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22,00
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  • Verlag: Hanser, Carl
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 432
  • Ersterscheinung: 15.02.2021
  • ISBN: 9783446269217
Mithu M. Sanyal

Identitti

Roman
„Was für eine gnadenlos witzige Identitätssuche, die nichts und niemanden schont. Man ist nach der Lektüre nicht bloß schlauer – sondern auch garantiert besser gelaunt.“ (Alina Bronsky)

Was für ein Skandal: Prof. Dr. Saraswati ist WEISS! Schlimmer geht es nicht. Denn die Professorin für Postcolonial Studies in Düsseldorf war eben noch die Übergöttin aller Debatten über Identität – und beschrieb sich als Person of Colour. Als würden Sally Rooney, Beyoncé und Frantz Fanon zusammen Sex Education gucken, beginnt damit eine Jagd nach „echter“ Zugehörigkeit. Während das Netz Saraswati hetzt und Demos ihre Entlassung fordern, stellt ihre Studentin Nivedita ihr intimste Fragen. Mithu Sanyal schreibt mit beglückender Selbstironie und befreiendem Wissen. Den Schleudergang dieses Romans verlässt niemand, wie er*sie ihn betrat.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2021

Tiefgründig, humorvoll und manchmal hochgradig frustrierend

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Nachdem ich das Buch fertig gelesen und zugeklappt habe, fragte mein Mann mich: "Und?" Eine normale Frage, immerhin interessiert er sich für Bücher und was ich lese. Nur fehlten mir die Worte - und das ...

Nachdem ich das Buch fertig gelesen und zugeklappt habe, fragte mein Mann mich: "Und?" Eine normale Frage, immerhin interessiert er sich für Bücher und was ich lese. Nur fehlten mir die Worte - und das Gefühl habe ich jetzt auch immer noch ein wenig. Gerne würde ich jetzt wie Nivedita Kali um Rat fragen.

Nivedita, also mehr oder weniger der Hauptcharakter, ist größtenteils recht blass und auch wenn sie Fragen stellt, beharrt sie selten auf eine Antwort. Und doch... Auch wenn wir sehr wenig gemeinsam haben, konnte ich mich ein wenig in ihrer Ohnmacht und Unsicherheit.

Saraswati war für mich manchmal einfach unbegreiflich und frustrierend. Und doch irgendwie total faszinierend.

Die anderen Charaktere sind nettes Beiwerk, ein bisschen beliebig, aber absolut passend und machen die Sache lebendig. Außer Raji natürlich, der eine wichtige Rolle spielt, aber ich will nicht spoilern.

Ich hatte ein bisschen befürchtet, dass mir das Thema zu trocken ist oder zu viel mit dem Finger auf irgendetwas gezeigt wird. Aber es ist wirklich humorvoll, gut zu lesen (Englischkenntnisse sind klar von Vorteil) und schwebt nicht mahnend über dem Thema. Im Gegenteil, manchmal hat man das Gefühl, in der Meinungsbildung alleingelassen zu werden um danach festzustellen, dass (fast) jede Antwort ihre Berechtigung hat.

Das Buch hat zum Nachdenken angeregt, war manchmal schräg, manchmal nervenaufreibend und ich habe nahezu jede Sekunde genossen.

Mermaids of the World unite. Und Mithu? I love you, too.

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Veröffentlicht am 03.04.2021

Eine Frage der Identität?

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Schon immer weiß Nivedita nicht so richtig, wo sie hingehört. Als Tochter einer Polin und eines Inders lebt sie in Düsseldorf und studiert Postcolonial Studies bei der berühmten (und berüchtigten) Professorin ...

Schon immer weiß Nivedita nicht so richtig, wo sie hingehört. Als Tochter einer Polin und eines Inders lebt sie in Düsseldorf und studiert Postcolonial Studies bei der berühmten (und berüchtigten) Professorin Saraswati. In ihr hat Nivedita ein Vorbild gefunden, an dem sie sich orientieren kann und das ihr eine Identität gibt. Doch dann der Skandal: Saraswati hat mit Indien gar nichts zu tun. Sie ist auch keine PoC (=Person of Colour), sondern weiß. Nivedita ist am Boden zerstört. Warum hat Saraswati sie angelogen? Und was bedeutet das nun für Saraswatis Lehren und Niveditas eigene Identität? Wütend macht sie sich zu Saraswatis Wohnung auf, um sie zur Rede zu stellen.

„Identitti“ ist ein außergewöhnliches Buch – das zeigt eigentlich schon ein Blick auf das Cover. Das stellt übrigens die Göttin Kali dar und schlägt damit einen Bogen zum Inhalt. Immer, wenn Nivedita nicht weiter weiß, begibt sie sich in einen Dialog mit ihr. Auch auf ihrem Blog, den sie als „Identitti“ betreibt, finden diese Gespräche ihren Platz. Der Sprachstil des Romans ist dabei durchaus anspruchsvoll; die Autorin geizt nicht mit Fremdwörtern und Fachbegriffen aus dem Bereich der Rassimus- und Identitätsforschung. Trotz allem kommt dabei aber auch der Humor nicht zu kurz.

Zentrales Thema des Buches ist sicherlich die Frage nach der eigenen Identität. Die Person, die diese Diskussion auslöst, ist dabei nicht einfach zu greifen. Saraswati ist selbstgefällig und arrogant, unerträglich klug und wortgewandt. In ihren Wortgefechten mit Nivedita fragt man sich unweigerlich: „Aber hat sie nicht vielleicht recht?“ Es werden die unterschiedlichsten Fragen aufgeworfen, so zum Beispiel, wann man sich eigentlich einer gewissen Identität zugehörig fühlen darf. Nur als Geburtsrecht? Ändert die Staatsangehörigkeit etwas? Und wieso ist es in Ordnung, sich einen anderen biologischen Geschlecht zugehörig zu fühlen, nicht aber einer anderen Kultur?

Auf all diese Fragen gibt der Roman keine Antworten, sondern lässt durch seine Charaktere und eine fiktive Diskussion in den (sozialen) Medien ein Nebeneinander von Meinungen entstehen. Dabei arbeitete die Autorin übrigens mit realen InfluencerInnen und JournalistInnen zusammen und bat sie, zu diesem fiktiven Diskurs einen Tweet oder Artikel zu verfassen, was der Handlung noch einmal Nachdruck verleiht. Die Antworten auf all die Fragen muss man als LeserIn schließlich selbst finden oder vielleicht gibt es hier auch gar kein „richtig“ oder „falsch“? Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 02.04.2021

Was ist "race", und was kommt danach?

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Ich habe „Identitti“ gelesen und Mithu Sanyal nahm mich mit in die WG von Nivedita. Sie studiert Postcolonial Studies, führt eine einigermaßen toxische Beziehung mit ihren On-und-Off-Freund Simon und verbringt ...

Ich habe „Identitti“ gelesen und Mithu Sanyal nahm mich mit in die WG von Nivedita. Sie studiert Postcolonial Studies, führt eine einigermaßen toxische Beziehung mit ihren On-und-Off-Freund Simon und verbringt ihre Freizeit mit ihrer Cousine Priti. Und dann ist da natürlich Saraswati, Niveditas Professorin, Mentorin und Rollenvorbild. In ihren Seminaren fühlt sich Nivedita zu Hause und findet Antworten. Denn sie ist halb deutsch, halb indisch und irgendwie auch ein bisschen polnisch, eine Mischung aus ihrem Vater Jagdish und ihrer Mutter Birgit. Auf der Suche nach ihrer Identität saugt sie Saraswatis Gedanken auf und bloggt als „Identitti“ gemeinsam mit der indischen Göttin Kali, die sie hin und wieder auf ein Zwiegespräch besucht.

Ich fühlte mich in diesem leicht satirischen akademisch-intellektuellen Setting gerade heimisch, als ein Skandal Niveditas Welt erschüttert: Saraswati ist gar keine POC?! Sondern eine Deutsche?! Brisante Fotos und Informationen kommen an die Öffentlichkeit und Nivedita steht plötzlich zwischen den Fronten. Ist „race“ ein Konstrukt, dass wir frei wählen können, oder eine Identität, mit der wir geboren werden?

Neun Monate lang begleitete ich Nivedita und Saraswati nach dem Skandal, von Hoch- zu Tief- und wieder zu Hochpunkten, von Talkshows zu Demonstrationen, von Niveditas WG in Saraswatis Altbauwohnung. In endlosen Gesprächen offenbarten mir die beiden ihr Inneres und ließen mich aus ihren Erfahrungen lernen. Ich lernte, Begriffe zu unterscheiden, die ich zuvor nicht gekannt hatte und Diskussionen zu führen, die ich bislang nur von außen beobachtet hatte. Und immer wieder konnte ich auch herzlich über diese verrückte Blase lachen, in der Freunde über Begriffen zu Feinden werden und die Mithu Sanyal mit Schärfe und Humor lebendig beschreibt.

Ich habe viel gelernt und kehre mit geschärftem Blick von meiner Reise zurück. Diese Geschichte ist wichtig und unterhaltsam und ich werde sie weitertragen.
Eine absolute Leseempfehlung für alle, die auf dem aktuellen Stand der Debatte bleiben wollen.

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Veröffentlicht am 04.04.2021

Provokant, direkt, ehrlich und sehr wichtig.

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Mithu M. Sanyal liefert einen Roman, der in dieser Weise noch nie dagewesen ist. Sie lässt sich inspirieren von aktuellen Themen und spricht direkt und offen die Probleme der Gegenwart an. Rassismus, Identität, ...

Mithu M. Sanyal liefert einen Roman, der in dieser Weise noch nie dagewesen ist. Sie lässt sich inspirieren von aktuellen Themen und spricht direkt und offen die Probleme der Gegenwart an. Rassismus, Identität, Zugehörigkeit, Kultur, gender, race und vieles mehr sind in diesem Buch thematisiert worden. Ach ja - und Sex. Überall und ständig kommen Einschübe, die sich mit Gedanken über Sex beschäftigen. Ob die Frage nach dem Sex mit einer gewissen Person, der ersten sexuellen Erfahrung oder der Ermächtigung von Vibratoren. Puh. Das war mir doch eine Spur zu viel des Guten. Und ich habe nicht mal die merkwürdigsten Momente dazu aufgezählt. Inwieweit das alles nun mit den oben genannten Themen zu tun hatte, wurde mir selbst nicht ganz klar.

Aber nachdem ich die ersten 200 Seiten (sie lesen sich wirklich gut, nur sind sie für meine prüden Verhältnisse etwas offen gewesen) geschafft hatte, war ich eher zwiegespalten. Doch dann ging es erst richtig für mich los. ENDLICH beschäftigte sich das Buch mit den Themen, die mich daran reizten. Identität! Wer bin ich? Was macht mich aus? Und warum darf Saraswati als Weiße sein, wer sie will ODER eben nicht sein, wer sie sein will. Antworten auf all die aufgeworfenen Fragen werden so langsam geliefert, auch wenn nicht alles offenbart wird. Identität ist nun mal kein einfaches Thema.

Letztlich stehe ich dennoch eher zwiegespalten zu dem Buch. Es ist anders, aktuell, aufregend und provokant. Ja, aber irgendwie auch verwirrend, merkwürdig und unklar. Ich habe viele offene Fragen, die mir nicht klar geworden sind. Aber eins hat es definitiv geschafft und zwar, dass ich nachdenken musste (und es immer noch tue).

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