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Veröffentlicht am 08.12.2025

Empfehlenswert zur Advents- und Weihnachtszeit

Sallys Weihnachtsbäckerei
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Auch wenn ich wahrlich nicht oft in der Koch- und Backwelt in Social Media unterwegs bin, so war mir Sally Özcan schon vor ihrer Teilnahme bei „Let’s Dance“ ein Begriff und der sympathische Eindruck aus ...

Auch wenn ich wahrlich nicht oft in der Koch- und Backwelt in Social Media unterwegs bin, so war mir Sally Özcan schon vor ihrer Teilnahme bei „Let’s Dance“ ein Begriff und der sympathische Eindruck aus ihren Videos hat sich dann bei ihrem Tanzausflug auf jeden Fall bestätigt. Dementsprechend war ich bei „Sallys Weihnachtsbäckerei“ sofort neugierig. Auch wenn es schwer ist, diesen Bereich neu zu erfinden, so bin ich doch immer überrascht, dass es doch immer noch was Neues zu entdecken gibt und so war ich neugierig, was wohl Sally für uns parat hat.

Ich finde den Aufbau des Buchs zunächst mal gelungen. Man merkt deutlich, dass sich das Backbuch an ein bereits Publikum richtet, denn es gibt zunächst ein 1×1 des Plätzchenbackens. Das war für mich nicht relevant, aber ich kann mir vorstellen, dass es gerade für Anfänger angenehm ist, so eine praktische Übersicht an Tipps und Tricks zu haben. Nach Grundrezept für Mürbeteig und Baiser geht es dann an die eigentlichen Rezepte. Auch hier ist die beabsichtigte inhaltliche Breite zu erkennen, denn es gibt viele Klassiker, genauso wie eher selten zu findende Rezepte. Dazu gibt es eine Einteilung in Ausstechplätzchen, Plätzchen ohne Ausstechen und zuletzt dann Gebäck, abseits von Plätzchen also Rezepte, die weihnachtlichen Hauch verströmen.

Die optische Gestaltung hat mir gut gefallen. Die Bilder geben einen guten Eindruck des Gebäcks, mit einer guten Inszenierung wird auch jeweils Atmosphäre ausgestrahlt. Vorab sind kleine Icons vorgestellt worden, die sich in jedem Rezept finden lassen. Sie sind auch selbsterklärend, weil es um Backzeit, Ofentemperatur, Stückzahl etc. geht. Aber es ist gut, das so optisch so kompakt gleich erfassen zu können. Auch wenn ich bei den von mir ausprobierten Plätzchen nicht überfordert wurde, so fällt auch hier auf, dass Zwischenschritte nicht fotografiert sind. Das finde ich aber echt nicht schlecht, weil es zwischendurch einem das Gefühl geben kann, auf dem richtigen Weg zu sein. Bei simplen Gebäcken ist das nicht nötig, aber der Schwierigkeitsgrad ist natürlich unterschiedlich.

Ich habe zwei Rezepte ausprobiert, die ich so oder so ähnlich kannte. Das waren zum einen die Zimtsterne und zum anderen Haferflockenplätzchen. Bei Letzterem war das Rezept schon deutlich unterschiedlich, vor allem dann mit der Schokoladen-Tunke. Ich habe es gerne mal ausprobiert und würde sogar behaupten, dass ich vielleicht für immer umsteigen würde, weil mir Sallys Rezept toll gefallen hat und gerade die Mischung aus feinen und kernigen Haferflocken gut etwas für die Textur tun. Bei Zimtstern-Rezepten habe ich oft schon Ärger gehabt, weil ich immer noch so viel gemahlene Nüsse zugeben musste, dass die ursprüngliche Angabe weit überschritten wurde. Hier haben die Angaben aber wunderbar gepasst. Der Mandellikör war ein nettes Gimmick, was vielleicht ebenfalls geholfen hat, aber ich war sehr begeistert, dass es mich diesmal keine Nerven gekostet hat.

Neu habe ich Lemon Curd Plätzchen kennengelernt. Ich kenne diesen speziellen Aufstrich eigentlich nur mit Scones, aber es ist auch für Plätzchen eine tolle Idee und auch optisch haben sie mir sehr gefallen. Das wird definitiv auf meiner dauerhaften Liste bleiben. Mit Mohn habe ich in der Weihnachtsbäckerei noch nie gearbeitet, das war also auch ein interessanter Input. Zudem ist es die helle Variante der sehr beliebten Crinkle-Cookies. Ich bin hier mit dem Mohn etwas abgewichen, weil ich keinen gemahlenen genommen habe, weil ich noch Mohn Fix offen hatte. Das hat aber auch wunderbar funktioniert und durch die sonstige Zitronennote war auch ein tolles Gegengewicht hergestellt. Eine tolle Ergänzung zu den Crinkle-Cookies, wenn hier der Effekt bei der hellen Variante mit dem Puderzucker nicht ganz so toll funktioniert. Dafür kann aber das Rezept nichts.

Beim Gebäck habe ich auch noch zwei Sachen ausprobiert. Das wäre zum einen die Giotto Biskuitrolle. Mit dem Pflaumenmus wurde eine tolle Füllung für die Biskuitrolle gefunden und die Creme mit Giotto hat ein schönes geschmackliches Gegengewicht gegeben. Ein absoluter Geheimtipp für die Kaffeetafel. Abschließend habe ich noch die Schneebälle ausprobiert. Durch eine Hochzeit in der Familie war noch einiges an Biskuitteig eingefroren. Ich hatte schon die klassische Schoko-Variante gemacht, aber auch die Schneebälle hier sind absolut zu empfehlen. Sie sehen gerade zu Weihnachten toll aus, sind aber wegen Kokos sicherlich auch für den Sommer nicht schlecht. Insgesamt sieht man, dass ich bei allen Rezepten sehr mit der Zutatenauswahl und dann auch den Beschreibungen zufrieden war. Es hat alles geklappt und geschmacklich war es auch das, was ich mir erhofft hatte.

Fazit: „Sallys Weihnachtsbäckerei“ ist absolut zu empfehlen, sowohl für Anfänger (weil viele Tricks und Klassiker), als auch für erfahrene Bäcker, die noch Neues entdecken können. Die Aufmachung ist optisch top und atmosphärisch und alles von mir Ausprobierte ist empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 05.12.2025

Arbeitsplatz-Romantik

Mornings in Boston - The Stories We Tell
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Auch wenn es für Anna Lane bei Lyx nicht die erste Reihe ist, so ist die „Love on Air“-Reihe nun meine erste Begegnung mit ihr. Ich selbst bin zwar keine Zuschauerin von Morning-Shows, die es ja auch in ...

Auch wenn es für Anna Lane bei Lyx nicht die erste Reihe ist, so ist die „Love on Air“-Reihe nun meine erste Begegnung mit ihr. Ich selbst bin zwar keine Zuschauerin von Morning-Shows, die es ja auch in Deutschland gibt, aber ich finde es immer gut, wenn man ein so klares Setting hat, bei dem man unterschiedliche Geschichten entwickeln kann. Deswegen war der Reiz groß, mit dieser Reihe Lane mal kennenzulernen.

Mein Eindruck zu „The Stories We Tell“ hat sich schnell verfestigt und dann bis zum Ende auch nicht mehr aufgelöst. Für mich fehlte einfach ein gewisser Funke. Nichts war schlecht, aber es war auch nichts für mich richtig positiv herausstechend. Deswegen habe ich an dem Buch auch länger gelesen, als ich ursprünglich gedacht hätte. Alle Ansätze waren gut, aber überall hätte es auch noch eine Schippe mehr drauf sein können. Das fängt zunächst beim Setting an. Wie gesagt, die Idee fand ich super und ich sehe auch genug Potenzial, dass ich in den zweiten Band auch in jedem Fall reinlesen werde. Ich fand vor allem den Konkurrenzkampf gut umgesetzt, gerade weil es in der Branche nicht viele Stellen gibt, sodass es schnell ein Hauen und Stechen werden kann. Ich fand es auch immer gut, wenn wir konkrete Arbeitsplatzsituationen hatten. Wie beispielsweise die erste Show von Penelope und Connor oder auch später die Situationen mit der speziellen Woche in der Hütte. Aber man hat gemerkt, dass sich der Fokus schnell weg davon geschoben hat und viel mehr auf der privaten Ebene erzählt wurde. Das ist nicht verwerflich, aber ich bin überzeugt, dass man Privates und Berufliches konkreter miteinander verknüpfen konnte. Gerade das Trauer-Thema, was sehr dominant ist, hätte einen Beitrag inspirieren können.

So gab es Andeutungen, aber nicht den richtigen roten Faden. Dabei fand ich es gerade am Anfang beeindruckend, dass Penelope gleich so resolut mit ihrer Interviewführung vorgestellt wurde. Sie schreckt nicht vor Unangenehmem zurück und deswegen dachte ich schon, dass da was werden kann, aber wir haben Connor und Penelope letztlich zu wenig an der Schnittstelle als Journalisten und Moderatoren erlebt. Charakterlich fand ich beide völlig okay. Connor ist zunächst der Bremsklotz, absichtlich, aber da das angedeutete Mysterium schnell klar war, hatten wir die andere Seite von Connor und die kam ja auch schnell immer deutlicher hervor. Ich fand letztlich seine individuelle Geschichte auch stärker, weil seine Patchwork-Familie und die daraus entstehenden Problem greifbar und zum Mitfiebern waren. Bei Penelope war es mir zu einseitig mit ihrer Trauer. Das Ungleichgewicht, aber auch stilistische Entscheidungen haben aus der Chemie des Paares leider keine richtige Sehnsucht für mich entstehen lassen. Das habe ich schon früh gemerkt, weil Enemies to Lovers nicht richtig funktionierte und dann gab es oft Zeitsprünge in der Handlungsentwicklungen, sodass es auch kein Slow Burn wurde. Es war mir zu überhastet, wie es zwischen den beiden voranschritt. Es gab Szenen, die habe ich echt gerne gelesen, aber insgesamt unterstreicht es meinen ersten Eindruck, von allem gerne noch etwas mehr.

Wo aber was ist, da kann auch noch mehr draus werden und deswegen sehe ich hoffnungsvoll auf die Reihe von Lane. Wir haben schon Andeutungen zur nächsten Paarung und da möchte ich gerne mal gucken, wie es sich ausgestaltet.

Fazit: „Mornings in Boston – The Stories We Tell” hat mich mit dem Setting gereizt und mich letztlich auch auf einer soliden Basis überzeugt. Aber in allen Bereichen war noch Potenzial nach oben da. Wie kann die Show besser eingebunden werden, wie verknüpfe ich persönliche Entwicklung mit beruflicher Herausforderung, wie erzeuge ich Chemie beim Paar? Da war noch was drin und ich bin optimistisch, dass Anna Lane das drauf hat.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Spannendes Hin und Her

Rebel Witch. Der rote Nachtfalter, Band 2
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Nachdem mir „Heartless Hunter“ von Kristen Ciccarelli so gut gefallen hat, wollte ich mir den Abschlussband, „Rebel Witch“, nicht lange nach Erscheinung entgehen lassen. Ich habe wieder zum Hörbuch gegriffen, ...

Nachdem mir „Heartless Hunter“ von Kristen Ciccarelli so gut gefallen hat, wollte ich mir den Abschlussband, „Rebel Witch“, nicht lange nach Erscheinung entgehen lassen. Ich habe wieder zum Hörbuch gegriffen, weil Henriette Schreurs und Moritz Frinberg für mich Rune und Gideon so gut verkörpert haben, dass ich es auch so beenden wollte.

Der erste Band hat mich vor allem gereizt, weil beide Figuren gegenüber einander Skepsis empfunden haben und auch gegeneinander gearbeitet haben, aber dennoch etwas zwischen ihnen entstanden ist, was einen tollen Sog entwickelt hat. Für Band 2 war natürlich die Frage, kann diese Erzählweise erhalten bleiben? Wenn ja, funktioniert sie auch dann? Und wenn die Autorin sich für einen ganz anderen Hergang entschieden hat, wie würde das klappen? Ich war schon echt sehr gespannt, wie sich Band 2 aufbauen lässt, gerade nach dem Ende von Band 1. Die Antwort ist, die Zutaten aus Band 1 bleiben erhalten und ich war schon froh drum. Gerade durch die Ausgangssituation für den Abschluss ließ es sich gut durchziehen, dass Gideon und Rune wieder auf völlig unterschiedlichen Seiten stehen und gegeneinander arbeiten. Doch letztlich haben wir mit Cressida eine Figur, die nun im Licht agieren kann und sich zu einer Antagonistin entwickelt, die so einer Reihe verdammt gut tut. Ich finde sie furchtbar, sie ist kaum zu ertragen, aber sie ist wichtig, um die Handlung mit all ihren Wendungen zu erklären. Ich musste ein bisschen daran denken, dass Cressida ähnlich wie Jonathan Randall aus der „Outlander“-Reihe wirkt und das erklärt sicherlich viel, für jeden, der die Reihe kennt.

Denn sie ist auch der Grund, warum Rune und Gideon letztlich wieder in Kontakt kommen. Auch wenn Rune durch Gideon Seiten von Cressida erkennt, die sie verurteilt, so steht sie gleichzeitig für eine Chance für Hexen in Freiheit und es war daher mitreißend zu erleben, wie in Rune zwei Herzen schlugen, für was sie sich entscheiden soll. Es war auch in der Erzählung geschickt gemacht, dass wir in das Gefühlschaos von beiden Figuren intensiv gucken konnten und dass trotzdem manche Entscheidungen außen vorblieben, sodass wir dann überrascht wurden. Manchmal nervt mich das, wenn es bei anderen Büchern passiert, weil ich dann das Gefühl habe, es wirkt durch Geheimnisse künstlich. Das kann ich hier keinesfalls behaupten. Hier ist es einfach clever und gut gemacht. Zumal so auch die Chemie zwischen Rune und Gideon funktioniert. Denn gerade durch das, was wir nicht sofort erfahren, werden manche Szenen noch intensiver und schöner.

Was für mich an diesem zweiten Band aber schwierig ist, das ist das immer wieder aufkommende Rätsel, reichen nicht auch mal Dilogien anstatt von Trilogien? Ich bin eigentlich absolut dafür, aber die von Ciccarelli erschaffene Welt hat sich doch reicher als das herausgestellt, was hier nun angeboten wurde. Man hat sich in Band 1 unweigerlich mit den Hexen solidarisiert, weil sie in Gefahr leben. In Band 2 wiederum wandelt sich das Bild, weil mit Cressida ein schlimmes Exemplar die Macht an sich gerissen hat. Wir haben also komplette Gegensätze. Und was soll ich sagen: Da sagt meine Intuition, dass ein dritter Band dann genau richtig gewesen, um eine Balance zwischen den beiden Seiten herzustellen. Als ich „Rebel Witch“ als Hörbuch gestartet habe, hatte ich nicht mehr im Kopf, wie viele Bände geplant sind, aber irgendwann hat sich doch deutlich gezeigt, dass es ins Finale geht und da muss ich einfach sagen, dass diese Vermittlung zwischen lange verfeindeten Seiten zu simpel gehalten wurde. Man würde sich wünschen, es wäre so einfach, gerade angesichts der ganzen Konflikte in der Welt, aber das ist es nicht und Ciccarelli hätte sich selbst übertreffen können, indem sie das noch richtig angegangen wäre.

So wirkte es am Ende zu einfach und zu lapidar. Deswegen sind letztlich auch zwei Antagonisten, neben Cressida noch jemand, am Ende relativ schnell abgearbeitet worden, weil es Raum brauchte, um mal eben die Weltordnung umzustoßen. Natürlich hätte man nicht nur eine inhaltliche Annäherung erzählen können, aber es ist auch nicht meine Aufgabe, was man noch hätte machen können. Aber um die Magie noch mehr zu verstehen etc., da war genug Potenzial da. Ich würde so einen dritten Band sicherlich nicht leichtfertig einfordern. Unterm Strich war es aber eine Reihe, die mich mit einer frischen Prämisse überzeugen konnte.

Fazit: „Rebel Witch“ war erneut ein wildes Abenteuer, das die clevere Erzählweise aus Band 1 wieder aufgreift und wieder funktioniert. Das Hin und Her zwischen Gideon und Rune ist einfach voller Sog. Gleichzeitig bleibt aber Bedauern, dass es sich die Autorin am Ende doch etwas einfach gemacht hat. Ein dritter Band wäre eigentlich fast schon sinnvoll gewesen.

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Veröffentlicht am 27.11.2025

Wieder versöhnt

Ember King
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Mit „Ember King“ von Marie Niehoff findet die Dragenbound-Reihe ihr Ende. Nach dem ersten Band wäre ein Wunsch gewesen, dass es gerne ewig so weitergehen kann. Dann kam aber Band 2, der für mich viel zu ...

Mit „Ember King“ von Marie Niehoff findet die Dragenbound-Reihe ihr Ende. Nach dem ersten Band wäre ein Wunsch gewesen, dass es gerne ewig so weitergehen kann. Dann kam aber Band 2, der für mich viel zu einseitig eine Liebesgeschichte erzählt hat und dabei völlig vergessen hat, auch die Handlung voranzutreiben. Das war also Ernüchterung. Aber mir war klar, dass ich die Reihe sauber beenden will. Kann mich „Ember King“ also wieder mit der Reihe versöhnen?

Ich beantworte es gleich vorweg: Ja, ich wurde versöhnt. Zwar ist auch wieder nicht der Zauber von Band 1 erzeugt worden, aber das ist nach so einem schwachen Zwischenband auch echt schwierig. Zumal die Bücher auch echt gleichmäßig veröffentlicht wurden, sodass es sich erst recht wie aus einem Guss anfühlte und da verschwanden die Eindrücke aus Band 2 nicht einfach. Dennoch ist der große Kritikpunkt nicht noch einmal zu wiederholen. Denn diesmal stand die Handlung klar im Vordergrund und die Liebesgeschichte war deutlich mehr zurückgestellt. Als sie dann wieder mehr in den Fokus rücken kann, passiert das dennoch nicht so, wie es zuvor in dem Band war. Da war ich doch sehr dankbar, weil Yessa und Cassim so auch reifer und erwachsener miteinander wirkten. Und weil man umgekehrt merken konnten, dass sie sich einem Endziel verschrieben hatten, und nicht nur der Zweisamkeit.

Eins bleibt aber schade. Das World Building war in Band 1 sehr eng gehalten und da hat es auch wunderbar funktioniert, weil man wusste, es kommt ja noch was. Durch die enge Fokussierung auf Yessa und Cassim in Band 2 kam da aber auch nicht wesentlich mehr. Band 3 ist da schon am größten erzählt, ohne Frage, aber Ylving als Antagonist bleibt eine Präsenz im Off. Wir haben zwar eine dritte Perspektive, die ich aus Spoilergründen hier nicht näher benennen würde, aber ich hätte darauf sofort verzichtet, wenn wir einfach nicht immer nur erlebt hätten, wie Ylving es sich gemütlich macht und andere die Konfrontation suchen lässt. Wäre er ein richtiger Antagonist gewesen, dann hätte man das richtig ausbauen müssen. So haben Yessa und Cassim für mich eher keine unbekannte Größe agiert. Dabei lebt gerade Fantasy auch von einem Antagonisten, der einem idealerweise den Atem raubt. Obwohl Cassim Ylving sehr nah kennengelernt hat, aber auch davon bekommen wir recht wenig vermittelt. Da waren so einige andere Widersacher, die nicht dessen Macht haben, doch deutlich bedrohlicher.

Ansonsten bin ich aber doch sehr zufrieden, wie Band 3 erzählt wurde. Yessa musste viel für sich alleine agieren, aber so musste und konnte sie sich noch einmal anders beweisen. Wir haben zudem eine Splittung des Geschehens im Camp und bei den Rebellen gehabt. So haben alle nochmal einen Anteil gehabt und die Welten verschwammen so besser. Mir hat auch sehr gefallen, dass wir ganz neue Teamdynamiken angeboten bekommen hat. Man hat Charaktere, die nur kleinere Auftritte bis dato hatten, näher kennengelernt und sogar noch überraschend lieb gewonnen. Es gab auch noch ein paar enthüllte Geheimnisse, es gab gerade am Ende viele heroische Momente, die zwischen Spannung, Grausamkeit, Emotionen und doch auch Freude geprägt waren. Da waren die Rezepturen aus Band 1 dann deutlich zu spüren. Das zeigt mir im Nachhinein auch, dass die ganze Reihe großartig hätte werden können. Aber man lernt mit seinen Aufgaben.

Fazit: „Ember King“ hat für mich zum Glück die Dragenbound-Reihe von Marie Niehoff versöhnlich zu Ende gebracht. Der große Knackpunkt aus Band 2 wurde genau umgekehrt. Zwar bleibt der große Böse nicht die Präsenz, die es bräuchte, aber trotzdem gab es noch genug Charakterentwicklung, viele Entwicklungen allgemein und ein episches Ende.

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Veröffentlicht am 26.11.2025

Überzeugendes Fantasydebüt

Heir of Illusion
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2025 ist wohl das Jahr, in dem ich seit Ewigkeiten wohl so viel Fantasy wie nie gelesen habe. Ich habe aber auch einige Reihen entdeckt, bei denen ich sehr gut mitkomme und mich für meine Verhältnisse ...

2025 ist wohl das Jahr, in dem ich seit Ewigkeiten wohl so viel Fantasy wie nie gelesen habe. Ich habe aber auch einige Reihen entdeckt, bei denen ich sehr gut mitkomme und mich für meine Verhältnisse sehr gut eindenken kann. Dank fehlender Vorstellungskraft ist kompliziertes World Building schon herausfordernd. Aber je mehr man liest, desto mehr leichter kommt man generell zurecht. Bei „Heir of Illusion“ war es nun einfach das Cover, das mich angezogen hat und so habe ich einfach mal reingelesen.

Es ist der Durchbruch von Madeline Taylor, der zunächst per Self-Publishing erschienen ist, ehe dann international immer mehr Verlage zugeschlagen haben. Ich muss auch sagen, dass man es der Autorin nicht anmerkt, dass sie zumindest öffentlich noch sehr unerfahren ist. Stattdessen bringt sie genau das, was ich oft bei Fantasy beobachte: eine komplizierte Einstiegsszene, die ich erstmal richtig sortieren und verstehen musste. Ich habe schon etwas Bauchgrummeln bekommen, weil ich befürchtete, gleich am Anfang den Anschluss zu verlieren. Letztlich hat sich das aber überhaupt nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Im Nachhinein ist es fast lächerlich, was ich für Sorgen hatte, denn ich war irgendwann einfach in der Geschichte drin und dann fügte sich auch alles zusammen. Es hat für mich letztlich auch den Grundton der Reihe gut erklärt. Mit Ivy als Assassine ist schon klar, dass es düster ist, aber die Geschichte ist allgemein sehr ernst, brutal und definitiv nicht cosy. Dementsprechend passt die Anfangsszene dann auch, denn man stößt sie gleich an der Inszenierung, aber kann dann auch schnell entscheiden, ob es etwas für einen ist.

Ich fand Ivy als Protagonistin sehr interessant. Wir haben immer mal Flashbacks, die klar machen, dass es einiges aus ihrer Vergangenheit gibt, was wir erst noch erfahren müssen. Aber es ist klar, dass sie durch das Halsband eine Gefangene ist, die dennoch alles ausreizt, um ihrer eigenen Moral nachgehen zu können. Dementsprechend ist sie sehr mutig. Ihre Fähigkeiten geben ihr natürlich auch gewisse Freiheiten und dennoch ist sie in ständiger Gefahr. Allgemein ist der Fantasy-Anteil nicht extrem ausgeprägt, zumal es auf allen Inseln (auf denen verschiedene Fähigkeiten dominieren) genug Menschen gibt. Aber die High Fae sind jetzt nicht so deutlich von anderen abgesetzt, was das Verständnis auch nicht kompliziert gemacht hat. Wir lernen auch relativ wenig von den anderen Inseln; hier könnte ich mir vorstellen, dass es auch für die Folgebände aufgespart wird. Mit dem Cliffhanger wird das sogar sehr wahrscheinlich. So verharren wir auf der Insel der Illusion und die Welt ist da relativ klein gedacht, aber das hat nichts von der Faszination weggenommen.

Denn mich hat „Heir of Illusion“ vor allem damit überzeugen können, dass die Mischung aus Action, ruhigeren, nachdenklichen Momenten, und dem Vorantreiben der Liebesgeschichte stimmte. Für mich sind einige Bände ähnlicher Reihen zuletzt bitter aufgestoßen, wenn man den Eindruck bekommen hat, dass es nur darum geht, wie zwei Figuren umeinander herumschwänzeln und alles um einander herum vergessen. Das ist mir zu wenig, dafür lese ich Liebesromane, aber keine Fantasy. Dementsprechend ist das hier gut gewählt. Es ist eher eine Slow Burn-Entwicklung zwischen Ivy und Thorne, die genug Raum gibt, dass sich beide Figuren auf Augenhöhe begegnen können. Thorne ist durch seine Fähigkeiten auf eine Art überlegen, aber sie kann sich dennoch als erzwungene Missionspartnerin beweisen und sich so seinen Respekt verdienen. Denn das ist auch der Unterschied zu Baylor als König der Insel, der zwar auch um ihre Fähigkeiten weiß, diese sich aber nur zunutze machen will. So wird ein gutes Gegengewicht gefunden.

Ivys Vergangenheit ist es dann vor allem, durch die wir die ruhigeren Momente bekommen. Es ist eine herzzerreißende Geschichte, die mit jedem Puzzleteil mehr Nähe zu ihrer Figur erzeugt. Es ist auch gut, dass Thorne an diesen Momenten teilhaben kann und sich selbst öffnet. Wir haben seine Perspektive nicht, deswegen erfahren wir zu ihm deutlich weniger, aber es gibt einschneidende, wichtige Momente, durch die wir ihn kennenlernen. Aber seine Rolle wird hoffentlich in Band 2 noch mehr Gewichtung bekommen. Bei den spannenden, actiongeladenen Szenen muss ich dann ein wenig Kritik anbringen. Manchmal wurde nicht ganz klar, was jeweils das Handlungsziel war. Gerade die erste gemeinsame Suche von Ivy und Thorne war etwas seltsam. Sie war spannend erzählt, ich bin nicht abgeschweift, aber ich hatte viele Fragezeichen. Danach hatte ich dann öfters mal das Gefühl, dass der Antrieb nicht immer konsequent verfolgt wurde. Stattdessen ist trotzdem Spannendes passiert, aber das waren Stellen, an denen habe ich eingehakt. Ich glaube auch, dass es einige logische Lücken gab, aber hier lasse ich die Unerfahrenheit von Taylor gerne gelten. Zumal wir umgekehrt einige gute Drehungen und Wendungen bekommen. Gerade mit dem Cliffhanger wird auch klar, dass es in Band 2 eigentlich erst richtig losgeht und so muss man auch erstmal die erste Zielgerade treffen.

Fazit: „Heir of Illusion“ hat zwar eine komplexe Szene zum Einstieg, aber danach war ich schnell am Haken. Ich mochte die Mischung aus allen Elementen, gerade weil die Liebesgeschichte nicht zu dominant wurde. Es gab zwar manchmal gewisse Lücken und unlogische Zwischenschritte, aber es hat mich im Lesefluss nicht gestört. Ich wurde immer wieder eingefangen und gerade das Ende ist richtig stark und macht Lust auf mehr.

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