Cover-Bild Dunkelnacht
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13,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Verlag Friedrich Oetinger GmbH
  • Genre: Kinder & Jugend / Jugendbücher
  • Seitenzahl: 112
  • Ersterscheinung: 06.02.2021
  • ISBN: 9783751200530
Kirsten Boie

Dunkelnacht

„Weil auch in diesen Zeiten irgendwer das Richtige tun muss, einfach, weil es richtig ist.“ April, 1945. Alle spüren, dass der Krieg und die fürchterliche Ideologie der Nationalsozialisten kurz vor dem Ende stehen. Doch in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945, zwei Tage vor Hitlers Selbstmord, ereignet sich das dunkelste Kapitel der damals noch jungen Stadt Penzberg in Bayern. Denn während der einst von den Nazis abgesetzte Bürgermeister zurück ins Rathaus zieht, erlässt die Wehrmacht den Befehl, alle Widerständler sofort hinzurichten. Und zwischen allen Fronten stehen die Jugendlichen Marie, Schorsch und Gustl.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2021

Beklemmender Jugendroman über die Penzberger Mordnacht

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INHALT
„Weil auch in diesen Zeiten irgendwer das Richtige tun muss, einfach, weil es richtig ist.“
April, 1945. Alle spüren, dass der Krieg und die fürchterliche Ideologie der Nationalsozialisten kurz ...

INHALT
„Weil auch in diesen Zeiten irgendwer das Richtige tun muss, einfach, weil es richtig ist.“
April, 1945. Alle spüren, dass der Krieg und die fürchterliche Ideologie der Nationalsozialisten kurz vor dem Ende stehen. Doch in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945, zwei Tage vor Hitlers Selbstmord, ereignet sich das dunkelste Kapitel der damals noch jungen Stadt Penzberg in Bayern. Denn während der einst von den Nazis abgesetzte Bürgermeister zurück ins Rathaus zieht, erlässt die Wehrmacht den Befehl, alle Widerständler sofort hinzurichten. Und zwischen allen Fronten stehen die Jugendlichen Marie, Schorsch und Gustl.

(Quelle: Oetinger Verlag)

MEINE MEINUNG
In ihrem neuen großartigen Jugendbuch „Dunkelnacht“ widmet sich die bekannte Hamburger Autorin Kirsten Boie den sehr beklemmenden Ereignissen rund um die „Penzberger Mordnacht“. In diesem erstaunlich dünnen Büchlein greift die Autorin die historisch verbürgten, aber nur wenigen bekannten Geschehnisse auf, die sich wenige Tage vor Ende des 2. Weltkriegs Ende April 1945 in dieser kleinen bayerischen Kleinstadt südlich von München zugetragen haben.
Diese als Nouvelle verfasste, knappe aber äußerst gehaltvolle und beeindruckend erzählte Geschichte befasst sich mit einem unfassbaren Verbrechen und einem speziellen, eher selten behandelten Aspekt der von den Nazis begangenen Greueltaten, der von Historikern als "Endphasenverbrechen" bezeichnet wird. Gekonnt für die jugendliche Leserschaft ab 15 Jahren aufbereitet eignet sie sich hervorragend für den Geschichtsunterricht, ist aber auch für Erwachsene interessant zu lesen. Entsprechend findet sich für die jugendliche Zielgruppe im Anhang ein kurzes Glossar, das einige eventuell unbekannte, aber zum Verständnis wichtige Begriffe und Zusammenhänge rund um die damalige Nazi-Zeit und das Hitler-Regime erläutert.
Der Autorin gelingt es hervorragend, uns gleich von Beginn an in die beklemmende und bewegende Handlung hineinzuziehen, indem sie geschickt sorgsam recherchierte zeitgeschichtliche Hintergründen einfließen lässt und uns sehr authentische Einblicke in die damalige Lebenswelt ihrer Protagonisten vermittelt. Auch wenn die allwissende distanzierte Erzähl-Perspektive zunächst etwas gewöhnungsbedürftig wirkt, so passen der gewählte Schreibstil und die einfach gehaltene, sehr prägnante Sprache hervorragend zu der erzählten Geschichte. Sehr schnell wird die unheilvolle Stimmung greifbar und lässt einen nicht mehr los, denn man ahnt schon früh, die grauenvollen Verwicklungen der Geschehnisse für die Beteiligten und die unausweichlich aufziehende Katastrophe, die schließlich in einer unfassbaren Tragödie mündeten.
Gekonnt versetzt die Autorin uns in das kleine Städtchen Penzberg und vermittelt ein stimmiges, authentisches und lebendiges Bild der damals herrschenden Zustände.
Rasch wird deutlich, dass in der Bevölkerung viele auf gegensätzlichen Seiten stehen – auf der einen Seite die fanatischen Nazis, die verbissen immer noch an den Endsieg glauben, und auf der anderen Seite die „Roten“- Arbeiter zumeist, die nur darauf hoffen, dass der Hitler-Kult endlich ein Ende nimmt und die Alliierten dem Ganzen ein baldiges Ende bereiten. Sehr anschaulich und nachvollziehbar zeigt die Autorin auf, dass gerade die Jugend wie Marie und Schorsch von der Nazi-Ideologie geprägt ist und zugleich auch von den Ansichten ihrer Eltern beeinflusst wurde.
Gekonnt verdeutlicht Boie aus Sicht der drei Protagonisten die ganze Zerrissenheit zwischen Krieg und Frieden oder Richtig und Falsch, und zeigt auf, wie ein jeder in dieser Ausnahmezeit und dem quasi rechtsfreien Raum auszuloten versucht, wo man mit seiner Haltung zukünftig steht oder manchen an dem Irrglauben festhält, durch bestimmte Taten, das Ende doch noch verhindern zu können. Ich finde auch für Jugendliche, die sich noch nicht sehr eingehend mit dieser Zeit auseinandergesetzt haben, ist es der Autorin hervorragend gelungen, die diffizilen Aspekte dieser komplexen Lage zu umreißen und zugleich die unterschiedlichen Emotionen wie Pflichtbewusstsein, Schuld, Angst, Misstrauen und zarter Hoffnung einzufangen.
Die zum Abschluss sehr verstörende Geschichte endet dennoch mit einem hoffnungsvollen und versöhnlichen Ausklang und ist überaus passend gewählt.
In ihrem wichtigen und sehr gelungenen Nachwort bettet die Autorin ihre Geschichte nochmals in einen weiteren Kontext im Hinblick auf die unzureichende und beschämende gerichtliche Aufarbeitung der unfassbaren, während der Penzberger Mordnacht begangenen Taten ein und zeigt uns Lesern eine zusätzliche Dimension dieses großen, letztlich ungesühnten Unrechts auf, das mich wirklich fassungslos und betroffen zurückgelassen hat.

FAZIT
Mit ihrem hervorragenden Jugendbuch hat Kirsten Boie ein äußerst wichtiges Werk gegen das Vergessen geschrieben, das betroffen macht, nachdenklich stimmt und noch lange nachwirkt! Zugleich hat sie den 16 unschuldigen Opfern dieser kaltblütigen und skrupellosen Bluttat ein würdiges Denkmal gesetzt!
Man kann nur hoffen, dass dieses sehr lesenswerte Buch auch viele jugendliche LeserInnen erreicht!

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Veröffentlicht am 02.04.2021

Warum wurdet ihr Tätern eurer eigenen Bewohner?

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"Wer heute nach Penzberg kommt, ahnungslos und ohne zu wissen, den wird nichts mehr erinnern an dieses Grauen der Mordnacht am Ende des Zweiten Weltkriegs" (Buchauszug)
Es ist die Nacht des 28. auf den ...

"Wer heute nach Penzberg kommt, ahnungslos und ohne zu wissen, den wird nichts mehr erinnern an dieses Grauen der Mordnacht am Ende des Zweiten Weltkriegs" (Buchauszug)
Es ist die Nacht des 28. auf den 29. April 1945 im bayrischen Penzberg. Die Menschen sehen sich dem Ende des Kriegs entgegen uns so ist es kein Wunder, das eine Radiomeldung die Bevölkerung des Orts aufschreckt und Hoffnung macht. Bei dieser wird das Kriegsende verkündet und der ehemalige Bürgermeister, der damals von den Nazis abgesetzt wurde, versucht nun möglichst zu retten, was geht, um das Dorf nach dem Krieg am Leben zu erhalten. Was gut gedacht war, wird zur schlimmsten Nacht Penzbergs werden. Den gerade sein Vorhaben soll ihm und Weiteren zum Verhängnis werden.

Meine Meinung:
Das düstere Cover mit dem kleinen Emblem zeigt auf, um welche Zeit und Thema es in diesem Buch geht. Ich finde es dazu noch gut, dass es etwas düster ist den, so passt es zu dem Geschehenen. Jedoch hatte ich nicht geahnt, dass mich so eine ungerechte, bestialische Tat erwarten würde, die mich wirklich erschüttert hat. Der Schreibstil ist der Autorin sehr gut gelungen. Die kurzen prägnanten Sätze und die kleinen Kapitel sind genau richtig gewähnt für jugendliche Leser und als Schullektüre. Was ich zumindest hoffe, dass dieses Buch zu den Kommenden zählen wird. Den es ist eine Thematik, die uns alle angeht, jeden betreffen und sich sicherlich jederzeit wiederholen kann. In dieser Geschichte, die auf einen realen Hintergrund basiert, geht es um Gehorsam, Mut, Hetze, Ängste, um eine Tragödie. Es geht nicht um den Holocaust, sondern um die letzten Tage vor Kriegsende, militärische Befehlsgewalt im Nationalsozialismus und wie dies sogar nicht einmal vor der eigenen Bevölkerung Halt macht. Ich wusste ja schon, dass viele Deutsche Angst hatten, vor dem Regime und davor verhaftet zu werden, wenn man etwas Falsches sagte oder tat. Doch bisher habe ich noch nie über so etwas gelesen, wo dieses Thema mit wirklich so viel Vehemenz wie hier behandelt wird. Ich frage mich, wie die Dorfbewohner sich danach je wieder in die Augen schauen konnten. So viel Elend in einer einzigen Nacht durch Personen oder einer Organisation die sich "Werwolf" nannte. Die einerseits total verblendet von einem Hitlerregime waren und anderseits einfach einem Befehl folgten, egal wen es in dem Moment treffen wird. Ich kann nach Ende des Buchs gut verstehen, warum Kirsten Boie dieses Buch so wichtig ist. Sie wollte diese Nacht aufzeigen und den Opfern von damals endlich einen Namen geben. Dass man wirklich allen gedenkt, die in dieser Nacht ums Leben kamen. Ich finde, das hätte sich schon längst gehört. Traurig bin ich, dass man bisher von dieser Gräueltat noch nie was gehört oder gelesen hat. Warum schweigt darüber unsere Generation von damals? Deshalb finde ich es so wichtig, dass man dieses Buch ebenfalls in Schulen behandelt. Den diese Opfer sind genauso Opfer des Naziregimes geworden. Gut ausgesucht sind zudem die fiktiven Charaktere von Schorsch, Gustl und Marie, bei denen ich ihre Ängste, Zweifel und Sorgen spüre, genauso wie den Hass, den einige Werwölfe in sich tragen. Sicherlich wurde bei vielen dieser Hass noch durch die Hitlerjugend (HJ) geschürt. Eindrucksvoll ist, dass am Ende die einzelnen Opfer benannt und im Nachwort weiteres erklärt wird. Trotzdem dieses Ereignis einige sicher erschüttern wird, bin ich der Ansicht, das es enorm wichtig für die Aufarbeitung unserer Vergangenheit ist. Wer, wenn nicht wir, kann diesen Opfern den heute noch gedenken? Darum gibt es von mir eine absolute Leseempfehlung und 5 von 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 27.03.2021

Operation Werwolf

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Diese Novelle von Kerstin Boie hat mich ziemlich sprachlos zurückgelassen. Ich lese eigentlich sehr viel zum Thema Erster und Zweiter Weltkrieg und war gespannt, wie das Thema in diesem Jugendbuch umgesetzt ...

Diese Novelle von Kerstin Boie hat mich ziemlich sprachlos zurückgelassen. Ich lese eigentlich sehr viel zum Thema Erster und Zweiter Weltkrieg und war gespannt, wie das Thema in diesem Jugendbuch umgesetzt wurde. Es ist auch nicht mein erstes Jugendbuch

gegendasvergessen, aber außer meinem Highlight von Anja May "Am Ende dieses Jahres" (große Leseempfehlung!) aus dem Jahre 2016 hat mich selten ein Buch für Jugendliche so intensiv beschäftigt - und das trotz der nur 122 Seiten.

Die Autorin erzählt über eine wahre Begebenheit, vermischt mit teilweise fiktiven Figuren, die sich am Ende des zweiten Weltkrieges in Penzberg, einer Kleinstadt in Bayern, zugetragen hat. Dies macht die Geschichte umso schrecklicher und lässt einem am Ende fassunglos zurück.

Die Penzberger Mordnacht ereignet sich vom 28. auf den 29. April 1945 - zwei Tage vor Hitlers Selbstmord und wurde großteils von der Organisation Werwolf durchgeführt. Diese Untergrundbewegung hat nach der Niederlage Nazi-Deutschlands Sabotage-Akte, Anschläge und Attentate begangen. In Penzberg wütete die Einheit "Werwolf Oberbayern" aber ganz besonders schlimm..

Kirsten Boie erzählt im Präsens aus der Sicht von Marie, Schorsch und Gustl, aber auch durch die Augen andere Bürger des Ortes. Nur kurz musste ich mich an den Schreibstil gewöhnen, doch danach wurde ich richtig in die Geschichte gezogen. Trotz der Nüchternheit, die die Autorin als Ausdruck gewählt hat, erlebt man diese furchtbaren Taten hautnah mit. Man fühlt sich als Beobachter, der sich mitten im Geschehen befindet und sprachlos dem Morden zusieht. Die eher sachliche Erzählung nimmt einem trotzdem richtig mit, den Kirsten Boie hat darin so viele Gefühle gepackt, dass mir ein zu emotionaler Schreibstil zu viel gewesen wäre. Ich fand es bereits in dieser gewählten Schriftform grausam genug. Kirsten Boie versetzt den Leser vielmehr in eine brutale Realität, die damals stattgefunden hat und von der kaum jemand etwas weiß. Im Nachwort geht die Autorin auf die Folgen dieser Mordnacht ein und hat mich erschütternd und wütend zurückgelassen.

Die Novelle ist in zwei Abschnitte geteilt. Im ersten Teil sind wir tagsüber in Penzberg, im zweiten Abschnitt befinden wir uns in der berüchtigten Mordnacht. Die Kapitel sind sehr kurz und wechseln zwischen verschiedenen Perspektiven. Durch die Personenangabe und den Zeitpunkt darüber, kommt es zu keinen Verwirrungen. Es finden viele Dialoge statt, die der Geschichte noch mehr Authentizität gibt.

Keine leichte Kost! Ich würde die Altersangabe von ab 15 Jahren auf jeden Fall einhalten. Es ist ein anspruchsvolles Jugendbuch, das auch für Erwachsene gut lesbar und ein Playdoyer

gegendasvergessen ist. Ein dünnes Buch mit sehr viel Intensität, das einem fassunglos zurücklässt. Schockierend und lehrreich! Ich würde "Dunkelnacht" als Schullektüre für die Oberstufe sehr empfehlen!

Fazit:
Geballtes Grauen auf wenig Seiten! Eine wahre Begebenheit, die in der Endphase des Zweiten Weltkrieges in einer kleinen bayrschen Stadt passiert ist. Ein Jugendbuch, das ich in der Oberstufe als Schullektüre empfehlen würde. Großartig erzählt und sehr intensiv! Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 25.03.2021

Ein erschütternder Splitter deutscher Weltkriegsgeschichte - Jugendroman nach einer wahren Begebenheit

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"Dunkelnacht" von Kirsten Boie ist als Hardcover mit 112 Seiten im Februar 2021 beim Friedrich Oetinger Verlag erschienen.

Das Buch ist sehr hochwertig hergestellt, das Cover lässt die Thematik des Inhaltes ...

"Dunkelnacht" von Kirsten Boie ist als Hardcover mit 112 Seiten im Februar 2021 beim Friedrich Oetinger Verlag erschienen.

Das Buch ist sehr hochwertig hergestellt, das Cover lässt die Thematik des Inhaltes bereits deutlich erkennen und die Seiten innen sind düster gehalten. Am Ende gibt es noch ein sehr informatives Nachwort und ein Glossar zur Erklärung der wichtigsten Begriffe.

Erzählt werden die Geschehnisse im bayrischen Penzberg am 28.April 1945, unmittelbar vor Kriegsende. Aus der Sicht von Schorsch, Marie und Gustl, drei Jugendliche, bei denen es sich um fiktive Charaktere handelt, schildert Kirsten Boie die Ereignisse in der sog. "Penzberger Mordnacht", die leider tatsächlich stattgefunden hat.

Nachdem die Bürger sich über das eintretende Kriegsende, das im Radio verkündet worden war, freuten und sich die Penzberger den anrückenden US-Truppen friedlich ergeben wollten, drang die Nazi-Organisation der Werwölfe im allerletzten Moment am Mordtag in das Penzberger Rathaus ein und richtete die dort versammelten Männer wegen Landesverrats durch Erschießen hin. In der folgenden Mordnacht zogen die Werwölfe dann noch wie in einem Rausch durch das Dorf und hängten weitere Menschen, die sie als Widerständler einstuften, auf. Jeden an einen eigenen Baum. Darunter auch eine schwangere Frau.

Mittendrin die beginnende Liebe zwischen Schorsch und Marie, die sich auch ein wenig zu Gustl hingezogen fühlt. Schorsch und Marie erleben das Schlimme hautnah mit, was sie einerseits aneinanderschweißt - andererseits können sie sich aber gegenseitig nicht vertrauen, denn ihre Väter beefinden sich politisch gesehen in unterschiiedlichen Lagern...

Den Schreibstil hält die Autorin kurz und knapp, was auf den ersten Blick vielleicht etwas empathielos wirkt, in Wahrheit dadurch aber umso mehr unter die Haut geht. Das Geschehen wird dem Leser schonungslos an den Kopf geknallt und da muss er ganz schön einstecken...

Durch die Kombination der wahren Begebenheiten mit teils fiktiven Charakteren hat Kirsten Boie die Bandbreite der Menschlichkeit bis hin zur unvorstellbaren Unmenschlichkeit wunderbar dargestellt und lässt den Leser absolut fassungslos zurück.

Ausserdem schildert sie hier wirklich menschliche Abgründe, und hinter all diesem Schlimmen die zarte Pflanze erwachender Gefühle - trotz aller Grausamkeiten wird es die Liebe immer geben.

Dieses sinnlose Ereignis war wohl ein schreckliches Beispiel für ein letztes Aufbäumen der Nazi-Macht und Willkür!

Begreifen kann man das, was damals passiert ist, alles nicht, aber man kann hoffentlich ein erneutes Aufflammen verhindern in der heutigen Zeit. Es gibt generell nun mal unterschiedliche Meinungen, und auch wenn man die Meinung seines Gegenüber nicht teilt, sollte man sie zumindest respektieren und nicht so einfach aburteilen.

Eine sehr sehr lesenswerte Lektüre, die aufwühlt und noch lange nachhallt...

Meiner Meinung nach ein MUSS für Jugendliche und Schulen!!


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Veröffentlicht am 24.03.2021

Bewegende, schockierende und wichtige Lektüre

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Die Novelle von Kirsten Boie versetzt uns zurück an den Tag und in die darauffolgende Nacht des 28. Aprils 1945. Dabei bekommen wir einen kurzen Einblick in das Leben der drei Jugendlichen Marie, Schorsch ...

Die Novelle von Kirsten Boie versetzt uns zurück an den Tag und in die darauffolgende Nacht des 28. Aprils 1945. Dabei bekommen wir einen kurzen Einblick in das Leben der drei Jugendlichen Marie, Schorsch und Gustl aus Penzberg und erleben hautnah, was die drei an diesem Tag - kurz vor dem Selbstmord Hitlers und dem Ende des 2. Weltkriegs - und in dieser dunklen Nacht erleben. Was hier von Kirsten Boie zwar erfunden wurde, findet seinen historischen Ursprung in den sogenannten Endphasenverbrechen, die sich am 28. April 1945 tatsächlich in Penzberg ereignet haben und bei denen viele unschudlige Menschen ihr Leben verloren. 

Die Novelle ist in zwei Abschnitte unterteilt, die Tag und Nacht voneinander trennen. Der restliche Text ist dann wiederum in viele kurze Abschnitte unterteilt, bei denen wir zwischen den Perspektiven der Figuren wechseln. Als Leser bekommen wir hier nicht nur den Blick durch die Kindesaugen von Marie, Schorsch und Gustl, wir blicken auch durch die Augen derjenigen, die aus Angst falsche Entscheidungen treffen, derjenigen, die nach Macht gieren und diese demonstrieren, derjenigen, deren letzte Chance die Flucht ist und derjenigen, die schon verloren haben. 

Der Schreibstil fällt besonders durch seine kurzen, prägnanten Sätze auf, die zwar fast wie ein Ereignisbericht anmuten, jedoch inhaltlich keinesfalls einem Ereignisbericht gleich kommen. Zwischen diesen kurzen Sätzen hat Kirsten Boie dermaßen viele Gefühle gepackt, sodass ich mit Beenden des Buches nicht mehr wusste, wo mir der Kopf stand. Dieses Buch zu lesen war für mich einerseits schockierend, andererseits wahnsinnig lehrreich. Leider fällt es so unglaublich schwer gar den Inhalt des Buches in Worte zu fassen. Es ist einfach ein Werk, das gelesen werden muss und dabei ist es egal, ob man sich für die deutsche Geschichte interessiert. Diese Novelle hat mich jedenfalls sehr berührt und ich hoffe dass sie in den nächsten Jahren noch viele, viele weitere genauso berühren wird.

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