Eher eine Fantasygeschichte für Erwachsene als ein Jugendbuch
Claire lebt in einer Welt, in der jeder Mensch einen Instinkt hat, nachdem er handeln muss und der sein Leben bestimmt. Claire ist kurz davor ihren Abschluss an der Schule der Vertrauten zu machen, als ...
Claire lebt in einer Welt, in der jeder Mensch einen Instinkt hat, nachdem er handeln muss und der sein Leben bestimmt. Claire ist kurz davor ihren Abschluss an der Schule der Vertrauten zu machen, als mehrere Schüler spurlos verschwinden. Außenseiter ohne Freunde, nach denen Niemand sucht. Goliath ist ein Schützer und ihm fehlt nur noch ein gerettetes Leben, um zum Tugendhaften aufzusteigen. Doch um dieses Leben zu retten, bleibt ihm nicht mehr viel Zeit. Claire und Goliath tun sich zusammen, um dem Verschwinden der Schüler auf den Grund zu gehen und kommen dabei etwas auf die Spur, dass ihr Leben für immer verändert.
Christelle Dabos ist mir bereits von ihrer Spiegelreisenden-Reihe bekannt gewesen, welche ich sehr mochte. Auch hier schafft es die Autorin eine interessante und komplexe Fantasywelt zu erschaffen, die ihren eigenen Regeln und Vorgaben folgt. Das „Wir“, welchem alle Menschen durch ihren Instinkt untergeordnet sind, übt auf Alles und Jeden Kontrolle aus. Die Gesellschaft ist beinahe sektenartig angelegt. Die Rettung eines Lebens wird belohnt. Je mehr gerettete Leben, desto höher der gesellschaftliche Status und die Privilegien, die man sich verdient. Auch die Namensgebung der verschiedenen Ränge (Engel, Erzengel, Cherub etc.) hat einen eher religiösen Charakter. Diese Welt ist so komplex aufgebaut, dass ich sie bis zum Ende nicht vollständig durchblicken konnte.
Die Geschichte ist in zwei große Abschnitte unterteilt. Der erste Teil beschäftig sich vor allem mit dem Verschwinden der Schüler. Im zweiten Abschnitt nimmt die Geschichte eine so große Wendung, dass ich hier fast von einem anderem Buch sprechen würde.
Grundsätzlich mochte ich Claire und Goliath als Charaktere sehr gerne. Sie sind sehr gegensätzlich gestaltet und harmonieren doch seltsamerweise gut miteinander. Leider sind sowohl die Charaktere als auch die Handlung relativ emotionslos beschrieben. Dies passt durchaus zu der Gesellschaft, in der die Beiden leben, ich konnte dadurch jedoch keine emotionale Verbindung zu den Charakteren aufbauen. Auch die Beziehung der Beiden zueinander bleibt fade und unnahbar.
Der erste Teil des Buches hatte einige spannende Wendungen zu bieten. Der zweite Teil der Geschichte hat sich für mich jedoch ziemlich gezogen. Das Ende war zwar spannend, aber mir persönlich zu brutal. Außerdem muss ich gestehen, dass ich das Ende nicht hundertprozentig verstanden habe und mir zu viele Fragen offenbleiben. Da ich das Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen habe, weiß ich, dass es zumindest nicht nur mir so ergangen ist.
Das Buch wird ab einem Alter von 14 Jahren empfohlen und in die Kategorie Jugendbuch eingeordnet. Ich denke, dass diese Klassifikation nicht passend ist. Bezogen auf die Komplexität der Geschichte würde ich es auf jeden Fall erst ab 16 Jahren einstufen, bedenkt man die Brutalität in der Handlung wäre ich für eine Klassifikation für Erwachsene im Bereich Fantasy/Dystopie.
Insgesamt konnte mich die Geschichte mit ihrem komplexen und einzigartigen Worldbuilding überzeugen, die emotionslose Erzählung und das unbefriedigende Ende sind für mich jedoch klare Minuspunkte der Geschichte.