Boston in dem durch Zufall eine Mumie entdeckt wird und wenig später der mumifizierte Schädel einer anderen Frau, nachdem die Polizei den Keller des Hauses durchkämmt hat und auf Geheimgänge gestoßen ist. Schon bald steht fest, dass die Leichen längst nicht so alt sind, wie vermutet, sondern maximal seit einem viertel Jahrhundert zu den Toten zählen. Und wenig später erhält auch die junge Museumsmitarbeiterin eine deutliche Botschaft, sie schwebt in Gefahr, denn der gesuchte Mörder nimmt sie als Nächste ins Visier seiner grausigen Sammlung. Allerdings stellt Jane Rizzoli fest, dass es Josephine Pulcillo gar nicht mehr gibt, denn diese ist bereits vor zwanzig Jahren verstorben, und die Frau, die nun ihren Namen trägt scheint ein dunkles Geheimnis zu hüten und selbst auf der Flucht vor der Polizei zu sein? Ist sie Opfer oder Täterin und warum führen alle Spuren an einen Ausgrabungsort in der Wüste Ägyptens? Jane Rizzoli versucht Licht in das Dunkel zu bringen, doch dann findet man schon die nächste Leiche …


Meinung


In ihrem 7. Band der Rizzoli-Isles-Reihe unternimmt die amerikanische Autorin Tess Gerritsen einen Ausflug in die Ägyptologie, hin zu geheimnisvollen Ausgrabungsorten, rituellen Bestattungszeremonien und teuflischen Mördern, die von ihren Opfern regelrecht besessen sind. Prinzipiell gefällt mir dieser Ansatz durchaus, haben doch gerade Mumien und alte Skelette immer einen mystischen Anklang und verbinden historische Taten mit den Möglichkeiten der heutigen Technik. Doch leider empfinde ich den Mix in diesem Roman viel zu spannungsarm und weder sehr okkult noch sonderlich spektakulär.


Gerade in der ersten Hälfte des Buches habe ich mich sehr gelangweilt, selbst wenn man dort schon auf Josephine aufmerksam wird, da sie der Dreh- und Angelpunkt des jüngsten Verbrechens zu sein scheint, doch die diversen Möglichkeiten, gewisse Leichenteile zu konservieren dominieren die eigentliche Kriminalhandlung und lassen wenig Platz für aufschlussreiche Ermittlungen. Zwar gewinnt das Tempo im zweiten Teil des Buches und auch die Figurenzeichnung wird deutlicher, doch mit Herzblut und Nervenkitzel hat der Text immer noch nichts am Hut. Einzig die Protagonistin Josephine bleibt lange das Geheimnis, welches man zu verstehen versucht.


Ebenfalls unglücklich würde ich die Zusammenarbeit zwischen Jane Rizzoli und Maura Isles bezeichnen. Denn Zweitere nimmt hier kaum am Geschehen teil und wenn, dann nur aus der Sicht einer Frau, die den Opfern sehr ähnlich sieht, mit der Ermittlung selbst hat sie keine Berührungspunkte und tritt viel zu weit in den Hintergrund, einmal abgesehen von ihrer unglücklichen Liebe zum Priester Daniel Brophy. Innerhalb einer geschlossenen Reihe würde ich es begrüßen, wenn man auch gleich viel Neues von den Akteuren erfährt.


Fazit


Ich vergebe 3 durchschnittliche Lesesterne für diesen Roman, der mich trotz seiner verheißungsvollen Thematik eher enttäuscht hat. Es ist ein bisschen von allem und dennoch nichts, was mir lange in Erinnerung bleiben wird, insbesondere wegen der unglücklichen Kombination aus persönlichem Schicksal, historischen Hintergründen und organisierten, vertuschten Verbrechen. Eindeutiges Urteil: Kann man lesen (insbesondere, wenn man die Buchreihe verfolgt), muss man aber nicht.