Johanne reißt das Ruder rum
Die Familienangelegenheiten der Johanne JohansenDora Heldt nimmt uns in ihrem Roman “Die Familienangelegenheiten der Johanne Johansen” mit nach Hamburg und lässt uns teilhaben am Leben von Johanne, ihrer Cousine Luise nebst Familie und ihren Freunden ...
Dora Heldt nimmt uns in ihrem Roman “Die Familienangelegenheiten der Johanne Johansen” mit nach Hamburg und lässt uns teilhaben am Leben von Johanne, ihrer Cousine Luise nebst Familie und ihren Freunden und Bekannten. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen der Protagonisten sind schlüssig und nachvollziehbar.
Johanne, gerade in Rente, wird damit konfrontiert, dass die Familienreederei, bei der sie Anteile hält, kurz vor der Pleite steht, da der Geschäftsführer, der Ehemann ihrer Cousine Luise, sich mit vielem, aber nicht mit der Reederei beschäftigt und diese seinem unfähigen Sohn Henner überlassen hat. Eigentlich fühlt sie sich nicht zuständig, wird aber dann in die Rolle der Retterin gedrängt und stellt sich dieser Aufgabe. Zusammen mit ihrer Cousine und zwei weiteren Freundinnen macht sie sich an die Rettung des Traditionsunternehmens. Dabei kommen sie einem Familiengeheimnis auf die Spur und werden in einen Kriminalfall verwickelt.
Die Autorin hat mit Johanne eine Protagonistin geschaffen, die zwar etwas hanseatisch unterkühlt und verschroben daherkommt, das Herz aber am rechten Fleck hat und ihr Handwerk versteht. Ich habe diesen Charakter von Anfang an sehr gemocht.
Der Gegenpart ist ihre Cousine Luise. Die perfekte Elbvorortehefrau, immer top gestylt, mit schickem Haus und ohne Ambitionen. Als Luises Traumwelt zerbricht, ist sie zunächst am Boden zerstört. Dann packt sie mit Johanne zusammen an, überwindet Chaos und Hysterie und bietet ihrem Ehemann die Stirn.
Besonders die Wandlung von Luise hat mir sehr gut gefallen. Die etwas blasse Luise gewinnt im Laufe der Geschichte an Selbstbewusstsein und schafft es, zur taffen Frau zu werden.
Dora Heldt gelingt es vortrefflich, die beiden so unterschiedlichen Charaktere gut zu vereinen, so dass es stimmig wird.
Das Familiengeheimnis und der Kriminalfall, der fast die Rettung der Reederei gefährdet hätte, sind schnell abgearbeitet.
Das Cover ist schön gestaltet, gewährt es doch einen Blick aus dem Fenster auf die Elbe.
Dora Heldt hat mich auch dieses Mal wieder gut unterhalten, so dass die 444 Seiten des Buches schnell durchgelesen waren. Vielleicht hätte sie im Mittelteil etwas kürzen können, das ist aber meckern auf hohem Niveau.