Profilbild von uli123

uli123

Lesejury Star
offline

uli123 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit uli123 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.10.2017

Die unerschütterliche Kraft des eigenen Ichs

Sieben Tage voller Wunder
0

Was die Menschen, die ein Flugzeug besteigen, sich nicht in ihren kühnsten Träumen vorzustellen wagen, wird für Hannah zur bitteren Realität: Das Flugzeug, das sie von Kanada zurück in ihre englische Heimat ...

Was die Menschen, die ein Flugzeug besteigen, sich nicht in ihren kühnsten Träumen vorzustellen wagen, wird für Hannah zur bitteren Realität: Das Flugzeug, das sie von Kanada zurück in ihre englische Heimat bringen soll, stürzt in der winterlichen kanadischen Wildnis ab. Gemeinsam mit dem weiteren Passagier Logan, der ihr schon vor Antritt des Fluges als sympathisch aufgefallen ist, nimmt sie sieben lange Tage und Nächte den Kampf ums Überleben auf.
Trotz des traurigen Hintergrunds eines verheerenden Flugzeugabsturzes mit vielen Toten und nur wenig Überlebenden versetzt einen dieser Roman nicht in eine traurige Grundstimmung. Die Protagonistin Hannah wächst mit ihrem unbedingten Willen zum Überleben über sich hinaus und hat viele hilfreiche Tipps parat, die ihr dabei von Nutzen sind und die der Leser für evtl. eigene Katastrophenfälle parat haben sollte. Niemals den Mut verlieren, ist das vermittelte Motto. Jeder der Wochentage gestaltet sich anders und birgt andere Gefahren, aber auch neue Hilfen, so dass es überhaupt nicht langweilig wird, Hannahs aus ihrer Rückschau gemachten Schilderungen zu lesen. Zugleich ist eine kleine Liebesgeschichte der ganz besonderen Art eingebaut. Der faszinierende Clou ist, dass die Geschichte einen völlig anderen Verlauf nimmt, als der Leser bis ziemlich zum Schluss vermuten kann, sofern ihm nicht schon während der Lektüre ganz versteckte, merkwürdige Details auffallen. Diese Wendung ist es, die den Roman wirklich lesenswert macht.

Veröffentlicht am 28.09.2017

Eine alleinerziehende Mutter ist gar nicht so allein

Ziemlich beste Mütter
0

Marie, die Mutter eines sechsjährigen Jungen, zieht fort aus München nach Berlin, um endlich von ihren Gefühlen für den Vater ihres Sohnes loszukommen. In ihrem Kampf gegen die ehrgeizigen Übermütter in ...

Marie, die Mutter eines sechsjährigen Jungen, zieht fort aus München nach Berlin, um endlich von ihren Gefühlen für den Vater ihres Sohnes loszukommen. In ihrem Kampf gegen die ehrgeizigen Übermütter in der Klasse ihres Sohnes findet sie schnell Unterstützung von drei gleichgesinnten, schnell zu Freundinnen werdenden Müttern, die auch so ihre Probleme haben - die eine hat einen unerfüllten Kinderwunsch, die andere will sich nicht an ihren erheblich jüngeren Partner binden. Womit Marie aber gar nicht gerechnet hat, ist, einen gut aussehenden, ebenfalls alleinerziehenden Nachbarn zu bekommen, der ihr in seiner Hilflosigkeit sofort gefällt.
Wer selbst Mutter ist, dem wird dieses Buch sicherlich gefallen. Denn viele Szenen und Begebenheiten rund um die lieben Kleinen haben Wiedererkennungswert. Oder wem kommen sie nicht aus der Kindergarten-/Grundschulzeit des eigenen Kindes bekannt vor – die ehrgeizigen Übermütter, die auf gnadenlose Förderung ihres Kindes aus sind und den Müttern, die ihr Kind einfach nur Kind sein lassen wollen, ein schlechtes Gewissen machen? Auf jeden Fall wird die erste Sorte Mütter wunderbar mit einer guten Portion Humor durch den Kakao gezogen. Daneben vermittelt die Geschichte ein schönes Bild einer sich entwickelnden Freundschaft zwischen Frauen, die einander in Sachen Kindern und Männern unterstützen. Und natürlich ist auch eine Liebesgeschichte enthalten. Ansprechend sind die Kapitelüberschriften, die jeweils den Namen eines berühmten Gemäldes aufnehmen sowie plakative Einzelheiten zu Erschaffer und Entstehungsjahr. Wenngleich sie vielleicht keinen Bezug zum nachfolgenden Text haben, so passen sie doch zu Maries Beruf einer Restauratorin. Vom Cover sollte man sich nicht täuschen lassen. Die dort abgebildeten Babyzubehörartikel spielen keine Rolle, befinden sich die Kinder der Protagonistinnen doch schon im Grundschulalter.

Eine leichte, gut unterhaltende Lektüre.

Veröffentlicht am 22.09.2017

Lottogewinn = Glück?

Herrn Haiduks Laden der Wünsche
0

Die lebensscheue, schweigsame Französin Alma hat sich in den Kopf gesetzt, den rechtmäßigen Besitzer einer verlorenen und von ihr gefundenen Lottoquittung zu finden, die zur Empfangnahme von 13 Millionen ...

Die lebensscheue, schweigsame Französin Alma hat sich in den Kopf gesetzt, den rechtmäßigen Besitzer einer verlorenen und von ihr gefundenen Lottoquittung zu finden, die zur Empfangnahme von 13 Millionen Euro berechtigt. Denn sie will prüfen, ob der Gewinner einen solch hohen Gewinn überhaupt verträgt und nicht etwa in sein Unglück rennt. Unterstützung erfährt sie durch den vor Jahrzehnten aus Algerien nach Berlin immigrierten Kioskbesitzer Herr Haiduk, der seinerseits Alma vor ausufernden Übergriffen vermeintlicher Gewinner schützen will. Es entwickelt sich ein interessantes Detektivspiel mit Zettelaushängen, In-die-Welt-setzen von Gerüchten und deren Revidierung, Interviews, in dessen Verlauf sich Kontakte zu Nachbarn, Bewohnern aus dem Viertel und dem weiteren Umkreis anbahnen, die alle ein Anrecht auf den Gewinn erheben. Jeden von ihnen umgibt eine spezielle Geschichte, warum er sein persönliches Glück in dem Supergewinn zu finden meint. Ob am Ende der wahre Gewinner sein Geld einkassieren kann?

Dieser Roman ist von ganz besonderer Art und wird allen gefallen, die anspruchsvolle Literatur mögen. Schon der Aufbau ist speziell. Die Geschichte vom Auffinden der Lottoquittung bis hin zur Beendigung der Suche des Gewinners hat nämlich bereits stattgefunden und wird von Herrn Haiduk in der Rückschau stückchenweise dem gescheiterten Schriftsteller Paul im idyllischen Hinterhof des Kiosks erzählt, der sie als Buch niederschreiben soll. Außerdem treibt Haiduk noch ein weiteres Motiv, das nicht verraten werden soll. Die Trennung zwischen der erzählten Geschichte und der Überblendung in die Gegenwart geschieht oft sehr abrupt, ohne optisch kenntlich gemacht zu sein, so dass es ein wenig Obacht beim Lesen bedarf. Die Romanfiguren sind alle sehr liebevoll beschrieben und knapp, aber aussagekräftig mit Schlagwörtern benannt, so dass man sich ein gutes Bild von ihnen machen kann. Da es ihrer ja doch eine Reihe gibt, helfen zur Unterscheidung gut die Namen, die Herr Haiduk ihnen gibt: der Junge Kettenraucher, die Ängstliche, die Falsche Witwe. Mit viel Liebe zum Detail und sehr bildhaft beschreibt der Autor die örtlichen Gegebenheiten – Herrn Haiduks winzigen Kiosk, die Geschäfte und den Friedhof in der Nachbarschaft. Sehr interessant ist es zu lesen, was die unterschiedlichen Menschen sich mit Hilfe des Gewinns vom Leben erhoffen.

Ein wirklich lesenswertes Buch.

Veröffentlicht am 16.09.2017

Eine Frau zwischen Arbeit und Männern

Durch alle Zeiten
0

Die Protagonistin Elisabeth ist 1940 geboren und wächst in ärmlichen Verhältnissen in den österreichischen Bergen auf. Mit 17 verliebt sie sich in den Sohn – Niklas – des wohlhabenden örtlichen Brauereibesitzers. ...

Die Protagonistin Elisabeth ist 1940 geboren und wächst in ärmlichen Verhältnissen in den österreichischen Bergen auf. Mit 17 verliebt sie sich in den Sohn – Niklas – des wohlhabenden örtlichen Brauereibesitzers. Als dieser eine andere Frau heiratet, flieht sie als Kindermädchen nach London. Geschwängert von ihrem Arbeitgeber kehrt Elisabeth in die Heimat zurück und schiebt dem körperbehinderten Martin ihr Kuckuckskind unter. Weitere fünf Jahre später ist Elisabeth schwanger von ihrem Cousin, der auf Druck seiner Eltern nicht zu ihr hält. Schließlich geht Elisabeth eine unglückliche Ehe mit einem gefühlskalten, gewalttätigen Bauern ein, der sie erneut zur Mutter macht. Sie setzt ihre Beziehung zu Niklas fort. Ob sie mit ihm noch ihr Glück findet?
Ein Frauenroman über ein Frauenschicksal vorrangig in den 50er und 60erJahren. Schilderungen aus der Gegenwart und aus der Vergangenheit wechseln sich ab. Obwohl es sehr beeindruckend ist zu lesen, wie Elisabeth ihr schweres Leben meistert, wird sie einem nicht sympathisch. Das beruht sicherlich darauf, dass sie sich von jungen Jahren an den Männern geradezu an den Hals wirft ohne Rücksicht darauf, ob diese überhaupt frei sind. Von nicht eben charakterlicher Stärke zeugt es auch, den biologischen Vätern ihrer Kinder diese zu verschweigen bzw. dies zu versuchen und sie dann einem nichtsahnenden Ehemann unterzujubeln. Gelungen sind die Darstellungen über das harte und monotone Leben in dem Bergdorf. Empörung macht sich breit, als zu lesen ist, wie Elisabeths Ehemann allein zur Belustigung einen Zoo mit in der Wildnis eingefangenen Tieren aufmacht.
Von mir mit gerade noch vier Sternen bewertet.

Veröffentlicht am 15.09.2017

Nachdenkliches über das Leben

Saufen nur in Zimmerlautstärke
0

Was ich bei so manchem anderen Buch vermisse, ist hier anzutreffen: Buchtitel und Covermotiv haben wirklich einen Bezug zur Geschichte - der Titel entspricht einer Weisung der Pensionswirtin, bei der der ...

Was ich bei so manchem anderen Buch vermisse, ist hier anzutreffen: Buchtitel und Covermotiv haben wirklich einen Bezug zur Geschichte - der Titel entspricht einer Weisung der Pensionswirtin, bei der der Protagonist Adam vorübergehend unterkommt; das Bild gibt Adams Sprung in die Spree wieder, mit dem er seinen neuen Freund, den Troll Magnus, vor der Aufmerksamkeit der Polizei bewahren will. Doch wer sind Adam und Magnus? Adam ist ein Rechtsanwalt aus Berlin, 50 Jahre alt, dem nach plötzlichen Herzproblemen von seinem Arzt eine Auszeit angeraten wird, die ihn nach dem Zufallsprinzip nach Island verschlägt. Hier wird er von dem kleinwüchsigen, verlotterten waschechten Troll Magnus vor einem lebensgefährlichen Sturz von einer Klippe gerettet. Nach isländischem Brauch steht Adam daher in Magnus Schuld und muss diesen als seinen Schützling zurück nach Berlin nehmen. Nicht nur ist Adams Leben aufgrund von Eheproblemen und beruflicher Unzufriedenheit ohnehin schon aus den Fugen geraten. Nein, nun sorgt Magnus für allerhand neues Chaos und den finanziellen Ruin Adams, in dem er etwa Internetkäufe mit dessen Kreditkarte tätigt, einen Ausflugsdampfer auf der Spree versehentlich in Brand setzt oder wertvolle Kulturgüter aus einem Museum stiehlt. Beide werden zu Freunden und Adam gewinnt eine neue Sicht über sein Leben.

Die Geschichte veranlasst sehr häufig zum Schmunzeln, wenngleich in dem letzten Drittel die nachdenklichen Töne überwiegen. Das entspricht sicherlich der Intention des Autors, der auch zum Nachdenken über das eigene Leben veranlassen will. Jedenfalls sprechen beide Protagonisten einige schöne Lebensweisheiten aus. Wer Märchen und Mythen mag, wird das Buch wohl besonders mögen, geht es in ihm doch um isländische Trolle, über die viel Interessantes zu erfahren ist.