Geschmacksache …
„Richtig gutes Essen“ von Junko Takase eine teils humorvolle und witzige Novelle, in einem ungewöhnlichen Format, dass sich leicht halten lässt. Der Schutzumschlag ist in rot-weiß gehalten, die Bebilderung ...
„Richtig gutes Essen“ von Junko Takase eine teils humorvolle und witzige Novelle, in einem ungewöhnlichen Format, dass sich leicht halten lässt. Der Schutzumschlag ist in rot-weiß gehalten, die Bebilderung ist in „Comic-Art“ und zeigt ein typisches japanisches Straßen- und Bar Flair. Alles wirkt sehr strukturiert und durchdacht. Der Einband darunter ist schlicht rot und wird von Essstäbchen geziert. Die wichtigsten Protagonisten sind Nitani, Oshio und Ashikawa. Diese sind von der Autorin detailreich und gut beschrieben. Die Bürogemeinschaft und deren Arbeitstage werden gekonnt aufs Korn genommen. Kicher, sympathisch sind sie mir aber alle drei nicht wirklich und das hat sich während der Lektüre auch nicht mehr geändert. By the way „Richtig gutes Essen“ beginnt in meinen Augen gleich mit einem krassen Widerspruch, denn Nitani könnte dreimal am Tag Instant-Ramen verputzen. Und, dass ist bestimmt auf Dauer nicht gesund oder hat etwas mit „Richtig gutem Essen“ zu tun, was meint ihr? Da ich Instantnudeln vorher nicht kannte, habe ich sie mir mittags auch mal zubereitet und danach das Büchlein noch intensiver gelesen, um diese „geheime Leidenschaft“ für diese Speise zu verstehen.
… Ich wünschte, ich könnte dreimal am Tag Instantnudeln essen und trotzdem alle Voraussetzungen für ein gesundes Leben erfüllen …
Der Kurzroman befasst sich mit vielen Metaphern und ist auch stellenweise etwas absurd. Einerseits wird die Auseinandersetzung mit dem „Da-Sein“ von Takase thematisiert und es geht viel um die “angepasste Gesellschaft“ und Normen, die erfüllt werden müssen, um anerkannt zu werden oder dazu zugehören. Als Leser beschäftigt man sich zum Beispiel mit der Frage: „Was sagen unsere Essgewohnheiten darüber aus, wer wir sind?“ Durchaus spannend, wenn man sich lesetechnisch darauf einlässt. Es ist ein wenig wie Sekt oder Selters, beides kribbelt, aber es hat eine unterschiedliche Wirkung. Bei Nitani rebelliert das Innere, aber äußerlich ist er angepasst.
… Als ich als Teenager meinen Studiengang gewählt habe, habe ich nicht dass genommen, was ich liebe, sondern das, was mein Leben leichter macht …
Mich erinnert Nitani ein wenig an einen Yuppie, der sich zu einem Bad-Girl hingezogen fühlt, wie hier zu seiner Trinkpartnerin und Arbeitskollegin Oshio. Aber eben nur „hinter dem Rücken“ und still und leise! Wie bei „richtig, gutem Essen“ wird das Buch noch mit etwas „Sex sells“ davor oder danach gewürzt, was mich eher gewundert hat, denn ich hätte vermutet, dass die Japaner eher prüder wären, aber vielleicht habe ich auch einfach nur zu wenig Kenntnis über diese Lebensweise. Abschließend wird die Frage, „warum wir im Leben falsch abbiegen“ abgeschlossen und das Ende hat mich daher nicht wirklich überrascht.
Fazit: **** „Richtig gutes Essen“ von Junko Takase ist im Dumont Verlag erschienen. Das Büchlein hat mit hilfreichem Glossar gut 159 Seiten, die einen als Leser gut unterhalten, nachdenklich machen und einmal über den Tellerrand schauen lassen.
Und ehe ich es vergesse, „Mochi“ sind mir etwas zu süssssssss!