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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.02.2026

Leichtgängig erzählt, aber das verbindende Glied fehlt

Unser Haus mit Rutsche
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Safia al Bagdadi erzählt in „Unser Haus mit Rutsche“ vom Familienleben der Ich-Erzählerin Layla – mit einem Ton, der zunächst leicht und spielerisch wirkt. Die kurzen Kapitel, versehen mit kleinen, oft ...

Safia al Bagdadi erzählt in „Unser Haus mit Rutsche“ vom Familienleben der Ich-Erzählerin Layla – mit einem Ton, der zunächst leicht und spielerisch wirkt. Die kurzen Kapitel, versehen mit kleinen, oft ironischen Titeln, tragen dazu bei, dass man angenehm durch die Episoden gleitet. Der Roman wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, was grundsätzlich für Dynamik sorgt, aber leider nicht immer zu einem klaren Gesamtbild führt.

Ich hatte beim Lesen das Gefühl, nicht wirklich nah an die Figuren heranzukommen. Laylas Familie blieb mir fremd, ihre Gedanken und Gefühle schienen nur angedeutet statt entfaltet. Besonders die Rückblenden wirkten wie lose Puzzleteile, die sich nicht zu einem übergeordneten Bild zusammenfügen wollten. Damit fehlte mir letztlich der rote Faden, der die vielen kleinen Beobachtungen zu einer emotionalen Erzählung verbindet.

Spannend fand ich jedoch die Passagen, in denen der Golfkrieg zur Sprache kommt – insbesondere die unterschiedlichen Haltungen innerhalb der Familie und Laylas Enttäuschung über die unerfüllten Träume ihres Vaters. Diese Momente gaben dem Buch Tiefe und gesellschaftliche Relevanz.
Schade nur, dass der Roman am Ende so abrupt abbricht, dass man etwas unzufrieden zurückbleibt.

Insgesamt ist „Unser Haus mit Rutsche“ leicht zu lesen, atmosphärisch interessant und stellenweise klug beobachtet – doch mir fehlte das verbindende Element, das alles zu einer wirklich berührenden Geschichte gemacht hätte.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Nicht so intensiv und tiefgehend wie erhofft

Das schönste aller Leben
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Betty Boras widmet sich in ihrem Roman „Das schönste aller Leben“ den Themen Schönheit, Herkunft und innerem Konflikt.
Im Mittelpunkt stehen zwei Frauenfiguren – Vio und Theresia –, deren Lebensgeschichten ...

Betty Boras widmet sich in ihrem Roman „Das schönste aller Leben“ den Themen Schönheit, Herkunft und innerem Konflikt.
Im Mittelpunkt stehen zwei Frauenfiguren – Vio und Theresia –, deren Lebensgeschichten durch Zeit und Generationen miteinander verwoben sind. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen: im 18. Jahrhundert im rumänischen Banat und in der Gegenwart in Deutschland.

Während Theresias Erzählstrang im Banat von Fremdheit, Entbehrung und der "Last" ihrer Schönheit geprägt ist, folgt man Vio zunächst als Kind, das ebenfalls aus dem Banat nach Deutschland kommt, und später als erwachsene Frau. Besonders der Gegenwartsstrang um Vio und ihre Tochter, die nach einem Unfall Narben im Gesicht davonträgt, bildet das emotionale Zentrum des Romans. Vios Fixierung auf die Schönheit ihrer Tochter und ihr Schuldgefühl verleihen der Erzählung zwar psychologische Tiefe, doch dominiert diese Perspektive allzu stark.

Der historische Teil um Theresia bleibt dagegen etwas blass. Vieles wird nur angedeutet, wodurch das reiche erzählerische Potenzial ungenutzt bleibt. Auch wirken die Figuren insgesamt zu wenig ausgearbeitet, um wirklich nachhaltig zu berühren.

Sprachlich ist der Roman durchaus eindringlich und atmosphärisch dicht, doch das Ende kommt etwas zu abrupt und hinterlässt den Eindruck, dass wichtige Fäden ungelöst bleiben. So entsteht das Gefühl, dass „Das schönste aller Leben“ mehr andeutet, als es tatsächlich entfaltet. Die von mir erhoffte Intensivität und Vielschichtigkeit blieb aus.

Ein Roman mit interessanter Grundidee und emotionalem Kern, der jedoch in der Figurenzeichnung und thematischen Tiefe hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Wilder Ritt ohne bleibenden Eindruck

Heaven's Gate
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Daniel Faßbenders „Heaven’s Gate“ ist wie ein schneller Ritt auf einer tropischen Welle: Kurz, rasant, aber alles spielt sich an der Oberfläche ab.

Ein Surfer als Hobby-Detektiv auf den Philippinen? Ist ...

Daniel Faßbenders „Heaven’s Gate“ ist wie ein schneller Ritt auf einer tropischen Welle: Kurz, rasant, aber alles spielt sich an der Oberfläche ab.

Ein Surfer als Hobby-Detektiv auf den Philippinen? Ist mal was anderes und sorgt für Neugier.
Caruso bedient dann leider viele Klischees.
Er ist pleite, liebt den Alkohol und die Frauen und glänzt weniger durch messerscharfe Logik als durch pures Stolpern in brenzlige Situationen.
Wer einen ausgewieften Ermittler sucht, sollte lieber woanders weitersurfen.

Zwischen korrupten Cops und Drogengeschäften rast die Handlung von einem Event zum nächsten. Das hält den Puls zwar oben, lässt aber die inhaltliche Tiefe am Strand zurück. Zum Finale hin wird dann der Turbo gezündet – die Plausibilität hat zu diesem Zeitpunkt das Buch allerdings schon längst verlassen.
Die Nebencharaktere bleiben dabei so blass, obwohl durchaus Potenzial für mehr durchaus vorhanden ist.

Ein kurzweiliger Surftrip ist "Heaven's Gate" allemal.
Wer echten Thrill und Logik erwartet, geht jedoch baden; wer einen anspruchslosen, temporeichen Snack für zwischendurch sucht, kann sich in die Wellen stürzen.
Nette Strandlektüre, mehr aber auch nicht.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Genre-Mix mit Licht und Schatten

Ein Pakt aus Asche und Blut
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Sabine Riedels Roman "Ein Pakt aus Asche und Blut" bietet einen kurzweiligen Mix aus Historie, Fantasy und Thriller, hinterlässt bei mir jedoch einen gemischten Eindruck.

Zunächst zum Schreibstil:
Dieser ...

Sabine Riedels Roman "Ein Pakt aus Asche und Blut" bietet einen kurzweiligen Mix aus Historie, Fantasy und Thriller, hinterlässt bei mir jedoch einen gemischten Eindruck.

Zunächst zum Schreibstil:
Dieser ist angenehm flüssig, auch wenn manche Formulierungen etwas zu blumig und ungelenkt geraten sind.

Zum Inhalt:
Die Erzählung setzt auf ein dynamisches Wechselspiel zwischen den Zeitebenen: Während man im Jahr 1460 tief in die Welt von Helen und Anna eintaucht, werden Cat, Melanie und Mike in der Gegenwart von den Schatten der Vergangenheit eingeholt.
Dieser Kontrast sorgt anfangs für eine hohe Spannungskurve, wobei der historische Handlungsstrang erzählerisch und atmosphärisch deutlich mehr Gewicht besitzt als der in der Gegenwart. Doch wo der Roman mit packender Mystik und Zauberbeschwörungen stark beginnt, verliert er zusehends an erzählerischer Schlagkraft. Besonders die Gegenwartsebene wirkt im weiteren Verlauf zu konstruiert und lässt die nötige inhaltliche Tiefe vermissen.
Das überhastete Finale verstärkt diesen Eindruck leider, da viele Fragen ungeklärt bleiben und die Charaktere – allen voran Melanie – für mich bis zuletzt blass und unnahbar blieben.

Es ist von allem etwas dabei, doch Thrill, Fantasy und Historie verbinden sich für mich jedoch nicht wirklich zu einem überzeugenden Ganzen.
Ein ambitionierter Genremix ist "Ein Pakt aus Asche und Blut", der stark startet, dem aber zum Finale leider die Luft ausgeht.

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Hochspannung mit politischer Schlagkraft

Oxen. Interregnum
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Mit „Interregnum“ legt Jens Henrik Jensen den mittlerweile siebten Band seiner Erfolgsreihe um den dänischen Ex-Soldaten Niels Oxen vor. Dem Autor gehen hierbei die Ideen für fesselnde und erschreckend ...

Mit „Interregnum“ legt Jens Henrik Jensen den mittlerweile siebten Band seiner Erfolgsreihe um den dänischen Ex-Soldaten Niels Oxen vor. Dem Autor gehen hierbei die Ideen für fesselnde und erschreckend realistische Politthriller noch lange nicht aus.

Niels Oxen und die Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck finden sich erneut in einem Netz aus Intrigen wieder, das weit über die Grenzen Dänemarks hinausreicht. Der Roman greift brandaktuelle politische Entwicklungen auf – von chinesischen Spionageaktivitäten bis hin zu den Auswirkungen des Ukraine-Krieges – und verwebt diese zu einem Szenario, das durch seine Realitätsnähe beunruhigt. Während die nationale Sicherheit auf dem Spiel steht, muss Oxen sich gleichzeitig den Herausforderungen in der Beziehung zu seinem Sohn Magnus stellen, was der harten Thriller-Handlung eine emotionale Ebene verleiht.

Durch die bewährte Erzählweise aus verschiedenen Perspektiven und die gewohnt kurzen Kapitel kommt von der ersten Seite an hohe Spannung auf. Zahlreiche Überraschungsmomente sorgen dafür, dass man nur schwer mit dem Lesen aufhören kann.

Der private Handlungsstrang rund um Oxen und seinen Sohn Magnus kann auch überzeugen und sorgt für emotionale Nähe zu Oxen.

Ein kleiner Wermutstropfen ist das Tempo im Mittelteil. Nach dem starken Anfang wird hier spürbar Fahrt herausgenommen, wodurch der Erzählfluss zeitweise etwas ins Stocken gerät.
Zudem wirken manche Bemerkungen zu gesellschaftlichen Entwicklungen sowie Margrethe Francks „Liebesleben“ im Vergleich zu den hochrealistischen politischen Verwicklungen etwas gezwungen und weniger authentisch.

Trotz der kleinen Längen im Mittelteil tut dies dem Lesegenuss und der generellen Spannung keinen Abbruch. „Oxen. Interregnum“ ist ein gewohnt packender Politthriller, der durch seine Aktualität besticht. Für Fans der Reihe ist dieser Band ein absolutes Muss und ein Beweis dafür, dass die Serie auch nach sieben Bänden nichts von ihrer Relevanz verloren hat.

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