Eine Liebe in den tiefen des Ozeans
Je tiefer ich in MondSilberTraum eingetaucht bin, desto klarer wurde mir: Diese Geschichte hat inzwischen ein anderes Gewicht bekommen. Während der erste Band die erste große Liebe gefeiert hat und der ...
Je tiefer ich in MondSilberTraum eingetaucht bin, desto klarer wurde mir: Diese Geschichte hat inzwischen ein anderes Gewicht bekommen. Während der erste Band die erste große Liebe gefeiert hat und der zweite den Kampf um sie eingeläutet hat, fühlt sich dieser dritte Teil wie ein Prüfstein an, für Emma, für Calum, für alles, woran sie glauben.
Von der ersten Seite an spürt man die dunkle Bedrohung, die über allem liegt. Es geht nicht mehr nur um zwei Menschen, die sich lieben. Es geht um Entscheidungen, die Leben kosten und retten können. Emma trägt nun eine Verantwortung, die sie nie gewollt hat. Und sie wächst daran. Auf eine ruhige, ernste, bewundernswerte Weise. In ihren Zweifeln, in ihrer Entschlossenheit, in ihrer Fähigkeit, auch dann weiterzugehen, wenn der Schmerz kaum auszuhalten ist.
Was mir an diesem Band besonders naheging, war die Traurigkeit, die in vielen Momenten mitschwang. Man spürt, wie nah Sieg und Verlust beieinander liegen. Wie viel Liebe in dieser Welt möglich ist und wie zerbrechlich sie trotzdem bleibt. Marah Woolf schafft es, diese bittersüßen Gefühle ganz sanft, aber eindringlich zu erzählen. Ich habe während des Lesens mehrfach innegehalten, nicht, weil es zu viel wurde, sondern weil ich einfach mitfühlen musste.
Die Welt der Elfen, Shellycoats und Undinen bekommt in diesem Teil eine neue Tiefe. Es wird nicht nur magischer, sondern auch politischer, komplexer, düsterer. Und das hat mir sehr gefallen. Besonders die Elfen und ihre Rituale, ihre Güte und ihre stille Kraft haben mich beeindruckt. Es war schön zu sehen, wie Emma dort nicht nur kämpft ,sondern auch Gemeinschaft erfährt. Und wie aus Freundschaften fast unmerklich eine Art Wahlfamilie wird.
Calum bleibt für mich (wie auch schon zuvor) ein ambivalenter Charakter. Mal stark und beschützend, mal distanziert und schwer fassbar. Und auch wenn ich mir mehr gemeinsame Szenen mit Emma gewünscht hätte, hat es für mich Sinn ergeben, dass sie diesmal ihren eigenen Weg gehen muss. Sie trägt das Schwert. Sie trifft die Entscheidung. Sie geht dorthin, wo andere wegschauen. Das ist keine typische Liebesgeschichte. Und das macht sie für mich umso berührender.
Natürlich gab es auch schöne, warme Momente, vor allem mit den Nebenfiguren, die hier noch mehr Tiefe bekommen. Miro, Amia, Raven, Sophie, Dr. Erickson, sie alle haben für mich diese Geschichte getragen. Es gab Szenen, in denen ich einfach nur lächeln musste, weil die Figuren trotz allem nicht aufhören, füreinander da zu sein. Gerade das macht MondSilberTraum so besonders: Es ist keine heile Welt. Aber es ist eine, in der Liebe, Freundschaft und Mut immer wieder siegen dürfen.