Leute von früher
Eine kleine Insel im nordfriesischen Wattenmeer unweit von Husum ist der Schauplatz dieser Geschichte. Die Insel lockt Touristen mit ihrem historischen Flair, einem Erlebnisdorf das neben dem alten Krämerladen ...
Eine kleine Insel im nordfriesischen Wattenmeer unweit von Husum ist der Schauplatz dieser Geschichte. Die Insel lockt Touristen mit ihrem historischen Flair, einem Erlebnisdorf das neben dem alten Krämerladen so manch ein vergessenes Handwerk präsentiert und deren „Bewohner“ in historisch wirkenden Kostümen wie um 1900 herumlaufen. Alles ist eine große Kulisse, selbst die Kekse, die man in hübschen Gläsern im Lädchen erwerben kann, sind umgefüllte Industrieware anstelle von selbstgebackener Köstlichkeit. Marlene, die nach ihrem Studium merkt, wie aussichtslos es ist einen Job zu finden, hat auf der Insel einen Saisonarbeitsplatz als Verkäuferin bekommen.
Ich fand es ganz nett über diesen ganz Touristennepp zu lesen, Marlene‘s Alltag erzählt zu bekommen, ein Gefühl dafür zu bekommen wie es ist, nach einem vollendeten Arbeitstag die „Kostümgrenze“ zu überschreiten und sich in eine Mitarbeiterbaracke zurückzuziehen und einige wenige Kontakte zu anderen Saisonkräften aufzubauen.
Allerdings plätscherte die Geschichte doch sehr vor sich hin, und ich bin weder der Protagonistin noch den Nebenfiguren sehr nah gekommen. Selbst Janne, die auf der Insel aufgewachsen ist und in die sich Marlene verliebt, blieb mir irgendwie fremd, auch wenn ich sie insgesamt noch am interessantesten fand. Janne hat dann auch ein mystisches Geheimnis. Bei magischem Realismus bin ich tatsächlich selten begeistert. Zugegeben es passte zur Atmosphäre und hat ein paar Gruselvibes gebracht, aber ich hätte es nicht gebraucht. Den überraschenden Schluß fand ich dann wieder sehr gelungen.
Fazit: Es war wohl nicht ganz mein Buch. Trotzdem würde ich jetzt nicht davon abraten. Ich kann mir vorstellen, dass es auch begeisterte Leser gibt.