Cover-Bild Der Wintersoldat
(7)
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere

Klicken Sie hier, um den Weitersagen-Button zu aktivieren. Erst mit Aktivierung werden Daten an Dritte übertragen.

24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: C.H.Beck
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 430
  • Ersterscheinung: 11.12.2019
  • ISBN: 9783406739613
Daniel Mason

Der Wintersoldat

Roman
Sky Nonhoff (Übersetzer), Judith Schwaab (Übersetzer)

"Dieser Roman überzeugt mit jedem Satz."
Pulitzer-Preisträger Anthony Doerr
Der hochbegabte Wiener Medizinstudent Lucius meldet sich beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges freiwillig und landet im eisigen Winter 1914 in einem Behelfslazarett in den Karpaten, wo ihm die junge Nonne Margarete erst alles beibringen muss. Als ein schwer traumatisierter, aber äußerlich unverletzter Soldat eingeliefert wird, begeht Lucius einen gravierenden Fehler. Daniel Masons aufwühlender Roman erzählt eine Geschichte von Krieg und Heilung, von unverhoffter Liebe, von verhängnisvollen Irrtümern und von Sehnsucht und Sühne.

Lucius ist zweiundzwanzig Jahre alt und ein hochbegabter Medizinstudent in Wien, als der Erste Weltkrieg ausbricht. In der Vorstellung, an ein gut ausgestattetes Lazarett zu kommen, meldet er sich freiwillig. Tatsächlich landet er im eisigen Winter 1914 in einem abgelegenen Dorf in den Karpaten, in einer zum Behelfshospital umfunktionierten Kirche. Allein mit einer rätselhaften, jungen Nonne namens Margarete, muss er die schwer Verletzten versorgen, er, der noch nie ein Skalpell geführt hat. Margarete bringt ihm alles bei und als sie sich verlieben, auch das. Aber wer ist sie wirklich?

Eines Tages bringt man ihnen einen bewusstlosen Soldaten, der äußerlich keine Verletzungen aufweist, aber so traumatisiert ist, dass er zu sterben droht. Ein bislang unbekanntes Krankheitsbild, Folge des ununterbrochenen Granatenbeschusses. Lucius entdeckt eine Heilungsmethode, auf die der Soldat anspricht. Aber als ein Aushebungskommando kommt und den Mann wieder an die Front schicken will, trifft Lucius gegen den Rat von Margarete eine folgenschwere Entscheidung. Daniel Masons großartig geschriebener, aufwühlender Roman erzählt eine Geschichte von Krieg und Heilung, von Liebe gegen alle Wahrscheinlichkeit, von verhängnisvollen Fehlern und von Sehnsucht und Sühne.

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.06.2020

Sehr anschaulich und intensiv, aber nicht ganz perfekt.

0

„Der Wintersoldat“ ist, stilistisch betrachtet, eher schwere Kost. Das Buch liest sich nicht einfach so schnell weg; es bedarf Aufmerksamkeit und Konzentration und hin und wieder den Griff zu Google, um ...

„Der Wintersoldat“ ist, stilistisch betrachtet, eher schwere Kost. Das Buch liest sich nicht einfach so schnell weg; es bedarf Aufmerksamkeit und Konzentration und hin und wieder den Griff zu Google, um das ein oder andere Wort nachschlagen zu können. Daniel Mason erzählt dabei sehr eingehend und detailliert, setzt auf Fachbegriffe und eine authentische Sprache für die damalige Zeit. Dass das nicht in Jugendbuch-Manier vonstatten geht, ist nur nachvollziehbar. Doch trotz des eher langsamen Lesetempos, das man hier unweigerlich an den Tag legt, fesselt die Geschichte rein durch Wortwahl und unzählige geschickt geplatzierte Beschreibungen. Greifbare Bilder lassen einen durchgängigen Film im Kopf entstehen und versetzen den Leser inmitten die Eiseskälte der Karpaten. Es herrscht also eine drückende, dichte Atmosphäre, die einzunehmen weiß. Erzählt wird dabei in teils sehr langen Kapiteln, die sich teilweise über 50 Seiten erstrecken. Für mich streckenweise ein wenig anstrengend, doch man gewöhnt sich schnell an die Begebenheiten und arrangiert sich damit. Allgemein fand ich die Gliederung aber insgesamt absolut gelungen und die Kapitelenden wurden exakt dorthin gelegt, wo sie hingehörten, um für möglichst viel Motivation zu sorgen und weiterlesen zu wollen.

Lucius als Protagonist brauchte ein paar Seiten lang, ehe er greifbar wurde. Es fällt einem, vor allem als Nicht-Mediziner, recht schwer, sich mit ihm zu identifizieren, da er einfach rein für sein Studium lebt. Doch hat man sich erst einmal an den eher wortkargen, zurückhaltenden Einzelgänger gewöhnt, ist es unglaublich interessant, seinen Werdegang – und sein Leben ganz allgemein – zu begleiten. Lucius unterscheidet sich in so vielerlei Hinsicht von anderen Protagonisten und ist deshalb wunderbar erfrischend und anders; und dementsprechend großartig! Natürlich spielen auch die damaligen Lebensumstände eine tragende Rolle, doch mir bereitete es größte Freude, Lucius immer näher und näher kennen zu lernen. Er hatte definitiv ein Herz, wenngleich das manchmal hinter seiner unbeholfenen und unerfahrenen Art verborgen blieb. Aber genau das machte ihn auch so liebenswert. Die Verbindung zu ihm vertiefte sich also von Kapitel zu Kapitel und mit ihm mitzufiebern wurde immer leichter. Dabei legte er eine so deutliche, authentische Entwicklung an den Tag und wuchs an jeder seiner Aufgaben. Nicht jeder Gedankengang; und auch nicht jede Handlung war komplett nachvollziehbar; doch das war auch gar nicht nötig. Wichtig war, dass man ihn im Groben und Ganzen glaubhaft fand und seine Reaktionen ihren Teil zur Geschichte beitrugen. Außerdem sollte man niemals ausser acht lassen, dass sich Zeiten nunmal ändern und wir uns definitiv nicht mit den Menschen, die während des ersten Weltkriegs gelebt haben, vergleichen sollten.
Neben Lucius gab es aber auch noch ein paar weitere Figuren, die alle für sich sehr interessant waren. Der eine blieb aufgrund seiner Position als unwichtiger Nebencharakter recht blass, doch die tragenden Nebenrollen hatten vom Autor alle ihre ganz eigenen Ecken und Kanten und besonderen Merkmale verpasst bekommen. So zum Beispiel Lucius‘ Eltern, die beide sehr eindrücklich aufzeigen, wo die damaligen Werte lagen. Oder aber Margarete, die Ordensschwester, die mein Herz im Sturm erobern konnte; einfach indem sie zupackte. Tat, was getan werden musste und sich vor keinerlei Arbeit zu schade war. Diese drei, und noch einige weitere tun einiges für den Verlauf der Geschichte und hauchen der gesamten Storyline noch einmal zusätzliches Leben ein.

Die Geschichte, die schon vor dem ersten Weltkrieg beginnt, ist extrem gut durchdacht und ausgearbeitet. Daniel Mason hat hier einen wirklich tollen Job gemacht, indem er ausgezeichnet recherchiert, geplant und in Szene gesetzt hat. Wir bekommen schon durch den Prolog erste Einsichten in eine spätere Szene, ehe wir „zum Anfang“ springen und alles vorn erleben. Dies erzeugt eine unausweichliche Neugier im Leser, der natürlich dann wissen möchte, wie es dazu kam und das danach noch geschieht. Doch zuvor lernen wir Lucius erst einmal kennen; erfahren von seiner Liebe zur Medizin und seinem Studium. Selbst kurze Einschnitte aus Lucius‘ Kindheit bleiben nicht aus, was dem Charaktere zusätzlichen Tiefgang verleiht und vieles von dem, was er später noch denkt oder tut, verständlich macht. Dabei setzt er Autor aber keineswegs auf einen irren Spannungsbogen, sondern eher auf Inhalt und Sprache. Ganz unaufgeregt erzählt er uns von Lucius‘ Werdegang, dessen Studium und allem, was nebenbei noch passiert und was er erlebt. Er erzählt vom Familienleben des Protagonisten und von seinen beiden einzigen Freunden. Erst nach und nach zieht dann der Krieg und die damit einhergehende Problematik auf. Die Stimmung wird düsterer, drückender und auf eine unterschwellige Spannung wird auch nicht verzichtet. Trotzdem ist und bleibt die Geschichte eher ruhig. Actiongeladene Szenen gibt es nicht, stattdessen Einblicke in das Leben während dieser schwierigen Zeit. Gefallene Kameraden, Soldaten, die mehrere Gliedmaßen verlieren und durch posttraumatische Belastungsstörungen quasi den Verstand verlieren, stehen an der Tagesordnung. Das ganze schockiert in einem Ausmaß, dass nur schwer begreiflich ist. Doch eben weil Daniel Mason alles so selbstverständlich beschreibt, wird es zur bitteren Realität. Es geht nicht nur um das Lazarett, in dem Lucius fortan als Arzt arbeitet, sondern eben auch die ganz allgemeinen Fakten zum ersten Weltkrieg – welche Länder sind wo eingefallen, welche Gebiete wurden eingenommen, usw. Doch neben all dieser Grausamkeit, die hier herrscht, werden die Emotionen nicht vergessen. Anthony Doerr (Pulitzer-Preisträger 15) sagt über „Der Wintersoldat“, es sei eine Mischung aus Krimi, Kriegs,- und Liebesgeschichte und damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Daniel Mason hat Undurchsichtigkeiten eingebaut, eine Reise zu sich selbst, eine herzzerreißende Liebesgeschichte und eben den Krieg. Diese Mischung ist ihm nahezu perfekt gelungen, auch wenn der Krimi vielleicht ein wenig hinten an stehen muss.
Der Schlusspart, der sich über mehrere (sehr lange) Kapitel erstreckt, bringt dann doch nochmal etwas von der erhofften Spannung mit und überzeugt durch einige interessante Wendungen und einen sehr überraschenden Schlusspunkt. Etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe, und das mich sehr sprachlos und bedrückt zurückließ. Ein Werk, das man erst einmal sacken lassen muss.

FAZIT:
„Der Wintersoldat“ von Daniel Mason ist ein fachlich perfekt recherchiertes Werk voller Authensität, Glaubwürdigkeit und Lebendigkeit. Mittels eines angenehmen, atmosphärischen Schreibstils tauchen wir als Leser in den Alltag während des ersten Weltkriegs ein und bekommen einen realistischen Einblick in das damalige Leben eines jungen Medizinstudenten. Mit einer ganz unaufgeregten Art erzählt der Autor von Krieg, Tod und schweren Verletzungen, aber auch von Hoffnung, Liebe und Freundschaft. Nicht perfekt, aber definitiv ein Erlebnis und noch definitiver einen Blick wert. Für alle, die sich für die Zeit rund um den ersten Weltkrieg und vielleicht sogar für Medizin interessieren, ein Muss.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2020

Der Schrecken des ersten Weltkrieges

0

Der angehende und hochbegabte Medizinstudent Lucius hat in der Medizin seine Lebensaufgabe gefunden. Wie und was er nach dem Studium gedenkt zu tun weiß er noch nicht... denn der erste Weltkrieg ist ausgebrochen.

Auf ...

Der angehende und hochbegabte Medizinstudent Lucius hat in der Medizin seine Lebensaufgabe gefunden. Wie und was er nach dem Studium gedenkt zu tun weiß er noch nicht... denn der erste Weltkrieg ist ausgebrochen.

Auf Empfehlung von seinem Studienkollegen und Freund Feuermann meldet sich auch Lucius zum Sanitätsdienst, Ärzte und Personal werden händeringend gesucht.

Er landet in einem abgelegenen Dorf in den Karpaten und bekommt den ganzen Schrecken und Grausamkeiten des Krieges mit und merkt.. darauf war er nicht vorbereitet... zum Glück steht im die Krankenschwester Margarete zur Seite...


Bei dem Buch war ich im Allgemeinen sehr neugierig was mich hier erwarten wird, auch wie gewisse Themen vom Autor umgesetzt werden.

Wird es ein reines Gemetzels, ein eher medizinische Geschichte, authentisch, eine reine Liebesschnulze, packend oder langweilig?


Ich für mich muss sagen dass der Autor, in meinen Augen, eine sehr realistische und vor allem erdrückende Geschichte geschaffen hat, mit ihren Schrecken des Krieges, mit etwas Liebe zwischen Arzt und Krankenschwester, medizinisch sehr interessant und im Schreibstil sehr einnehmend, anfangs etwas ruhiger und eher hinplätschernd, aber trotzdem mit einem sehr guten Standpunkt in vielen Bereichen.


Ich würde fast sagen – man sollte sich für Medizin interessieren, vielleicht aus dem Beruf kommen oder zumindest kein Problem haben dass der Autor, der selbst Psychiater ist, diese Thematik groß anschneidet und thematisiert.

Denn für mich selbst waren diese Unterschiede von damals und heute sehr interessant dargestellt, gekonnt umgesetzt, die damalige Zeit und die Umstände hat der Autor sehr lebensnah niedergeschrieben.


Der Autor bedient sich einer sehr bildhaften Sprache, man hat das Kriegsgeschehen vor den Augen, wie auch die Soldaten, die Jahreszeiten in den Karpaten, kann sich ein Bild des Lazaretts machen, lernt die verschiedenen Protagonisten kennen und ist an ihrer Seite, bis zum Ende.


Lucius war mir sehr schnell sympathisch, er ist sehr engagiert, interessiert sich eigentlich nur für die Medizin und wünscht sich mehr Kontakt zu Patienten um besser und schneller zu lernen, zu verstehen.

Auch überlegt er, mit Professoren, gewisse Techniken zu verfeinern, aufzuwerten, neue Ansätze einzubringen.

Die Überlegungen zur damaligen Zeit waren einfach spannend zu lesen.


Mit dem Ausbruch des ersten Weltkriegs ändert sich alles, auch für Lucius, der eigentlich gar nicht vor hatte, sich zu melden, aber dadurch dass sein Freund Feuermann als Arzt agieren darf, möchte das auch Lucius.

Man begleitet Lucius zu seinem Lazarett und ist, wie er, erstmal mit der ganzen Situation überfordert, denn wie jeder Student wird man hier in eine Lage hineingeworfen, die man sehr schwer fassen und begreifen kann, es ist erschreckend gut beschrieben und nichts wirkt übertrieben oder überzeichnet.


Mit dem „Wintersoldat“ erhält das Thema Krieg, Traumatisierung und die richtige Behandlung einen neuen, unbekannten Fleck und schnell wird klar – was wir heute wissen, war damals in keinster Weise denkbar und stand eigentlich nicht zur Debatte.

Im Lazarett wird eines schnell klar – die Soldaten müssen einfach nur wieder stehen können, sie müssen so schnell und unverzüglich wie möglich zurück an die Front, eine andere Aufgaben haben Lucius und sein Team gar nicht.
Aber der „Wintersoldat“, wie er von ihnen genannt wird, ändert alles, auch die Dynamik im Team, die ganze Situation für das Lazarett.


Natürlich kommt die Liebe nicht zu kurz, aber sie ist klein und fein, geheim und verboten und doch ist sie der Farbtupfer zwischen all dem Schnee, dem Grauen, dem Blut und den Sorgen, Schrecken, Hunger, Angst, der Filter gegen den Krieg.


Doch natürlich ist zu dieser Zeit nichts einfach, nichts fliegt einem zu und auch Lucius muss sich noch mehr mit den Kämpfen, den Zuständen in seiner Heimat Wien und seiner Liebe auseinandersetzen.

Neue Grenzen, neue Möglichkeiten aber auch neue Ängste machen ihm schwer zu schaffen, der Krieg bekommt man so schnell nicht mehr aus dem Kopf...


Diese ganzen, verschiedenen und doch feinen Nuancen arbeitet der Autor gekonnt, authentisch und bewegend zu einer Geschichte zusammen, einem angehenden, studierenden Arzt in einem Lazarett in den Karpaten, überfordert, verängstigt, das erste Mal verliebt und mit dem ganzen Grauen des Kriegs konfrontiert was für alle nicht leicht zu fassen ist.


Mich konnte dieser Roman restlos begeistern und mitreissen, ich empfehle ihn daher dringend weiter.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.01.2020

Harte Zeiten

0

Das Buch hat in der Buchhandlung mein Interesse geweckt da es aus der Zeit des 1.Weltkriegs handelt. Ich kann mich da noch gut an die schrecklichen Dinge erinnern, die mein Opa damals erlebt hat und die ...

Das Buch hat in der Buchhandlung mein Interesse geweckt da es aus der Zeit des 1.Weltkriegs handelt. Ich kann mich da noch gut an die schrecklichen Dinge erinnern, die mein Opa damals erlebt hat und die ihn ein Leben lang verfolgten. Damals war sich keiner bewusst was da wirklich auf einen zukam. Das hat Daniel Mason in "Der Wintersoldat" perfekt geschildert.

Das Buch hat einen losen Covereinband und ein Lesebändchen, was für mich bereits äusserlich auf eine gute Qualität hinweist. Es zeigt die einsame galizische Gegend in die der Protagonist, der Wiener Medizinstudent Lucius verschlagen wird.

Daniel Mason erzählt in seinem Roman sehr glaubwürdig und auch detailverliebt die Geschichte eines jungen Mannes, der Medizin studiert und anlässlich des Kriegsausbruches in ein Frontlazarett in Galizien geschickt wird. Völlig auf sich alleine gestellt bis auf eine Krankenschwester und ein paar Pfleger steht er plötzlich vor der Verantwortung teils schwerverletzte Soldaten mit wenig medizinischen Mitteln möglichst schnell wieder Fronttauglich zu machen. Im Laufe der Zeit wächst er mit seinen Aufgaben und verliebt sich in die Krankenschwester. Durch einen unglücklichen Umstand werden sie voneinander getrennt und er begibt sich auf eine jahrelange Suche.

Daniel Mason erzählt in ruhigem, ja fast schon unbeteilgtem Stil fast nebenbei grausame und brutale Szenen, die man sich in Wirklichkeit auch kaum vorzustellen mag. Es ist fast wie im Kino, die Dinge laufen vor einem ab, man will eigentlich wegsehen und kann es dann doch nicht. Schließlich will man wissen wie es sich weiter entwickelt und am Ende ausgeht.

Es ist ein sehr realitätsnaher Roman und deswegen nicht für jeden geeignet. Ich habe die 428 Seiten verschlungen und es sollte jedem zu Denken geben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2020

Eindringlicher Roman, der lange nachhallt

0

Bereits in der Vorschau hat mich der Roman von Daniel Mason "Der Wintersoldat" angesprochen. Wie die meisten von euch wissen, liebe ich Literatur rund um die beiden Weltkriege - egal ob eher Frauenroman ...

Bereits in der Vorschau hat mich der Roman von Daniel Mason "Der Wintersoldat" angesprochen. Wie die meisten von euch wissen, liebe ich Literatur rund um die beiden Weltkriege - egal ob eher Frauenroman oder Belletristik, biografische Romane oder Sachbücher. Geschichten über den ersten Weltkrieg sind im Vergleich zum Zweiten allerdings noch eher selten, was sich nun langsam zu ändern beginnt.

Im Wintersoldaten lernen wie den hochbegabten Medizinstudenten Lucius Krzelewki kennen. Er kommt aus gutem Haus und lebt mit seinen Eltern in Wien. Sein Interesse beim Studium gilt vorallem dem menschlichen Gehirn und den psychischen Störungen, die damals noch ziemlich unerforscht sind. Sein Gebiet ist die Neurologie. Als der erste Weltkrieg ausbricht, meldet sich Lucius freiwillig. Als Medizinstudent, der noch zwei Semester bis zum Studiumsabschluss benötigt, darf er wie ein vollwertiger Arzt als Sanitäzsoffizier an die Front. Er hofft auf ein gut ausgestattetes Lazarett, wo er den behandelten Ärzten zur Hand geht, doch die Wahrheit sieht anders aus. Doch der 22jährige wird an die damalige österreich-ungarische Ostfront in Galizien, nahe dem Uschok Pass, in die Karpaten gebracht. Er landet in einem provisorischen Lazarett in einer Kirche, wo er sich plötzlich als einziger Arzt wiederfindet. Sein Vorgänger ist eines Nachts vor den katastrophalen hygienischen Zuständen geflohen, während die zupackende Ordensschwester Margarete die Verwundeten versorgt und Amputationen am Fließband vornimmt. Typhus und eine schreckliche Läuseplage tun ihr Übriges, um die Soldaten noch schneller in den Tod zu treiben. Es mangelt an allem. Margarete merkt schnell, dass Lucius kaum Ahnung hat und wird von ihr in die Kriegsmedizin eingeführt, sprich Menschen so gut wie möglich wieder zusammenzuflicken. Sehr schnell erkennt er, wie weit Theorie und Praxis auseinander liegen.

Bildgewaltig und ohne Sentimentalität beschreibt Mason die Monate im profisorischen Lazarett und den Kampf gegen den Tod. Die bildhafte Beschreibung der Läuseplage ließ mich nicht nur einmal kratzen und panisch herumblicken. Sprachlos macht die Rekrutierung von "frontfähigen" Soldaten, sprich alle im Lazarett anwesenden Männer, die nicht bereits im Dilirium liegen.
Als "der Wintersoldat" als Schwerstverwundeter zu Margarete und Lucius gebracht wird, ändert sich vieles. Lucius kann endlich sein Studium anwenden bzw. diverse Forschungen betreiben, denn der unbekannte Soldat hat das Kriegszittern und Panikattacken. Er spricht nicht und scheint völlig abwesend. Die Beiden versuchen alles, um ihn von den Soldaten, die immer wieder ins Lazarett kommen, um die Männer wieder an die Front zu holen, zu schützen, denn körperliche Verletzungen weißt er nicht auf.

"Im Krieg bedeutet Krankheit etwas anderes, als im Frieden" - Seite 176

In diesem Chaos nähern sich Lucius und Margarete an, doch das Grollen der Kanonen kommt immer näher und eines Tages ist Lucius auf sich alleine gestellt....

Während es zu Beginn noch eher ruhig zugeht und man vorallem verstört über dem Zustand in der umfunktionierten Kirche ist, nimmt die Geschichte immer mehr an Fahrt auf. Zum Ende hin konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen.
Der junge Student Lucius, den wir zu Beginn kennenlernen, ist zum Schluss des Romans ein ganz anderer. Seine Suche nach seinem Platz in der Familie und der Wiener Gesellschaft erscheint nicht mehr so wichtig. Seiner eigenen Identität und Heimat kommt er am Ende des Krieges endlich näher, doch die Suche nach Margarete wird zur Odyssee. Ob er sie wiederfindet müsst ihr selbst lesen...

Schreibstil:
Daniel Mason schreibt bildlastig und teilweise nüchtern, aber auch fast poetisch. Kälte, Hunger und Schmerzen sind durch die Zeilen spürbar. Ich war mit Lucius in der Kirche und habe vor Angst geschlottert. Die Landschaft rund um das kleine ruthenische Dorf wird sehr bildhaft dargestellt.
Die Charaktere sind detailreich und haben Tiefe.


Fazit:
Ein beeindruckender Roman, der sehr realistisch und ohne Sentimalitäten erzählt wird und noch lange nach dem Lesen nachhallt. Zu Beginn eher ruhig, konnte ich zum Ende hin das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.11.2019

Wunden, die nicht heilen

0

Der begabte 22-jährige Medizinstudent Lucius Krzelewski ist weder mental noch fachlich auf seine Tätigkeit als Sanitätsoffizier im Ersten Weltkrieg vorbereitet, als er im Februar 1915 während der großen ...

Der begabte 22-jährige Medizinstudent Lucius Krzelewski ist weder mental noch fachlich auf seine Tätigkeit als Sanitätsoffizier im Ersten Weltkrieg vorbereitet, als er im Februar 1915 während der großen Karpatenschlacht zwischen Russland und der Donaumonarchie in Galizien eintrifft. Anstatt wie erwartet in einem Stab von Ärzten zu arbeiten, findet sich der gänzlich Unerfahrene alleine in einer zum Behelfslazarett umfunktionierten Holzkirche wieder, in die immer wieder neue Verwundete gebracht werden. Eine ungeheizte Erste-Hilfe-Station, ein aus Holzbänken gezimmerter OP-Tisch und eine bewaffnete, operierende Krankenschwester und Nonne namens Margarete, vor der sich Lucius zu Beginn mehr fürchtet, als vor der gesamten Professorenschaft in Wien, sind alles, was er vorfindet. Sein theoretisches Wissen nützt ihm wenig, es gibt weder Röntgengerät noch Labor, und es dauert einen Monat, ehe er Margarete wenigstens bei den einfachsten Fällen zu assistieren vermag.

Ein Jahr arbeiten Lucius und Margarete Hand in Hand, richten sich in einem primitiven Klinikalltag ein, tauschen sich mit ihrem theoretischen und praktischen Wissen aus und verlieben sich ineinander, als im Februar 1916 ein Soldat mit rätselhaften Symptomen eingeliefert wird. Er ist einer der „Nervenschock-Patienten“, jenes geheimnisvolle Krankheitsbild, das vor dem Krieg unbekannt war. Lucius verbeißt sich in den Fall, stellt die eigene Eitelkeit gegen Margaretes dringenden Rat über das Wohl des Patienten und begeht damit eine medizinische Todsünde, die ihrer aller Leben verändert. Als er Margarete in den Wirren des Krieges verliert, beginnt für ihn eine schwere Zeit des Suchens und der Alpträume.

Der US-amerikanische Arzt und Psychiater Daniel Mason hat vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs einen Roman über das viel zu schnelle Erwachsenwerden eines jungen Mannes geschrieben, der kein Held sein möchte, und dem zu früh zu viel Verantwortung aufgebürdet wird. Besonders deutlich wird das bei Lucius‘ Erschrecken über die Kriegsversehrten in Wien – eben solchen Männern, denen er durch seine am Fließband durchgeführten Amputationen das Leben gerettet, über die Konsequenzen aber nie nachgedacht hat. Dabei spart Mason nicht mit medizinischen Details, mit Gerüchen und mit den Schmerzenslauten der Verwundeten und Sterbenden. Manche Passagen des Romans, der sich für mich wie das Drehbuch zu einem wunderbaren Kinofilm liest, hätte ich mir straffer gewünscht und die strenge Einteilung der Figuren in Gute und Böse war mir ein wenig zu glatt. Dagegen habe ich die nahezu kitschfreie Liebesgeschichte sehr gerne gelesen und der ausgesprochen gelungene Schluss hat mich positiv überrascht.

"Der Wintersoldat" ist daher ein empfehlenswerter, gut geschriebener, flüssig zu lesender Unterhaltungsroman über die Rolle der Medizin und die Liebe vor dem Hintergrund der Kriegsgräuel.