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Veröffentlicht am 03.01.2024

Elefant

Reiner Wein
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Bruno, chef de Police, hat ein Gedächtnis wie ein Elefant. Vor zehn Jahren konnte er einen Fall, in den ein paar junge Männer verwickelt waren, nicht richtig aufklären. Als nun in einigen Ferienhäusern ...

Bruno, chef de Police, hat ein Gedächtnis wie ein Elefant. Vor zehn Jahren konnte er einen Fall, in den ein paar junge Männer verwickelt waren, nicht richtig aufklären. Als nun in einigen Ferienhäusern eingebrochen wird, taucht im Laufe der Ermittlungen ein Name auf, an den er sich dunkel erinnert. Zur gleichen Zeit stirbt ein alter Veteran, der einen alten Geldschein in der Hand hält. Der scheint aus einem Überfall auf einen Geldtransport während des zweiten Weltkriegs zu stammen. Ein Raub, der nie aufgeklärt wurde. Damit nicht genug, nicht weit von St. Denis entfernt wird ein Antikmöbelhändler von seinem Partner tot aufgefunden.

Beim sechsten Fall von Bruno geht es zu Beginn wirklich Schlag auf Schlag. Es wird fast schon etwas viel für den Stadtpolizisten, der sich ja auch noch um das Haus und die Tiere seiner Freundin Pamela kümmert. Mit der Erziehung seines kleinen Bassetwelpen ist er auch gut beschäftigt. Zum Glück ist Bruno nicht für alles zuständig. Aber wenn er ehrlich ist, wäre er das gerne. Doch eines der Einbruchsopfer ist eine wichtige Persönlichkeit, so dass auch Isabelle kurzfristig aus Paris nach St. Denis kommt. Bruno ist aber der, der jeden kennt und so laufen die Fäden bei ihm zusammen.

Dieser Fall mit Bruno, Chef de Police, ist wirklich gelungen. Der Hintergrund der Einbruchserie ist spannend. Weitere historische Ereignisse, die in die Sache hineinspielen, sind interessant. Vielleicht hätte man da noch mehr in die Tiefe gehen können, aber von einem unbekannten Teil der Geschichte zu erfahren, ist sehr fesselnd. Lustig sind die Bemühungen Brunos um die Erziehung seines neuen Hundes mit Namen Balzac. Und wieder scheint Bruno zwischen zwei Frauen zu stehen, wobei es nach einer Entscheidung aussieht. Wieder sehr anheimelnd geschildert sind Land und Leute des Périgord, so dass wie immer bei dieser Art Regionalkrimi ein Urlaubsfeeling aufkommt.

Veröffentlicht am 02.01.2024

Echt Creepy

Creep
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Fanni lebt in Deutschland. Minimalistisch ist ihre Wohnung eingerichtet, die ihr der Vater zur Verfügung gestellt hat. Sie betreut Kundenkonten von Menschen, die ihr Haus mit Sicherheitskameras ausgestattet ...

Fanni lebt in Deutschland. Minimalistisch ist ihre Wohnung eingerichtet, die ihr der Vater zur Verfügung gestellt hat. Sie betreut Kundenkonten von Menschen, die ihr Haus mit Sicherheitskameras ausgestattet haben. Eigentlich soll sie nur Fehlfunktionen beheben, doch irgendwann hat sie angefangen, eine Kundenfamilie zu stalken. An ihrem Leben teilnehmen, so umschreibt sie es. Junya in Japan kommt kaum aus seinem Zimmer heraus. Seine Mutter behandelt er wie eine Dienstmagd. Er bemerkt nicht einmal, dass sie krank ist. Nur manchmal schleicht er sich nachts hinaus, um bei anderen Leuten einzubrechen. Was haben die beiden miteinander zu tun?

Zwei Menschen, die Kontakt eigentlich nur durch Medien haben. Dabei hat Fanni noch eine Art geregelten Alltag, allerdings weiß sie mit ihrem Wochenende nichts wirklich anzufangen. Man könnte beinahe meinen, sie fühlte sich ihrer gestalkten Familie eher zugehörig als ihrer biologischen. Zugegeben, mit ihren biologischen Eltern möchte man auch nicht verwandt sein. Junya hat sich in seinem Zimmer vergraben, treibt sich auf web-Seiten im Internet herum und sammelt Ablehnungsschreiben der Kunsthochschule. Erst als seine Mutter erkrankt ist er gezwungen, sein Leben zu ändern. Ob zum Besseren muss dahingestellt bleiben.

Als mittelalte oldschool Leserin fragt man sich, ob man irgendwie den Absprung verpasst hat. Mochte man das erste Buch des Autors so gerne, dass man den Folgeroman mit Spannung erwartet und sofort erworben hat, so musste man mit Erstaunen feststellen, dass man es nach wenigen Kapiteln erstmal geraume Zeit liegen lassen musste. Nun während des Urlaubs ist die Zeit gekommen, es erneut aufzuschlagen. Doch immer noch bleibt die Feststellung, zu diesen Figuren findet man keinen Zugang. Wobei Fanni noch halbwegs lebenstüchtig wirkt, wenigstens zu Beginn. Doch bei ihr gewinnt man den Eindruck, dass sie sich immer mehr im Internet verfängt. Und Junya ist eine so eigenartige Persönlichkeit. Allem Anschein nach hat er sich völlig von der Realität abgekoppelt. Nicht mal die Erkrankung seiner Mutter rüttelt ihn wach. Man sieht durchaus Parallelen zur heutigen Welt, wünscht sich allerdings, dass diese deprimierende Entwicklung noch aufgehalten werden kann. Der Inhalt des Romans ist irgendwie genauso düster und creepy wie das Cover. Für die Leserin war es leider nicht die passende Lektüre. Wie es von anderen gesehen wird, muss jeder oder jede für sich entscheiden.

Veröffentlicht am 01.01.2024

Die schöne Tote

Femme fatale
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Wie hingegossen liegt eine Unbekannte in einem Kahn. Als Bruno, Chef de Police, die Meldung bekommt, dass eine Tote im Fluss treibt, findet er das erst etwas übertrieben. Tatsächlich ist die Frau tot und ...

Wie hingegossen liegt eine Unbekannte in einem Kahn. Als Bruno, Chef de Police, die Meldung bekommt, dass eine Tote im Fluss treibt, findet er das erst etwas übertrieben. Tatsächlich ist die Frau tot und der ungeschickte Helfer hätte beinahe noch das Boot zum Kentern gebracht. Da die Tote nichts an hat und sie recht seltsam drapiert ist, wird eine Obduktion angeordnet. Aber auf Fremdeinwirkung deutet erstmal nichts hin, war es etwa Selbstmord? Rätselhaft bleibt die Identität der Toten. Keiner scheint sie zu vermissen, keiner scheint sie zu kennen. Vielleicht ist ein Hinweis an dem Ort zu finden, wo dasBoot zu Wasser gelassen wurde.

Brunos fünfter Fall gestaltet sich geheimnisvoll. Eine Tote, von der nichts bekannt ist. Ein armer Bauer, der verdächtigt wird, seine Frau zu misshandeln. Ein Nachbarort, in dem man sich übers Ohr gehauen fühlt. Bruno hat genug zu tun. Außerdem hütet er Pamelas Pferde ein und daheim wartet eine Überraschung - eigentlich zwei - auf ihn, wodurch er aus der Bahn geworfen wird, zum Glück im positiven Sinne. Wie immer dröhnt Bruno dem guten Essen und ist gerne mit seinen Freunden zusammen. Oder er reitet auf seinem Hector durch die Landschaft.

Sehr unterhaltsam sind die Romane von Martin Walker. Man fühlt sich immer ein wenig wie im Urlaub, die Landschaft des Périgord wird einem nahegebracht und man fühlt sich wohl. Auch wenn der Fall aufgrund gewisser Umstande nicht bis zum Letzen geklärt wird, so ist er doch spannend. Und für etwas, was einem im vorherigen Fall nicht so gut gefallen hat, wird hier auf freundliche Art wieder wettgemacht. Außerdem Bruno und die Frauen, es scheint fast als umschwärmten sie ihn. Bruno ist da nicht abgeneigt, doch seine tragischen Erfahrungen lassen ihn, so jedenfalls der Eindruck, vor einer ernsthaften Beziehung zurückschrecken. Sucht er deshalb nach Partnerinnen, denen es ähnlich geht? Mal sehen, was die nächsten Fälle bringen. Jedenfalls ein Krimi zum Wohlfühlen.

Veröffentlicht am 31.12.2023

Turnierritter

König der Turniere
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Der junge Ritter Erec hat es im Jahr 1181 geschafft, eine bemerkenswerte Turniermannschaft um sich zu scharen. Nachdem er ein eigentlich verlockendes Angebot ausschlägt, trennt sich sein Turniergefährte ...

Der junge Ritter Erec hat es im Jahr 1181 geschafft, eine bemerkenswerte Turniermannschaft um sich zu scharen. Nachdem er ein eigentlich verlockendes Angebot ausschlägt, trennt sich sein Turniergefährte Valerie von der Gruppe. Allzu sehr betrifft das Erec nicht, auch wenn das Geld knapp wird. Durch eine kleine List kann Erec einen angesehenen Ritter besiegen. Dieser nimmt Erecs Truppe in seine Mannschaft und einer großen Turnierkarriere steht eigentlich nichts mehr im Weg. Als Erec die geheimnisvolle Genovefa wieder trifft, könnte sein Glück eigentlich vollkommen sein. Nach und nach erkennt er jedoch, welche Intrigen am Hof gesponnen werden und das könnte durchaus gefährlich werden.

Das Leben am Hofe des jungen Henri, eines Königs ohne Königreich, besteht hauptsächlich aus dem Bestreiten der Turniere. Hier hat sich Henri einen Namen gemacht, nachdem sein Vater, der alte Henri, es versäumt hat, mit der Krönung seines Sohnes, diesem auch ein Reich zu geben. Henri ist unzufrieden und seine Position ist nicht gerade glücklich, er wünscht sich Land, seine Feinde trachten nach der Krone und wollen das sowieso schon getrübte Verhältnis zum Vater weiter schwächen. Doch auf seine Turniermannschaft kann sich Henri verlassen. Erec, als neuer Ritter, muss sich erst einfügen. Er ahnt allerdings, welche Gefahr seine Bekanntschaft mit Genovefa birgt.

Dieses leicht gekürzte Hörbuch wird hervorragend vorgetragen von Tobias Kluckert. Man kann eintauchen in die Welt des Mittelalters beginnend mit dem Jahr 1181. Zur Darstellung von Macht und Geschicklichkeit finden die Turniere statt, nicht alles wird mit Kriegen. Es ist eine Männerwelt, in der Frauen eher als Köchinnen oder Mägde auftauchen. Zu sagen haben sie nichts. Die selbstbewusste Genovefa ist da schon eine rühmliche Ausnahme, doch auch sie ist verheiratet und letztlich gehalten, sich den Wünschen ihres Mannes zu beugen. Ihre Beziehung zu Erec ist zwar eher unschuldig und dennoch darf sie nicht öffentlich werden. Die Intrigen am Hof sind hinterhältig und gefährlich. Da geht es schon um Leib und Leben. Die genauen Beschreibungen führen zwar schon zu ein paar Längen, sind aber auch sehr informativ. Ein toller klassischer historischer Roman so wie man sich ihn vorstellt.

Besonders hervorzuheben sind auch die geschichtlichen Einordnungen der Autorin, die gelesen werden von Christiane Marx. Es ist sehr interessant zu wissen, wie die Autorin die Handlung in die historisch verbürgten Ereignisse eingewoben hat und auch ihre Worte zu denen, die sonst wenig Beachtung finden, sind sehr erhellend.

Veröffentlicht am 31.12.2023

Rasselbande

Mami kann auch anders (Die Mami-Reihe 3)
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Eigentlich wollte Ellen schon immer aufs Land ziehen, aber nicht so. Ihr Mann ist fremd gegangen und nun braucht er Abstand. Da hat er aber nicht mit Ellen gerechnet. Sie ist es, die Nägel mit Köpfen macht. ...

Eigentlich wollte Ellen schon immer aufs Land ziehen, aber nicht so. Ihr Mann ist fremd gegangen und nun braucht er Abstand. Da hat er aber nicht mit Ellen gerechnet. Sie ist es, die Nägel mit Köpfen macht. Sie nimmt sich die Hälfte des Geldes und sorgt dafür, dass das Haus verkauft wird. Am Stadtrand erwirbt sie ein Cottage und sie packt ihre Siebensachen, die Kinder und den Hund. Die 15jährige Jane und der 13jährige Peter sind alles andere als begeistert und wie echte Pubertiere machen sie es ihrer Mutter wirklich schwer. Doch Ellen bleibt bei ihrer Entscheidung.

In diesem dritten Teil der „Mami“-Reihe erzählt Ellen in Tagebuchaufzeichnungen wie es ihr nach der Trennung ergeht. Und sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Wenn sie etwas nicht gut findet, sagt sie das. Natürlich nimmt sie den Kindern gegenüber Rücksicht. Oder auch mal nicht. Aber Simon, ihr Ex kriegt schon deutliche Worte ab. Fremdgehen und Selbstverwirklichung suchen, ha. Einfach so Schluss machen und alles läuft wie am Schnürchen, das wäre schön. Im wirklichen Leben läuft es aber nicht so. Ellen leidet unter der Trennung, auch sie muss sich neu sortieren. Dabei kommt sie ausgerechnet auf die Idee, sich den häßlichsten Hund aus dem Tierheim als Zweithund zu holen.

Wenn man so im Vorbeigehen auf dieses farbenfrohe Cover schaut, muss man anhalten und das Buch kaufen. Wenn man sich die Schattenrisse auf dem Umschlag anschaut, weiß man ungefähr, was einen erwartet: ein Festival, ein kleiner Hund, ein großer Hund, ein Trinkgelage, regnerische Zeiten, doch auch die fröhlichen Farben. Die direkten Worte Ellens sind meist erfrischend, manchmal witzig, manchmal überkandidelt, manchmal ernst. Ellen wirkt authentisch, eine, mit der man Pferde stehlen kann, die Schwierigkeiten hat zuzugeben, dass sie auch mal Hilfe braucht. Man blättert die Seiten dieses Romans um, ist gut unterhalten und wünscht, dass Ellen weiterhin fleißig in ihr Tagebuch schreibt.