Cover-Bild Löwen wecken
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16,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Kein & Aber
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 432
  • Ersterscheinung: 28.04.2016
  • ISBN: 9783036959405
Ayelet Gundar-Goshen

Löwen wecken

Ruth Achlama (Übersetzer)

Ein Neurochirurg überfährt einen illegalen Einwanderer. Es gibt keine Zeugen, und der Mann wird ohnehin sterben – warum also die Karriere gefährden und den Unfall melden? Doch tags darauf steht die Frau des Opfers vor der Haustür des Arztes und macht ihm einen Vorschlag, der sein geordnetes Leben komplett aus der Bahn wirft.
Wie hätte man selbst in einer solchen Situation gehandelt? Diese Frage schwebt über dem Roman, der die Grenzen zwischen Liebe und Hass, Schuld und Vergebung und Gut und Böse meisterhaft auslotet.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.07.2025

„Kein Mensch kennt jemals einen anderen völlig.“

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Etan arbeitet als Neurochirurg in einer Klinik in Beer Scheva. Eines Nachts beschließt er, nach seiner Schicht nicht den direkten Heimweg anzutreten, sondern sich noch eine kleine Auszeit zu nehmen. Er ...

Etan arbeitet als Neurochirurg in einer Klinik in Beer Scheva. Eines Nachts beschließt er, nach seiner Schicht nicht den direkten Heimweg anzutreten, sondern sich noch eine kleine Auszeit zu nehmen. Er schlägt von der Stadt aus den Weg in Richtung Süden ein, wo er mit seinem Jeep eine kleine Tour durch die Dünen plant. Etan ist ausgelassen, hat endlich mal wieder so richtig Spaß – bis er im Dunkeln einen illegal eingewanderten Eritreer überfährt. Schnell steht fest, dass der Mann seine schweren Verletzungen nicht überleben wird. Etan ist hin- und hergerissen: Der Unfall kann seine Karriere gefährden. Soll er sich wirklich stellen, wo es doch augenscheinlich keine Zeugen gibt?

Mit „Löwen wecken“ hat Ayelet Gundar-Goshen einen fesselnden Roman über Moral und Anstand, über Schuld und das Gewissen eines Menschen verfasst. Sie zeichnet darin die Geschichte eines erfolgreichen Arztes, der verheiratet und Vater zweier Kinder ist. Seine Frau Liat arbeitet bei der Polizei und wird schon früh im Buch mit dem Fall eines überfahrenen Eritreers vertraut gemacht, bei dem der Täter Unfallflucht begangen hat. Während sie ermittelt, leistet Etan ohne ihr Wissen Buße bei der Witwe des Verstorbenen. …
Die Figuren des Romans sind facettenreich gestaltet. Die Autorin versteht es, sowohl deren liebenswerte Seiten als auch die Abgründe menschlichen Handelns aufzuzeigen. Das führte dazu, dass ich mich in einige Figuren teilweise sehr gut einfühlen konnte, ihr Verhalten an anderen Stellen wiederum sehr befremdlich fand. Genau das mochte ich aber sehr gerne, da es die Personen überaus authentisch wirken lässt.
Hinsichtlich der Themen setzt der Roman in erster Linie bei unserem Verständnis von Moral an. Ist es wirklich immer ratsam, nach unseren Überzeugungen zu handeln? Können wir mit den Schuldgefühlen leben, wenn wir es nicht tun? Neben der Moralfrage rückt die Autorin aber auch den Rassismus in der Gesellschaft ins Blickfeld. Sie fragt nach dem Wert eines Menschenlebens in Abhängigkeit von der Nationalität (sowie vom Geschlecht) und zeigt, wie tief Vorbehalte gegenüber anderen Menschengruppen in uns verankert sind.
Bis zum Schluss war es für mich nicht ersichtlich, wie die Geschichte ausgehen wird und auch mit dem Ende regt Gundar-Goshen stark zum Nachdenken an, sodass der Roman noch lange in mir nachhallte.
Was für mich bleibt, ist die Erkenntnis, wie sehr man sich in Menschen täuschen kann, denn: „Kein Mensch kennt jemals einen anderen völlig.“ (S. 195)

Veröffentlicht am 28.06.2025

Aufwühlend – packend - spannend

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„Löwen wecken“ ist ein aufwühlender Roman der in Tel Aviv lebenden Autorin und Psychologin Ayelet Gundar-Goshen.

In Etans Leben passt eigentlich alles. Er hat eine angesehene Stelle als Arzt, ist mit ...

„Löwen wecken“ ist ein aufwühlender Roman der in Tel Aviv lebenden Autorin und Psychologin Ayelet Gundar-Goshen.

In Etans Leben passt eigentlich alles. Er hat eine angesehene Stelle als Arzt, ist mit einer Kommissarin verheiratet und hat mit ihr zwei Söhne. Das ändert sich schlagartig als er eines Nachts in einem Moment der Unaufmerksamkeit mit dem Auto einen eritreischen Flüchtling anfährt. Nachdem er feststellt, dass er nichts mehr für den Mann tun kann, flüchtet er vom Unfallort.
Tags darauf steht Sikrit - die Frau des Toten - mit Etans Portemonnaie vor seiner Tür und erpresst ihn.

Der Autorin gelingt es gut ihre Charaktere authentisch darzustellen und sie lässt einen direkt in deren Köpfe blicken. Dadurch werden auch Handlungen, die ich nicht gut heißen konnte, nachvollziehbar. Der Zwiespalt, der in Etan entsteht und der immer weiter wächst, wird gut dargestellt.
Gleichzeitig tauchen wir in die Welt der Flüchtlinge ein, deren Leben alles andere als einfach ist. Damit wird auch Sikrits Forderung nachvollziehbar.
Neben der Handlung, die bei mir zu einen richtigen Lesesog geführt hat und sich wie ein Krimi liest, gibt die Autorin einen interessanten Einblick in die israelische Gesellschaft und äußert entsprechende kritische Gedanken. Stellenweise gab es viele Details, die nicht unbedingt zum Voranschreiten der Handlung notwendig gewesen wäre und die das Buch für mich unnötig in die Länge gezogen haben.
Dennoch ist es ein lesenswerter Roman, der moralische Fragen aufwirft, die Gesellschaft hinterfragt und ebenso packend wie aufwühlend ist. Mir wird er sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Anspruchsvoller Roman mit einigen Längen

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"Und er dachte sich gerade, dies sei der schönste Mond, den er je gesehen habe, als er diesen Mann umfuhr. Und als er ihn umfuhr, dachte er im ersten Moment immer noch an den Mond, dachte weiter an den ...

"Und er dachte sich gerade, dies sei der schönste Mond, den er je gesehen habe, als er diesen Mann umfuhr. Und als er ihn umfuhr, dachte er im ersten Moment immer noch an den Mond, dachte weiter an den Mond und hörte dann mit einem Schlag auf, als hätte man eine Kerze ausgeblasen."

Die Autorin Ayelet Gundar-Goshen katapultiert ihre Leser*innen im Roman „Löwen wecken“ sofort mitten ins Geschehen. Der prinzipientreue Arzt Etan Grien, ein liebevoller Ehemann und Familienvater, überfäht eines Nachts nach einer endlosen Schicht, mitten inder Wüste einen Menschen. Von einer Sekunde auf die andere gerät seine Welt aus den Fugen. Als klar wird, dass der Eritreer sterben wird, begeht Etan Fahrerflucht.

"Und der Eritreer blutete weiter, als täte er es mit Absicht. Und plötzlich wusste er, er musste weg. Jetzt. Diesen Mann konnte er nicht mehr retten. Da sollte er wenigstens versuchen, sich selbst zu retten."

Am nächsten Morgen steht plötzlich eine dunkelhäutige Frau mit seiner verlorenen Brieftasche vor der Tür und Etan wird klar, dass er so leicht nicht aus der Situation herauskommen wird. Die Fremde hat ihn in der Hand, doch sie nimmt zwar sein Geld, das er ihr für ihr Schweigen anbietet.

"Wie viel wert war Schweigen? Wie viel wert war ein Menschenleben?"

Sirkit zwingt Etan, in einer verlassenen Werkstatt ein Krankenhaus für illegale Einwanderer einzurichten. Etan führt von nun an ein Doppelleben und die Lage spitzt sich immer mehr zu, denn seine Frau, die Polizistin ist, ermittelt zeitgleich im Fall der Fahrerflucht des toten Eritreers.

"Obwohl er sich in seinem ersten Jahr an der Universität geschworen hatte, jeden Menschen zu behandeln, und das ehrlich meinte. Aber etwas so Nahes, Intimes wie der Umgang zwischen Arzt und Patient wurde unerträglich unter Zwang. Da er seinen Patienten gezwungenermaßen half, hasste er sie mindestens so sehr wie sich selbst."

"... und dachte, irgendwo unterwegs sei ihm dieser Knopf kaputt gegangen, der für das Mitgefühl. Er sollte doch eigentlich etwas spüren. Milde. Erbarmen. Verantwortung für seine nächsten. Nicht nur gegenüber diesem Mann, der hier stand und ihm aufgeregt die Hand drückte, während er selbst nur wartete, dass er damit aufhörte. Auch gegenüber jenem Mann, der mit geborstetem Schädel auf dem Boden gelegen hatte, auch ihm gegenüber hatte er nichts empfunden. Oder vielleicht doch, aber nicht das richtige. Nicht das, was er hätte empfinden sollen."

Es war mein erster (aber sicher nicht letzer Roman von Ayelet Gundar-Goshen. Der Schreibstil der Autorin hat mir grundsätzlich sehr gut gefallen, er ist literrisch sehr anspruchsvoll, war mir jedoch (vor allem gegen Ende) etwas zu ausschweifend und langatmig. Das hat das Lesevergnügen zum Schluss hin etwas geschmälert. Anfangs war das noch okay, mit der Zeit (im letzten Drittel) waren es mir dann einfach zu viele Wiederholungen und Abschweifungen, die mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun haben und alles unnötig in die Länge zogen.
Final vergebe ich dennoch 4⭐️ für diesen Roman mit seiner moralisch spannenden Fragestellung, was ein Menschenleben wert ist.

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Was würdest du machen?

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Nach einer langen Schicht im Krankenhaus überfährt Dr. Etan Grien einen illegalen Einwanderer.
Um seine Karriere nicht zu gefährden, begeht der Neurochirurg Fahrerflucht - denn dem Opfer kann ohnehin nicht ...

Nach einer langen Schicht im Krankenhaus überfährt Dr. Etan Grien einen illegalen Einwanderer.
Um seine Karriere nicht zu gefährden, begeht der Neurochirurg Fahrerflucht - denn dem Opfer kann ohnehin nicht mehr geholfen werden.
Am nächsten Tag steht dessen Witwe vor Griens Haustür. Sie zwingt ihn zu einem gravierenden Pakt.

Ayelet Gundar-Goshen hat mit “Löwen wecken” einen Roman geschrieben, der ein Psychogramm von gleich drei Personen liefert: dem Neurochirurgen Etan, dessen Frau Liat und der Witwe des Überfahrenen, Sirkit.
Geschickt beschreibt die Autorin, wie facettenreich jede ihrer Hauptfiguren ist, bewegt sich dabei intensiv in der Gedankenwelt und schildert alltägliche Situationen, um den Lesenden ein zutiefst menschliches Bild der Charaktere zu verschaffen.
Und dann reicht ein Entschluss, um dieses Bild zu zerstören, eine Entscheidung, die es wieder komplett verändert. Oft wird man vor die Frage gestellt, wie man selbst gehandelt hätte und oft muss man den Personen dabei folgen, wie sie moralisch fragwürdige Wege einschlagen.
Interessant ist auch, wie nach und nach mehr Verknüpfungen hergestellt werden; es beginnt damit, dass Liat als Polizistin mit dem Fall der Fahrerflucht betraut wird und endet damit, dass die halbe Stadt miteinander verwickelt ist.

“Löwen wecken” ist ein Roman, der zwar ein paar Längen hat, dafür aber sehr in die Tiefe geht. Ein Roman, der aufzeigt, dass eine Entscheidung alles verändern kann. Der die Lesenden an ihre moralischen Grenzen bringt und nicht so schnell loslässt. ⭐️4/5⭐️

*Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama

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Veröffentlicht am 01.05.2020

Erschütternd und relevant

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Toll geschrieben! Zwischendurch allerdings ein wenig langatmig. Das Thema ist hochrelevant für unsere heutige Zeit.

Toll geschrieben! Zwischendurch allerdings ein wenig langatmig. Das Thema ist hochrelevant für unsere heutige Zeit.

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