Cover-Bild Sobald wir angekommen sind
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25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 288
  • Ersterscheinung: 24.07.2024
  • ISBN: 9783257073157
Micha Lewinsky

Sobald wir angekommen sind

Ben Oppenheim balanciert zwischen Ex-Frau, zwei Kindern und seiner Liebe zu Julia. Er hat Rückenschmerzen und Geldsorgen, aber was ihn wirklich ängstigt, ist der Krieg in Osteuropa. Getrieben vom jüdischen Fluchtinstinkt steigt er eines Morgens kurzerhand in ein Flugzeug nach Brasilien. Mitsamt Ex-Frau und Kindern, aber ohne Julia. Im Krisenmodus läuft Ben zur Hochform auf. Nur der Atomkrieg lässt auf sich warten. Ben dämmert, dass er sich ändern muss, wenn sich etwas ändern soll.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.09.2024

Auf der Flucht

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Ben Oppenheim hat insbesondere vor einer Sache Angst: Einem Atomkrieg, der Europa vernichten wird. Er ist überzeugt davon, dass er als Jude einen angeborenen Fluchtinstinkt besitzt, auch wenn er ansonsten ...

Ben Oppenheim hat insbesondere vor einer Sache Angst: Einem Atomkrieg, der Europa vernichten wird. Er ist überzeugt davon, dass er als Jude einen angeborenen Fluchtinstinkt besitzt, auch wenn er ansonsten keinen großen Bezug zu seiner Religion hat. Seine Ex Marina tickt da ähnlich. Die beiden haben nicht mehr viel gemein, doch in einem sind sie sich einig: Wenn es losgeht, dann werden sie mit ihren beiden Kindern sofort nach Brasilien fliehen. Dorthin verschlug es einst auch Stefan Zweig, Bens großes Vorbild, zu dessen Leben er ein Drehbuch geschrieben hat, das er bislang aber nicht verkaufen konnte. Als in Russland ein Waffenlager explodiert, steht Marina mit Flugtickets für die Familie vor seiner Tür. Der Rest der Menschheit scheint jedoch noch nicht zu glauben, dass ein Weltkrieg bevorsteht…

Zu Beginn des Romans lernte ich Ben Oppenheim als mittelmäßig erfolgreichen Drehbuchautor kennen. Sein großer Erfolg liegt schon einige Jahre zurück und sein aktuelles Projekt, einen Film über das Leben von Stefan Zweig, möchte niemand realisieren. Während der Woche pendelt er zwischen der Familienwohnung, in der er und Marina die Kinder im Nestprinzip betreuen, seinem Atelier und der Wohnung seiner neuen Freundin Julia hin und her. Abgesehen von seinem Drehbuchprojekt, an dem er starrsinnig festhält, machte er auf mich den Eindruck, als scheine er nicht richtig zu wissen, was er eigentlich will. Dazu passt auch sein Entschluss, mit Marina und den Kindern nach Brasilien zu fliegen, als sie mit Flugtickets vor seiner Tür steht. Julia lässt er zurück, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen.

Der Autor erzählt Bens Flucht, die zu seiner Unzufriedenheit schnell touristische Züge annimmt, überspitzt und mit einer großen Portion Sarkasmus und Humor. Der Protagonist ist von Beginn an kein Sympathieträger und ich erlebte mit, wie er es sich im Laufe der Geschichte quasi mit seinem gesamten Umfeld verscherzt, da er es einfach nicht schafft, eine Entscheidung zu treffen und zu dieser zu stehen. Die Reaktionen seiner Ex Marina und seiner Freundin Julia konnte ich daher gut nachvollziehen. Schließlich muss er zu seiner großen Enttäuschung auch noch feststellen, dass es ihm nicht gelingt, mit seinem Schicksal Parallelen zu dem von Stefan Zweig herzustellen.

Insgesamt ist „Sobald wir angekommen sind“ ein kurzweiliger und humorvoller Roman, welcher das Thema Fluchtinstinkt auf skurrile Weise behandelt und seinen wankelmütigen Protagonisten auf eine abenteuerliche Reise mitnimmt.

Veröffentlicht am 23.09.2024

Wann ist man angekommen?

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Ben Oppenheim lebt in seiner eigenen Bubble. Der Roman erzählt aus der Sichtweise von Ben von seinen privaten und beruflichen Problemen, Geldsorgen und der Angst vor Krieg. Dies führt so weit, dass er ...

Ben Oppenheim lebt in seiner eigenen Bubble. Der Roman erzählt aus der Sichtweise von Ben von seinen privaten und beruflichen Problemen, Geldsorgen und der Angst vor Krieg. Dies führt so weit, dass er sich mit seiner Ex-Frau und den Kindern in einer Nacht und Nebel Aktion nach Brasilien begibt und dort neustarten möchte. Der befürchtete Krieg tritt doch nicht ein und die erste Zeit in Brasilien gestaltet sich anders als erwartet, zuerst fühlt es sich wie Urlaub an, aber bald schon spürt man den Drang nach Veränderung. Ben macht eine enorme Entwicklung durch. Einerseits hat er viel Zeit zum Nachdenken und lässt die Leser*innen auch an seinen Gedanken teilhaben, mal pessimistisch, mal zukunftsorientiert, dann wieder utopisch oder planlos, aber immer mit einer gewissen Brise an Humor und Selbstironie. Die Familiendynamik beginnt sich zu verändern, nachdem sie wieder gemeinsam Zeit und Raum teilen und die Affäre auch weit weg und gar nicht mehr so interessant erscheint. Auch wenn gewisse Aktionen von Ben übereilt oder für Außenstehende übertrieben erscheinen, so sind sie dennoch mit seiner Vorgeschichte nachvollziehbar.
Die Frage, die sich aus dem Titel ableitet, wann ist man angekommen - bleibt zur Interpretation offen. Auch das gefällt mir sehr gut.

Veröffentlicht am 18.09.2024

Zwischen Flucht, Furcht und der Inneren Zerrissenheit

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Bei Ben Oppenheim dreht sich alles um seine jüdischen Wurzeln und was er glaubt, wie er sich deshalb zu verhalten hat. Außerdem pendelt sein Herz zwischen seiner Ex-Frau Marina, seinen beiden Kindern und ...

Bei Ben Oppenheim dreht sich alles um seine jüdischen Wurzeln und was er glaubt, wie er sich deshalb zu verhalten hat. Außerdem pendelt sein Herz zwischen seiner Ex-Frau Marina, seinen beiden Kindern und seiner neuen Freundin Julia.

Ben ist das reinste Nervenbündel und fürchtet sich vor so ziemlich allem - aktuell am meisten vor dem Ukrainekrieg, der seiner Meinung nach in Kürze in einem Atomkrieg und den Dritten Weltkrieg münden wird. Seine letzte Rettung ist die Flucht nach Brasilien und das zieht er Hals über Kopf durch.

🐆🌴☀️

Ich glaube, der Begriff „Anti-Held“ wurde für die Figur Ben Oppenheim erfunden, denn er verkörpert wirklich alles, was ich nicht sein möchte und was ich an anderen Menschen äußerst störend finde. Und für ihn ist sein Penis viel zu bedeutungsvoll.

Der Autor Micha Lewinsky nimmt uns in seinem Roman mit in den paranoiden, beeinflussbaren und ziemlich rückgratlosen Geist von Ben. Obwohl der Charakter an sich wirklich unsympathisch ist, gelingt es dem Autor, ihn auf äußerst ironische Weise als Negativbeispiel zu präsentieren. Am besten gefallen haben mir all die Stellen, an welchen Ben nicht den Mumm hatte, für das Richtige einzustehen und seine Meinung zu sagen. Das zeigt uns so wunderbar, wie wichtig es ist, dass wir genau das nicht tun und stattdessen den Mund aufmachen.

Es ist spannend, dass ich den Roman so gerne und schnell durchgelesen habe, obwohl Ben so ein aalglatter und charakterloser Typ ist. Ich denke, es liegt an seinen Mitmenschen, die das Gegenteil von ihm verkörpern. Denn seine Freundin, seine Ex-Frau und vor allem seine beiden Kinder sind tolle Charaktere, die meist kein Blatt vor den Mund nehmen.

Insgesamt war die Lesezeit für mich auf außergewöhnliche Weise unterhaltsam, lustig und lehrreich. Es wurden viele wichtige Themen angerissen, auch wenn in diesem Roman kein Raum war, um diese besonders zu vertiefen. Manchmal hat mich Ben zu sehr geärgert, auch wenn ich sicher bin, dass genau das beabsichtigt war.

Veröffentlicht am 28.08.2024

Masel tov, Ben Oppenheimer

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Der Schweizer Drehbuchautor und Regisseur Micha Lewinsky veröffentlicht zwei Jahre nach seinem Kinderbucherfolg bei Diogenes Zürich seinen ersten Roman mit dem Titel >>Sobald wir angekommen sindman kriegt ...

Der Schweizer Drehbuchautor und Regisseur Micha Lewinsky veröffentlicht zwei Jahre nach seinem Kinderbucherfolg bei Diogenes Zürich seinen ersten Roman mit dem Titel >>Sobald wir angekommen sind<<.

Wir lernen den seit Jahren mittlerweile ziemlich erfolglosen Schriftsteller Benjamin Oppenheimer in seiner unglücklichen Familiensituation kennen, getrennt von seiner Frau Marina, doch ohne die Wohnung richtig verlassen zu haben, auch wegen ihrer gemeinsamen Kinder Rosa und Moritz :
Rosa, die in der Schule als Jüdin beschimpft wird und tief in der Pubertät steckt,
Moritz, der in Nächten schreiend von Monstern verfolgt wird.

Ben indes wird geplagt von der ewig jüdischen Angst, die sich über seiner Familie nach der Shoa wie ein unsichtbarer Schleier gelegt hat, die Angst vor Krieg, Verfolgung und Vertreibung, symbolisch eingepackt in einen Rucksack.
Diesen abzuwerfen oder zu verlieren, würde eine große Befreiung beinhalten, wäre aber aus der Sicht von Ben auch eine unfassbare Geschichtslosigkeit, ein schier auswegloses Dilemma.

Eine unvermutete Leichtigkeit stellt sich nur dann ein, wenn er bei seiner Freundin Julia Unterschlupf findet, obschon auch diese Beziehung zwar sexuelle Befriedigung, aber auch das konkurrierende Unverständnis des kleinen Sohnes Prince mit sich bringt.

Keine praktische Lebenshilfe jedenfalls ist sein bester Freund Joachim, welcher depressiv und von Panikattacken begleitet im Krankenhaus liegt, zu viel schon hat dieser als Auslandskorrespondent des Schweizer Fernsehens von der Welt gesehen, >>man kriegt den Körper zwar aus dem Krieg, aber den Krieg kriegt man nicht so schnell wieder aus dem Körper<<.

Um endlich finanziell wieder auf die Beine zu kommen, arbeitet Ben an einem Drehbuch über sein Vorbild Stefan Zweig, doch die Begegnung mit einer potentiellen Produzentin wird abermals ein Fiasko.

Ben, der zwar nicht streng jüdisch lebt, aber dem Antisemitismus selbst durchaus widerfahren ist, verzweifelt über der Frage : fliehen oder kämpfen?
Zumindest in der Vergangenheit hatten doch diejenigen, welche rasch flohen, immer die besseren Karten gehabt.

Und plötzlich wird die Angst vor einem atomaren dritten Weltkrieg real, in zumindest in der Vorstellungskraft von Marina Oppenheimer.

Und so findet sich Ben mit seiner brüchigen Familie fast folgerichtig in einem Flieger nach Brasilien wieder, um sich erneut mit der Frage auseinandersetzen zu müssen, was er wirklich noch vorhat in diesem Leben und mit wem er es künftig tatsächlich verbringen möchte.

Seine Leidenschaft für Stefan Zweig jedenfalls, der 1936 keine Stellung gegen den Nationalsozialismus bezog, wird ihm bei der Lösung >> kämpfen oder fliehen<< eher keinen Ausweg aufzeigen.

All dies versieht Micha Lewinsky zugleich mit mit einigen Seitenhieben auf Zürich und die Schweiz selbst in einem flüssigen und gut lesbaren Roman, der die Schwierigkeit der Thematik scheinbar mühelos durch die Sprachwahl meistert.

Dabei lernen wir auch unerträgliche deutsche Zeitgenossen in Brasilien kennen, einem Land, wir ahnen es, dass nur in der Vorstellungskraft des verunsicherten Ben einen Ausweg bietet.

Und die Sympathie, die der Autor in den 27 Kapiteln des Romans gegenüber seinem Protagonisten entgegenbringt, überträgt sich bei aller Skurrilität des Benjamin Oppenheimer, der über Empathie und Egoismus zu gleichen Teilen verfügt, auf den Leser und führt uns auf einem hohen Niveau durch die abenteuerliche Handlung.

Und wer weiss - vielleicht ist der Roman auch der Grundstock eines weiteren Films von Micha Lewinsky, für die weibliche Hauptrolle jedenfalls sollte sich die Ehefrau des Autors, die deutsch-brasilianisch-schweizerische (!) Schauspielerin Oriana Schrage, schon einmal bei einem geeigneten Drehbuchautor bewerben.

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Veröffentlicht am 15.08.2024

Humorvolle Reise

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So gut, wie mir dieses Buch gefällt, so wenig gefällt mir das Cover. Aber wie wichtig ist das Cover, wenn das Buch gut ist?
Natürlich wäre ein Hingucker im Bücherregal wünschenswert, aber leider ist es ...

So gut, wie mir dieses Buch gefällt, so wenig gefällt mir das Cover. Aber wie wichtig ist das Cover, wenn das Buch gut ist?
Natürlich wäre ein Hingucker im Bücherregal wünschenswert, aber leider ist es dieses nicht, und auch die Größe des Buches hat mich ein wenig enttäuscht. Aber die Geschichte darin fand ich sehr interessant. Es geht um Ben. Er ist nicht unbedingt ein toller Mensch, er ist eher unsympathisch und glänzt nicht durch Heldenmut. Ganz im Gegenteil, er flüchtet vor seiner Welt, denn er hat Angst vor dem nächsten Atomkrieg, vor dem dritten Weltkrieg. Er lebt in einer unglücklichen Ehe und hat eine Geliebte. Ihn plagen Geld sorgen, Rückenschmerzen, und die Angst sitzt ihm im Nacken, weshalb er seine sieben Sachen packt, seine Familie an die Hand nimmt und nach Brasilien flieht.
Das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen und ich habe es in kürzester Zeit durchgelesen. Der Schreibstil ist locker, leicht und direkt, was mir sehr gut gefällt. Die Geschichte war an manchen Stellen ein wenig langatmig, so dass ich ab und zu den Faden verloren habe, aber ihn schnell wieder finden konnte. Alles in allem eine interessante Geschichte über eine Flucht in ein fremdes Land.
Was die Familie in Brasilien erwartet, ist hier sehr interessant rübergekommen und wurde Detailliert in Szene gesetzt, so dass ich durchweg sehr gut unterhalten war.
Ein interessantes Buch, welches ich definitiv empfehlen kann. Ein Buch mit einer Geschichte, die perfekt in die heutige Zeit passt und zum nachdenken anregen kann. Aktuell und knallhart, allerdings nicht ohne den ein oder anderen Lacher, den ich nicht unterdrücken konnte, denn Ben ist herrlich naiv und tollpatschig.

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