Cover-Bild Nacht in Caracas

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21,00
inkl. MwSt
  • Verlag: S. FISCHER
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 224
  • Ersterscheinung: 14.08.2019
  • ISBN: 9783103974614
Karina Sainz Borgo

Nacht in Caracas

Roman
Susanne Lange (Übersetzer)

Karina Sainz Borgos Roman »Nacht in Caracas« ist ein intensives literarisches Debüt über das Schicksal einer jungen Frau und ein virtuoses Portrait eines untergehenden Landes.

Adelaida beerdigt ihre Mutter, aber sie bleibt nur kurz am Grab stehen. Auf dem Friedhof ist es gefährlich, genau wie an jedem anderen Ort in Venezuela. Noch vor kurzem kamen die Menschen aus Europa, um hier ihr Glück zu machen. Nun versinkt das Land in Chaos und Elend. Als Adelaida gewaltsam aus ihrer Wohnung vertrieben wird, weiß sie nicht wohin. Alles, was sie geliebt hat, existiert nur noch in ihrer Erinnerung. Wenn sie sich retten will, bleibt ihr nur die Flucht.

»Nichts war für mich dringlicher, als diese Geschichte zu schreiben. Über den Sturm zu sprechen, während er in einem tobt.« KARINA SAINZ BORGO

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.09.2019

Nacht in Caracas

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Natürlich wissen wir aus den Nachrichten, was in Venezuela los ist. Aber kaum hat man es gehört, da ist es auch schon fast vergessen, denn es ist ja so weit weg.
Die Autorin Karina Sainz Borgo aber zeigt ...

Natürlich wissen wir aus den Nachrichten, was in Venezuela los ist. Aber kaum hat man es gehört, da ist es auch schon fast vergessen, denn es ist ja so weit weg.
Die Autorin Karina Sainz Borgo aber zeigt in diesem Roman so bedrückend und eindringlich, wie das Land in Elend und Chaos versinkt, dass man so schnell nicht wieder vergisst.
Adelaida Falcóns Mutter hatte Krebs. Adelaida hatte eine enge Beziehung zur Mutter und hat alles für sie getan. Nun wird sie beerdigt, aber nicht einmal das geht in Ruhe und mit Würde. Zu gefährlich ist das Pflaster in Caracas und selbst auf dem Friedhof. Kurze Zeit später wird ihre Wohnung von bewaffneten Frauen besetzt und Adelaide wird vertrieben. Wo soll sie hin? Ihr bleibt nur die Flucht, wenn sie sich retten will.
Adelaide hat den Halt verloren. Sie muss nicht nur mit dem Verlust der Mutter fertig werden, sie verliert auch die gewohnte Umgebung, die sie jetzt so nötig gebraucht hätte. Ihr bleiben nur die Erinnerungen. Wie kann man da nicht verzweifeln und doch ist da auch immer ein Stückchen Hoffnung. Ich konnte gut mit Adelaide fühlen, trotzdem hätte ich mir manchmal gewünscht, noch mehr von ihren Gefühlen zu erfahren und weniger von dem Schrecklichen, was in diesem Land passiert.
Es ist eine fiktive Geschichte und doch so nahe an der Wirklichkeit. Wir erleben mit, wie es in Venezuela zugeht, das vor gar nicht langer Zeit noch ein Ziel von Europäern war. Nun ist es gefährlich. Auf den Straßen gibt es Gewalt. Die Korruption ist groß – die Willkür ebenso. Die Inflationsrate steigt ins Unermessliche.
Es ist nicht leicht, diese Geschichte zu lesen, denn zu furchtbar ist das, was dort geschieht. Es ist beklemmend und macht fassungslos und dennoch wird man durch dieses Buch gefesselt. Diese Geschichte bleibt lange in Erinnerung.

Veröffentlicht am 03.09.2019

Intensive Einblicke in ein Land in einer Menschenrechtskrise

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In „Nacht in Caracas“ von Karina Sainz Borgo lernt der Leser Adelaida Falcón kennen, die gerade ihre an Krebs verstorbene Mutter beerdigt hat. Sie war ihre wichtigste Bezugsperson, und für ihre medizinische ...

In „Nacht in Caracas“ von Karina Sainz Borgo lernt der Leser Adelaida Falcón kennen, die gerade ihre an Krebs verstorbene Mutter beerdigt hat. Sie war ihre wichtigste Bezugsperson, und für ihre medizinische Versorgung hat sie den Großteil ihrer Ersparnisse aufgebraucht. Als kurz darauf ihre Wohnung von bewaffneten Frauen besetzt wird fühlt sie sich ihrem Land, das von Gewalt, Willkür und Inflation beherrscht wird und in dem öffentliche Sicherheit zum Fremdwort geworden ist, gänzlich entwurzelt. Wo kann sie jetzt noch hin?

Die Autorin erzählt hier eine fiktive Geschichte, die an reale Vorfälle angelehnt ist. Auf diese Weise gibt sie erschreckende Einblicke, was in Venezuela vor sich geht. In klarer, schonungsloser Sprache erzählt sie von Kämpfen, Folter, Plünderungen und Verzweiflung. Immer wieder flüchtet sich die Protagonistin in Erinnerungen an früher, eine bessere Zeit, die in starkem Kontrast zu dem steht, was sie gegenwärtig erlebt. Der Text vermittelt einen intensiven Eindruck davon, was es heißt, wenn ein Land in einer tiefen Menschenrechtskrise steckt.

Veröffentlicht am 01.09.2019

Bedrückend

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Die Straßen von Caracas sind wie in ganz Venezuela ein gefährliches Pflaster geworden. Die junge Adelaida kann noch nicht einmal ihre Mutter in Würde begraben, zu gefährlich ist das Verweilen am Grab geworden. ...

Die Straßen von Caracas sind wie in ganz Venezuela ein gefährliches Pflaster geworden. Die junge Adelaida kann noch nicht einmal ihre Mutter in Würde begraben, zu gefährlich ist das Verweilen am Grab geworden. Auch die heimische Wohnung ist nicht mehr die Zufluchtsstätte, die sie einmal war. Und so treibt die junge Frau durch die Stadt, die immer mehr von den Rebellen beherrscht wird.
Borgos Roman ist eine sehr intensive Lektüre. Angst, Verzweiflung und Gewalt beherrschen die Seiten, immer wieder verbinden sich die gezeichneten Bilder mit denen, die man aus den Nachrichten kennt. Die Autorin zeigt nicht nur das ergreifende Schicksal ihrer Protagonistin, sondern eben auch den Untergang von Recht und Ordnung. Immer wieder springt die Erzählung zu früheren, besseren Zeiten, sodass der Bruch zwischen Normalität und Chaos besonders hart wird. Mich hat dieser Roman sehr berührt, auch wenn ich mir ab und an etwas mehr Einsicht in Adelaidas Kopf gewünscht hätte. Auch mit dem Ende habe ich etwas gehadert, was aber den Lesegenuss nur unmerklich gedämpft hat. „Nacht in Caracas“ ist ein kurzer, aber sehr intensiver Roman über ein Land, das droht im Chaos zu versinken.

Veröffentlicht am 26.08.2019

eindringliche Literatur

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„Die Bestattungsinstitute der Stadt waren wie Öfen. Die Leute wurden hinein- und hinausgeschoben wie die Brote, die in den Läden knapp wurden und als steinharte Erinnerung an den Hunger auf unser Gedächtnis ...

„Die Bestattungsinstitute der Stadt waren wie Öfen. Die Leute wurden hinein- und hinausgeschoben wie die Brote, die in den Läden knapp wurden und als steinharte Erinnerung an den Hunger auf unser Gedächtnis niederregneten.“ [7]


In dem Roman-Debüt „Nacht in Caracas“ von Karina Sainz Borgo bekommen wir einen tiefen Einblick in die Seele Venezuelas, eines untergehenden Landes, welches an der Nordküste Südamerikas liegt.
Die Protagonistin Adelaida, aus ihrer Sicht wird berichtet, verliert nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihre Wohnung und findet sich fortan in einer prekären Lage wieder, in einem zerrütteten Land voller Gewalt, Tod und Angst. Flucht scheint die einzige Möglichkeit zu sein, sich selbst zu retten.

Obwohl die Autorin ein düsteres Bild, gar ein Schreckensszenario, zeichnet, ist man durch den Schreibstil gefesselt. Auf zwei Zeitebenen wird die Lage des Landes sehr gut verdeutlicht. Man erhält einen Einblick über die Zustände des fernen Landes.
Sainz Borgo schafft es mit ihrem Debüt ein Stück bewegende Literatur zu liefern, das noch lange im Kopf bleibt.

Veröffentlicht am 16.08.2019

Tragödie von Caracas

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Caracas ist ein gefährliches Pflaster und es gibt keine Rücksichtnahme, nicht einmal bei einer Beerdigung. Als Adelaidas Mutter nach schwerer Krankheit verstorben ist, kann Adelaida nicht lange am Grab ...

Caracas ist ein gefährliches Pflaster und es gibt keine Rücksichtnahme, nicht einmal bei einer Beerdigung. Als Adelaidas Mutter nach schwerer Krankheit verstorben ist, kann Adelaida nicht lange am Grab verweilen. Zu groß ist die Gefahr eines Überfalls. So beginnt sie in ihrer Wohnung mit der Trauer, die sich in Erinnerungen ausdrückt und auch in einem sorgenvollen Blick auf die Zukunft. Wie lange wird sie mit ihrem Geld auskommen. Wird ihre Arbeit für einen Verlag genug einbringen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Doch so kurz nach dem Tod ihrer Mutter kann Adelaida kaum klare Pläne machen. Ein solch großer Verlust ist nicht leicht zu ertragen.

Adelaida kommt durch den Tod ihrer Mutter, auch wenn dieser sich durch die Krankheit schon angekündigt hatte, in eine emotionale Ausnahmesituation. Nie ist es leicht, einen geliebten Menschen zu verlieren. Doch die unsichere politische Situation im Land trägt noch zusätzlich dazu bei, Adelaidas Anspannung außerordentlich zu vergrößern. Die Lage scheint aussichtslos, die Revolutionäre, von denen manchmal nicht bekannt ist, für welche Revolution sie kämpfen, stellen eine große Bedrohung dar. Menschen verschwinden, werden gefoltert oder einer Gehirnwäsche unterzogen. Wie soll Adelaida in so einem Land weiterleben, in dem es gefährlich ist, die Straße zu betreten und auch gefährlich im Haus zu bleiben.

Ganz schön viel stürzt auf die noch junge Adelaida ein. Wie soll sie das nur alles überstehen, allein und ohne Unterstützung. Nichts anderes kann Adelaida tun als Tag für Tag zu nehmen wie er kommt. Jeder Tag könnte ein besserer werden. Zunächst jedoch kommen schlimme Tage, die nur mit den Erinnerungen an die geliebte Mutter zu überstehen sind. Adelaidas schlimmste Zeit ist aber auch eine Zeit der Hoffnung und des Aufbruchs. Wenn auch nicht alles, was in diesem unsicheren Land geschieht, nachempfunden werden kann, so hält dieses Buch einem doch deutlich vor Augen, dass man das eigene relative Sicherheit gewährende Land mehr schätzen sollte. Denn meist muss man sich keine Gedanken machen, ob man sich überhaupt auf die Straße wagen kann. Und in Trauer wird man Hilfe finden, auch wenn man den Verlust selbst ertragen muss. Adelaida erlebt eine harte Zeit in einem sich auflösenden System. Man beneidet sie nicht und man bewundert ihren Mut, gewisse Dinge in die Hand zu nehmen und Chancen zu ergreifen. Es wird wohl verständlich, was einen Menschen überzeugen kann, sein Land zu verlassen.

Ein gelungenes Debüt, mit dem man sich auch noch nach der Lektüre weiter beschäftigt.