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Veröffentlicht am 19.06.2025

Johanne reißt das Ruder rum

Die Familienangelegenheiten der Johanne Johansen
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Dora Heldt nimmt uns in ihrem Roman “Die Familienangelegenheiten der Johanne Johansen” mit nach Hamburg und lässt uns teilhaben am Leben von Johanne, ihrer Cousine Luise nebst Familie und ihren Freunden ...

Dora Heldt nimmt uns in ihrem Roman “Die Familienangelegenheiten der Johanne Johansen” mit nach Hamburg und lässt uns teilhaben am Leben von Johanne, ihrer Cousine Luise nebst Familie und ihren Freunden und Bekannten. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen der Protagonisten sind schlüssig und nachvollziehbar.

Johanne, gerade in Rente, wird damit konfrontiert, dass die Familienreederei, bei der sie Anteile hält, kurz vor der Pleite steht, da der Geschäftsführer, der Ehemann ihrer Cousine Luise, sich mit vielem, aber nicht mit der Reederei beschäftigt und diese seinem unfähigen Sohn Henner überlassen hat. Eigentlich fühlt sie sich nicht zuständig, wird aber dann in die Rolle der Retterin gedrängt und stellt sich dieser Aufgabe. Zusammen mit ihrer Cousine und zwei weiteren Freundinnen macht sie sich an die Rettung des Traditionsunternehmens. Dabei kommen sie einem Familiengeheimnis auf die Spur und werden in einen Kriminalfall verwickelt.

Die Autorin hat mit Johanne eine Protagonistin geschaffen, die zwar etwas hanseatisch unterkühlt und verschroben daherkommt, das Herz aber am rechten Fleck hat und ihr Handwerk versteht. Ich habe diesen Charakter von Anfang an sehr gemocht.

Der Gegenpart ist ihre Cousine Luise. Die perfekte Elbvorortehefrau, immer top gestylt, mit schickem Haus und ohne Ambitionen. Als Luises Traumwelt zerbricht, ist sie zunächst am Boden zerstört. Dann packt sie mit Johanne zusammen an, überwindet Chaos und Hysterie und bietet ihrem Ehemann die Stirn.

Besonders die Wandlung von Luise hat mir sehr gut gefallen. Die etwas blasse Luise gewinnt im Laufe der Geschichte an Selbstbewusstsein und schafft es, zur taffen Frau zu werden.

Dora Heldt gelingt es vortrefflich, die beiden so unterschiedlichen Charaktere gut zu vereinen, so dass es stimmig wird.

Das Familiengeheimnis und der Kriminalfall, der fast die Rettung der Reederei gefährdet hätte, sind schnell abgearbeitet.

Das Cover ist schön gestaltet, gewährt es doch einen Blick aus dem Fenster auf die Elbe.

Dora Heldt hat mich auch dieses Mal wieder gut unterhalten, so dass die 444 Seiten des Buches schnell durchgelesen waren. Vielleicht hätte sie im Mittelteil etwas kürzen können, das ist aber meckern auf hohem Niveau.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2025

Stella stellt sich ihrer Vergangenheit

Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung
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Beate Maly nimmt uns in ihrem Roman “Die Trümmerschule - Zeit der Hoffnung” mit nach Wien in das Jahr 1946 und lässt uns teilhaben am Leben der jüdischen Lehrerin Stella Herzig. Es handelt sich um den ...

Beate Maly nimmt uns in ihrem Roman “Die Trümmerschule - Zeit der Hoffnung” mit nach Wien in das Jahr 1946 und lässt uns teilhaben am Leben der jüdischen Lehrerin Stella Herzig. Es handelt sich um den ersten Band einer auf zwei Bände angelegten Reihe.
Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen der Protagonistin sind stimmig und nachvollziehbar.
Die Autorin hat mich von Anfang an abgeholt und ich bin ohne Probleme in die Geschichte eingestiegen, die mich – wie lange keine – sehr berührt hat.
Stella Herzig kehrt nach Ende des zweiten Weltkrieges aus ihrem Exil in London in das zerstörte Wien zurück, um beim Wiederaufbau mitzuhelfen. Sehr am Herzen liegen ihr ihre Schüler, für die sie sich eine bessere Zukunft wünscht. Leider muss sie feststellen, dass das nationalsozialistische Gedankengut nicht mit dem Kriegsende einfach verschwunden ist. Einige ihrer älteren Kollegen zeigen ganz offen ihren Antisemitismus und können mit ihrer Reformpädagogik nichts anfangen. Gut, dass sie im Direktor der Schule einen Fürsprecher findet und sich auf ihre Freundin verlassen kann.
Die Autorin schildet authentisch das Leben in der zerstörten Stadt und alle damit einhergehenden Einschränkungen. Fast jeder hat etwas verloren: Sei es einen geliebten Menschen, sein Zuhause oder einfach nur das Vertrauen in die Zukunft. Viele Menschen sind traumatisiert, sei es nach ihrer Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft oder auch durch Dinge, die sie während des Krieges vor Ort erlebt haben.

Veröffentlicht am 05.05.2025

Lea beginnt von vorn

Küstenrauschen
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Marieke Hansen nimmt uns in ihrem Wohlfühlroman “Küstenrauschen” mit nach Ostfriesland auf die Krummhörn und lässt uns teilhaben am Leben der Tierärztin Lea Ostendorf, ihrer Familie, ihren Freunden und ...

Marieke Hansen nimmt uns in ihrem Wohlfühlroman “Küstenrauschen” mit nach Ostfriesland auf die Krummhörn und lässt uns teilhaben am Leben der Tierärztin Lea Ostendorf, ihrer Familie, ihren Freunden und Arbeitskollegen.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen der Protagonistin sind stimmig und nachvollziehbar.

Das Cover des Buches ist schön gestaltet, bedient sich allerdings dem Klischee, wie man sich Ostfriesland vorstellt: Strand, an dem sich die Wellen brechen, herrlicher Sonnenuntergang und am Himmel kreischende Möwen.

Die Autorin hat mich von Anfang an abgeholt und ich bin ohne Probleme in die Geschichte eingestiegen. Auch alle Menschen, die Ostfriesland nicht kennen, erhalten durch ihre Beschreibungen einen guten Eindruck von Land und Leuten.

Lea kehrt nach einer großen beruflichen und privaten Enttäuschung von München auf die Krummhörn zurück, um in der Tierarztpraxis ihres Großvaters kurzzeitig auszuhelfen. Dies wird für sie zu einer großen Herausforderung, muss sie sich doch ihrem Trauma stellen, das sie vor vielen Jahren von zuhause nach München zum Studium hat gehen lassen. Auch in ihrer Familie läuft nicht alles glatt. Da gibt es Rivalitäten unter den drei Schwestern, die gelöst werden wollen. Der in der Tierarztpraxis tätige Kollege löst bei Lea widersprüchliche Gefühle aus. Ist sie schon bereit für eine neue Beziehung? Gut, dass sie noch ihre Freundinnen aus Schulzeiten hat, auf die sich immer verlassen kann.

Nicht alle Nebenschauplätze konnten mich voll überzeugen, z. B. das Verhalten von Jens und Iven fand ich überzogen. Die im Roman vorkommende Tante von Lea trägt nichts zur Geschichte bei und hätte gerne fehlen dürfen.

Der Autorin ist es ansonsten aber gut gelungen, die verschiedenen Charaktere liebevoll zu beschreiben. Am Ende war mir zu viel Friede, Freude, Eierkuchen. Ich hätte mir die eine oder andere Wendung gewünscht, so war vieles vorhersehbar.

Trotz meiner Kritik hat mich Marieke Hansen gut unterhalten..

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
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  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 25.03.2025

Anni zahlt einen hohen Preis

Die Glücksfrauen – Das Geheimnis der Rosen
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Im dritten und letzten Teil der Glücksfrauen-Saga – Das Geheimnis der Rosen – steht die Geschichte von Anni Graf im Mittelpunkt. Anna Claire nimmt uns mit auf eine Rosenfarm in Tansania und wir sind dabei, ...

Im dritten und letzten Teil der Glücksfrauen-Saga – Das Geheimnis der Rosen – steht die Geschichte von Anni Graf im Mittelpunkt. Anna Claire nimmt uns mit auf eine Rosenfarm in Tansania und wir sind dabei, wie die Protagonistinnen June, Sandra und Wendy die Geheimnisse der letzten der drei Freundinnen lösen.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen von Anni sind für mich nicht immer nachvollziehbar und daher auch nicht stimmig.

Das Cover ist wunderschön. Eine junge Frau, vermutlich Anni, wirft einen Blick in die Savanne, ihre neue Heimat.

Die Autorin schildert in diesem Teil, wie Anni nach Afrika gelangt und welche Hindernisse sie zu überwinden hat. Die naive und etwas leichtgläubige Anni verschließt vor den Taten der Nazis die Augen, ist geblendet von der Liebe zu Siegfried, den sie von Kindesbeinen an kennt und der trotz seiner Zugehörigkeit zur Gestapo in ihren Augen ein rechtschaffender Mensch ist.

Erst nach seinem Betrug kann sie die Augen vor der Wahrheit nicht mehr verschließen. Sie trennt sich und schließt sich als Agentin der Engländer dem Widerstand gegen das NS-Regime an und findet eine neue Liebe, mit der sie nach dem Krieg einen Neuanfang in Afrika wagt.

Annis Entwicklung ist wirklich unvorhersehbar und hat mich überrascht. Sie entwickelt sich von dem jungen naiven Mädchen zu einer taffen jungen Frau, die aber von ihrer Vergangenheit eingeholt wird und für den Rest ihres Lebens keine Ruhe finden wird. Das alles erfahren die Enkelinnen der Freundinnen und es gelingt ihnen auch, das Geheimnis um Luises Schuld zu lösen.

Die Geschichte von Anni hat mich sehr berührt, zeigt sie doch, dass man die Augen von der Wahrheit nicht verschließen sollte. Dies galt damals und auch heute.

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Eine bewegende Familiengeschichte

Zwanzig Jahre - 1933
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Roman Just nimmt uns im ersten Teil seiner “Zwanzig Jahre”-Reihe mit in die Nähe von Greifswald in das Jahr 1933 und lässt uns teilhaben am Leben der Gestütsbesitzerfamilie von Dannenburg. Der Schreibstil ...

Roman Just nimmt uns im ersten Teil seiner “Zwanzig Jahre”-Reihe mit in die Nähe von Greifswald in das Jahr 1933 und lässt uns teilhaben am Leben der Gestütsbesitzerfamilie von Dannenburg. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen der Protagonisten sind im Kontext der Zeit glaubhaft und nachvollziehbar.

Der Roman beginnt mit einem Rückblick in das Jahr 1918 und wir lernen Otto von Dannenburg kennen. Seine im ersten Weltkrieg gemachten Erfahrungen und die immer noch bestehenden guten Kontakte führen dazu, dass er dem Nationalsozialismus skeptisch gegenübersteht und die mit dieser Politik einhergehenden Gefahren erkennt und durchschaut. Er lässt sich nicht blenden und steht zu seinen Prinzipien.

Anders sein jüngerer Bruder Walter. Er sieht im Nationalsozialismus die Chance zum Aufstieg und hat keine Probleme damit, die Ziele der NSDAP auch mit Gewalt, Lügen, Erpressung und Verrat durchzusetzen.

Diese gegensätzlichen politischen Einstellungen führen zu einer Entfremdung der Brüder, die fast in einem endgültigen Bruch mündet.

Dem Autor gelingt es vortrefflich, beide Seiten zu beleuchten:

Otto, der Standfeste, der in Not geratenen Menschen hilft, obwohl ihm klar ist, dass dieses Verhalten auch Nachteile bringen kann.

Auf der anderen Seite Walter, der alle Skrupel über Bord wirft und nur seinen Vorteil und sein Vorankommen sieht und jede Menschlichkeit vermissen lässt.

Der Autor hat die im Jahr 1933 stattfindende Machtergreifung durch Adolf Hitler gut recherchiert und wiedergegeben. In diesen Passagen liest sich der Roman allerdings eher wie ein Geschichts-/Sachbuch und die Geschichte der Familie von Dannenburg gerät ins Hintertreffen.

Auf dem Cover ist der Reichstagsbrand zu sehen. Dieses Motiv ist hervorragend gewählt, zeigt es doch die düstere Zukunft des Deutschen Reiches in den darauffolgenden Jahren.

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