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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.09.2025

Effekt verfehlt

Dr. No
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Percival Everett hat ein unglaubliches Talent, mit Worten umzugehen und tiefgründige Bedeutung dahinter zu verstecken. Mit "James" und "Die Bäume" hat er mir den Kopf gesprengt (im positiven Sinne), aber ...

Percival Everett hat ein unglaubliches Talent, mit Worten umzugehen und tiefgründige Bedeutung dahinter zu verstecken. Mit "James" und "Die Bäume" hat er mir den Kopf gesprengt (im positiven Sinne), aber diesmal war es zu viel.

Wala Kitu, eine Matheprofessor, der sich mti Theorien rund um das "Nichts" beschäftigt, wird von einem schwarzen Multimilliradär engagiert, um genau das zu tun. Das Nichts aus Fort Knox zu stehlen. Begleitet wird er dabei von seinem einbeinigen Hund, seiner hübschen Kollegin Eigen und Bösewicht-Girl Victoria.

Den James Bond-Effekt hat er perfekt eingefangen, keine Frage. Wir haben alles, was das Fan-Herz höher schlagen lässt. Vielleicht liest sich der Roman deshalb so ernüchternd, weil er die leere Hülle entlarvt, die er darstellt.

Daneben geht es um sehr viel (wortgewandtes) Nichts, das massive Kritik an Amerika, Rassismus, Klimaverbrechen und vielen mehr (von dene ich vermutlich nicht einmal die Hälfte zur Gänze wahrgenommen, geschweige denn verstanden habe).

Denn das ist irgendwie auch mein großes Problem mit diesem Buch: ich verstehe kaum die Hälfte von dem, was Herr Everett schreibt. Was normalerweise okay wäre, wenn mich der Rest unterhalten würde (auf irgendeiner Art und Weise) und ich am Ende nicht das Gefühl hätte, dass es so überhaupt keinen Unterschied gemacht hat, dass ich das alles nicht verstanden habe!

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Zerbrechlich wie Glas

A Dance of Lies
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Gerade im Bereich Romantasy, zu dem dieses Buch auf jeden Fall gehört, sucht man ja gerne mal vergeblich nach etwas neuem, frischen, das man so vorher noch nie gelesen hat. Auch Brittney Arena hat es gesucht ...

Gerade im Bereich Romantasy, zu dem dieses Buch auf jeden Fall gehört, sucht man ja gerne mal vergeblich nach etwas neuem, frischen, das man so vorher noch nie gelesen hat. Auch Brittney Arena hat es gesucht und zumindest in Teilen gefunden.

Mit ihrer Titelheldin Vasalie bekommen wir eine junge Tänzerin, deren Körper nach zwei Jahren Kerkerhaft schwer gezeichnet ist. Von ihrer Anmut und Eleganz ist nicht mehr viel übrig, was sie einsetzen kann, um den Forderungen ihres Kerkermeisters König Illian entgegenzukommen. Als seine Spionin soll sie die Zusammenkunft der Kronen infiltrieren und Aufgaben für ihn erfüllen. Bis zum Schluss bleibt fraglich, ob sie den Mut und die Kraft findet, sich gegen ihn zu behaupten.

Der Weltenbau ist detailiert beschrieben und bringt mit den verschiedenen Königreichen eine große Auswahl an Verbündeten und Gegnern mit. So bleibt viel Raum für Intrigen und Spielchen, was die Autorin auch zu meiner Zufriedenheit ausgekostet hat.

Für die groß angepriesene Liebesgeschichte mit verschiedenen Kandidaten bleibt dafür (für mich zum Glück) nicht ganz so viel Raum. Die Emotionen lassen sich Zeit und fließen eher im Subtext mit.

Ein wenig merkt man der Geschichte an, dass es eine Fortsetzung geben wird. Ich hoffe aber sehr, dass auch im Folgeband die großen Stärken der Tanzszenen und Glaskunst wieder zum Tragen kommen, ebenso wie die märchenhaften Fantasyelemente.

Die Reihe könnte groß sein, wenn sie sich mehr auf ihre Stärken verlassen würde.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

What if

Das Geschenk
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Gaea Schoeters hat mich letztes Jahr mit ihrem ersten auf Deutsch erschienenen Roman komplett umgehauen. Deshalb war mir sofort klar, dass ich an "Das Geschenk" nicht vorbeikommen werde. Und für mich ist ...

Gaea Schoeters hat mich letztes Jahr mit ihrem ersten auf Deutsch erschienenen Roman komplett umgehauen. Deshalb war mir sofort klar, dass ich an "Das Geschenk" nicht vorbeikommen werde. Und für mich ist ganz klar: sie hat es schon wieder getan!

Gekonnt nimmt sie eine witzige Schlagzeile und spielt damit ein Gedankenexperiment durch, das gleichzeitig unterhaltsam wie auch atemraubend und nachdenklich stimmend ist.

Was wäre, wenn die EU ein Abschussverbot für gefährdete Wildtierarten verhängt und der Präsident von Botswana Deutschland daraufhin 20.000 Elefanten schenken würde. Über Nacht tauchen die Dickhäuter plötzlich an der Spree auf und beginnen, die Haptstadt auf den Kopf zu stellen.

Frau Schoeters lässt die Politik mit wunderbar kreativen Ideen auf diese Ausnahmesituation reagieren, zeigt aber gleichzeitig auch politische Fallstricke und menschliche Abgründe auf. Mehr und mehr wird einem klar, dass dies kein rein fiktionaler Roman, sondern vielmehr eine Parabel auf unseren alltäglichen Umgang mit den Untiefen der Alltagskatastrophen ist. Genial!

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Augenöffnend

Wohin du auch gehst
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Mit Büchern in fremde Länder und Kulturen zu reisen, ohne dabei die Sicherheit des eigenen Sofas verlassen zu müssen, ist ein Privileg, das ich viel zu selten nutze. Bei diesem Buch würde ich es aber mehr ...

Mit Büchern in fremde Länder und Kulturen zu reisen, ohne dabei die Sicherheit des eigenen Sofas verlassen zu müssen, ist ein Privileg, das ich viel zu selten nutze. Bei diesem Buch würde ich es aber mehr als nur ein wenig empfehlen, denn es hat mir die Augen geöffnet, in mehr als einer Hinsicht.

Christina Fonthes erzählt die Geschichte von Mira und Bijoux, zwei Generationen einer Familie, die in den unruhigen Zeit der politischen Umwälzung Kinshasas versucht, ihren Weg zu finden und dabei über Umwege in London landet.

Nicht nur, dass wir mit diesen beiden Frauen eine Unmenge an Schicksalsschlägen verfolgen müssen, bekommen wir einen tiefen Einblick, was es heißt, als Frau in Kinshasa (und später Kongo) aufzuwachsen. Wie eng die Familienbande und -zwänge sind, die aus einer lebenslustigen, eigenwilligen Frau wie Mira, eine so gläubige, engstirnige Person zu machen.

Gerade diese krassen Brüche zwischen den verschiedenen Zeitebenen, auf denen wir die beiden Frauen beobachten, haben mich sehr beeindruckt. Insgesamt hat mich das Buch gepackt und mitgerissen und mich zum Schluss etwas zerstört wieder ausgespuckt.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Im Schatten lauern Abgründe

Schattengrünes Tal
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Kristina Hauff zeigt in ihren Büchern regelmäßig, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Das beweist sie auch mit ihem neuen Roman "Im Schattengrünen Tal".

Lisa und Simon führen eine ruhige Ehe, in die ...

Kristina Hauff zeigt in ihren Büchern regelmäßig, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Das beweist sie auch mit ihem neuen Roman "Im Schattengrünen Tal".

Lisa und Simon führen eine ruhige Ehe, in die Beziehung ist der Alltag eingekehrt und hat sich breit gemacht. Da kommt Daniela, die Neue in der Stadt, gerade recht. Nach und nach nimmt sie immer mehr Raum in Lisas Leben ein und stellt es gehörig auf den Kopf.

In bewährter Manier erzählt Frau Hauff die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Auch wenn Lisa die Hauptrolle zukommt, so lässt sie auch Simon, Lisas Vater und andere Figuren zu Wort kommen. So baut sie ein Psychokammerspiel auf, das zu fesseln vermag. Um genau zu sein kommen nach und nach verschiedene Themen und Probleme ans Licht, die mich emotional richtig mitgerissen haben.

Deshalb kann ich auch über die Schwächen hinwegsehen, die das Buch gerade zum Ende hin entwickelt. Die Auflösung war für mich einfach nicht ganz schlüssig und befriedigend.

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