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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2026

Gute Denkanstöße mit kleinen Schwächen

Du bist nicht beziehungsunfähig
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Das Buch beschäftigt sich mit den Ursachen von Beziehungsproblemen, deren Auflösung und dem Weg zu einer erfüllten Partnerschaft. Dabei steht vor allem die Idee im Mittelpunkt, dass früh erlernte Beziehungsmuster ...

Das Buch beschäftigt sich mit den Ursachen von Beziehungsproblemen, deren Auflösung und dem Weg zu einer erfüllten Partnerschaft. Dabei steht vor allem die Idee im Mittelpunkt, dass früh erlernte Beziehungsmuster unser Verhalten prägen und uns immer wieder in ähnliche, oft ungesunde Dynamiken führen. Der Ansatz ist leicht verständlich und bietet durchaus Denkanstöße zur Selbstreflexion.

Besonders betont wird die Bedeutung der eigenen inneren Haltung: Authentizität, Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, klare Grenzen zu setzen, gelten als Schlüssel für gesunde Beziehungen. Auch beim Thema Dating wird dazu geraten, bewusst auszuwählen, nicht bedürftig zu wirken und keine Energie in unpassende Partner zu investieren. Unterstützt werden diese Gedanken durch Beispiele, Übungen und Reflexionsfragen.

Allerdings wirken viele der Thesen stark vereinfacht und teilweise zu pauschal. Komplexe psychologische Zusammenhänge werden auf lineare Erklärungen reduziert, und eine fundierte wissenschaftliche Grundlage fehlt weitgehend. Auch die Quellenangaben sind wenig überzeugend und nicht sauber belegt.

Insgesamt ist das Buch gut lesbar und kann erste Impulse geben, bleibt inhaltlich jedoch eher oberflächlich und sollte kritisch hinterfragt werden.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Die Stimmen der Nacht: Komplex, fordernd und atmosphärisch dicht – keine leichte Lektüre, aber eindrucksvoll.

Die Dinner Party
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Die Dinner Party von Viola van der Sandt ist ein intensiver, psychologisch dichter Roman, der sich langsam, aber unaufhaltsam zuspitzt. Was als scheinbar gewöhnlicher Abend beginnt, entwickelt sich zu ...

Die Dinner Party von Viola van der Sandt ist ein intensiver, psychologisch dichter Roman, der sich langsam, aber unaufhaltsam zuspitzt. Was als scheinbar gewöhnlicher Abend beginnt, entwickelt sich zu einem beklemmenden Kammerspiel, in dem verdrängte Gefühle, alte Verletzungen und unausgesprochene Konflikte eskalieren.

Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt und verbindet Francas Gegenwart in der Therapie mit ihrer Vergangenheit und den Ereignissen der verhängnisvollen Dinnerparty. Diese Struktur fordert Aufmerksamkeit, verstärkt aber gleichzeitig die Spannung, da sich die Wahrheit nur Stück für Stück erschließt. Besonders gelungen ist die Atmosphäre: Die drückende Hitze, der Alkohol und die zwischenmenschlichen Spannungen wirken wie ein Druckkochtopf, der jederzeit explodieren kann.

Franca ist keine einfache, aber eine sehr glaubwürdige Protagonistin. Ihre Unsicherheit, ihre unterdrückte Wut und ihr langsamer Kontrollverlust werden eindringlich dargestellt. Dabei verschwimmen immer wieder die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Realität, was den Roman stellenweise fast wie einen Thriller wirken lässt.

„Die Dinner Party“ ist kein leichtes Buch, sondern ein forderndes, teils verstörendes Leseerlebnis. Wer sich darauf einlässt, bekommt jedoch einen vielschichtigen Roman über Beziehungen, Machtverhältnisse und die Frage, wie weit ein Mensch getrieben werden kann, bevor alles kippt.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Wenn Vergangenheit nachhallt

Die Stimmen der Nacht
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Die Stimmen der Nacht von Tochi Eze ist ein anspruchsvoller, vielschichtiger Familienroman über Identität, Glaube und die Macht der Vergangenheit. Die Geschichte entfaltet sich über mehrere Generationen ...

Die Stimmen der Nacht von Tochi Eze ist ein anspruchsvoller, vielschichtiger Familienroman über Identität, Glaube und die Macht der Vergangenheit. Die Geschichte entfaltet sich über mehrere Generationen und verbindet Nigeria, Europa und die USA auf eindrucksvolle Weise.

Der Einstieg ist durch viele Figuren und Zeitsprünge herausfordernd, doch mit der Zeit fügen sich die einzelnen Handlungsstränge zu einem intensiven Gesamtbild zusammen. Eine dichte, atmosphärische Lektüre, die Geduld verlangt, aber mit Tiefe und neuen Perspektiven belohnt.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Erfolg trotz Schulnote: Chaos als Konzept

Wer hat unsere Lok geklaut?
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Wer hat unsere Lok geklaut? von Harald Braun ist eine unterhaltsame und ungewöhnliche Unternehmensgeschichte, die vor allem durch ihre kuriosen und teils kaum glaubwürdigen Anekdoten besticht. Die Entwicklung ...

Wer hat unsere Lok geklaut? von Harald Braun ist eine unterhaltsame und ungewöhnliche Unternehmensgeschichte, die vor allem durch ihre kuriosen und teils kaum glaubwürdigen Anekdoten besticht. Die Entwicklung von Hans Engberding – vom Sprachkurs in der Transsibirischen Eisenbahn bis hin zu einem kreativen Reiseunternehmen – wird lebendig und mit viel Humor erzählt.

Besonders spannend ist die Mischung aus Abenteuer, Improvisation und unternehmerischem Mut. Eine bemerkenswerte Randnotiz: Engberding hatte laut Biografie sogar die Note „Ungenügend“ im Abiturzeugnis – ein schönes Beispiel dafür, dass schulische Leistungen nicht zwangsläufig über den späteren Erfolg entscheiden.

Auch wenn die Erzählstruktur stellenweise etwas sprunghaft ist, macht genau dieses „kontrollierte Chaos“ den Charme des Buches aus. Insgesamt eine inspirierende und kurzweilige Lektüre, die Lust auf Reisen und ungewöhnliche Ideen macht.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Spannung auf stürmischer See

Trügerisches La Rochelle
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In Trügerisches La Rochelle ermittelt Commissaire Chevalier auf einem Installationsschiff für einen Offshore-Windpark vor der Küste von La Rochelle – ein außergewöhnlicher, fast klaustrophobischer Schauplatz. ...

In Trügerisches La Rochelle ermittelt Commissaire Chevalier auf einem Installationsschiff für einen Offshore-Windpark vor der Küste von La Rochelle – ein außergewöhnlicher, fast klaustrophobischer Schauplatz. Was zunächst wie ein Arbeitsunfall wirkt, entpuppt sich als Mord. Die eingeschworene Crew schweigt, das Opfer war unbeliebt, und bald gibt es einen weiteren Toten. Der Täter muss sich noch an Bord befinden.

Der Krimi punktet mit seiner dichten Atmosphäre und dem reizvollen „Closed-Room“-Setting à la Agatha Christie. Die technischen Beschreibungen rund um das Spezialschiff sind anfangs etwas fordernd, verstärken aber die Authentizität. Chevalier ist ein sympathischer Ermittler mit Privatleben, auch wenn persönliche Nebenstränge etwas Vorkenntnis aus den vorherigen Bänden voraussetzen (die ich leider nicht hatte ).

Ein vielschichtiger, maritimer Krimi mit einigen Längen, aber starken Wendungen und einer überraschenden Auflösung.

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