Anspruchsvoll und intelligent
Inferno von Dan Brown ist wieder ein typischer Langdon-Thriller. Schnell, rätselgeladen und mit diesem bekannten Mix aus Kunst, Geschichte und Wissenschaft. Gleichzeitig fühlt sich dieser Band etwas anders ...
Inferno von Dan Brown ist wieder ein typischer Langdon-Thriller. Schnell, rätselgeladen und mit diesem bekannten Mix aus Kunst, Geschichte und Wissenschaft. Gleichzeitig fühlt sich dieser Band etwas anders an als Illuminati, vor allem durch seinen stärkeren Fokus auf ein zentrales, sehr aktuelles Thema.
Die Geschichte startet direkt mit Spannung: Robert Langdon wacht ohne Erinnerungen in Florenz auf und wird sofort in eine Verfolgungsjagd hineingezogen. Dieses „mitten rein“-Gefühl funktioniert hier besonders gut und sorgt dafür, dass man direkt gepackt ist.
Das Setting ist erneut ein großes Highlight. Florenz, Venedig, Istanbul – die Orte sind atmosphärisch beschrieben und eng mit den Rätseln verknüpft. Besonders die Bezüge zu Dantes Göttlicher Komödie ziehen sich konsequent durch die Handlung und geben dem Ganzen eine spannende, fast schon düstere Ebene.
Inhaltlich dreht sich alles um ein moralisch komplexes Thema: Überbevölkerung und die Frage, wie weit man gehen darf, um die Zukunft der Menschheit zu sichern. Genau das hebt Inferno etwas von den anderen Bänden ab, weil es nicht nur um ein Rätsel oder eine Verschwörung geht, sondern um eine grundlegende ethische Fragestellung.
Die Spannung ist durchgehend hoch, auch wenn sie sich etwas anders aufbaut als in Illuminati. Weniger reine Action, dafür mehr Rätsel, mehr Nachdenken und mehr Twists, die vor allem gegen Ende noch einmal alles auf den Kopf stellen.
Was mir besonders gefallen hat, ist genau dieser moralische Graubereich. Es gibt kein klares Schwarz-Weiß, sondern Entscheidungen und Motivationen, die man zumindest teilweise nachvollziehen kann, auch wenn sie erschreckend sind.
Allerdings merkt man auch hier, dass die Charaktere eher funktional bleiben. Der Fokus liegt klar auf Plot und Konzept, weniger auf tiefer emotionaler Entwicklung.
Insgesamt ist Inferno ein spannender, intelligenter Thriller mit einem starken thematischen Kern und vielen überraschenden Wendungen. Vielleicht etwas weniger „adrenalingeladen“ als Illuminati, dafür aber gedanklich noch einmal anspruchsvoller und nachhaltiger.