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Veröffentlicht am 04.09.2025

Uff

Umlaufbahnen
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✨ REZENSION zu „Umlaufbahnen“ von Samantha Harvey, übersetzt von Julia Wolf und erschienen im @dtv_verlag

„Sie denken viel darüber nach, wie es möglich sein kann, so schnell zu reisen und doch nirgendwo ...

✨ REZENSION zu „Umlaufbahnen“ von Samantha Harvey, übersetzt von Julia Wolf und erschienen im @dtv_verlag

„Sie denken viel darüber nach, wie es möglich sein kann, so schnell zu reisen und doch nirgendwo anzukommen.“

📖 Inhalt (spoilerfrei): wir begleiten sechs Raumfahrende an Bord einer Raumstation, die innerhalb von 24 Stunden sechzehnmal die Erde umrundet. Im Zentrum steht die Frage, was das Menschsein unter extremer Abgeschiedenheit ausmacht, was in der Distanz vermisst wird, was Halt gibt, was plötzlich bedeutungsvoll erscheint.

🖋️ Erzählstil & -struktur: viele Passagen sind sehr poetisch und introspektiv geschrieben, die Perspektiven der sechs Raumfahrenden wechseln fließend (ohne sichtbare Trennung), die Gedanken scheinen nahtlos ineinander überzugehen und direkte Rede ist entweder gar nicht vorhanden oder nicht markiert. Oft bleibt unklar, ob etwas gesagt, gedacht oder lediglich imaginiert wird. Dadurch wirkt das ganze Geschehen traumartig und distanziert. Die autonomen inneren Monologe wirken wie ein lose zusammengehaltener Bericht; anspruchsvoll, aber auch ermüdend. Vorausdeutungen, Reflexionen und Details reihen sich aneinander, ohne spürbares Ziel oder dramaturgischen Höhepunkt.

👥 Figuren & Symbolik: obwohl sie unterschiedliche Herkunft, Aufgabenbereiche und persönliche Vergangenheiten mitbringen, bleiben die Figuren recht flach. Indirekte Gedankenrede thematisiert, was das Leben auf der Erde einzigartig macht. Manchmal war dies berührend, aber oft driftete es m.E. auch ins Beliebige ab. Es gibt eine Vielzahl an Aufzählungen ohne rhetorischen Anspruch, Beobachtungen, die sich zunächst bedeutungsschwer geben, entfalten ihre echte symbolische Tiefe nicht vollends.

💡Kurz & Knapp: viele Passagen haben mich fasziniert, aber insgesamt hat mich das Buch leider nicht abgeholt. Für meinen Geschmack war es zu experimentell und unzugänglich. Man arbeitet sich eher daran ab, als dass man in die Geschichte eintauchen kann. Wer Freude an fragmentarischer, poetischer Literatur und philosophischen Gedankenspielen hat, könnte hier aber fündig werden.

2|5 ⭐️

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2025

So informativ!

Witches, Bitches, It-Girls
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✨ REZENSION zu „Bitches, Witches, It-Girls“ vom Rebekka Endler, erschienen im Rowohlt Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei):

In diesem Sachbuch macht sich die Autorin schlagfertig auf die Suche nach den Wurzeln ...

✨ REZENSION zu „Bitches, Witches, It-Girls“ vom Rebekka Endler, erschienen im Rowohlt Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei):

In diesem Sachbuch macht sich die Autorin schlagfertig auf die Suche nach den Wurzeln des Patriarchats und deckt dabei auf humorvolle Weise auf, welche misogynen Mythen bis heute unser Denken und Handeln bestimmen ‼️

🔎 Struktur und Zugänglichkeit:

Die Sprache ist flapsig, salopp und stellenweise ironisch, gleichzeitig ist die Informationsdichte enorm. Der Kontrast hat mich manchmal etwas irritiert. Der Ton ist unterhaltsam, aber der Lesefluss gerät oft durch Fachbegriffe und theoretische Konzepte ins Stocken. Obwohl ich meine Thesis zur Geschlechterforschung geschrieben habe, fand ich es nicht wirklich zugänglich 🙈 Ich glaube, wer sich vorher noch nie mit feministischen oder kulturkritischen Themen beschäftigt hat, wird hier überfordert sein 🙌🏼 Die Kapitel sind wohl irgendwie thematisch sortiert, springen aber von historischen zu aktuellen Phänomenen. Ich hätte mir hier eine klarere, vielleicht sogar chronologische Struktur gewünscht.

💡 Kurz & Knapp:

Viele Fakten haben mich überrascht und nachhaltig beschäftigt. Besonders beeindruckt hat mich Endlers Analyse von Body Horror; einem Genre, das sie als Spiegel patriarchaler Angst- und Machtfantasien beschreibt. Am Beispiel des Films „The Substance“ (den ich kürzlich gesehen habe) macht sie deutlich, wie sehr Frauen mit ihrem Körper kämpfen, um gesellschaftlichen Schönheitsnormen zu genügen. Weniger gelungen finde ich, dass das Buch sich manchmal im Ton verliert. Der Wechsel zwischen Umgangssprache und Theorie ist nicht immer geglückt, der Humor wirkt stellenweise sehr zynisch, ohne einen wirklich abzuholen. Es ist kein niederschwelliger Einstieg in den Feminismus (auch wenn der lockere Stil das anfangs vermuten lässt), aber es ist fundiert recherchiert, hochaktuell und thematisch breit aufgestellt. Endler schafft es, Themen aus Jahrhunderten zu verbinden und gleichzeitig topaktuelle gesellschaftliche Debatten einzuordnen und wagt sogar einen Blick in die Zukunft.

3|5 ⭐️

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Ach herrje

Die Schrecken der anderen
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✨ REZENSION zu „Die Schrecken der anderen“ von Martina Clavadetscher, erschienen im @c.h.beckliteratur Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Ein Junge entdeckt eine Leiche im Eis und mit diesem verstörenden ...

✨ REZENSION zu „Die Schrecken der anderen“ von Martina Clavadetscher, erschienen im @c.h.beckliteratur Verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Ein Junge entdeckt eine Leiche im Eis und mit diesem verstörenden Fund beginnt eine Geschichte über ein schweigendes Erbe, NS-Spuren, alte Drache-Legenden und Familiendrama.

🖋️ Erzählweise & -struktur: Die Geschichte wird in parallel verlaufende Erzählsträngen fragmentarisch aufgebaut, dabei wird in vielen kurzen Kapiteln aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Aus anfänglicher Zusammenhanglosigkeit wird später ein komplexes Gefüge, das sprachlich distanziert, bildgewaltig und surreal wiedergegeben wird. Stilistisch erinnert mich das Werk stark an Daniel Kehlmann, der ebenso bildlich eindrücklich und verwoben schreibt. Die wörtliche Rede ohne Anführungszeichen hat mich ein wenig rausgebracht, viele Passagen fand ich sperrig und überflüssig, gleichzeitig tragen sie zur unangenehmen Atmosphäre bei. Fast schon psychedelisch wirken manche Absätze; überfrachtet mit Adjektiven, ungewohnt personifiziert. Ähnlich wie bei Kehlmann schafft Clavadetscher es, Ekel nicht plakativ, sondern ästhetisch unangenehm darzustellen.

👥 Charaktere: Alle Figuren sind über rätselhafte Verbindungen miteinander verwoben, dabei ist eine undurchsichtiger als die nächste, niemand wirklich greifbar, und die Bedeutung dessen, was geschieht, bleibt oft in Andeutungen hängen. Es ist schwer, sich mit ihnen zu identifizieren oder Nähe aufzubauen. Zwei Ausnahmen gab es für mich: Boll und Rosa. Beide wirken wie Freigeister, bringen Leichtigkeit, Spiel und sogar eine gewisse Lebensfreude in die düstere Szenerie.

💡 Kurz und Knapp: Viele Elemente, die die Handlung antreiben, werden selbst nicht zentral erklärt. Schon fast ironisch wirkt es, dass die Autorin einer Figur den Namen McGuffin gibt, laut Wikipedia ein durch Hitchcock geprägter Begriff, der dazu dienen soll, „[…] die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, ohne während der Handlung selbst von besonderem Nutzen zu sein.“ Für mich persönlich war es leider zu umständlich und zu wenig zugänglich, um mich wirklich abzuholen 🙈

2|5 ⭐️

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Neeeeein

Die Vegetarierin
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„Die Vegetarierin“ von Han Kang 🥩

⚠️ Triggerwarnung: Wer Erfahrungen mit Essstörungen gemacht hat (direkt oder als Angehörige:r) sollte dieses Buch mit Vorsicht lesen. Manche Szenen fand ich deshalb schwer ...

„Die Vegetarierin“ von Han Kang 🥩

⚠️ Triggerwarnung: Wer Erfahrungen mit Essstörungen gemacht hat (direkt oder als Angehörige:r) sollte dieses Buch mit Vorsicht lesen. Manche Szenen fand ich deshalb schwer zu ertragen.

Der Roman ist in drei Teile gegliedert, erzählt aus verschiedenen Außenperspektiven. Die Hauptfigur Yeong-hye (eine Frau, die beschließt, kein Fleisch mehr zu essen) bleibt über weite Strecken stumm. Ihre Gedankenwelt bleibt diffus, verborgen hinter albtraumhaften Traumbildern. Im ersten Abschnitt erleben wir die Geschichte aus Sicht ihres Ehemannes; einem unfassbar unempathischen, respektlosen Mann mit patriarchalem Frauenbild. Noch befremdlicher wird es im zweiten Teil: Der Schwager (ein Künstler in der Krise) entwickelt eine sexuelle Obsession für Yeong-hye, während der dritte Teil aus der Perspektive von Yeong-hyes Schwester erzählt.

Ich fand das Buch vor allem verstörend, abstoßend und nur schwer auszuhalten. Die Punkte Selbstbestimmung, Körper und Kontrolle wurden grob und metaphorisch thematisiert, aber die Umsetzung war für mich zu oberflächlich und nüchtern. Es konnte aufzeigen, wie komplex psychische Zustände und gesellschaftliche Zuschreibungen ineinander greifen, aber eher als eine Art grotesker Kommentar auf Erwartungen, Rollenbilder und Identitätsverlust, nicht als feministisches Statement. Durch alle Figuren hindurch erlebt man innere Zerrissenheit und psychische Gewalt, was unglaublich intensiv und belastend ist, aber auch ein bisschen random, wodurch es in seinen Motiven irgendwie an mir vorbei ging. Ich kann kaum nachvollziehen, warum dieses Buch so gefeiert wird oder wie es einen Preis gewinnen konnte. Ich fand es keineswegs poetisch, nur abstrus, kontextlos, verstörend und extrem sexualisiert.

1|5 ⭐️

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Bleib ein Detektiv, Großvater!

Die Bibliothek meines Großvaters
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✨ REZENSION zu „Die Bibliothek meines Großvaters“, Originaltitel „Meitantei no mama de ite Vol. 1 („Bleib ein Detektiv, Großvater“) von Masatero Kunishi, übersetzt von Peter Aichinger-Fankhauser und erschienen ...

✨ REZENSION zu „Die Bibliothek meines Großvaters“, Originaltitel „Meitantei no mama de ite Vol. 1 („Bleib ein Detektiv, Großvater“) von Masatero Kunishi, übersetzt von Peter Aichinger-Fankhauser und erschienen im @kiwi_verlag

⚠️ Triggerwarnung: Das Buch thematisiert die seltene Lewy-Körper-Demenz mit Gedächtnisstörungen, Halluzinationen und Parkinson-ähnlichen Symptomen, erzählt aus Angehörigenperspektive.

📖 Inhalt (spoilerfrei): Kaedes Großvater leidet unter einer seltenen Form Demenz, doch er verfügt über eine erstaunliche Kombinationsgabe. Gemeinsam teilen sie eine große Leidenschaft für Kriminalliteratur und diskutieren über Klassiker des Genres, spinnen Theorien und wenden dieses Wissen auf kleine und große Rätsel an, die in Kades Alltag auftauchen.

🖋️ Erzählstil: Der Roman ist über die ersten zwei Drittel ruhig erzählt, manchmal repetitiv, wenn es um das Rätselraten durch den Großvater geht, aber sehr atmosphärisch. Wir erleben nahezu aus Kaedes Perspektive und erfahren nur fragmentarisch von ihrer Familiengeschichte. Außerdem gibt es Skizzen zum Mitraten. Das letzte Drittel bringt überraschend viel Spannung, wirkt tonal aber etwas unpassend und ein wenig konstruiert.

👥 Figuren: Der Großvater ist die eindringlichste Figur, er wirkt trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen scharfsinnig und herzlich. Die Darstellung der Demenz, die auf den eigenen Erfahrungen des Autors beruht, hat mich sehr berührt. Kaede wirkt im Vergleich etwas blasser, aber vor allem die Nebenfiguren bleiben insgesamt eher flach, sodass die Beziehung zwischen Enkelin und Großvater das Herzstück bildet.

💡 Fazit: „Die Bibliothek meines Großvaters“ ist ein leises, ungewöhnliches Debüt, das atmosphärisch stark, aber nicht immer ausgewogen ist. Inhaltlich schwankt der Roman zwischen stiller Beobachtung und unerwartet actionreichem Finale (nicht so harmonisch, aber unterhaltsam). Die Kriminalfälle erinnerten mich ein bisschen an Agatha Christie, fühlten sich aber alle sehr konstruiert an. Kunishi plant zwei weitere Bücher dieser Art, aber ich bin mir unsicher, ob ich nochmal zu einem seiner Werke greifen würde.

3,5|5 ⭐️

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