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Veröffentlicht am 23.01.2025

Erhellendes Portrait einer dunklen Zeit

Ginsterburg
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In drei Zeitabschnitten - 1935, 1940 und 1945 - schildert Arno Frank in seinem neuesten Werk "Ginsterburg" das Schicksal ausgewählter Bewohner in einer fiktiven Stadt mit dem titelgebenden Namen während ...

In drei Zeitabschnitten - 1935, 1940 und 1945 - schildert Arno Frank in seinem neuesten Werk "Ginsterburg" das Schicksal ausgewählter Bewohner in einer fiktiven Stadt mit dem titelgebenden Namen während der NS-Zeit. Obwohl einige Biografien nur kurz angerissen werden, wird schon relativ früh klar wer den "neuen Zeiten", die mit der Machtergreifung Hitlers angebrochen sind, euphorisch entgegen geht, wer skeptisch und wer ein Mitläufer ist. Im Laufe des Romans entwickelt sich die vermeintliche Kleinstadtidylle weit weg von der Reichshauptstadt und der Front zur Hölle des Krieges in jeglicher Form. Auch wenn manches nur grob angerissen wird ist diese Entwicklung, die auch die Bewohner durchmachen, gut nachvollziehbar. Teilweise wirken grausame Geschehnisse, die nur beiläufig geschildert werden sogar noch schockierender.
Mit diesem Buch liefert Arno Frank somit durchaus Erhellendes über eine dunkle Zeit deutscher Geschichte und regt zum Nachdenken und Innehalten an. Nebenbei liefert es noch einige mir bisher nicht bekannte Fakten wie z.B. zur Entwicklung der vermeintlichen deutschen Wunderwaffe "Natter".
Mich hat der Roman sehr angesprochen und bewegt. Irritiert hat mich lediglich, dass in die Geschichte der fiktiven Stadt Ginsterburg die real existierende Persönlichkeit Lothar Siebert eingewoben wurde, der jedoch in Dresden aufgewachsen ist (und das jedoch in keinster Weise zu den Beschreibungen der Stadt Ginsterburg passt). Auch endet mir das Werk etwas zu abrupt und das Schicksal einiger Protagonisten bleibt letztlich offen.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Ein sehr bewegender Appell für den Frieden

Und später für immer
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Inspiriert von den Tagebüchern seines Großvaters schildert Volker Jarck in „Und später für immer“ wie der Soldat Johann Meinert in den Wirren der letzten Kriegstage eine günstige Gelegenheit nutzt, um ...

Inspiriert von den Tagebüchern seines Großvaters schildert Volker Jarck in „Und später für immer“ wie der Soldat Johann Meinert in den Wirren der letzten Kriegstage eine günstige Gelegenheit nutzt, um von einem unweit seiner Heimat gelegenen Flugplatz, auf dem er stationiert ist, zu fliehen. Nachdem es ihm gelungen ist, sich unentdeckt bis zum Bauernhof seines Onkels und seiner Tante durchzuschlagen, versteckt er sich dort in der Scheune, um auf das Kriegsende zu warten und dann endlich zu seiner Ehefrau und dem neugeborenen Kind, das er noch nie gesehen hat heimzukehren.
Dabei ist die Angst sein ständiger Begleiter – vor den Feldjägern, vor Leuten, die ihn entdecken und verraten könnten oder Fanatikern, die ihn als Deserteur lynchen könnten. In seiner Erinnerung und seinen Tagebüchern blickt Johann aber auch immer wieder auf die Kriegsjahre zurück. In den kurzen, stark verdichteten Kapiteln wird deutlich wie die anfängliche Naivität und Überheblichkeit der jungen Soldaten nach und nach weicht und am Ende angesichts der sicheren Niederlage und der verbrannten Erde nur noch das nackte Überleben als Ziel bleibt.
Mich hat Johanns Geschichte sehr bewegt – obwohl vieles nur kurz umrissen oder knapp angedeutet wird, werden die Gräuel des Krieges durchaus spürbar und das Buch ist ein weiterer Appell dafür, dass alles dafür getan werden sollte, dass sich all dieses Leid nie mehr wiederholt.

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Veröffentlicht am 07.10.2024

Trotz guter Ansätze nur Durchschnitt

Im Warten sind wir wundervoll
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Charlotte Indens Roman „Im Warten sind wir wundervoll“ besteht aus zwei Zeitebenen. Da ist zum einen die eigentliche Protagonistin Luise Adler, die sich in den Wirren nach Ende des Zweiten Weltkrieges ...

Charlotte Indens Roman „Im Warten sind wir wundervoll“ besteht aus zwei Zeitebenen. Da ist zum einen die eigentliche Protagonistin Luise Adler, die sich in den Wirren nach Ende des Zweiten Weltkrieges in den amerikanischen Soldaten Jo Hunter verliebt hat. Vor dessen Rückkehr in die USA verloben sie sich noch schnell am Flughafen, jedoch ist es Luise als Deutsche zu diesem Zeitpunkt nicht erlaubt ihren Verlobten in seine Heimat zu begleiten. Als dies einige Zeit später möglich ist, reist sie nach New York, um Jo dort zu heiraten, doch dieser taucht nicht wie vereinbart am Flughafen auf. Mehr als 70 Jahre später fliegt ihre Enkelin Elfies ebenfalls nach New York, um dort ihren Verlobten zu treffen. Während des Fluges kommt sie mit ihrem Sitznachbarn ins Gespräch und erzählt ihm die Geschichte ihrer Großmutter.
Aufgrund der Parallelen in den Geschichten von Großmutter und Enkelin verschwimmen die Zeitebenen häufig ineinander und es ist nicht immer sofort klar, um wen es gerade geht. Dies ist zunächst durchaus spannend und reizvoll, wirkt aber im Laufe der Handlung sehr konstruiert. Während mich Luises Liebesgeschichte mit all ihren Begleitumständen in der Nachkriegszeit auf beiden Seiten des Atlantiks durchaus gefesselt hat, wirkt Elfies Part sehr seicht und vorhersehbar, fast schon pilcherhaft. Dadurch ist der Roman alles in allem aus meiner Sicht nur Durchschnitt - trotz aller guten Ansätze und geschichtlichen Hintergründe.

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Veröffentlicht am 25.09.2024

Nicht nur finster, sondern unglaublich spannend

Finster
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Vorab muss ich alle potentiellen Leser warnen: wer dieses Buch anfängt zu lesen, der legt es so schnell nicht mehr aus der Hand und sollte sich für die nächsten Stunden nichts mehr vornehmen – es macht ...

Vorab muss ich alle potentiellen Leser warnen: wer dieses Buch anfängt zu lesen, der legt es so schnell nicht mehr aus der Hand und sollte sich für die nächsten Stunden nichts mehr vornehmen – es macht süchtig!
Die Handlung dreht sich um den mysteriösen „Greifer“, der über einen Zeitraum von fast 20 Jahren für das Verschwinden mehrerer Jungen verantwortlich sein soll und der nun wieder zugeschlagen hat. Von keinem der Verschwundenen wurde eine Leiche gefunden und es gibt praktisch keine Spuren. Dennoch versucht der inzwischen pensionierte Ermittler der ersten Vermisstenfälle dem Greifer auf die Schliche zu kommen, weil er damals der Mutter eines der verschwundenen Kinder geschworen hatte den Täter zu finden und ihn seitdem das schlechte Gewissen plagt.
In kurzen, meist nur 2 oder 3 Seiten langen Kapiteln, die jeweils einer der handelnden Personen gewidmet sind, schafft es Ivar Leon Menger meisterhaft den Leser in seinen Bann zu ziehen. Jeder scheint seine Geheimnisse zu haben und alle wirken irgendwie verdächtig und die Spannung steigt und steigt mit dem Fortgang der Geschichte um die verschwundenen Teenager in einem düsteren seelenlosen Kaff im Odenwald. Dabei wird vor allem durch Ortsnamen oder auch mal eine regionale Biermarke zwar etwas Lokalkolorit eingestreut, doch hat der Thriller nichts mit den üblichen folkloristischen Regionalkrimis gemein, sondern kann es nicht nur wegen der düsteren Atmosphäre locker mit den bekanntesten und besten Skandinavienkrimis aufnehmen. In Sachen Spannung toppt Mengar hier auch Autorenkollegen aus der allerersten Reihe wie Jussi Adler-Olssen. „Finster“ ist das spannendste Buch, das ich seit langem gelesen habe und ich habe es in zwei Tagen regelrecht verschlungen.

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Veröffentlicht am 22.09.2024

Berührende Familiengeschichte - äußerst lesenswert

Vaterländer
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Sabin Tambrea schildert in seinem autobiografischen Roman „Vaterländer“ eine bewegende Familiengeschichte über drei Generationen, die tiefe Spuren hinterlässt.
Im ersten Teil, in dem er selbst im Mittelpunkt ...

Sabin Tambrea schildert in seinem autobiografischen Roman „Vaterländer“ eine bewegende Familiengeschichte über drei Generationen, die tiefe Spuren hinterlässt.
Im ersten Teil, in dem er selbst im Mittelpunkt steht, erzählt er die Ausreise als Kind mit seiner Mutter und älteren Schwester aus der Heimat Rumänien nach Deutschland, wohin der Vater bereits zwei Jahre zuvor geflohen ist. Trotz aller Widrigkeiten und Entbehrungen gelingt es der jungen Familie im für sie zunächst fremden Land Fuß zu fassen und dennoch die Wurzeln zu Großeltern und weiteren Verwandten in Rumänien nicht zu verlieren. In seiner besonderen Sprache gelingt es ihm dies aus der Sicht des kleinen Sabin darzustellen und man kann in jedem Satz mitfühlen, wie er sich damals gefühlt haben mag.
Nur schwer erträglich ist der zweite Teil, in dem der Großvater in seinem Tagebuch in die dunkelsten Zeiten der rumänischen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg eintaucht, als das neu an die Macht gelangte kommunistische Regime mit unvorstellbarer Brutalität alle vermeintlichen Kritiker und Gegner einschüchtern, foltern und hinrichten ließ. Hier werden teilweise Details aus den Gefängnissen geschildert, die der Großvater dort am eigenen Leib erlebt oder selbst gesehen hat und die einem fassungslos machen. Somit wird das Buch dadurch auch zu einer Warnung, wohin der Verlust der Demokratie und des Rechtsstaates führen kann – auch wenn dieser Teil des Buches an manchen Stellen einige Längen hat.
Zuguterletzt wird das Schicksal von Sabins Vater erzählt, der zunehmend an der Unterdrückung und den Zuständen des diktatorischen Ceaucescu-Regimes leidet und sich nach Freiheit sehnt. Dabei liegt ihm jedoch nichts mehr am Herzen als das Wohl seiner Familie, was mehr und mehr zu einer inneren Zerrissenheit führt, die beim Lesen zu spüren ist.
„Vaterländer“ ist somit nicht nur eine berührende Familiengeschichte, sondern beinhaltet auch eine traurige Episode der jüngeren europäischen Geschichte. Beides verwebt Sabin Tambrea, der als Autor genauso großes Talent beweist wie als Schauspieler, zu einem äußerst lesenswerten Buch, das ich sehr empfehlen kann.

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