Profilbild von yellowdog

yellowdog

Lesejury Star
offline

yellowdog ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit yellowdog über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.02.2026

Frei und selbstbestimmt

Alt genug
1

Die 58jährige Ildikó von Kürthy hat ein Thema gefunden. Sie schreibt überzeugt, eindringlich und häufig pointiert über den Wert des Alters. Viele Stellen sind mit Elementen der Popkultur unterlegt. Das ...

Die 58jährige Ildikó von Kürthy hat ein Thema gefunden. Sie schreibt überzeugt, eindringlich und häufig pointiert über den Wert des Alters. Viele Stellen sind mit Elementen der Popkultur unterlegt. Das kennt man von der Autorin und bei ihr funktioniert es.

Überraschend gibt es Passagen in Wacken und bei Germany Next Top Model. Zum Glück nehmen diese Passagen nicht so viel Raum ein.
Mehr überzeugt haben mich die Rückblicke, ie es gelegentlich gibt und den Mut, sich zu Ängsten zu bekennen. Sie hat gelernt, mit ihren Angststörungen umzugehen.

Alt genug ist kein Roman. Es ist autobiografisch und es gibt sehr viel privates. Man könnte sagen, Chick-Lit wird erwachsen.
An manchen Stellen wirkt das Buch wie ein Essay. Stolz vermittelt sie einen Trotz gegen Einschätzungen gegen das Altern und bleibt selbstbewusst.
Es ist ein interessantes Buch.

Veröffentlicht am 27.02.2026

Zu zweit im Truck

Wir Königinnen
0

Wir Königinnen ist ein Roman über die Begegnung zweier Frauen.
Das Buch hat einen besonderen, beeindruckenden Anfang. Die Protagonistin befindet sich völlig alleine in einem Dorf in den Bergen. Das sind ...

Wir Königinnen ist ein Roman über die Begegnung zweier Frauen.
Das Buch hat einen besonderen, beeindruckenden Anfang. Die Protagonistin befindet sich völlig alleine in einem Dorf in den Bergen. Das sind leicht beklemmende Szenen.
Was sie umtreibt, ist nicht ganz klar.
Dann begegnet sie einer Truckfahrerin, die Rinder transportiert und sie mitnimmt. Es gibt eine Sprachbarriere, aber durch Handyübersetzerin kommt es zum Austausch in Englisch. Die Dialoge sind überwiegend in Englisch. Das funktioniert zwar und zieht sich konsequent durch das Buch, es nervt aber auch.

Das Buch zieht die Spannung aus der Beziehung, aber auch Gegenüberstellung der zwei Protagonistinnen. Während die Icherzählerin ganz von ihrer inneren Krise gefangen ist, sind es bei der toughen LKW-Fahrerin Anna reale Probleme. Der Job ist ihr stolz, aber er ist auch hart und schwierig.
Der Plot ist nicht unbedingt neu. Es entschädigt aber, dass die Autorin viel Stimmungen und Atmosphäre erzeugt.

Veröffentlicht am 27.02.2026

Die Bar hieß Tangerinn

Tangerinn
0

Das Buch der italienischen Schriftstellerin Emanuela Anechoum lebt von der Erzählstimme der Protagonistin Mina und ihrer Situation. Sie lebt zur Zeit eigentlich in London, kehrt aber nach dem Tod des Vaters ...

Das Buch der italienischen Schriftstellerin Emanuela Anechoum lebt von der Erzählstimme der Protagonistin Mina und ihrer Situation. Sie lebt zur Zeit eigentlich in London, kehrt aber nach dem Tod des Vaters nach Kalabrien zurück. Ihr Vater Omar stammt aus Marokko, daher ist die Suche nach ihrer Identität ein großes Thema.
Zurück blieben ihre Schwester und die labile Mutter, um die man sich kümmern muss, genau wie um die Migrantenbar Tangerinn ihres Vaters. Dabei war es ihr so wichtig, dem Leben in Kalabrien zu entkommen.
Man kann Minas Situation gut verstehen, obwohl sie keine einfache Hauptfigur ist. Immer wieder geht sie innerlich ins Gespräch mit dem verstorbenen Vater. Erst spät im Buch, im vierten Teil, hat Omar auch einen Auftritt, als ein Freund Mina von früheren gemeinsamen Zeiten erzählt.

Mina muss sich entscheiden: Will sie bleiben oder wieder gehen? Mit dieser richtungsweisenden Entscheidung schließt das Buch.

Veröffentlicht am 25.02.2026

Gerechtigkeitsarbeit

Gerechtigkeit
0

Gerechtigkeit ist wichtig. Daher ist ein Essay darüber sehr zu begrüßen. Bernhard Schlink ist seit langen ein erfahrener und erfolgreicher Prosa-Autor, der weiß zu erzählen.
Daher war ich doch überrascht, ...

Gerechtigkeit ist wichtig. Daher ist ein Essay darüber sehr zu begrüßen. Bernhard Schlink ist seit langen ein erfahrener und erfolgreicher Prosa-Autor, der weiß zu erzählen.
Daher war ich doch überrascht, wie trocken das Essay über manche Strecken ist. Es ist mehr ein Text eines Juristen, der Schlink ja auch ist. Im Vorwort betont Schlink einen philosophischen Ansatz. Tatsächlich geht er auf Aristoteles zurück. Und dann vor allen auf den US-amerikanischen Philosophen John Krawalls und seiner Theory of Justice.
Gerechtigkeit hat mit Gleichheit und Gleichbehandlung zu tun.
Interessant ist Schlinks Aussage, das es keine Formel für Gerechtigkeit gibt, sehr wohl aber Strukturen für die Suche nach Gerechtigkeit.
Obwohl der Text relativ schwerbekömmlich ist, zweifle ich an Schlinks gut überlegten Ergebnissen (Wahlen, Demokratie, Rechtsstaat, soziale Gerechtigkeit) nicht.
Schließlich spricht Schlink auch noch über Generationsgerechtigkeit. Und am Schluss geht es um den Preis der Gerechtigkeit.
Es ist ein umfassendes, prägnantes Essay. Für mich ist es 3,5 von 5 Sterne wert.

Veröffentlicht am 25.02.2026

Über was nie gesprochen wurde

Ich möchte zurückgehen in der Zeit
0

Das neue Buch der Kultautorin Judith Hermanns ist schwer einzuordnen, aber das kennt man von ihr schon, zum Beispiel durch „Wir hätten uns alles gesagt“.
Das autobiografische Element ist prägend. Ausgangspunkt ...

Das neue Buch der Kultautorin Judith Hermanns ist schwer einzuordnen, aber das kennt man von ihr schon, zum Beispiel durch „Wir hätten uns alles gesagt“.
Das autobiografische Element ist prägend. Ausgangspunkt ist die Beschäftigung mit dem Großvater, der vor ihrer Geburt gestorben ist. Im Krieg war er bei der Waffen-SS und in Polen. Viel kann Judith Hermann, die schließlich selbst nach Polen reist, nicht recherchieren.
Ihre Unterhaltungen mit ihrer 80jährigen Mutter über den Großvater sind wenig ergiebig, lösen Spannungen aus und am Ende hat die Mutter eine vorübergehende Amnesie.
Es geht aber nicht nur um den Großvater. Judith Hermann reist schließlich auch nach Italien, wo ihre Schwester lebt.
Die geöffnete Tür auf dem Cover täuscht. Es bleiben mehr Fragezeichen als Erkenntnisse hängen und vielleicht muss man sich mehr als einmal mit diesem Buch beschäftigen. Dass das Buch sprachlich gut gestaltet ist, merkt man aber sofort.