Hyacinth hatte Besseres verdient
Bridgerton - MitternachtsdiamantenNachdem Violet Bridgerton schon drei Töchter unter der Haube hat, fehlt mit dem jüngsten Sprössling, Hyacinth, nun noch die Letzte. Sie findet nun in „Mitternachtsdiamanten“ ihr Happyend. Und wie fällt ...
Nachdem Violet Bridgerton schon drei Töchter unter der Haube hat, fehlt mit dem jüngsten Sprössling, Hyacinth, nun noch die Letzte. Sie findet nun in „Mitternachtsdiamanten“ ihr Happyend. Und wie fällt dieses aus?
Wenn man die Figuren Hyacinth und Gregory sowohl zwischen den Seiten als auch in der „Bridgerton“-Serie als Kinder hat aufwachsen sehen, dann ist es schon etwas merkwürdig, sich vor Augen zu führen, dass sie alt genug sind, um ihre eigene Geschichte zu erzählen. Bei der Buch-Hyacinth war es in jedem Fall sehr unterhaltsam zu erleben, wie sie viel von ihren Schwestern in sich trägt. Sie ist sehr neugierig, sie ist nicht auf den Mund gefallen, sie ist mutig und trotzdem sucht sie wie die meisten Frauen in dieser Zeit ihre individuelle Rolle. Da sie in der Serie immer mehr inszeniert wurde, als könnte sie das Eheleben kaum erwarten, war es angenehm, eine Hyacinth zu erleben, die einer Ehe gegenüber nicht abgeneigt ist, die aber auch für sich die beste Wahl treffen will.
Dem gegenüber haben wir Gareth St. Clair, der für die Reihe mit seiner Familiengeschichte neu ist und er ist zudem der Enkel von Agatha Danbury. Dadurch hat Letztere eine wirklich große Rolle und das war schon sehr amüsant, wenn sie und Hyacinth so viele gemeinsame Momente hatte, aber dass auch Gareth zu seiner Großmutter ein inniges Verhältnis hat. Nichtsdestotrotz ist Gareth wieder ein typisches Beispiel für die Männerfiguren von Julia Quinn. Diese kommen in der Serie deutlich besser rüber, aber in den Büchern sind sie wirklich sehr anstrengend. Auch wenn es natürlich für die Zeit damals ganz normal war, dass Männer gewisse Sichtweisen und Anstandsregeln parat haben, so gibt es doch eine Art, das darzustellen, die sympathisch oder eben unsympathisch wirken kann.
Die ersten Szenen zu Gareth haben mir eigentlich gefallen, weil seine Familiengeschichte einen berührt und weil er eben eine sehr aufmerksame Art hat, die seinen Charme wirken lässt. Spätestens dann aber, als Gareth und Hyacinth auf ihrer Mission sind, wurden seine Gefühle und Gedanken für mich immer abstoßender. Zuvor war schon etwas das Narrativ zu erkennen, dass Hyacinth mit ihrer Art nichts auf Dauer ist. Die Denkweise überwindet er großzügig, nur um sie dann in eine Liebesfalle zu locken. Ich fand das echt extrem seltsam und es hat mich an den ersten Band erinnert, der auch eine Szene hat, die viel diskutiert wurde, wobei dort Daphne es mit der fragwürdigen Entscheidung war. Aber was Gareth so stellenweise gedacht und auch verbal von sich gegeben hat, das war eines Gentleman nicht würdig. Er hat mich dadurch völlig verloren, sodass ich bei der gemeinsamen Geschichte nicht mehr mitfühlen könnte. Immerhin ist Hyacinth durch seine Taten nicht völlig in die hilflose Opferrolle gerückt worden; sie hat ihre Charakterzüge behalten und das habe ich respektiert.
Da also die Liebesgeschichte für mich wahrlich nicht lange im Kopf bleiben wird, ist es als Ausgleich wenigstens gut, dass es inhaltlich mit der Suche nach den Diamanten eine etwas andere Erzählweise gibt, sodass der Band dann doch seine DNA hat. Natürlich war das nicht wie ein Thriller oder Ähnliches aufgebaut, aber es war ein kleiner Heist-Bogen, der gut zu Hyacinths Art gepasst hat. Gerade dann mit den späteren Epilogen wurde es auch sehr amüsant.
Fazit: „Bridgerton – Mitternachtsdiamanten“ erzählt das Happyend der letzten Bridgerton-Schwester Hyacinth, aber Gareth als ihr Partner hat mich leider irgendwann völlig verloren, sodass die Liebesgeschichte mich nicht berühren konnte. Immerhin gab es ikonische Auftritte anderer Rollen und auch die Suche nach den Diamanten hat dem Band etwas Spezielles gegeben, aber er war dennoch für mich fast der Schwächste.