Es fing so vielversprechend an...
Ganz ehrlich? Diese Romance landete vorrangig wegen des Titels auf meiner Must-have-Liste. Als ich dann noch „Second Chance“ gesehen habe, war es um mich geschehen.
„Where Good Girls go to Die“ erzählt ...
Ganz ehrlich? Diese Romance landete vorrangig wegen des Titels auf meiner Must-have-Liste. Als ich dann noch „Second Chance“ gesehen habe, war es um mich geschehen.
„Where Good Girls go to Die“ erzählt die Geschichte von Olivia Mae Conner, die nur durch einen Zufall und nicht ganz freiwillig wieder in ihrer Heimatstadt und bei ihrem Bruder landet. Und wo Mason ist, ist auch Parker fckg James nicht weit – der Mann, der ihr das Herz gebrochen hat, wegen dem sie vor vier Jahren aus Tennessee geflüchtet ist. Noch immer geht Parker Liv unter die Haut, weckt den unangenehmen Stich in ihrer Brust, der nie aufhörte, wehzutun. Düster, tätowiert, erfolgreich – und verlobt.
Die Schwester seines besten Freundes wieder um sich, in seiner Nähe, zu wissen, bringt den Künstler um den Verstand, ihre Anwesenheit, ihre spritzigen Antworten kratzen an seinen Nerven. Dabei wird er in wenigen Tagen Emily heiraten – vorhersehbar, ruhig und sicher. Sicher nicht das, was zu seinem Wesen, zu seinem Lebensstil oder zu seinen FreundInnen passt, aber ungefährlich.
Doch je mehr Zeit er mit Liv verbringt, je besser sie einander wieder und neu kennenlernen, umso heftiger kribbeln die verdrängten Erinnerungen und Gefühle, Leidenschaft, die nie vergangen ist, Sehnsucht, die niemand sonst je stillen konnte …
Holly Renee lässt uns aus wechselnder Perspektive und sowohl im Jetzt als auch im Damals an dieser zweiten Chance teilhaben, sodass das emotionale Chaos, die Wehmut und der wachsende Zwiespalt eine greifbare Basis bekommen.
Obgleich ich in der Realität kein Fan von Untreue bin, von „Zweite-Wahl-Beziehungen“, war diese verzwickte Situation sowie die Entscheidung, die nicht nur Parker treffen muss, der Dynamik und der Aufregung zuträglich.
Die Rückblicke eröffnen langsam jene Missverständnisse, die den Bruch der Liebenden, die gebrochenen Herzen, verursachten. Doch was in der Vergangenheit auf jugendliche Impulsivität und Scham zurückzuführen ist, auf verletzten Stolz und bodenlose Enttäuschung, ist heute schlicht die fehlende Kommunikation zwischen zwei Erwachsenen. Das Drumherum schleichen und Hineininterpretieren, was Lesende wie mich auf unbefriedigte Art aufstöhnen lässt. Ebenso schade ist das beachtliche Tempo in der Gegenwart, das keine stimmige oder stimmungsvolle Entwicklung zulässt – alles geschieht und verändert sich Schlag auf Schlag, ohne tiefgründige Gespräche oder ernstzunehmende Konflikte. Diese Erzählweise vermittelt den konstanten Eindruck von Oberflächlichkeit, von fehlenden Augenblicken und relevanten Schritten, und führt dazu, dass einige Szenen halbgar bleiben – „zumindest mal erwähnt“ eben. Dabei empfand ich den Anfang als vielversprechend und Renees Stil – abgesehen von einigen Fehlern im Text und Wortwiederholungen – insgesamt als sehr gefühlvoll. Der direkte, oft (selbst)ironische Ton schenkt der – hier und da melancholischen, von verlorener Liebe und Herzschmerz gespeisten – Romance etwas Echtes und Unterhaltsames.
Großteils sind die Protagonisten interessante, da weder glatte noch fehlerfreie Charaktere, und ich war wirklich gespannt, welche Hürden und Wahrheiten sich diesem längst überfälligen Gemeinsam in den Weg stellen werden. Aber beide reagierten vor allem im fortschreitenden Verlauf öfter zu abrupt, zu einfach, was die seichte 0815-Nuance nur verstärkte. Das ändert jedoch nichts daran, dass Parker mit unerwarteter Verletzlichkeit, kleinen Gesten, zum Schmachten verführt.
Das Aufgreifen von Tattooartists und -studios wie die Figuren um Liv und Parker brachten Abwechslung mit sich, wobei Staci – mit ihrer lockeren, unverblümten Art und ihrer Büchersucht – die meisten Coolness-Points einheimste.
Spätestens in den letzten Kapiteln hat mich Holly Renee jedoch durch unnötiges, unpassendes Drama und zuuuuu viiiiiel Spice (wo es doch klärende, ernste Worte gebraucht hätte) verloren – nichtsdestotrotz hält „Where Good Girls go to Die“ nicht nur Tiefen, sondern auch Höhen, einige bewegende Momente und vielleicht ja sogar eine zweite Chance für die Liebe bereit…