Eine Frau findet ihren Weg
Wir befinden uns in Nashville/Tennessee im Jahr 1868. Die junge Eleanor Braddock hat durch den Bürgerkrieg viele Verluste zu beklagen, doch da sie eine pragmatische Frau ist, lässt sie sich davon nicht ...
Wir befinden uns in Nashville/Tennessee im Jahr 1868. Die junge Eleanor Braddock hat durch den Bürgerkrieg viele Verluste zu beklagen, doch da sie eine pragmatische Frau ist, lässt sie sich davon nicht unterkriegen. Im Bürgerkrieg hat sie als Krankenschwester an der Front gedient und mehr Leid gesehen als man sich vorstellen kann. Dennoch schöpft sie aus einer ganz bestimmten Situation Kraft und Mut ihren Weg weiterzugehen.
Eleanor ist mit knapp 30 Jahren noch unverheiratet, was zur damaligen Zeit sehr ungewöhnlich für Frauen eines bestimmten Standes ist, doch im Grunde stört sie das nicht. Nachdem ihr Vater jedoch an Demenz erkrankt, verändert sich die Situation für die junge Frau. Demenzkranke kommen damals in eine "Irrenanstalt" und es wird in der Gesellschaft nicht darüber gesprochen, da es als Schwäche und Makel gilt. Für Eleanor ist ein schwerer Schritt, auch dass sie nun bei ihrer sehr wohlhabenden Tante Adelicia Cheatham auf der Plantage Belmont nun einen Unterschlupf findet. Ihre tatkräftige Tante nimmt sich beherzt der jungen Eleanor an, doch anders als Eleanor es sich gedacht hat. Ihr Traum ein eigenes Restaurant zu eröffnen, für junge Frauen mit einem gewissen gesellschaftlichen Hintergrund, ein absolutes Desaster wird von ihrer Tante nicht akzeptiert, statt dessen hat sich Tante Adelicia auf die Fahne geschrieben einen passenden Ehemann für Eleanor zu finden, der sie auch mit diesem Makel als Frau nimmt.
Auf Belmont begegnen wir auch Markus Geoffrey, der für Tante Adelicia den Auftrag bekommen hat, die perfekte Rose in dem perfekten Rosa zu züchten, einem Mann, der außer seiner Liebe zur Botanik und Architektur auch noch andere Fähigkeiten und vor allem Geheimnisse hat. Es ist herrlich von den Begegnungen der beiden jungen Menschen zu lesen, die beide ein Geheimnis mit sich tragen, beide schon viel Schlimmes in ihrer Vergangenheit erlebten, beide nicht frei füreinander sind und sich dennoch mehr und mehr anziehend finden. Bei allem was Eleanor erlebt versucht sie den Weg zu finden, den Gott für sie geplant hat und auch für Markus, der Gott aus bestimmten Gründen hauptsächlich abwesend empfunden hat, verändert sich zunehmend die Blickrichtung.
Die Autorin nimmt uns auf eine ganz feine Art mit in diese damalige Zeit und in die Lebens- und Gedankenwelt der zu dieser Zeit lebenden Menschen. Wir erleben nicht nur eine sich sanft entwickelnde Liebesgeschichte, die nicht sein darf, sondern auch eine von der Krankheit Demenz geprägte schmerz- und trauervolle Vater-Tochter-Beziehung und was es damals für die Betroffenen und Angehörigen bedeutet hat. Für eine Frau war es damals egal ob wohlhabend oder arm sehr schwer ihren von ihr gewählten Weg zu gehen. Doch auch Markus kämpft darum sein Leben frei von familären und gesellschaftlichen Zwängen zu führen, auch mit entsprechenden Konsequenzen. Durch die Botanik-Kenntnisse von Markus darf der Leser auch noch mal die Mendelschen Gesetze auffrischen und bekommt einen Einblick mit welchen Schwierigkeiten die damalige Landwirtschaft zu kämpfen hatte.
Mir hat diese Geschichte, in der auch wahre historische Begebenheiten mit einfließen und der christliche Glaube und seine gelebten Werte ganz natürlich mit einfließen sehr gut gefallen und ich habe diese Lektüre genossen.
Absolut lesenswert!