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Veröffentlicht am 27.02.2026

Tragisch

Kala
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Alle zehn Jahre bringt Donna Tartt angeblich ein neues Buch auf den Markt und es wird sehnsüchtig erwartet. Die zehn Jahre seit "Der Distelfink" sind vorbei und man wartet immer noch. Aber dieses Buch ...

Alle zehn Jahre bringt Donna Tartt angeblich ein neues Buch auf den Markt und es wird sehnsüchtig erwartet. Die zehn Jahre seit "Der Distelfink" sind vorbei und man wartet immer noch. Aber dieses Buch ist ein vollwertiger "Ersatz" und ein großartiges Debüt von Colin Walsh.
Das Titelbild zeigt, um was es in diesem Buch geht: mehrere verschwommene Personen, von denen eine durchgekrakelt ist. Da ist nichts wirklich zu fassen, alles bleibt vage. So ist auch der Beginn des Buches, man weiß zuerst nichts einzuordnen. Und die große Frage ist: Wer war Kala, die vor 15 Jahren verschwunden ist? Was ist mit ihr geschehen? Warum tauchen ausgerechnet jetzt ihre Knochen auf, als Helens Vater und Aidans Mutter heiraten wollen? Kalas drei Freunde Mosh, Joe und Aidan und ihre beiden überlebenden Freundinnen Helen und Aoife stehen im Mittelpunkt der Ereignisse. Allerdings hat sich Aidan vor vielen Jahren umgebracht und Aoife lebt ein bürgerliches Leben mit Mann und Kindern in der Nachbarstadt. Daher erzählen Joe, Mosh und Helen die Ereignisse aus ihrer eigenen Sicht, die sich manchmal überschneidet, manchmal aber auch abweicht.
Das Buch beginnt recht verhalten, steigert sich aber von Kapitel zu Kapitel bis zum fast unerträglich spannenden Ende. Die Charaktere der Figuren werden sehr fein ziseliert herausgearbeitet. Besonders vielsagend ist, dass Joe, der inzwischen ein Star in der Musikszene geworden ist, von sich nur in der zweiten Person spricht, er hat eine innere Distanz zu den anderen Menschen und auch zu sich selbst.
Ich konnte kaum glauben, dass Walshs Buch sein Erstling ist, es ist einfach perfekt durchkomponiert und reißt die Leser von Seite zu Seite mehr mit. Es braucht den Vergleich mit Donna Tartt, besonders mit "Die geheime Geschichte", nicht zu scheuen.
Das Werk ist garantiert eines meiner Bücher des Lesejahres!

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Chance oder Risiko?

Happy Head
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Sebastian ist 17, schüchtern und ängstlich. Nun bekommt er seine große Chance bei einer Teilnahme an der Maßnahme "Happy Head", bei der Jugendliche auf das Erwachsenenleben vorbereitet werden sollen. Abgesondert ...

Sebastian ist 17, schüchtern und ängstlich. Nun bekommt er seine große Chance bei einer Teilnahme an der Maßnahme "Happy Head", bei der Jugendliche auf das Erwachsenenleben vorbereitet werden sollen. Abgesondert auf einem riesigen Grundstück in Schottland sollen die Jugendlichen Verantwortung, Wachstum und Dankbarkeit lernen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass einige der Challenges recht grausam sind und eine gnadenlose Auslese stattfindet. Sebastian schlägt sich gut, aber auch ihm kommen Zweifel, besonders als er sich in Finn verliebt, der ihm sagt, er solle niemandem trauen.
Das Buch ist von der Aufmachung her mit dem auffälligen Farbschnitt eher für Jugendliche gedacht, aber auch ich als älterer Mensch habe es gern gelesen. Die Entwicklung von Sebastian vom schüchternen Jungen zum kreativen Anführer hat mich fasziniert, er holt alles aus sich heraus, als die Gefahr immer größer wird.
Das Thema finde ich hochaktuell, die Manipulationen, denen die Jugendlichen ausgesetzt sind, machen nachdenklich und haben mich an die "Camps" der rechten Szene denken lassen, in denen schon Kinder und Jugendliche auf die rechtsradikale Linie eingeschworen werden.
Leider endet das Buch mit einem heftigen Cliffhanger, es schreit geradezu nach einer Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Er oder ich!

Das Signal
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Ursula Poznanski bürgt für Hochspannung, das ist auch bei diesem Buch so.
Viola hat ein Bein verloren. Nach dem Einsturz der Decke des alten Weinkellers auf ihrem Grundstück konnte sie sich nur mühsam ...

Ursula Poznanski bürgt für Hochspannung, das ist auch bei diesem Buch so.
Viola hat ein Bein verloren. Nach dem Einsturz der Decke des alten Weinkellers auf ihrem Grundstück konnte sie sich nur mühsam aus den Trümmern retten und das zertrümmerte Bein musste amputiert werden. Zum Glück steht ihr Mann Adam ihr selbstlos bei und sorgt dafür, dass eine Haushaltshilfe sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus unterstützt.
Doch dann stimmt etwas nicht. Ist Otilia, die Helferin, eher eine Spionin? Erzählt Adam immer die Wahrheit über seine Abendtermine? Viola installiert Tracker und die Erkenntnisse sind bitter. Statt nach London zu fliegen ist Adam in einem Hotel in Wien. Statt im Büro zu sitzen sucht er eine Frauenarztpraxis auf. Die seltsamen Vorfälle häufen sich. Stimmt eigentlich alles, was man Viola über den Unfall erzählt hat? Sie wird immer misstrauischer und stellt eigene Nachforschungen an. Denn auch Viola hat ein Geheimnis, das sie um jeden Preis bewahren will.
Das Buch ist sehr raffiniert geschrieben. Viola erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht und mit ihr zusammen entdeckt man die Geheimnisse hinter der Ehe mit Adam. Auch wenn ich nach einiger Zeit ahnen konnte, welche Frau hinter der ganzen Sache steht, war das Buch doch bis zum Schluss spannend und ich bin in zwei Tagen durch die 400 Seiten geflogen.
Ein Psychokrimi der Spitzenklasse! Poznanski hat mich wieder einmal gefesselt.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Lost lässt grüßen

Die Tote von Nazaré
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Eine deutsche Polizistin, die nach Portugal kommt und dort bei der Aufklärung eines Mordfalls hilft? Das erinnert an die Krimis über Lost in Fuseta, die ebenfalls von einem deutschen Schriftsteller unter ...

Eine deutsche Polizistin, die nach Portugal kommt und dort bei der Aufklärung eines Mordfalls hilft? Das erinnert an die Krimis über Lost in Fuseta, die ebenfalls von einem deutschen Schriftsteller unter Pseudonym geschrieben werden. Dieses Buch erinnert schon mit der Aufmachung an die Lost-Krimis, ist aber doch ganz anders. Nicht nur, dass mit Hauptkommissarin Maren Berger eine Frau die Hauptperson ist, auch in Stil und Intensität weicht das Buch ab.
Berger will sich in Nazaré, dem Surfer-Hotspot am Atlantik, von einer schweren Schussverletzung erholen und findet direkt am ersten Tag eine Frauenleiche am Strand. Dass diese Leiche mit Marens Verletzung in Zusammenhang steht, stellt sich erst heraus, als ein Kollege aus Köln ebenfalls in Nazaré erschossen wird.
Das Buch ist zuerst etwas verwirrend, dann wird es aber spannend. Allerdings erreicht es nicht die Qualität der Lost-Krimis, da Leander Lost durch seinen Autismus ein ganz besonderer Ermittler ist. Auch fehlt es bisher noch an Lokalkolorit, der Ort und die Menschen dort spielen nur eine Nebenrolle. Da ist noch Spielraum, sollte das Buch sich zu einer Reihe entwickeln. Aber als Urlaubskrimi ist es voll okay.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Erben und Sterben

Ostfriesenerbe
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Der zwanzigste Ostfriesenkrimi beginnt mit einem Knaller. Kommissarin Ann Kathrin Klaasen “erbt” das geheime Archiv einer Ermittlergruppe, das ihr illegal Zugriff auf viele geheime Daten verschafft. Doch ...

Der zwanzigste Ostfriesenkrimi beginnt mit einem Knaller. Kommissarin Ann Kathrin Klaasen “erbt” das geheime Archiv einer Ermittlergruppe, das ihr illegal Zugriff auf viele geheime Daten verschafft. Doch die Erblasserin liegt wenig später tot vor dem Norder Teemuseum. Was nun? Es bleibt aber nicht bei einem Mord. Auch am Krimimuseum liegt eine Leiche und es folgen noch weitere, alle aus dem Umfeld von Onkel Heinz, einem Bauunternehmer. Ist da ein Erbschleicher unterwegs?

Wer die Ostfriesenkrimis kennt und liebt, wird auch von diesem Buch begeistert sein. Die genaue Beschreibung der Landschaft, die zahlreichen echten Personen, die im Text vorkommen, und der unvergleichliche Stil von Klaus-Peter Wolf gehören immer zu einem echten Ostfriesenkrimi. Allerdings hatte ich anfangs ein paar Probleme, um in die Geschichte hineinzufinden, denn der Beginn ist etwas unübersichtlich. Und am Schluss wird es sehr hektisch, dabei hätte ich doch gern gewusst, was im Testament von Onkel Heinz wirklich steht. Ein kleiner Epilog hätte Aufklärung bringen können.

Aber insgesamt wieder ein solider Krimi, der die Erwartungen erfüllt, mit viel Lokalkolorit und am Schluss richtig spannend.

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