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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.07.2025

Ein Ja zum Buch

Ja, nein, vielleicht
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Doris Knecht knüpft mit ihrem neuesten Roman an ihren vorangegangenen an („Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe“). Zwar ist er eine Art Fortsetzung, in sich aber völlig selbständig ...

Doris Knecht knüpft mit ihrem neuesten Roman an ihren vorangegangenen an („Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe“). Zwar ist er eine Art Fortsetzung, in sich aber völlig selbständig und gut ohne Kenntnisse des früheren Werkes lesbar. Die Ich-Erzählerin, bei der offen bleibt, ob sie identisch mit Doris Knecht ist, erzählt Weiteres aus ihrem Leben. Sie ist jetzt Ende fünfzig und hat sich gut eingerichtet in ihrem Leben als Single (der sich vor zehn Jahren vom langjährigen Lebenspartner getrennt hat), Mutter eines erwachsenen Zwillingspaares, Autorin, umgeben mit einer Schar guter Freunde und Hund, mit zwei Wohnsitzen in der Stadt (Wien) und auf dem Land. Erst das zufällige Zusammentreffen mit ihrem Freund von vor etwa zwei Jahrzehnten konfrontiert sie mit der Frage, ob sie doch noch einmal bereit ist, ihr gutes Leben mit einem Mann zu teilen. Immer wieder geht sie hierzu Gedankenspiele durch, die interessant zu lesen sind. Mich fasziniert vor allem die gute Beobachtungsgabe und Lebensklugheit, mit denen die Protagonistin Alltägliches, aber auch lebenswichtige Aspekte wie das Älterwerden, Krankheit, Freundschaft reflektiert – Themen, die jeden Leser auch betreffen können. Dass sie dabei ihren Reflexionen freien Lauf lässt und nicht unbedingte Ordnung herrscht, tut dem Ganzen keinen Abbruch.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Stark angefangen, schwach nachgelassen

Ungebetene Gäste
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Da die Autorin studierte Psychologin ist, wundert es nicht, dass sie ihren neuesten Roman zum Psychodrama macht. Sie stellt Unwahrheiten und Unausgesprochenes, Moral und Schuld in den Mittelpunkt der Geschichte. ...

Da die Autorin studierte Psychologin ist, wundert es nicht, dass sie ihren neuesten Roman zum Psychodrama macht. Sie stellt Unwahrheiten und Unausgesprochenes, Moral und Schuld in den Mittelpunkt der Geschichte. Aufhänger des Ganzen ist, dass eine junge israelische Mutter – Naomi -nur kurz nicht Obacht gibt auf ihren einjährigen Sohn, so dass dieser zum Hammer des auf dem Balkon tätigen arabischen Bauarbeiters greift und hinunter auf die Straße wirft, wo dann ein Halbwüchsiger erschlagen wird. Der Arbeiter wird als vermeintlicher Attentäter verhaftet und verurteilt, denn Naomi bezeugt nicht sogleich das wahre Geschehen. Mit ihrer Familie verzieht sie dann nach Lagos und hat dort Kontakte zu einer als Psychologin arbeitenden Landsmännin, der geheim gehaltenen Jugendfreundin ihres Mannes, und der israelischen Community.
Der erste der insgesamt drei Teile hat mich wirklich gepackt. Er gibt Gelegenheit, Naomis Verhalten als richtig oder falsch zu bewerten, je nach der eigenen Moralvorstellung. Interessant ist auch, wie die israelische Gesellschaft aufgebaut ist, in der die Araber auf einer unteren Stufe stehen und schnell als Sündenböcke herhalten müssen. Als sich das Setting dann aber mit dem zweiten und dritten Teil nach Nigeria verlagerte, ließ die Geschichte sehr stark nach. Alles wirkt nur noch künstlich aufgesetzt. Es werden zu viele Figuren eingeführt, die für das eigentliche Thema keinerlei Bedeutung haben und für die Fortentwicklung der Handlung überflüssig sind. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass jetzt nur noch krampfhaft Seiten geschunden werden sollten. Dass Naomi etwa stante pede Gefallen an einer nigerianischen Staatswissenschaftlerin fand, die dann in gewisser Weise von Naomi erlangtes Wissen kritisch preisgab, oder Naomis Mann nach siebzehn Jahren das sehr kurze Verhältnis mit seiner Jugendfreundin aufnahm, oder ein verwöhnter Zehnjähriger sich gegenüber seiner Mutter und seiner Psychologin als kleiner Tyrann aufspielt, ist einfach nur abgedroschen und trivial und mag von mir eher nicht gelesen werden.
Schade, stark angefangen, schwach nachgelassen.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Familiengeschichte

Stromlinien
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Bei der Lektüre des immerhin 510 Seiten umfassenden Romans bin ich nur deshalb am Ball geblieben um zu erfahren, wie sich alles in dieser einem Krimi ähnelnden und deshalb durchaus spannenden Geschichte ...

Bei der Lektüre des immerhin 510 Seiten umfassenden Romans bin ich nur deshalb am Ball geblieben um zu erfahren, wie sich alles in dieser einem Krimi ähnelnden und deshalb durchaus spannenden Geschichte am Ende auflöst. Doch richtig packen konnte sie mich nicht. Gefremdelt habe ich bereits mit den für mich fremd klingenden Vornamen der meisten Protagonistinnen, mit denen ich überhaupt nicht warm werden konnte. Geht es hierbei natürlich nur um eine Belanglosigkeit, so wiegt mein anderer Kritikpunkt schon sehr viel schwerer – die Geschichte ist zu konstruiert und nicht recht nachvollziehbar. Das fängt damit an, dass sich die Wege von drei Generationen zweier Familien über ein ganzes Jahrhundert hinweg immer wieder kreuzen und die Mitglieder der einen immer mehrfach kriminelle Handlungen begehen, die sich zum Nachteil der anderen auswirken. Es gibt viel zu viele Tote. Ganz abstrus aber ist, dass eine Frau der mittleren Generation im ganz jungen Erwachsenenalter und unbescholten bis dahin zu einer achtunddreißigjährigen Freiheitsstrafe wegen vermeintlicher Begehung einer linksextremistischer Straftat verurteilt wird und diese dann auf einer Gefängnisinsel verbüßt, während der Haft sogar noch Zwillingstöchter zur Welt bringt, mit denen sie erst nach siebzehn Jahren ein gemeinsames Leben in Freiheit führen kann. In unserem Rechtssystem ginge es doch merkwürdig zu, wenn man das Handeln der jungen Täterin derart verkennen und ihrem von ihr selbst vorgeschobenen Verhalten aufsitzen würde. Dieses Konstrukt können dann auch nicht die atmosphärischen Naturbeschreibungen in den Elbmarschen ausgleichen, die ihrerseits die Region zu sehr romantisieren.
Am ehesten ist das Buch etwas für eine jüngere Leserschaft.

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Zwei mögliche Lebensläufe

Im Leben nebenan
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Das Buch hat mir wirklich gut gefallen und ich kann es sehr empfehlen. Allerdings - und deshalb auch ein Abzug in der Bewertung - lässt die sehr ungenaue Buchbeschreibung d. LeserIn möglicherweise von ...

Das Buch hat mir wirklich gut gefallen und ich kann es sehr empfehlen. Allerdings - und deshalb auch ein Abzug in der Bewertung - lässt die sehr ungenaue Buchbeschreibung d. LeserIn möglicherweise von falschen Voraussetzungen ausgehen, die er/sie mit dem Roman verbindet. So ging es nämlich auch mir. Es ist dort nämlich die Rede davon, dass er den Horror in den Blick nimmt, mit Kind, aber auch ohne Kind zu leben. Ich bin aufgrund dessen davon ausgegangen dass eine der beiden jungen Frauen bewusst auf ein Kind verzichtet. Die Vorgeschichte dieser Frau ist dann aber so, dass sie den kompletten Horror von Kinderwunschbehandlungen durchgemacht hat, die dann meistens nicht zum Wunschkind führten oder aber zwar zunächst Erfolg hatten, dann aber in mindestens zwei Fehlgeburten mündeten. Erst nach diesem ganzen Szenario will sie kein Kind mehr. Passend zu meinen vorgenannten Ausführungen möchte ich noch darauf hinweisen, dass das Buch besser um eine Triggerwarnung ergänzt worden wäre. Denn ich denke, für Frauen in ähnlich belastenden Situationen rund um ihren Kinderwunsch ist dieses Buch schlichtweg ungeeignet, weil zu unsensibel.
Ich konnte ganz neutral in die Lektüre einsteigen. Die Idee, ein und dieselbe Frau im Wechsel zwei unterschiedliche Lebensszenarien und Partnerschaften erzählen zu lassen, ist interessant. Die Frage, was gewesen wäre, wenn man früh im Leben jemand anderen zum Partner genommen hätte, hat sich vielleicht schon jede/r einmal gestellt. Wie diese beiden Geschichten dann am Ende zusammengeführt werden, war plausibel und gut gelöst. Vor allem die Passagen rund um das süße Baby Hanna begeistern – naturgemäß.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Etwas langweilig

Halbinsel
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Ich kenne bereits die früheren Bücher der Autorin „Nebenan“ und „Die Glücklichen“. Im Vergleich zu diesen schneidet ihr neuester Roman nicht gut ab. Der Fokus wird auf eine Mutter-Tochter-Beziehung gelegt, ...

Ich kenne bereits die früheren Bücher der Autorin „Nebenan“ und „Die Glücklichen“. Im Vergleich zu diesen schneidet ihr neuester Roman nicht gut ab. Der Fokus wird auf eine Mutter-Tochter-Beziehung gelegt, die nicht unbedingt schwierig, aber durchaus holprig ist, nachdem die 25jährige Tochter nach einem Burn-out wieder in ihr Kinderzimmer zieht und vom Aufbau eines eigenständigen Lebens keine Rede mehr sein kann. Auch die Mutter ist unzufrieden mit ihrer jetzigen Lebenssituation und zieht vage Veränderungen in Betracht. Was eigentlich zwischen beiden zu stehen scheint, ist der frühe Tod des Ehemannes bzw. Vaters. Anstatt sich auf diese allein doch schon anspruchsvolle Thematik zu fokussieren, bezieht die Autorin weitere schwierige Themen ein, wie etwa Umweltschutzprogramme, das Tun von Klimaaktivisten. Dadurch wird jeder einzelne Aspekt letztlich nur angerissen. Gänzlich verzichtbar war für mich z.B. die sich anbahnende amouröse Beziehung zwischen der fast 50jährigen Mutter und ihrem bald 20 Jahre jüngeren neuen Nachbarn. Vom Stil her ist der Text typisch für Bilkau, ruhig und bedächtig. Er wird gestört durch das eine oder andere negative Szenario, wie das Ausreißen eines Pferdes im Watt.
Eine Leseempfehlung würde ich für dieses Buch nicht unbedingt geben.

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