Neu denken
„Mit Menschen, die einen liebten, im Hintergrund konnte man jede noch so stürmische See bezwungen.“
„Winterträume in der kleinen Pension am Meer“ ist der neuste Roman von Julia Rogasch. Er erschien im ...
„Mit Menschen, die einen liebten, im Hintergrund konnte man jede noch so stürmische See bezwungen.“
„Winterträume in der kleinen Pension am Meer“ ist der neuste Roman von Julia Rogasch. Er erschien im September 2025 im Ullstein Verlag und ist unabhängig lesbar.
Ein weiteres Weihnachtsfest auf Sylt, ein weiterer Ausflug in eine Wohlfühlgeschichte. Mit ihrem neusten Roman entführt Julia Rogasch ihre Leser*innen wieder einmal auf die Herzensinsel Sylt. Clara ist dort aufgewachsen und nach einer schweren Trennung zurückgekehrt - in die Heimat und auch in die Pension ihrer Eltern. Dort arbeitet sie mit und obwohl ihr Herz eigentlich für die kreative Arbeit im eigenen Laden schlägt, kümmert sie sich seit dem Tod ihres Vaters um die Pension. Immerhin war dies sein Lebenstraum. Gleichzeitig ist es finanziell schwierig, denn die Buchungen sind rückläufig und die Konkurrenz groß…
Kurzum, es ist alles nicht so leicht und dies wird auf den ersten Seiten mehr als deutlich. Claras Gedanken kreisen um die finanzielle Schieflage und für mich wird diese im ersten Buchdrittel tatsächlich ein wenig zu oft wiederholt und fokussiert - für mich war der Buchanfang dadurch ein wenig zäh. Gleichzeitig ist sie aber eben auch ein Hauptthema, das Clara umtreibt und durch die Ich-Perspektive werden eben gerade ihre Gedanken deutlich. Ab dem zweiten Drittel etwa nimmt die Geschichte dann aber deutlich an Fahrt auf, die finanzielle Situation der Pension ist nun weniger präsent, aber natürlich weiterhin wichtig. Der neue Gast Severin erweckt Claras Interesse und ist dabei irgendwie ziemlich mysteriös. Die beiden kommen sich näher und gemeinsam unternehmen sie schöne Dinge auf der Insel. Neue Ideen finden ihren Raum und Claras Blich richtet sich mehr nach vorne, als nach hinten.
Das Setting ist dabei wieder einmal wunderschön und die Kulisse bildhaft beschrieben. Man merkt in jeder Zeile, wie sehr die Autorin Sylt liebt und ehrlich gesagt, möchte ich nach jedem Roman ebenfalls ein bisschen mehr dorthin reisen!
Natürlich läuft mit Clara und Severin nicht alles glatt und typisch für entsprechende Romane gibt es einen Haufen Missverständnisse und Vorverurteilungen. Wie so oft hätte ich mir gewünscht, dass die Figuren miteinander reden und keine voreiligen Schlüsse ziehen. Ein bisschen Aufregung muss aber nunmal sein und die schließliche Auflösung konnte ich tatsächlich nicht vorhersehen! Besonders gefallen hat mir, dass auch bekannte Figuren aus vorherigen Roman auftauchten und wieder ein Hund - Paul - eine Rolle spielte.
Insgesamt ist der Schreibstil einfach angenehm, das Setting gemütlich und die Handlung flüssig. Das Buch transportiert Achtsamkeitsmomente und Ideen für den eigenen Umgang mit Sorgen und Problemen. Familienrituale, die Wertschätzung zeigen, prägen die Handlung. Manche Erkenntnisse regen zum Nachdenken an und im Umgang mit Konflikten kann man sich bei Claras Familie wohl eine Scheibe abschneiden! Beim Lesen kommen Weihnachtsstimmung und Meerliebe auf und die heimelige Atmosphäre lädt zum Wohlfühlen ein.
Kurzum, für mich wieder ein wunderschöner weihnachtlicher Ausflug nach Sylt mit schönen Momenten und Herzenswärme. Wer einen unkomplizierten und charmanten Roman sucht, wird hier sicher fündig und so gibt es von mir 4,5 von 5 Sternen!!