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Veröffentlicht am 29.03.2019

Eine hervorragend recherchierte Biografie, die die Person und den Zeitgeist perfekt widerspiegelt.

Das Leben der Sophie von La Roche - "Sie war die wunderbarste Frau …"
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Im Südverlag erscheint im März 2019 die Biografie "Das Leben der Sophie von La Roche" von Armin Strohmeyr.

Schon Goethe sagte über Sophie von La Roche (1730-1807): "Sie war die wunderbarste Frau, und ...

Im Südverlag erscheint im März 2019 die Biografie "Das Leben der Sophie von La Roche" von Armin Strohmeyr.

Schon Goethe sagte über Sophie von La Roche (1730-1807): "Sie war die wunderbarste Frau, und ich wüsste ihr keine andre zu vergleichen."

Sophie erlangte im Jahr 1771 mit ihrem Briefroman "Geschichte des Fräuleins von Sternheim" als eine der ersten Schriftstellerinnen der Frühaufklärung eine gewisse Berühmtheit. Auf ihre frühe Bildung legte ihr strenger Vater besonderen Wert, das machte sie zu einer klugen Frau, die sich der Literatur zeitlebens widmete.

Nach unglücklichen Liebesgeschichten folgt Sophies Vernunftehe mit dem kurmainzischen Hofrat La Roche, die der wissbegierigen jungen Frau aus bürgerlichen Verhältnissen die höfische Welt eröffnet. Ihr schriftstellerisches Tun bringt Sophie große Anerkennung, und ihr literarischer Salon macht sie zur Grande Dame der zeitgenössischen Geisteswelt. Ihr Leben verbringt Sophie von La Roche im Allgäu und in Augsburg, in Lindau, Oberschwaben und am mittleren Neckar, in Mainz, Koblenz, Speyer und Offenbach. In späteren Jahren reist die Großmutter von Clemens und Bettine Brentano gerne durch Europa, sie schreibt Romane, verfasst Reisebücher und gibt das Bildungsmagazin "Pomona" heraus. Trotz vieler Schicksalsschläge bleibt Sophie bis zuletzt offen für Neues und eine schöngeistige Beobachterin ihrer Zeit.

Der Autor veranschaulicht mit diesem Porträt auf besonders einfühlsame Weise die Atmosphäre vergangener Zeiten. Das Leben von Sophie von La Roche spiegelt die Aufklärung wider und lässt den Leser an ihrer individuellen Lebensgeschichte teilhaben. Durch Briefe, Tagebücher und die autobiografischen Erzählungen von Zeitgenossen bekommt man einen lebendigen Einblick in das Zeitgeschehen und erlebt es dank der verwendeten Originalzitate, die auf heutige Leser etwas gestelzt wirken, authentisch mit.


Sophie von La Roche stand im Mittelpunkt des schöngeistigen Lebens, aber auch der politischen Umwälzungen. Mit ihrem Engagement für Kulturgeschichte prägte sie diese Zeit wie kaum eine andere Frau. Ihre Zeit in Mainz machte sie ihr literarischer Salon zur Grande Dame der zeitgenössischen Geisteswelt.

"Nach der damals geltenden Humoralpathologie,...ist es der guten Laune und dem Esprit einer Frau abträglich, wenn sie ihre Kinder selbst stillt." Zitat Seite 78

Diese Erfahrung sorgte dafür, dass Sophie sich für die Problematik der Erziehung interessierte und sie zum Thema ihres Schreibens wurde. Sie brachte neun Kinder zur Welt, davon überlebten fünf.


Es gibt viele Lebensansichten, die sie schon zu damaliger Zeit angezweifelt hat, wie die Notwendigkeit, ihre Kinder durch eine Amme versorgen zu lassen. Sie war der Überzeugung, dass sich das enge Band zwischen Mutter und Kind durch das Stillen festigt. Doch auch sie war damals machtlos gegen die herrschenden Ansichten.

Trotz ihrer vermeintlichen Anpassung in die gesellschaftlichen Vorgaben, brachte sie ihre Meinung in ihren Schriften deutlich zum Ausdruck.
In späteren Jahren reist die Großmutter von Clemens und Bettine Brentano gerne durch Europa (Schweiz, Frankreich, Holland und England). Sie schreibt Romane, verfasst Reisebücher und gibt die erfolgreiche Frauenzeitschrift "Pomona" heraus, ein gleichsam unterhaltendes Bildungsmagazin.
Der Tod ihres Mannes bringt die erhoffte Freiheit mit sich, die finanziellen Sorgen jedoch nötigen Sophie dazu, zahlende Kostgänger im Haus aufzunehmen und die literarische Produktion mit eiserner Disziplin anzugehen. Sie veröffentlicht diverse Berichte und Bücher über ihre Reisen. Diese verkaufen sich aber eher schleppend.

Armin Strohmeyr hat in diesem Einzelporträt die Figur von Sophie von La Roche lebendig dargestellt. Die Erzählung ihres Lebens kann man sehr authentisch durch Briefe, eingebaute Zitate von Tagebüchern und Auszügen aus Memoiren miterleben.

Besonders für Leser, die Sophies Bücher kennen, ist diese Biografie ein wunderbares Eintauchen in die Zeit ihres Lebens.


Eine hervorragend recherchierte und interessant dargestellte Biografie, die den Zeitgeist perfekt widerspiegelt und das Leben dieser Schriftstellerin auch in kleinen Details aufleben lässt. Viele Buchbeispiele regen Interessierte zur weiteren Recherche an. Als reiner Roman geht dieses Buch etwas zu sehr in die Tiefe.

Veröffentlicht am 28.03.2019

Selten hat ein Kinderbuch soviel Tiefsinn und Unterhaltung zugleich geboten.

Forschungsgruppe Erbsensuppe
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Lina ist neu in der Klasse, sie kommt aus Syrien und scheint eine echte Detektivin zu sein und wird von Nils und Evi in ihrer Bande aufgenommen. Sie forschen mit allerlei witzigen Einfällen und ihr Auftrag ...

Lina ist neu in der Klasse, sie kommt aus Syrien und scheint eine echte Detektivin zu sein und wird von Nils und Evi in ihrer Bande aufgenommen. Sie forschen mit allerlei witzigen Einfällen und ihr Auftrag dreht sich um Nils' Großeltern, bei denen es plötzlich merkwürdig zugeht. Statt Kuchen und leckerem Mittagessen gibt es nur noch die angebrannten Bratkartoffeln von Opa und Dinge verschwinden.

Die "Forschungsgruppe Erbsensuppe" untersucht den Fall mit Witz und Verstand - wenn ihnen nur nicht immer ihre Erzfeinde, die "22 Fragezeichen", in die Quere kommen würden ... Ein Kinderbuch über die langen Auswirkungen von Flucht und die schützende Kraft der Freundschaft.

Dieses Kinderbuch hat mich inhaltlich sehr überrascht. Es mutet wie eine Detektivgeschichte an, zeigt nebenbei aber Integrationsansätze und zeigt, wie Heranwachsende soziales Miteinander lernen können.

Es beginnt mit Nils und seinen lieben und führsorglichen Großeltern, die wie selbstverständlich auch seine beiden Schulfreundinnen bzw. Bandenmitglieder Evi und Lina zum Mittagessen einladen, sie im Wohnzimmer die Hausaufgaben machen lassen und mit ihnen eine wundervolle "gemütliche Stunde" bei Kakao und Kuchen abhalten. Doch irgendwann ändert sich das Verhalten der Oma, sie kocht und backt nicht mehr, schaut Kriegsberichtserstattungen im Fernsehen und sammelt und hortet Erbsensuppendosen. Zunächst übernimmt Opa die Kocherei, es gibt ständig Bratkartoffeln und dann bemerken die Kinder, wie immer mehr Dinge verschwinden. In der Schule gibt es eine Keilerei, die Oma von Nils wird von Mitschülern beschimpft und Nils Eltern sind in Sorge.


Hinter dieser Geschichte versteckt sich ein tragisches Flüchtlingsschicksal, hier werden die Parallelen zu Lina erkennbar. Für Kinder ist dieses Buch nicht bedrohlich, es erklärt allerdings einige Erlebnisse und Flüchtlingsprobleme näher.

Wie die Bande hinter die Geheimnisse von Nils Oma kommt, was alles merkwürdiges geschieht und wie die Freunde immer mehr zusammenwachsen, ist in diesem Buch äußerst lustig, fesselnd und nachdenklich machend erzählt. Selten hat ein Kinderbuch soviel Tiefsinn und Unterhaltung zugleich geboten.


Dieses Buch enthält viele Tatsachen, die zeigen, wie Flüchtlingsschicksale nachwirken können und wie man sie mit Freundschaft und Liebe heilen kann.


Ein wunderbares Kinderbuch, das auf Flüchtlinge, Freundschaft und echte Probleme eingeht und sie kindgerecht aufarbeitet. Es wäre eine perfekte Lektüre, die auch in der Schule für Aufklärung sorgen könnte und dennoch genügend Witz enthält, um nicht belehrend zu wirken.

Veröffentlicht am 28.03.2019

Unkompliziert und lecker, köstliche Pastagerichte aus einem Topf!

One Pot Pasta. Pasta & Sauce aus 1 Topf. Die besten Rezepte für blitzschnelle Nudelgerichte
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Von Emilie Perrin erscheint im März 2019 im Bassermann Verlag das Kochbuch: One Pot Pasta. Pasta & Sauce aus 1 Topf. Blitzschnelle Nudelgerichte

Pasta sind beliebt, weil sie gut schmecken und so vielseitig ...

Von Emilie Perrin erscheint im März 2019 im Bassermann Verlag das Kochbuch: One Pot Pasta. Pasta & Sauce aus 1 Topf. Blitzschnelle Nudelgerichte

Pasta sind beliebt, weil sie gut schmecken und so vielseitig zuzubereiten sind. Das Zeitsparende an der One Pot Pasta ist die geniale Idee, alles in nur einem Topf zu kochen. Das spart neben Strom auch den großen Abwasch. Es werden alle Zutaten mit etwas Wasser zu einem köstlichen Gericht verarbeitet, sodass die Nudeln dann mit allen Geschmackskomponenten aufgekochte werden und damit besonders viele Aromen aufnehmen können.

One Pot Pasta ist der amerikanische Kochtrend für alle, die lieber kochen als abwaschen. Das Prinzip ist ganz einfach: Die Nudeln und alle anderen Zutaten kommen gemeinsam in den Topf und kochen so lange, bis die Nudeln gar sind. So verschmelzen die Aromen, die Soße wird sämig und die Nudeln saugen diese perfekt auf. Es kommt also nur auf die Bestimmung der gewünschten Zutaten an.

Dieses Buch umfasst neben Tipps und Anregungen 30 traditionelle, vegetarische und international inspirierte Rezepte. Mit wenig Aufwand steht hier ein vollständiges Gericht blitzschnell auf dem Tisch, der nötige Abwaschberg entfällt und die Ergebnisse schmecken, was will man mehr!
Mir gefällt die schöne Aufmachung des Buches, die Gerichte nehmen jeweils eine Doppelseite für das Rezept mit den Zubereitungshinweisen und dem entsprechenden appetitlich wirkenden Foto ein.

Die Zubereitung ist auch für Anfänger keine Schwierigkeit, die einzelnen Schritte werden verständlich erklärt. Es gibt zu jedem Rezept konkrete Angaben zur Personenzahl, zum Schwierigkeitsgrad, zur Vorbereitungszeit und Garzeit und zu den Kosten (günstig und mittel).

Die Nährwertangaben fehlen, Pastagerichte gehören nicht gerade zu den kalorienarmen Gerichten, vielleicht möchte man niemanden verschrecken.

Nach kurzen einleitenden Worten und Tipps der Autorin zu Nudelsorten und Zubereitung geht es schon gleich mit den Rezepten los.

Das Buch besteht aus drei Kapiteln.


1. Traditionelle One Pot Pasta-Gerichte:

Pasta mit Cocktailtomaten und Pesto

Pasta mit Chicoreé und Ziegenkäse

Nudeltopf mit Speck und Brokkoli

Fischtopf

Pasta Bolognese

Tagliatelle Carbonara

Fischtopf Nudeln nach Sennerinnenart


2. One Pot Pastas aus aller Welt:

Reisnudeln mit Garnelen

Nudeln nach chinesischer Art

Pasta mit Hühnchen, Kurkuma und Mohn

Feuriger Bohnen-Nudel-Topf


3. Vegetarische Gerichte:

Pasta mit Kürbis, Maronen und Käse

Nudeln mit Ziegenkäse und Tomaten

Pasta Primavera

Nudeln nach Förster Art

Veganer Nudeltopf


Meine Kochversuche haben gut funktioniert, die Flüssigkeitsmenge muss man allerdings immer etwas nachjustieren. Ich werde noch mehr Rezepte ausprobieren.
Da die Sauce nicht wie üblich getrennt und optisch hübsch auf den Nudeln angerichtet werden, ist das Ergebnis allerdings nicht so unbedingt ein Genuss fürs Auge. Doch Hauptsache, es schmeckt.


Dieser praktische Trend ermöglicht mit wenig Aufwand ein leckeres Pastagericht und eignet sich für die schnelle Küche. Vielseitige Vorschläge bieten für jeden Geschmack das passende Rezept. One Pot Pasta ist ein Kochtrend, den man ausprobieren sollte, dieses Kochbuch bietet leckere Rezeptvorschläge.

Veröffentlicht am 26.03.2019

Spannendes Mitraten ist bei diesem Urlaubskrimi angesagt.

Die Tote im Dünenhaus
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Ulrike Buschs Krimi "Die Tote im Dünenhaus" ist der 6. Fall der Kripo Wattenmeer und erscheint als Books on demand.

Okko Knudsen, der Bruder von Hauptkommissar Kuno Knudsen, hat endlich beruflich Fuß ...

Ulrike Buschs Krimi "Die Tote im Dünenhaus" ist der 6. Fall der Kripo Wattenmeer und erscheint als Books on demand.

Okko Knudsen, der Bruder von Hauptkommissar Kuno Knudsen, hat endlich beruflich Fuß gefasst. Er will als Jugendbetreuer auf Amrum Umweltseminare des Biologen Professor Bubendeys begleiten. Als Okko zur Vorbereitung mit dem Professor verabredet ist und das Dünenhaus am Wriakhörnsee aufsucht, stolpert er über die Leiche einer Frau. Der Professor ist nicht vor Ort. Den Ermittlern stellt sich die große Frage, wer diese Frau ist und warum sie ausgerechnet dort ermordet wurde. Sollte der Professor etwas damit zu tun haben oder ist das ein Racheakt gegen den verhassten Unternehmer Ulf Janssen aus Hamburg, der gegen den Willen der Amrumer das Dünenhaus kaufen will?


"Mörder fragen nicht nach dem Wochentag." Zitat Seite 21

Die Kripo Wattenmeer ist mittlerweile meine liebste Krimi-Reihe von Ulrike Busch.

Erneut kann die Story mich auf die Insel Amrum mitnehmen und weil die Gründe für den Mord relativ verzwickt sind, kann man wieder gut mitraten.

Mit diesem Leichenfund hat das findige Ermittlerteam Knudsen und Zander von der Kripo Wattenmeer erneut einen Fall aufzuklären, bei dem es mehrere Tatverdächtige gibt.

Rein sprachlich gesehen, enthält dieser Band alle Zutaten, um zu den bestern Krimis der Autorin zu gehören. Eine flüssige Sprache, eigenes Mitraten durch den Leser, schräge Figuren und ihr Alltagsverhalten und eine unterhaltsame, sowie fesselnde Aufklärung machen dieses Buch zu einem perfekten Urlaubskrimi für Mußestunden an der Nordsee.


Auch wenn hier mittlerweile der sechste Band vorliegt, sollte man keine Verständnisschwierigkeiten mit dem Buch haben. Alle Fälle sind einzeln abgeschlossen und die Figuren werden immer wieder kurz umrissen. Die persönliche Entwicklung der Personen ist jedoch aus der Reihe heraus noch interessanter zu verfolgen.


Betrachtet man diesen Mordfall, zeigen sich einige Verdächtige, etwaige Motive sind denkbar, aber nicht eindeutig klar. Gemeinsam mit den Ermittlern geht es zu den Befragungen und man kann sich selbst ein Bild über die Personen machen, die im Umfeld mit dem Mord in Frage kommen. Ulrike Busch streut mehrere Wendungen ein, sodaß man immer wieder weitere Personen für den Täter hält.

Mit ihren etwas schrägen Figuren sorgt die Autorin für bunte Unterhaltung, besonders ihr skurriler Reporter Friedrich Fliegenfischer ist ein Unikum, der dieses Mal auf Freiesfüßen wandelt und für eine heitere Note sorgt.

Dieses Mal scheint FF endlich auch etwas eigenen Ermittlerinstinkt gewonnen zu haben. Die neue Journalistin und der ältliche Professor Dionisius Bubendey, der ein Frauenschwarm sein soll, sorgen für weiteren Schwung in der Geschichte, die natürlich auch kleine Alltagsgeschichten aus dem Privatleben der Kripoleute enthält und wie immer norddeutsches Küstenflair versprüht.

Ein Krimi, der ohne Blutvergießen auskommt und mit seinen liebenswerten oder auch schrägen Figuren gut unterhält. Der perfekte Urlaubskrimi für Mußestunden an der Nordsee.

Veröffentlicht am 19.03.2019

Roman in Dialogform, der mich gut unterhalten hat

Kaschmirgefühl
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Der kleine Roman "Kaschmirgefühl" von Bernhard Aichner erscheint im März 2019 im Haymon Verlag.


Der Single Gottlieb führt ein unspektakuläres Leben als Krankenpfleger in einem Hospiz. Tagsüber sieht ...

Der kleine Roman "Kaschmirgefühl" von Bernhard Aichner erscheint im März 2019 im Haymon Verlag.


Der Single Gottlieb führt ein unspektakuläres Leben als Krankenpfleger in einem Hospiz. Tagsüber sieht er dem Tod ins Auge und abends gibt es auch keine Romantik für ihn, denn er lebte bis vor Kurzem mit seiner alten Mutter zusammen. Privatleben: Fehlanzeige. Aus großer Einsamkeit ruft Gottlieb zum ersten Mal in seinem Leben eine Sexhotline an und hört Maries Stimme. Natürlich hat sie die gewohnten Standardsprüche auf Lager, doch Gottlieb möchte statt Telefonsex viel lieber mit Marie reden. Beide führen ein Gespräch, bei dem sie sich gegenseitig Lügen auftischen. Beide ahnen nicht, dass sie die gleichen Sehnsüchte nach einem glücklichen Leben teilen.


Bernhard Aichners neuestes Werk "Kaschmirgefühl" ist ein Kurzroman in Dialogform. Nachdem ich seine etwas skurrilen Krimis bereits kenne, war ich sehr gespannt auf diesen Genrewechsel.


Die gesamte Handlung besteht aus den Telefonaten zwischen Yvonne (Marie) und Joe (Gottlieb), die sie innerhalb von 10 Stunden miteinander führen. Gottlieb ruft zum ersten Mal in seinem Leben eine Sex-Hotline an. In dieser Anonymität entstehen Gespräche, die von beiden mit reichlich Flunkerei geführt werden. Es geht schon bei den Namen los. Bei Marie gehört der Name ja zum Geschäft, Gottlieb scheint dann aber mit der wahren Bestimmung von Maries Telefonaten ein Problem zu haben. Er möchte sich eigentlich nur unterhalten. Kaum ist ein kurzes Telefonat beendet, ruft Gottlieb erneut an und beide fühlen sich etwas veralbert vom Gegenüber, denn sie erfinden gegenseitig Geschichten. Doch beim Klang ihrer Stimme geschieht das Ungewöhnliche, Gottlieb verliebt sich ein wenig in Marie und sie vielleicht auch in ihn. Solche Männer hat sie selten an der Strippe. Was an ihren Gesprächen wirklich wahr ist, kann man nur erahnen. Auf alle Fälle ist es ein gegenseitiger Flirt, der nie billig oder obszön wirkt und sich zu einer besonderen Liebesgeschichte entwickelt.


Der Roman lässt sich schnell und flüssig lesen, es ist nicht besonders viel Text.

Mit der Zeit werden einige Geheimnisse oder Übertreibungen aufgeklärt, doch im Grunde blieben die Figuren etwas unscharf und zeigen nicht die spezielle und charakterliche Tiefe, die Aichner so perfekt beherrscht.


Weil ich mit einem Donnerschlag am Ende gerechnet hatte, hat mir hier etwas gefehlt. Gerade in der besonderen Charakterisierung seiner Protagonisten liegt sonst Bernhard Aichners Stärke. Seine Krimis gefallen mir besser, dieser Roman hat mich aber auch gut unterhalten.