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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.09.2018

Helikopter

Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen!
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Lena Greiner erzählt in diesem Buch aus den Erfahrungen von Hebammen, Erzieherinnen Lehrern und Ärzten, die es in ihrem Alltag mit Helikopter-Eltern zu tun bekommen.

Es geht um Klobrillen, die fürs Kind ...

Lena Greiner erzählt in diesem Buch aus den Erfahrungen von Hebammen, Erzieherinnen Lehrern und Ärzten, die es in ihrem Alltag mit Helikopter-Eltern zu tun bekommen.

Es geht um Klobrillen, die fürs Kind vorgewärmt werden sollen, um Kinder, die in der Notaufnahme nicht behandelt werden können, weil die Eltern Traumata befürchten. Sprich es geht um den ganz normalen Wahnsinn von Eltern, die eigentlich nur das Beste für ihr Kind wollen.

Die Anekdoten sind manchmal wirklich witzig, aber meistens bleibt einem das Lachen doch im Hals stecken. Ich bin froh, dass ich bis jetzt meistens von dieser Sorte Eltern weitgehend verschont geblieben bin.

Es ist schon unglaublich, was Eltern alles einfällt, wenn es um ihr Kind geht.

Wem der erste Band „Verschieben Sie die Deutscharbeit – mein Sohn hat Geburtstag!“ gefallen hat, dem wird der Nachfolgeband sicher auch zusagen.

Veröffentlicht am 03.09.2018

Ein bisschen Downton Abbey

Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht
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Louisa lebt in London und wird von ihrem Onkel immer wieder in Schwierigkeiten gebracht. Über eine Freundin erfährt sie, daß die Familie Mitford ein Kindermädchen sucht und bewirbt sich dort. ...

Louisa lebt in London und wird von ihrem Onkel immer wieder in Schwierigkeiten gebracht. Über eine Freundin erfährt sie, daß die Familie Mitford ein Kindermädchen sucht und bewirbt sich dort. Nach abenteuerlichen Umständen schafft sie es die Stellung zu bekommen und freundet sich in Mitford Manor angekommen mit der ältesten Tochter Nancy an.
Parallel dazu wird Florence Nightingale Shore auf dem Weg zu einer Freundin im Zug ermordet. In die Ermittlungen wird auch der Bahnpolizist Guy verwickelt, der sich mit dem offiziellen Ausgang der Ermittlungen nicht zufrieden gibt. Zusammen mit Louisa und Nancy beginnt er weiter zu ermitteln.

Mir hat das Buch gut gefallen. Es war so richtig schön britisch, ein bisschen wie Downton Abbey. Kein Wunder, ist die Autorin ja wohl auch die Nichte des Autors von Downton Abbey. Die Ermittlungen stehen nicht unbedingt im Vordergrund, wir erfahren auch viel, was im Hause Mitford vor sich geht.
Nancy fand ich manchmal ein wenig anstrengend in ihrer absoluten Selbstüberzeugtheit. Louisa hingegen war mir sehr sympathisch. Sie versucht etwas aus ihrem Leben zu machen und aus den Fängen ihres Onkels zu entkommen. Und auch Guy versucht alles um aus seinem Leben etwas zu machen. Gemeinsam schaffen sie es tatsächlich herauszufinden, was denn nun hinter dem mysteriösen Mord an Florence Nightingale Shore steckt.

Zwischendrin hat es sich ein wenig gezogen, da ging es mehr um das Leben von Louisa und Guy im allgemeinen und weniger um den Fall. Hier hätte das Ganze durchaus gestrafft werden können. Das Ende war hingegen noch einmal sehr spannend und auch ein wenig überraschend.
Das Buch scheint das erste einer Reihe um die Mitford Schwestern zu sein, die in den dreißiger Jahren als Hitler -Fans zu Berühmtheit gelangten. In diesem Buch sind sie allerdings alle noch Kinder.

Von mir gibt es durchaus eine Leseempfehlung für ein nettes, sehr britisches Buch, dass mich gut unterhalten hat und sich flüssig lesen lies.

Veröffentlicht am 03.09.2018

Ungewöhnliche Science Fiction

Binti Sammelband
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Binti ist ein Mädchen aus dem Stamme der Himba. Sie ist die erste Himba, die an der Oomza Universität angenommen wurde, aber Himba verlassen ihr Heimatdorf nicht. Und doch ist Binti sich sicher, dass ...


Binti ist ein Mädchen aus dem Stamme der Himba. Sie ist die erste Himba, die an der Oomza Universität angenommen wurde, aber Himba verlassen ihr Heimatdorf nicht. Und doch ist Binti sich sicher, dass der Weg zur Uni für sie der Richtige ist und schleicht sich heimlich davon.
Damit beginnt für sie das Abenteuer ihres Lebens, das nicht nur ihr Leben, sondern das vieler verändern wird.Ich muss sagen, ich war skeptisch, ob das Buch wirklich etwas für mich ist. Ich habe es weder mit afrikanischen Autoren, noch mit Preisträgern. Aber nachdem mir Children of Blood and Bone schon so gut gefallen hatte, dachte ich mir, dass das hier auch etwas für mich sein könnte.
Das Buch besteht aus drei Kurzgeschichten die im Abstand von jeweils einem Jahr entstanden sind und nun erstmals als ein Buch erscheinen. Alle drei Kurzgeschichten waren vorher schon einzeln erschienen. An manchen Stellen der Geschichten merkt man, dass es eigentlich einzeln stehende Geschichten sind, da hier auf das Geschehen der Vorgänger ausführlicher Bezug genommen wird und Dinge erklärt werden, die einem klar sind, wenn man die drei Geschichten am Stück liest. Das war aber nur ganz selten der Fall und hat nicht wirklich gestört.
Ich bin sehr froh, dass ich Bintis Geschichte vom Anfang bis zum jetzigen Ende am Stück verfolgen konnte. Bintis Entwicklung ist unglaublich spannend, sowie eigentlich das gesamte Setting. Der Handlungsort ist zu großen Teilen Bintis Heimat am Rande der Namib Wüste, irgendwann in unserer Zukunft. Die Oomza Universität liegt auf einem eigenen Planeten und dorthin reist Binti auf einem lebenden Raumschiff. Dort angekommen lernt sie viele weitere Spezies kennen und akzeptieren.Auch die Medusen, die auf der Erde gegen die Khoush, einem Nachbarstamm, Krieg geführt haben, lernt sie dort besser kennen und verstehen.
Zurück auf der Erde kommt es dann aber wieder zu Feindseligkeiten zwischen Khoush und Medusen und Binti versucht hier zu klären. Dafür nutzt sie die ihr eigene Magie.Das Buch bietet immer wieder erstaunliche Wendungen und bleibt damit bis zu Schluss unglaublich spannend. Der Schreibstil war so bildhaft, dass ich mir die fremden Kulturen bildhaft vorstellen konnte. Ich war sozusagen sofort in meinem eigenen Film gefangen.
Für mich war dieses Buch auf jeden Fall eines meiner Jahreshighlights, ich werde die Autorin sicher im Auge behalten und ihre weiteren Bücher auch noch lesen. Vielleicht gibt es ja auch noch einmal etwas über Binti und ihre Freunde. Darüber würde ich mich auf jeden Fall sehr freuen.

Von mir daher eine volle und dringende Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 24.08.2018

Der Schrecken des Krieges

Was wir zu hoffen wagten
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In diesem Buch begleiten wir Felice, Willi und Ille für kurze Zeit durch ihr Leben.
Das Buch beginnt 1918 mit dem Ende des Krieges, als Felice auf der Suche nach Informationen über das Verbleiben ihres ...

In diesem Buch begleiten wir Felice, Willi und Ille für kurze Zeit durch ihr Leben.
Das Buch beginnt 1918 mit dem Ende des Krieges, als Felice auf der Suche nach Informationen über das Verbleiben ihres Bruders auf dessen Schwarm Recha und auf ihre Schwester Ille trifft. Nach dem kurzen Prolog springt das Buch ins Jahr 1912 zurück, als Felice gerade 21 wird.
Ihr größter Traum ist es, nicht nur Jura zu studieren, was ihr gelungen ist, sondern auch als Juristin zu praktizieren. Dies wird ihr auf Grund der geltenden Rechtslage nicht möglich sein, da sie ihre Praxiszeit nicht antreten darf und damit nicht zum zweiten Staatsexamen zugelassen werden wird.
Willi hingegen soll das Bankhaus des Vaters übernehmen, schwärmt aber für die Welt des Films und lernt bald in Babelsberg Leute vom Film kennen, die ihn ernst nehmen und mitarbeiten lassen.
Die kleine Schwester Ille möchte hingegen nichts als eine Familie und vor allem von ihrer großen Schwester Felice geliebt werden. Für sie geht sie eine arrangierte Ehe ein, um das Bankhaus der Familie zu retten und Felice zu beweisen, dass sie sie liebt.
Doch dann bricht der erste Weltkrieg aus und für alle drei und ihre Freunde ändert sich das Leben, sie alle müssen zwangsläufig erwachsen werden.

Ich habe mich am Anfang mit dem Buch aufgrund des etwas sperrigen Schreibstils und der anfangs recht nervigen Protagonisten recht schwer getan und hatte sogar schon überlegt, das Buch abzubrechen. Doch nachdem ich mich etwas eingelesen hatte, konnte ich die Eigenheiten der Hauptpersonen besser verstehen und tolerieren. Außer Ille sind mir wirklich alles ziemlich ans Herz gewachsen und ich habe mit ihnen mitgebangt und für sie gehofft, dass es eine Lösung für ihre Probleme und Wünsche geben möchte.
Michaela Saalfeld schreibt recht schonungslos. Felice wird ein wenig wie ein kalter Fisch dargestellt, hochintelligent aber gefühlsarm. Willi ist ein Träumer und am Anfang noch sehr kindisch unterwegs und Ille ist eigentlich ein kleines Dummchen, die alles tut um von Felice geliebt zu werden.
Auch die Schilderungen der Schlachten im Krieg waren schnörkellos und teilweise sehr grausam. Aber niemals übertrieben. Dass der Ersteinsatz von Giftgas in einem Brief an Felice geschildert wurde, fand ich einen gelungenen Kunstgriff. So wurde der Einsatz dieser unmenschliche Kriegswaffe durch das Grauen der dort Beteiligten nachdringlich geschildert.
Der Einsatz von Filmen und Fotos zu Propagandazwecken durch die Heeresleitung ist an dieser Stelle auch ein großes Thema.

Ich kann das Buch nur empfehlen. Es ist ein Plädoyer nicht nur für die Frauenrechte, sondern auch für die Menschenrechte und ein gültiges Gesetz, das immer und für alle gilt. Außerdem ist es ein Aufruf gegen Gewalt und Krieg.
Ich würde mich freuen, wenn es ein weiteres Buch um Felice, ihre Geschwister und Freunde geben würde, so wie es im Nachwort von der Autorin angedeutet wird.

Veröffentlicht am 23.08.2018

Öfter mal den Schwamm wechseln

Ein Keim kommt selten allein
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Keime gehören zu unserem Leben, sie können ohne uns gut überleben, wir aber nicht ohne sie. Markus Egert gelingt es mit diesem Buch das negative Image von Keimen ein wenig zu reduzieren.
Er klärt auf, ...

Keime gehören zu unserem Leben, sie können ohne uns gut überleben, wir aber nicht ohne sie. Markus Egert gelingt es mit diesem Buch das negative Image von Keimen ein wenig zu reduzieren.
Er klärt auf, dass unser Mikrobiom so individuell ist wie jeder von uns und wir ohne diese nicht leben können. Gleichzeitig gibt er aber auch Tipps wie man schädlichen Keimen im Haushalt beikommt, was nötig ist (öfter mal den Küchenschwamm wechseln) und was nicht (Desinfektionsmittel).
Zusätzlich erfährt man, wie es passieren kann, dass Bakterien Resistenzen entwickeln und wie es in Krankenhäusern zu den heute gültigen Hygienevorschriften kam.

Vieles, was in diesem Buch erklärt wird, war mir durchaus bekannt, z.B. Dass Antibiotika nicht bei einem Virusinfekt helfen. Aber manches war auch neu für mich und bestimmte Dinge werde ich wohl auch in meinem Alltag umsetzen, auch wenn wir bis jetzt keine Probleme hatten.

Mir hat dieses Buch Spaß gemacht, es vermittelt Wissen in einem gut lesbaren Stil und gibt Anregungen für den Alltag. Endlich versteht man auch warum man seinen Küchenschwamm viel öfter wechseln sollte, als man es jetzt tut und warum das Klo sauberer ist, als die Küche.

Von daher von mir eine Leseempfehlung für dieses wirklich interessante, informative Buch.