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Veröffentlicht am 01.09.2017

Oberflächliche Liebesgeschichte

Morgen ist es Liebe
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Durch den Klappentext und die intensive Leseprobe habe ich mich zu diesem Roman „Morgen ist es Liebe“ hinreißen lassen, da ich von einer Geschichte, die von zwei Menschen, die sich unbewusst gegenseitig ...

Durch den Klappentext und die intensive Leseprobe habe ich mich zu diesem Roman „Morgen ist es Liebe“ hinreißen lassen, da ich von einer Geschichte, die von zwei Menschen, die sich unbewusst gegenseitig das Leben retten, viele einnehmende und berührende Momente erwartet haben, die mich so schnell nicht mehr loslassen.
Der Einstieg in die Geschichte hält diesen Eindruck zunächst, da ich mich beiden Protagonisten (Alexandra und Martin) sehr schnell verbunden gefühlt habe und ihre Lebenssituationen eine gewisse Tragik ausdrückte, die die beiden direkt perfekt füreinander schienen ließ. Doch der Bruch kam nach der Rettung recht schnell. Bruch heißt in diesem Sinne nicht, dass es sich bei „Morgen ist es Liebe“ nicht um einen gutgeschriebenen Roman handelt, nein im Gegenteil, es entpuppte sich als eine Geschichte, die ich leider nicht so und in diesem Stil erwartet hätte, so dass sich doch schnell Enttäuschung bei mir bereit machte.
Diese intensive Beziehung zu Alexandra und Martin wurde recht schnell gekittet, da die Erzählperspektiven immer hin und her jagten und es eben schnell nicht mehr nur um die beiden, sondern um viele andere Figuren auch ging. Alleine in einem Abschnitt wechselte die Perspektive schon mal zwischen drei Personen hin und her und diese Hektik im Erzählen empfinde ich immer als etwas unangenehm. Was dann aber richtig den Vogel abschoss, war die Tatsache, dass auch vollkommen unwichtige Figuren immer ihre Momente bekamen, so dass man ihnen hinter den Kopf gucken konnte (Beispiel Alexandras Kollege) und dass auch Mister Spocks (ein Hund!!!) Perspektive nicht fehlen durfte. Das war mir dann nur noch zu willkürlich und hat zudem gefördert, dass die Intensität bei den wichtigen Figuren nicht mehr gehalten werden konnte.
Alexandra und Martin werden aber auch immer unbedeutender, weil Martha, Alexandras Mutter, sich still und heimlich zur eigentlichen Heldin der Geschichte entwickelte, die den Knotenpunkt der Handlung bildete und am Ende sogar ihre eigene Liebesgeschichte bekam. Ich mochte Martha sehr und dadurch, dass sie eben einen Großteil der Handlung ausmachte, habe ich sie wirklich sehr gut kennen und schätzen lernen können. Aber wegen ihr habe ich diesen Roman nicht gelesen, so dass auch dieser Aspekt mich enttäuscht zurückließ. Als besonders bezeichnend finde ich dann auch, dass ich Marthas zweiten Frühling als glaubwürdiger und süßer erzählt empfand, als dass was Alexandra und Martin miteinander leben.
Die beiden haben über den Handlungsverlauf hinweg recht wenig Szenen miteinander. Die wenigen erzählten fand ich gut, aber insgesamt war es mir zu wenig, als dass ich da wirklich so eine berührende Liebesgeschichte feststellen konnte, wie ich es mir eigentlich erhofft hatte. Zudem wurde die Geschichte schon fast auf lächerliche Weise in die Länge gezogen, weil sich wie in Telenovelas und Daily Soaps eine Kleinigkeit nach der anderen vor die Wahrheit schoben, so dass die großen Lügen immer lange bestanden blieben.
Fazit: Ich habe für mich resultiert, dass ich vielleicht nicht ganz der Zielgruppe von „Morgen ist es Liebe“ entspreche, weil ich die Geschichte zwar nicht schlecht fand, aber sie insgesamt als oberflächlich in Erinnerung behalten werde, weil die erhofften intensiven Momente weitestgehend auf der Strecke bleiben. Zudem entwickelt sich die Geschichte vollkommen überraschend, hat irgendwann nur noch wenig mit dem Klappentexte zu tun und die eigentliche Heldin ist eine ältere Witwe, so dass ich diesen Roman auch eher in der Zielgruppe 50 + einordnen möchte.

Veröffentlicht am 23.08.2017

In sich authentisches Jugendbuch

The Hate U Give
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Bereits weit vor der deutschen Veröffentlichung von „The Hate U give“ hat bereits die englische Ausgabe in Deutschland für viel Furore gesorgt und einige – mir auch als sehr kritische Leser bekannt – haben ...

Bereits weit vor der deutschen Veröffentlichung von „The Hate U give“ hat bereits die englische Ausgabe in Deutschland für viel Furore gesorgt und einige – mir auch als sehr kritische Leser bekannt – haben immer wieder betont, wie sehr sie sich auf die deutsche Erstveröffentlichung freuen und wie wichtig dieses Buch sei. Wenn man so ein Buch angeworben bekommt, was erwartet man da? Zwangsweise ein literarisches Feuerwerk, wie auch immer das genau aussieht. Und genau da, wenn solche Erwartungen geschürt werden, dann wird es für das Buch meist sehr schwer. Nachfolgend nun meine Einschätzung, ob der Vorab-Ruhm dem Jugendbuch gerecht wird oder ihm – im Gegenteil – eher geschadet hat.
Was mir bei diesem Jugendbuch sofort ins Auge gesprungen ist, ist natürlich die Aktualität der Thematik. Während wir in Deutschland uns eher mit Hass gegen Muslime und Juden auseinandersetzen müssen, ist in den USA der Rassismus gegen die schwarze Bevölkerung an der Tagesordnung. Ähnliche Themen und doch so unterschiedlich, da verschiedene Kulturen und Völker involviert sind. Natürlich ist auch mir der Rassismus gegen Schwarze bewusst, aber trotzdem ist es eigentlich ein Thema, das einen in Deutschland nur sekundär tangiert, daher war es für mich wirklich wichtig, diese Welten, die in Amerika aufeinanderprallen, nun einmal hautnah durch die Protagonistin Starr miterleben zu können. Die Vorurteile und der tatsächlich unterschiedliche Lebensstil wurden in der Geschichte sehr deutlich gemacht und es wurden mir viele Aspekte vor Augen geführt, die ich zwar bereits erahnen konnte, aber noch mal im Schlimmsten vor Augen geführt bekam. Denn es ist nun mal ein Fakt: mit schwarzen Protagonisten habe ich es bisher wirklich nur sehr wenig zu tun gehabt, daher war die Geschichte durch Starrs Augen zu erleben, eine neue und wichtige Erfahrung.
Starr ist auf Grund ihrer Geschichte natürlich eine gelungene Protagonistin, da sie den Hass gegenüber ihrer Hautfarbe in vielfältigster Weise erleben musste. Aber auch ihre Persönlichkeit macht sie zu einer sehr angenehmen Begleiterin, da sie ein Familienmensch, mutig und selbstbewusst ist und weil sie Werte hat, für die sie eintritt. In ihrem Zusammenhang möchte ich auch positiv hervorheben, dass die Geschichte perfekt auf sie geschrieben wurde. Im Schreibstil der Autorin lässt sich eine klare Stimme für Starr erkennen. Sowohl ihrer Persönlichkeit gemäß, als auch an ihrer Sprache absehbar. Dieser amerikanische Slang, der für Schwarze so typisch ist, war für mich gewöhnungsbedürftig, aber passte perfekt auf Starr als Person. Und ich bewundere es grundsätzlich, wenn Jugendbücher auch wirklich sprachlich Jugendliche widerspiegeln.
Die Handlung ist aber sicher der Hauptaspekt des Buches, warum es einen solchen Hype erfahren hat. Auch hier möchte ich zunächst loben, da wirklich sehr viele thematische Brennpunkte sehr authentisch und mitreißend abgearbeitet wurden. Sogar eine gewisse Spannung war drin, da die Situation teilweise so brisant war, dass man sich bereits vor der nächsten Katastrophe fürchten konnte. Die Themenblöcke waren gut miteinander verknüpft und es wurde anschaulich dargestellt, wie das Leben einer schwarzen Jugendlichen in Amerika aussieht.
Dennoch bin ich mit der Handlung nicht komplett zufrieden. Starr kommt aus einem für ihre Wohngegend recht privilegierten Haushalt und dadurch erscheint mir die Situation nicht immer so gefährlich, wie sie mit einer anderen Protagonistin noch eindrucksvoller hätte dargestellt werden können. Zudem gibt es zwischendurch doch ein paar Heile-Welt-Szenen, die sicherlich zeigen sollen, wie das Leben trotz allem zu genießen ist, aber diese wirken in der Komplexität der Handlung dann so banal, dass sie mich eher störten. Andere Aspekte waren zwischendurch dann zu jugendhaft, zu klischeehaft dargestellt, dass sie dann einen Augenroller von mir erhielten.
Fazit: Ich kann absolut nachvollziehen, warum „The Hate U Give“ sowohl auf dem fremdsprachigen, als auch auf dem deutschen Buchmarkt einen solchen Hype erfahren hat. Aktuelle Themen werden durch die sehr authentische Sicht eine beteiligten schwarzen Jugendlichen dargestellt und dabei wird eine ungeheure Portion an Brisanz, Spannung, Entrüstung über das Gelesene und Verständnis beim Leser ausgelöst. Noch nie habe ich so einen Blick mitten ins Herz des Lebendes der Schwarzen in Amerika erhalten und es hat mich an sehr, sehr vielen Stellen tief berührt. Die Thematik ist definitiv der Trumpf, denn das Jugendbuch hat doch seine kleineren Schwächen, die aber an der Wichtigkeit des Themas nicht rütteln und auch das Lesevergnügen nicht einschränken können.

Veröffentlicht am 17.08.2017

Nachtblumen-Genuss

Nachtblumen
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Was habe ich „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ geliebt! So großartig die Autorenneuentdeckung Carina Bartsch auch war, so sehr konnte ich nachvollziehen, dass sie danach lange in einem Loch ...

Was habe ich „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ geliebt! So großartig die Autorenneuentdeckung Carina Bartsch auch war, so sehr konnte ich nachvollziehen, dass sie danach lange in einem Loch war und dann sehr lange am Manuskript zum nun veröffentlichten „Nachtblumen“ gearbeitet hat. Wie sollte man die beiden so erfolgreichen Erstlingswerke auch toppen? Bartsch hat eine interessante Lösung gewählt: sie schreibt zwar immer noch für junge Erwachsene, aber Grundausrichtung ist eine ganze andere und hier kommt die Erklärung, wie mir dieser Schritt gefallen hat.
„Nachtblumen“ hatte es in vielerlei Hinsicht schon einfach, weil mit Jana eine Hauptfigur aufgeboten wurde, in der ich mich sehr häufig wiederentdeckt habe und wenn es doch noch andere Charaktereigenschaften gab, dann habe ich mich selbst das großartig hineinversetzen können, weil Jana wirklich sehr greifbar charakterisiert wurde. Jana nimmt definitiv den Hauptteil der Geschichte ein und es ist sehr berührend, wie man mit ihr nach und nach ihre Dämonen bekämpft und sie beim Wachsen zu ihrem wahren Ich begleiten darf. Diese Entwicklung enthält unheimlich viele kleine Schritte, aber jeder einzelne ist so wichtig, weil dadurch sehr authentisch klar wird, warum sie sich wandelt und warum sie am Ende des Romans eine junge, lebenslustige und mutige Frau ist. Hier muss ich wirklich kräftig loben, denn selten habe ich eine so glaubwürdige Entwicklung mitverfolgen können.
Neben Jana werden auch einige andere Figuren aufgeboten. Mit der Psychologin Flick, mit den Gasteltern Klaas und Anke und mit Janas Mitbewohnern werden eine ganze Reihe an unterschiedlichsten Charakteren aufgeboten. Thea Flick war z. B. der quirlige, lustige Ausgleich zu der eher melancholischen Jana und die Gasteltern die strengen, aber stets liebevollen Motivierer. Zwar habe ich mich mit einigen Figuren richtig wohl gefühlt, aber im Gegensatz zu Jana wurden sie alle in entscheidenden Aspekten vernachlässigt. Viele Aspekte ihrer Vergangenheit werden angedeutet, aber nie vollends aufgelöst. So habe ich mich aus diesem Buch mit sehr, sehr vielen Fragen verabschiedet und habe richtig bedauert, dass mit weitere 500 Seiten es nicht erlaubten, alles zu wissen.
Diese inhaltlichen Lücken entstehen aber auch, weil einer sehr große Erzählspanne bedient werden muss. Insgesamt etwa sechs Jahre. Mir ist bewusst, dass da nicht alles erzählt werden kann. Zumal die sechs Jahre auch so ein Zeitraum sind, wo ich sagen kann, ja, das ist realistisch, dass sich Jana da so sehr entwickelt hat. Denn oftmals kritisiere ich in Büchern, die ebenfalls junge Frauen auf der Reise zu ihrem Ich begleiten, dass die Zeitspanne viel zu kurz ist und es unglaubwürdig wirkt. Das kann ich hier nicht kritisieren, muss ich sogar loben, aber wenn dadurch logische Lücken entstehen, dann ist das auch nicht 1A-Weg.
Den letzten Abschnitt möchte ich nun noch der Liebesgeschichte widmen, die mich ebenfalls etwas zwiespältig zurückgelassen hat. Ich fand es sehr abwechslungsreich, dass es hier nicht um eine junge Liebe, begleitet von rosa Herzchen, rosaroter Brille und ähnlichen unrealistischen Traumbildern geht. Denn das hätte zu den traurigen Themen und der Melancholie der Geschichte nicht gepasst. Dennoch nimmt die Liebesgeschichte eher einen kleinen Raum ein und in meinen Augen fast zu wenig, um wirklich eine Beziehung zu Jana und Collin als Paar aufzunehmen. Die ersten Schritte der beiden zueinander hin sind süß, vorsichtig und damit perfekt für ihre jeweiligen Charaktere. Irgendwann nimmt das Tempo zu, damit verknüpft sind aber schnell erste Dämpfer, die das Glück trüben, die mich teilweise sogar frustriert haben. Ich war sogar soweit die beiden vielleicht als unpassend füreinander zu erklären. Aber vielleicht hat das auch die Autorin erkannt, da sie schließlich einen anderen Weg wählt, der tatsächlich viel besser zu den beiden passt und der mich dann auch zufrieden zurücklässt.
Fazit: Ich weiß, ich weiß, meine Argumente klingen eigentlich mehrheitlich negativ, trotzdem möchte ich „Nachtblumen“ wohlverdiente vier Sterne geben. Ich habe einen Heidenrespekt, dass sich Bartsch mit diesem Roman neu erfunden hat und auch abseits von Humor und Leichtigkeit ihren Weg gefunden hat. „Nachtblumen“ war nicht perfekt, da sich durch die große Erzählspanne einige Lücken ergeben haben, die man als Leser entweder selbst stopft oder als unbeantwortet akzeptieren muss. Dafür war ich tief beeindruckt von der unglaublichen realistischen Entwicklung von Jana, die begleitet war von Angst, Trauer, Mut, Freude, Empathie und gefüllt allen anderen Emotionen der Palette. Das habe ich selten so großartig irgendwo niedergeschrieben gesehen!

Veröffentlicht am 01.08.2017

Genreuntypisch wenige Action-Szenen

Erwachen des Lichts
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Jennifer L. Armentrout ist innerhalb des New Adult-Genres ein Must Read bei mir. Im Fantasy-Bereich habe ich dagegen noch verhältnismäßig wenig von ihr gelesen, denn bis jetzt habe ich nur den ersten Band ...

Jennifer L. Armentrout ist innerhalb des New Adult-Genres ein Must Read bei mir. Im Fantasy-Bereich habe ich dagegen noch verhältnismäßig wenig von ihr gelesen, denn bis jetzt habe ich nur den ersten Band der Obisidan-Reihe gelesen, die ich aber definitiv beenden werde. Mit der neuen Götterleuchten-Reihe sah ich eine passende Möglichkeit, wieder mal etwas von ihr im Fantasy-Genre zu lesen und das obwohl ich wusste, dass dieser neuen Trilogie die Dämonentochter-Reihe vorausgeht.
Im Prinzip ist es nicht schlimm, dass ich die Dämonentochter-Reihe noch nicht gelesen habe, da die wichtigsten Begrifflichkeiten und auch die erneut auftauchenden Figuren immer einen Kontext erhalten, so dass man sich auch ohne bereits angeeignetes Fachwissen gut in der von Armentrout geschaffenen Götterwelt zurechtfinden kann. Negativ ist mir aber aufgefallen, dass das letzte Drittel des Buches arg den Inhalt den Dämonentochter-Reihe spoilert, so dass mein Bedürfnis, diese Reihe nun noch nachzuholen, arg gedämpft ist. Auch von der Strategie der Autorin und des Verlags her sehr fragwürdig, weil die neue Reihe ja eigentlich ein tolles Werbemittel für die alte darstellen könnte.
Der Einstieg in die Geschichte verlief leider nicht ganz harmonisch. Die ersten Seiten war zwar sehr amüsant (insgesamt ist in der ganzen Geschichte eine schöne Portion Humor dabei), aber ich hatte dennoch so meine Probleme mit den Hauptfiguren. Da ich Seth ja noch nicht kannte, war er für mich ein sehr überhebliches und selbstverliebtes Wesen, das nicht gerade mein Interesse wecken konnte. Da hat es auch nicht geholfen, dass die andere Hauptfigur, Josie, nur die ganze Zeit damit beschäftigt war zu betonen, wie gut Seth aussieht und zu zeigen, dass sie keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Damit sind wir auch schon bei Josie, da sie wie ein pubertierendes Wesen durch die Gegend lief, immer in Schwierigkeiten gerät und trotzdem nur an Seth und das Eine denken kann.
Zum Glück legt sich diese Oberflächlichkeit mit der Zeit. Vor allem Seth gewinnt durch den Handlungsverlauf schnell an Tiefe. Er macht eine interessante Entwicklung durch und wird tatsächlich zu dem überzeugenden Helden, den so eine Geschichte braucht. Josies Entwicklung läuft leider deutlich langsamer, aber gerade am Ende habe ich Hoffnung für sie. Im Resümee muss ich jedoch sagen, dass Josie bis hierher noch eine enttäuschende Protagonistin ist.
Die Welt, die Armentrout geschaffen hat, ist für mich neu und durchaus interessant. An manchen Stellen ist ihre Vorstellung noch etwas komplex, so dass die ein oder andere Erklärung noch schön gewesen wäre, aber insgesamt gefällt mir die Götterwelt sehr gut. Denn sie bietet eben enormes Handlungspotenzial, das auch im ersten Band schon mehrfach angedeutet wird. Es gibt einige sehr spannende, actiongeladene Szenen, die der Handlung Glaubwürdigkeit und Wendungen verleiht. Über das ganze Buch hinweg sind mir diese Szenen in ihrer Anzahl jedoch zu wenig. Denn es gibt unheimlich viele Szenen, die eher einem reinen NA-Roman gut zu Gesicht gestanden hätten. Die Liebesgeschichte wird schon durch Josies Charakter bedingt unheimlich an Material und Szenen gefüttert. Diese Szenen sind auch gut geschrieben, denn Armentrout kann NA bestens, aber in so einer Trilogie, die eben einen großen Fantasy-Anteil hat, viel zu viel.
Fazit: „Erwachen des Lichts“ bildet durchaus einen guten Auftakt, der die Leser für die restlichen zwei Bänden bei der Stange halten sollte. Die Charaktere sind zwar zunächst oberflächlich, aber gerade Seth gewinnt mehr und mehr an Profil, was der Geschichte erheblich guttut. Die Handlungswelt ist gelungen, wird aber leider im Rückblick zu wenig genutzt, denn die spannenden, actiongeladenen Szenen sind zu wenig vorhanden. Stattdessen werden sehr, sehr viele Seiten für die Entwicklung der Liebesgeschichte genutzt. Dies ist zwar gut erzählt, kann in einer Fantasy-Trilogie aber lieber den kleineren Erzählanteil bieten.

Veröffentlicht am 28.07.2017

Deutlich weniger Charme

P.S. I still love you
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„To all the boys I’ve loved before“ war eines meiner Lesehighlights des letzten Jahres, da ich vom Schreibstil, der Grundidee und der liebevollen Schwesterbeziehung regelrecht hin und weg war. Dieses Buch ...

„To all the boys I’ve loved before“ war eines meiner Lesehighlights des letzten Jahres, da ich vom Schreibstil, der Grundidee und der liebevollen Schwesterbeziehung regelrecht hin und weg war. Dieses Buch hätte wunderbar für sich alleine stehen können, aber Jenny Han hat mit „P.S. I still love you“ nachgeliefert.
Vorneweg möchte ich gerne auf die positiven Aspekte dieses Buches eingehen. Man erkennt den Schreibstil, das heimelige Setting und die wohlbekannten Figuren direkt wieder und ist wieder mittendrin in der Geschichte, auch wenn man vielleicht einige Monate nichts aus dieser literarischen Welt mitbekommen hat. Mir gefällt weiterhin das viele aktuelle Themen wie Mobbing und früh erwachende Sexualität hier behutsam, aber doch bestimmt angesprochen werden. Mir gefällt ebenfalls wie charmant und mit all ihren Höhen und Tiefen die Beziehung von Lara Jean und Peter weiteraufgebaut wird. Es ist nicht alles rosarot und die Gedanken, die sich Lara Jean in dieser Entwicklung macht, sind sehr authentisch und nachvollziehbar gestaltet.
Neben diesen positiven Anmerkungen habe ich leider aber auch einige negative Aspekte zu nennen, die erklären, warum für mich der zweite Band eher eine Enttäuschung ist. Zum einen ist die von mir so hochgelobte Schwesternbeziehung auf dem ersten Band kaum vorhanden, da Margo komplett auf ihrem Auslandssemester verweilt und Kitty wirklich nur eine kleine Nebenrolle spielt. Der zweite Aspekt ist an die Briefe gebunden, die im ersten Teil eine wichtige Rolle spielten. grundsätzlich fand ich es gut, dass die Briefe wieder thematisch aufgegriffen wurden, weniger gut fand ich, dass sich dadurch die nächste Dreiecksgeschichte entwickeln musste. Im ersten Band noch stand Lara Jean zwischen Peter und Josh (dessen Rolle im zweiten Band auch lächerlich gering ist) und nun zwischen Peter und John. Die Beziehung zwischen Peter und Lara Jean hätte man auch anders auf die Probe stellen können.
Neben diesem klischeehaften Thema werden auch noch andere für Jugendbücher typische Themen geboten wie die bedrohliche Ex-Freundin, der alleinerziehende Vater muss verkuppelt werden und so weiter. „To all the Boys I’ve loved before“ wirkte einfach frischer.
Fazit: Der erste Band hat für sich wunderbar funktioniert, daher muss ich mich nach „P.S. I still love you“ wirklich fragen, ob sie die Autorin mit diesem Band nicht selbst ins Knie geschossen hat, da der zweite Band wirklich nur nochmal wie ein Aufwärmen der Inhalte aus dem ersten Band wirkt. Zudem ist dieser Charme, den die Geschichte versprühen konnte, nur noch geringfügig zu erkennen. Da es auch noch einen dritten Band gibt, hadere ich nun wirklich, was ich mit dem noch machen soll. Lesen oder lieber doch nicht?