Lesenswert
Henriette Krohns Roman „Pinguine fliegen nur im Wasser“ ist ein einfühlsames und gleichzeitig humorvolles Buch über zwei Menschen, die sich zur richtigen Zeit begegnen – auch wenn es auf den ersten Blick ...
Henriette Krohns Roman „Pinguine fliegen nur im Wasser“ ist ein einfühlsames und gleichzeitig humorvolles Buch über zwei Menschen, die sich zur richtigen Zeit begegnen – auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht danach aussieht. Greta, lebensfroh, kreativ und voller Gefühle, trifft auf Vincent, der nach einem beruflichen und persönlichen Absturz völlig orientierungslos ist. Dass sich gerade diese beiden finden, ist das Herzstück der Geschichte – und funktioniert überraschend gut.
Die Autorin schafft es, eine Balance zwischen Leichtigkeit und Tiefe zu halten. Die Geschichte beginnt fast wie eine typische Feelgood-Komödie, entwickelt sich aber rasch zu einem ernsthafteren Selbstfindungsroman. Themen wie Einsamkeit, Selbstzweifel und psychische Belastungen – insbesondere bei Vincent – werden behutsam und glaubwürdig behandelt, ohne das Buch zu beschweren.
Besonders gefallen hat mir die Entwicklung der beiden Hauptfiguren. Sowohl Greta als auch Vincent sind keine glatten Romanhelden, sondern haben Ecken, Kanten und eine Vergangenheit, die sie geprägt hat. Ihre Annäherung ist zögerlich, ehrlich und realistisch beschrieben. Auch die Rückblenden fügen sich harmonisch in die Gegenwart ein und geben dem Leser Einblick in die Hintergründe und inneren Beweggründe der Figuren. Dabei wirken beide sehr nahbar – man kann mit ihnen fühlen, lachen und manchmal auch leiden.
Der Schreibstil von Henriette Krohn ist angenehm leicht, flüssig und gleichzeitig bildhaft. Besonders schön fand ich die liebevollen Beschreibungen der alten Villa und wie sie Raum für Neuanfang und Zusammenhalt schafft. Die Nebenfiguren sind ebenfalls lebendig gezeichnet – einige sind herzerwärmend, andere eher herausfordernd, aber alle fügen sich stimmig ins Gesamtbild ein.
Was das Buch besonders macht, ist seine Authentizität: Es ist nicht nur eine romantische Geschichte, sondern ein Roman über den Mut zur Veränderung, über das Zulassen von Nähe und über das Finden des eigenen Platzes im Leben – mit einem feinen Gespür für Humor und Menschlichkeit.
Fazit:
„Pinguine fliegen nur im Wasser“ ist weit mehr als ein romantischer Wohlfühlroman. Es ist eine Geschichte über das echte Leben, über Brüche, Heilung und darüber, wie zwei ganz unterschiedliche Menschen sich gegenseitig Halt geben können. Eine bewegende, charmante und kluge Lektüre mit Herz und Tiefe – lesenswert. 4 Sterne.